Neuer Erstlinienstandard mit Tafa-Len-R-CHOP für aggressive Erkrankung
Bericht:
Dr. Ine Schmale
Sie sind bereits registriert?
Loggen Sie sich mit Ihrem Universimed-Benutzerkonto ein:
Sie sind noch nicht registriert?
Registrieren Sie sich jetzt kostenlos auf universimed.com und erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln, bewerten Sie Inhalte und speichern Sie interessante Beiträge in Ihrem persönlichen Bereich
zum späteren Lesen. Ihre Registrierung ist für alle Unversimed-Portale gültig. (inkl. allgemeineplus.at & med-Diplom.at)
Die randomisierte, placebokontrollierte Phase-III-Studie frontMIND zeigte einen signifikanten Vorteil für das progressionsfreie Überleben bei Patient:innen mit neu diagnostizierten aggressiven B-Zell-Lymphomen, wenn Tafasitamab plus Lenalidomid zusätzlich zum R-CHOP-Regime gegeben wird.
Tafasitamab ist ein Fc-modifizierter, CD19-gerichteter monoklonaler Antikörper, der synergistisch mit Lenalidomid bei hämatologischen Erkrankungen, wie dem diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL), indiziert ist. In der randomisierten Phase-III-Studie frontMIND wurde die Kombination von Tafasitamab, Lenalidomid und dem R-CHOP-Regime (Tafa-Len-R-CHOP) bei unbehandelten Patient:innen mit aggressiven B-Zell-Lymphomen und hoch-intermediärem oder hohem Risiko gegen R-CHOP placebokontrolliert untersucht. Primärer Studienendpunkt war das progressionsfreie Überleben (PFS).
Die Patient:innen der ITT-Population waren median 65 Jahre alt, wiesen in 83% der Fälle erhöhte LDH-Spiegel auf und nahezu ein Drittel war in einem schlechten Allgemeinzustand (ECOG PS 2: 31,5%). Eine Erkrankung mit hohem Rezidivrisiko (IPI 4-5/aalPl 3) wurde bei 43,2% der Patient:innen festgestellt. 83,0% (experimenteller Arm) bzw. 84,5% (Kontrollarm) der insgesamt 899 randomisierten Patient:innen komplettierten die geplanten 6 Zyklen (q3w) der Studienmedikation, 71,2% versus 67,2% waren zum Zeitpunkt der präsentierten Auswertung weiterhin in der Studie.
Mit einer medianen Nachbeobachtungszeit von 35,2 Monaten lag die 3-Jahres-PFS-Rate bei 67,3% mit Tafa-Len-R-CHOP versus 60,7% mit dem R-CHOP-Regime. Das Risiko für einen Krankheitsprogress wurde mit der zusätzlichen Gabe von Tafasitamab und Lenalidomid um 25% signifikant reduziert (HR: 0,75; 95% CI: 0,59–0,96; p=0,0194). Für das ereignisfreie Überleben (EFS) wurde eine 3-Jahres-Rate von 61,2% versus 54,8% beobachtet (HR:0,79; 95% CI: 0,64–0,97; p=0,0260). Die mediane Nachbeobachtungszeit für das Gesamtüberleben (OS) betrug 35,9 Monate. Nach 2 Jahren lebten 84,1% der Patient:innen im Tafa-Len-R-CHOP-Arm versus 80,5% im R-CHOP-Arm, nach 3 Jahren 81,1% versus 77,8%. Mit einer Hazard-Ratio von 0,85 (95% CI: 0,63–1,14; p=0,2703) wurde ein positiver Trend für eine Verlängerung des OS gesehen.
Laut zentralem Review konnte bei 126 Patient:innen der Lymphom-Subtyp aufgrund der Histologie oder wegen inadäquater Proben nicht bestätigt werden. Wurden die Daten dieser 14% der ITT-Population nicht berücksichtigt, verbesserte sich der Vorteil der experimentellen Medikation auf eine PFS-Risikoreduktion um 32% (HR: 0,68; 95% CI: 0,52–0,88; p=0,0035). Die PFS-Rate nach 2 Jahren betrug 72,7% versus 62,2% in der Subgruppenauswertung (Δ=10,5%) verglichen mit 71,1% versus 62,9% in der ITT-Population (Δ=8,2%).
Ein Ansprechen (ORR) zeigten 80,4% versus 76,1% der Patient:innen, eine PET-negative Komplettremission wurde bei 65,2% der Patient:innen in beiden Studienarmen berichtet.
Therapieassoziierte Nebenwirkungen Grad ≥3 traten bei 86,7% versus 76,1% und klinisch relevante Nebenwirkungen bei 50,1% versus 38,9% der Patient:innen unter Tafa-Len-R-CHOP bzw. R-CHOP auf. Zu therapieassoziierten fatalen Ereignissen kam es bei 5,9% versus 3,8% der Patient:innen – der Unterschied war bedingt durch höhere Covid-19- und Sepsis-Raten. Es brachen 5,2% versus 5,4% der Patient:innen die Therapie mit Tafa-Len-R-CHOP bzw. R-CHOP ab. Die Applikation von R-CHOP wurde durch die zusätzliche Gabe von Tafasitamab plus Lenalidomid nicht beeinflusst.
Fazit:
Die zusätzliche Gabe von Tafasitamab plus Lenalidomid verlängerte das PFS gegenüber alleiniger R-CHOP-Gabe signifikant. Die R-CHOP-Applikation wurde nicht beeinflusst. Die Ergebnisse der frontMIND-Studie stützen die Therapie mit Tafa-Len-R-CHOP als einen neuen Standard der Erstlinientherapie bei Patient:innen mit Hochrisiko-DLBCL oder hochgradigen B-Zell-Lymphomen, unabhängig vom molekularen COO(„cell of origin“)-Subtyp.
Quelle:
Lenz G et al.: frontMIND: Phase 3 study of tafasitamab plus lenalidomide and R-CHOP for patients with newly diagnosed diffuse large B-cell lymphoma. ASCO 2026, Abstr. #LBA7000
Das könnte Sie auch interessieren:
Highlights zu Lymphomen
Assoc.Prof. Dr. Thomas Melchardt, PhD zu diesjährigen Highlights des ASCO und EHA im Bereich der Lymphome, darunter die Ergebnisse der Studien SHINE und ECHELON-1
ASH 2020 – Highlights zu den aggressiven Lymphomen
Highlight-Themen der virtuellen ASH-Jahrestagung im Dezember 2020 waren an erster Stelle die Immunonkologika in all ihren Variationen, aber auch Beispiele für innovative Sequenztherapien ...
Aktualisierte Ergebnisse für Blinatumomab bei neu diagnostizierten Patienten
Die Ergebnisse der D-ALBA-Studie bestätigen die Chemotherapie-freie Induktions- und Konsolidierungsstrategie bei erwachsenen Patienten mit Ph+ ALL. Mit einer 3-jährigen ...