Sportbedingte Überlastungen der Wirbelsäule
Die Häufigkeit von Wirbelsäulenbeschwerden ist in der Allgemein-bevölkerung laut J. Hartvigsen et al. weltweit mit einer Punkt-prävalenz von ca. 7,3% hoch.1 Aber auch im Sport sind viele von Überlastungen betroffen. In dieser Arbeit soll eine Übersicht über die häufigsten Beschwerden im Bereich der Wirbelsäule auf unter-schiedlichem Sportniveau gegeben werden, einzelne Krankheitsbilder sollen herausgearbeitet und Empfehlungen hinsichtlich des therapeutischen Managements ausgesprochen werden.
Keypoints
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Je nach Sportart, Belastungsintensität und Alter sind Sporttreibende mehr oder weniger häufig betroffen als die Allgemeinbevölkerung.
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Eine genaue klinische Untersuchung in Kombination mit passender Bildgebung ist für eine exakte Diagnostik und somit eine akkurate Therapie unumgänglich.
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Bei Heranwachsenden mit tiefen lumbalen Schmerzen muss in Zusammenhang mit Extensionssportarten an eine Spondylolyse als Differenzialdiagnose gedacht werden.
In der Gesamtpopulation ist Rückenschmerz („low back pain“; LBP) mittlerweile die häufigste Ursache aller Erkrankungen, die zu „Lebensjahren mit Beeinträchtigung“ führen („years lived with disability“; YLD), Nackenschmerz ist die vierthäufigste Ursache.2 Die Lebenszeitprävalenz für LBP liegt dabei in der gesamten Population von Industrieländern bei bis zu 84% und für Nackenbeschwerden je nach Studie bei 14 bis 70% Lebenszeitprävalenz.3,4 Wirbelsäulenbeschwerden zählen somit zu den großen globalen Herausforderungen im Gesundheitsbereich (Global Burden of Disease).2 Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass auch Sporttreibende davon betroffen sind.
Allgemeines
Vor allem im Profisport nehmen viele Athlet:innen gewisse Schmerzen und Einschränkungen in Kauf und geben diese oft erst bei gezielter Fragestellung in der Retrospektive an.5 Neben dem sportlichen Konkurrenzkampf sind gerade Sporttreibende mit Wirbelsäulenbeschwerden zusätzlich mit sozioökonomischen Aspekten herausgefordert, die wiederum die Wahrnehmung ihrer Beschwerden und auch die Genesung beeinflussen. Dies wurde in einer rezenten Publikation im Journal of Science and Medicine in Sport 2026 von Trease et al. mit dem passenden Titel „I’m breaking my back for this sport and they’re not supporting me“ genauer ausgeführt.6 Somit sollte in der Sportbetreuung eine empathische, sensible und akkurate medizinische Begleitung unter Einbezug psychosozialer Faktoren erfolgen.
Insgesamt zeigt sich im Sport ein heterogenes Bild der Prävalenzen von Wirbelsäulenbeschwerden mit großer Streuung, da eine starke Abhängigkeit von der ausgeführten Sportart und der Belastungsintensität wie auch eine starke Altersabhängigkeit bestehen.7–9 So werden bespielsweise lumbale Beschwerden in der Literatur sehr uneinheitlich angegeben: Lebenszeitprävalenz (LZP) von 17 bis 94% und Punktprävalenz (PP) von 10 bis 67%.7 Auch Nackenbeschwerden weisen im Sport eine große Bandbreite von bis zu 57,7% Lebenszeitprävalenz auf.10
Unterschiede von Athlet:innen zu Nichtathlet:innen
Es stellt sich die berechtigte Frage, ob Sport ein präventiver Faktor oder ein Risikofaktor für Wirbelsäulenbeschwerden ist. Die Literatur zeigt unterschiedliche Ergebnisse. Müller et al. stellten in einer Kohorte von Athlet:innen an einer Sportschule bei 17 Sportarten einen sprunghaften Anstieg von LBP bei über 14-Jährigen fest (Altersgruppe 11–13: 2–4%; Altersgruppe 14–17: 12–20%). Somit wäre der Durchschnitt bei 11- bis 13-Jährigen bei Athlet:innen geringer als bei gleichaltrigen Nichtathlet:innen mit ca. 12% PP, aber höher bei über 14-Jährigen.9 Ein Zusammenhang mit Körperentwicklung und auch Trainingsjahren wird dadurch untermauert.
In einem systematischen Review mit Metaanalyse unterstreichen Wilson et al. die Schwierigkeit, genaue Aussagen über Prävalenzen in unterschiedlichen Sportarten anzugeben.11 Sie führen die Inhomogenität der Definition von LBP und der Studienmethodik sowie die starke Streuung der untersuchten Population und der Studiengröße als Gründe an. Nimmt man nur die Studien mit einer Fallzahl von über 100 heraus, um eine höhere Aussagekraft zu generieren, so zeigt sich das in Tabelle 1 angeführte Bild. Aus diesem heraus ergeben sich Sportarten mit hohem Risiko, Kreuzschmerzen zu erleiden, und Sportarten mit niedriger Wahrscheinlichkeit (Tab.1). In dieser Studie werden auch 10 Arbeiten gelistet, in denen die Anzahl an Teilnehmenden nur 1–10 (n=1–10) beträgt. Dabei ergeben sich zum Teil Prävalenzen von 100%, die aber das Gesamtbild deutlich verzerren.
Wilson et al. führen weiter aus, dass die Inhomogenität der vorhandenen Literatur auch stark abhängig davon ist, ob eine Lebenszeitprävalenz, eine 12-Monats-Prävalenz oder eine Punktprävalenz bzw. teilweise auch 1-Wochen-Prävalenz angegeben wurde, und damit variiert die Reihung der Sportarten.11
Dennoch gibt es einige Studien, die für bestimmte Sportarten hohe Prädisposition für Wirbelsäulenbeschwerden aufgrund der notwendigen Spielbewegungen oder Körperhaltungen und der damit verbundenen Belastungen nachweisen.
Sportarten mit hohen Prävalenzen
Ein gutes Beispiel hierfür ist Rennradfahren. Zugunsten der Aerodynamik muss eine unnatürliche Haltung eingenommen werden. Die starke Flexion in der Hüfte mit entlordosierter Lendenwirbelsäule (LWS) und gleichzeitig dauerhafter starker Extension in der Halswirbelsäule (HWS) bietet ein großes Potenzial für haltungsbedingte Fehl- und Überbelastungen. In einer Fragebogenanalyse von Oliveira et al. mit 1505 Teilnehmenden, die von professionellen Bike Fitters betreut und beraten wurden, wurden mit 29,1% am häufigsten Kreuzschmerzen und mit 15,8% viertgereiht Nackenschmerzen angegeben.12 Ein Erklärungsmodell für lumbale Beschwerden beim Radfahren ist die Notwendigkeit von lang anhaltender Muskelaktivierung der lumbopelvinen Region, die wiederum die Krafteinleitung auf die LWS während des Tretens der Pedale erhöht.12
Aufgrund der Häufigkeit von Nackenbeschwerden beim Radfahren, insbesondere beim Rennradfahren, wird mittlerweile in Physiotherapiekreisen vom Symptomkomplex des „cyclist’s neck“ gesprochen.13 Die anhaltende Extension der HWS bedeutet prolongierte Tonuserhöhung der langen oberflächlichen Extensoren bei gleichzeitiger Kompression der tiefen dorsalen Strukturen wie der Facettengelenke und kurzen Nackenmuskeln. Die hohe Prävalenz an LBP im Orientierungslauf – eine Studie mit 50% und eine mit 90% 12-Monats-Prävalenz – lässt sich eventuell dadurch erklären, dass in beiden nur Elitesportler:innen untersucht wurden, die insgesamt einem höheren Risiko ausgesetzt sind.14,15
Sportarten mit niedriger Prävalenz bzw. positiven Effekten
Wie Tabelle 1 vermuten lässt, bestätigen neuere Arbeiten, dass Laufen nicht nur eine niedrige Prävalenz hat, sondern dass es auch therapeutisch gegen LBP wirksam sein könnte. Wilson et al. listen hier eine Studie, in der Frauen, die entweder für die Teilnahme an einem 5-km- oder an einem 10-km-Lauf angemeldet waren, im Zeitraum von 8 Wochen vor dem Wettkampf und 4 Wochen nach dem Wettkampf untersucht wurden. In dieser Kohorte fand sich eine sehr niedrige Anzahl an Frauen mit LBP (ca. 1%).16
Tab. 1: 12-Monats-Prävalenz von „low back pain“ (LBP); modifiziert nach Daten von Wilson et al.11 mit Fallzahlen von n>100; wenn angegeben Minimum- und Maximumwert, sonst als Mittelwert gelistet
Mitchel et al. verifizierten in einem Vergleich von Läufern zu Nichtläufern eine um ca. 20% größere intervertebrale Diskushöhe (IVD; p=0,002) bei den Erstgenannten.17 Eine weitere Magnetresonanz-basierte Studie belegt, dass regelmäßige Laufaktivität die Diskuszusammensetzung (Hydration- und Proteoglykananteil) verbessert und eine Größenzunahme der IVD fördert.18 An körperlicher Aktivität zeigen schnelleres Gehen und langsames Laufen (2m/s) eine positive Korrelation, nicht aber High-Impact-Belastungen, langsames Gehen oder statische Haltungen. Aber nicht nur als präventiver Faktor, sondern auch als therapeutisches Mittel scheint moderates Laufen eine optimale Sportart zu sein. So konnten Neason et al. einen teilweise signifikanten Unterschied zwischen einer Geh- und Laufgruppe und einer Vergleichsgruppe ohne spezifische Intervention (Waitlist) in der Änderung im Durchschnitt des Schmerzes (p=0,003), im derzeitigen Schmerzniveau (p=0,003) und in der Lebenseinschränkung (p=0,038) feststellen.19
Des Weiteren scheint auf Basis theoretischer biomechanischer Überlegungen insbesondere Kraul- und Rückenschwimmen nicht nur mit einem geringen Risiko für LBP einherzugehen, sondern auch als mögliche Therapieform einsetzbar zu sein. Die Bewegung im Wasser verbessert die muskuläre Stabilisierung bei gleichzeitig geringer axialer Belastung.20 In dieser Review-Arbeit von Wareham et al. wurde jedoch gleichzeitig festgehalten, dass die derzeitige Literatur zu uneinheitlich ist, um klare Aussagen über Risiken für Wirbelsäulenbeschwerden im Schwimmsport einerseits und Schwimmen als Therapieform andererseits treffen zu können.20
Abhängigkeit von körperlicher Beanspruchung
In der derzeit verfügbaren Literatur zeigt sich eine gewisse Evidenz, dass ein U-förmiger Zusammenhang besteht zwischen dem Sportniveau, der Partizipation und somit der Gesamtbelastung (Trainingsausmaß, Trainingsintensität etc.) und dem Risiko, Kreuzschmerzen zu entwickeln.11 Eine große Kohortenstudie aus den Niederlanden untermauert die Hypothese, dass ein Zuwenig, aber auch ein Zuviel an physischer Belastung die Wahrscheinlichkeit für chronischen Kreuzschmerz erhöht. So wurde ein moderat erhöhtes Risiko für Personen mit sitzendem Lebensstil (OR 1,31: 95% CI: 1,08–1,58) und für Personen mit anstrengender körperlicher Aktivität/Sport (OR 1,22: 95% CI: 1,00–1,49) gesehen.21 Der U-förmige Zusammenhang erscheint somit plausibel.
Nackenbeschwerden im Sport
Insgesamt ist die Studienlage für Nackenbeschwerden im Sport überschaubar. Eine systematische Übersichtsarbeit von Noormohammadpour et al. legt eine große Bandbreite an Prävalenzangaben offen.4 Die Lebenszeitprävalenz (Daten nur vom Triathlon) liegt bei 47,6 bis 48,3%. Die Jahresprävalenz von Nackenschmerzen liegt zwischen 38% bei Orientierungsläufern und 73% bei Ringern (Durchschnitt 45,9%). Im Vergleich zu Zahlen der Gesamtbevölkerung mit ca. 46% Jahresprävalenz in Deutschland (Leitlinie Nackenschmerzen) sind somit manche Sportarten über dem Durchschnitt.22
Pathogenese
Auch im Bereich der Wirbelsäule kann das Grundprinzip von Belastung und Belastbarkeit angewandt werden. Überschreitet die Belastung repetitiv die Belastbarkeit, kommt es zu Beschwerden. Ursachen sind somit Überbelastungen, Fehlbelastungen oder nicht optimale Körperpositionen beziehungsweise Haltungen. Zum Teil sind diese Belastungen sportartbedingt nicht zu vermeiden, wie die Sitzposition beim Radfahren (dauerhafte starke Flexion in der unteren LWS und verstärkte Kyphose in der HWS), die flektierte, rotierte Haltung beim Hockey oder die wiederholte einseitige Extension in der Hüfte und somit der LWS mit Rotation beim Fußball. Obwohl gerade Profisportler:innen ein gutes Muskelkorsett zeigen, sind doch diese repetitiven Belastungen zu hoch, sodass eine muskuläre Stabilisierung alleine nicht ausreicht, um Veränderungen zu vermeiden. Im Gegenteil, durch hohe Muskelkraft erhöhen sich oft die Druckbelastungen auf Gelenksstrukturen. Die Krafteinwirkung auf Bandscheiben, Wirbelkörper und Facettengelenke wird damit überproportional hoch.
Strukturelle Veränderungen
Offenbar führen repetitive hohe Belastungen gerade an der Wirbelsäule zu degenerativen Prozessen. In einer MRT-Studie bei 16- bis 18-Jährigen im Fußball zeigte die Athlet:innengruppe (9–11 Stunden Training pro Woche) mit 89% detektierbaren Auffälligkeiten signifikant mehr MRT-Veränderungen als eine weniger aktive Vergleichsgruppe (0–5h/w) mit 54% (p=0,006).23
Eine retrospektive Auswertung von Athlet:innen bei den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro ergab bei 40% der angefertigten MRT-Bilder eine degenerative Diskusveränderung auf irgendeiner Wirbelsäulenhöhe. Am häufigsten war die HWS-Region (58%) betroffen, dann die LWS- (39%) und am seltensten die Brustwirbelsäulen(BWS)-Region (12,5%). Anzumerken ist, dass MRT-Bilder nur bei Athlet:innen mit Beschwerden der Wirbelsäule angefertigt wurden und der Fokus rein auf Diskusveränderungen lag. Zu asymptomatischen Athlet:innen kann somit keine Angabe gemacht und auch kein Vergleich gezogen werden.24
Dieser Fragestellung ging eine andere Studie von Carmody et al. nach, in der asymptomatische männliche Elitefußballer einer Akademie (Durchschnittsalter 17,6) mittels MRT untersucht wurden.25 So zeigten 15 der 18 Spieler (83%) irgendeine Art der Veränderung wie Facettengelenksdegeneration, Synovialzysten, Bandscheibendegeneration, Bandscheibenherniation und Pars-interarticularis-Läsion. Am häufigsten zeigten sich degenerative Bandscheibenveränderungen (7/18 38%) gefolgt von Herniationen (5/18 27%). Zu diskutieren bleibt, ob nicht diese strukturellen Störungen doch in weiterer Folge im Laufe des Lebens zu funktionellen Störungen mit Schmerzen führen.
Überlastungen im Wachstumsalter
Auch im Kinder- und Jugendsport sind Wirbelsäulenbeschwerden immer stärker verbreitet. Eine Review-Arbeit mit Metaanalyse zeigte bei adoleszenten Athlet:innen eine 12-Monats-Prävalenz von 42%.26
Unterschiedlichste Krankheitsbilder können auftreten. Hier soll aufgrund der Häufigkeit von bis zu 50% bei Kindern im Wachstumsalter mit Kreuzschmerzen nur kurz auf die Spondylolyse eingegangen werden.27 Das am meisten betroffene Segment ist L5. Sportarten mit repetitiven Hyperextensionsbewegungen zeigen ein hohes Risiko: Tauchen, Ringen, Leichtathletik, Fußball, rhythmische Sportgymnastik, Kunstturnen und Gewichtheben. Somit muss bei Heranwachsenden, die diese Sportarten betreiben und bei Extensionsbewegungen Beschwerden im unteren LWS-Bereich (insbesondere L5) haben, eine radiologische Diagnostik durchgeführt werden. Der genaue Diagnostikweg wird in der Literatur zwar noch diskutiert, aber um die Strahlenbelastung gering zu halten, ist primär die Durchführung einer MRT angeraten.
Bei Auffälligkeiten mit fraglicher knöcherner Unterbrechung oder anhaltendem Knochenmarksödem im MRT muss eine CT durchgeführt werden, da nur diese Knochenstrukturen klar genug auflöst. In Abbildung 1 sieht man auf dem MRT-Bild zwar das Ödem, aber nur im CT ist die Knochenunterbrechung scharf erkennbar (Abb. 2). Um auch hier die Strahleneinwirkung möglichst niedrig dosiert zu halten, sollten nur von der relevanten Region (in diesem Fall L4 bis S1) Schichten angefertigt werden.
Abb. 1: Knochenmarksödem im linken Pedikel-/Arcusbereich von L5 (gelbe Pfeile); links MRT T2-TSE sagittal; rechts MRT eSTIR-long TE coronal
Abb. 2: CT LWS sagittal und axial zeigt inkomplette knöcherne Unterbrechung in der Pars interarticularis L5 links
Krankheitsbilder und Entitäten
Leider herrscht noch immer große Ungenauigkeit in den Angaben von „spezifischen“ und „unspezifischen“ Kreuzschmerzen. Beispielsweise beziffert die WHO ca. 90% aller Kreuzschmerzen als unspezifisch, ein sehr hoher Wert.28 Faktoren hierfür sind die Definition, die Genauigkeit der klinischen und apparativen Diagnostik, die Verfügbarkeit von Bildgebung etc.
Wendet man die Definition für spezifische Kreuzschmerzen an, dass ein bestimmtes morphologisches Korrelat einer apparativen Diagnostik, insbesondere einer Bildgebung, zu dem klinischen Befund passend vorliegt, so ist die Mehrzahl aller Kreuzschmerzen als spezifisch detektierbar. Alleine diskogene Schmerzen machen laut einer Review-Arbeit von 2024 26–42% aus.29 Außerdem zeigt ein weiterer Review, dass bis zu 31% die Facettengelenke der Ursprung lumbaler Schmerzen sind.30
Durch die Erweiterung der Leitlinie 2024,31 wonach neben morphologischen Entitäten auch funktionelle Entitäten wie die hypomobile segmentale Dysfunktion der LWS (Blockierung) und die myofasziale Veränderung als spezifisch gelten, bleibt nach exakter klinischer und apparativer Befundung nur noch ein kleiner Anteil als unspezifischer Kreuzschmerz. Ähnlichwie in der allgemeinen Population finden sich sehr häufig Osteochondrosen, Spondylarthrosen und kombinierte degenerative Veränderungen. Die Veränderungen der Osteochondrosen sollten von der bisherigen Klassifikation nach Modic auf die neuere Klassifikation des sogenannten Diskus-Endplatten-Knochen-Komplexes (DEBC – „discus-endplate bone complex“) übertragen werden.32 Durch die Erweiterung der STIR-Sequenzen im MRT ergeben sich 4 Typen, bei denen auch entsprechende Veränderungen im anliegenden Knochen beschrieben werden (Tab. 2).
Zusammenfassung und Empfehlungen
Sporttreibende und hier insbesondere Kinder und Jugendliche sind in ihrem Schmerzempfinden im Bereich der Wirbelsäule ernst zu nehmen und weitere diagnostische Abklärung sollte kurzfristig und niederschwellig erfolgen. Je exakter die Diagnose ist – nicht nur „Lumbago“ – und je genauer die Problemstelle verifiziert werden kann, umso zielgerichteter können eine Therapie und Beratung erfolgen. Psychologische und sozioökonomische Faktoren müssen vor allem im Profisport mitbedacht werden. Wenn ein RTS (Return to Sport) oder RTC (Return to Competition) in der einen Sportart nicht möglich wird, sollte kein Sportende verordnet, sondern ein Sportartwechsel, eine Sportmodifikation oder Sportadaption angestrebt werden.
Literatur:
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