In der Praxis daran denken: Krebs trifft immer mehr Jüngere
Weltweit nehmen Krebserkrankungen bei jungen Erwachsenen zu. Laut WHO könnten 30 bis 50% aller Krebserkrankungen durch Lebensstilmaßnahmen, Impfungen oder verbesserte Umweltfaktoren verhindert werden.
Risikofaktor Gen X und Millennial?
Weltweite Daten zu Krebserkrankungen zeigen, dass immer mehr Vertreter der Generation X und die Millennials betroffen sind. „Zu den Hauptrisiken zählen eine Ernährung mit vielen ultraverarbeiteten Lebensmitteln, der frühe Einsatz von Antibiotika, Übergewicht, Bewegungsmangel, Alkohol und möglicherweise endokrine Disruptoren und andere Chemikalien“, so Univ.-Prof. Mag. Dr. Eva Schernhammer, Leiterin der Abteilung für Epidemiologie, Zentrum für Public Health, MedUni Wien.
Die häufigsten Entitäten
Globale epidemiologische Daten1 deuten darauf hin, dass früh einsetzende Krebsarten eine altersstandardisierte Inzidenzrate von 50,3 Fällen pro 100000 Personenjahre aufweisen. Unter den Männern betrafen die am häufigsten diagnostizierten Krebsarten Schilddrüse (14,4%), Hoden (9,0%) und Darm (6,9%), die höchsten Mortalitätsraten bezogen sich auf Neoplasmen der Leber (12,1%) und des zentralen Nervensystems (9,2%). Bei Frauen ist Brustkrebs für die höchste Inzidenz (30,0%) verantwortlich, gefolgt von Schilddrüsenkrebs (20,4%) und Gebärmutterhalskrebs (12,9%). In Bezug auf die Sterblichkeit bei jungen erwachsenen Frauen bleibt Brustkrebs die Hauptursache (24,6%), gefolgt von Gebärmutterhalskrebs (16,6%).
Die genauen Ursachen für Schilddrüsenkrebs, den Krebs mit der durchschnittlich größten jährlichen prozentualen Veränderung, sind bislang unklar. Sicherer Auslöser ist der Kontakt mit ionisierender Strahlung. Zudem weisen viele Betroffene im Vorfeld Jodmangel und gutartige Schilddrüsenerkrankungen wie beispielsweise Struma auf. Dass diese Krebsart vermehrt junge Menschen, insbesondere Frauen, trifft, hängt auch mit einer Zunahme der medizinischen Bildgebung zusammen. Dies führt zu mehr Zufallsbefunden. Die Überlebensrate bei Schilddrüsenkrebs liegt bei etwa 94%.2
Die Verteilung in Österreich
In den Jahren 1996 bis 2020 traten insgesamt mehr als 56000 Krankheitsfälle bei jungen Erwachsenen in Österreich auf. Brustkrebs (47,3 %), Darmkrebs (12,8 %) und Lungenkrebs (11,3 %) waren in diesem Zeitraum dabei führend.
Für Schernhammer sind umfangreiche Präventionsmaßnahmen notwendig, um die zukünftige Belastung zu verringern. „Für einige Krebsarten – insbesondere für Darmkrebs – wurden aufgrund der steigenden Zahlen bereits Leitlinien geändert und frühere Vorsorgeuntersuchungen vorgeschlagen und auch umgesetzt“, so Schernhammer und sie ergänzt: „Es besteht dringender Forschungsbedarf hinsichtlich der Expositionen in jungen Jahren und der Wechselwirkungen verschiedener Faktoren im Laufe des Lebens.“
Die Rolle von Mikro- und Nanoplastik
Mikro- und Nanoplastikpartikel (MNP) sind mittlerweile allgegenwärtig und gelangen über Nahrung, Wasser und Luft in den menschlichen Körper. In den letzten Jahren konnte das Forschungsteam um Prof. Dr. Lukas Kenner, Klinisches Institut für Pathologie an der MedUni Wien, zeigen, dass diese Partikel nicht nur in menschlichen Geweben nachweisbar sind, sondern auch biologisch relevante Effekte entfalten können.
Ein entscheidender Fortschritt für die Krebs- und Umweltmedizin ist die Entwicklung neuer analytischer Methoden. Dadurch können Kunststoffpartikel direkt im Kontext von Entzündung, Gewebeschädigung und Tumorveränderungen analysiert werden – ohne Verlust der histologischen Struktur. „Diese Kombination aus innovativer Analytik und funktionellen biologischen Modellen eröffnet neue Möglichkeiten, den Einfluss von Mikro- und Nanoplastik auf Krebsentstehung und -verlauf systematisch zu untersuchen“, so Kenner. (red)
Quelle:
Presseinformation der MedUni Wien vom 19.1.2026; ESMO open 2025
Literatur:
1 André F et al.: The rising tides of cancers among young adults. ESMO open 2025; 10(9): 105553 2 https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Schilddruesenkrebs/schilddruesenkrebs_node.html; zuletzt aufgerufen am 27.1. 2026
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