Wie sich Antidepressiva auf Blutdruck, Cholesterin und Gewicht auswirken
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Bis zu 17% der Erwachsenen in Europa und Nordamerika nehmen Antidepressiva ein, die u.a. zu Gewichtszunahme, Blutdruckveränderungen und erhöhten Cholesterin- und Leberwerten führen können. Eine Metaanalyse liefert Daten zum Ausmaß des Einflusses auf kardiometabolische und physiologische Parameter.
Insgesamt wurden in die Netztwerk-Metaanalyse 151 randomisierte Studien und 17 FDA-Berichte mit Daten von 58534 Personen eingeschlossen. Untersucht wurden 30 verschiedene Antidepressiva im Vergleich zu Placebo in Hinblick auf Veränderungen des Körpergewichts, des Lipid- und Glukosestoffwechsels, der Herzfrequenz, des systolischen und diastolischen Blutdrucks, des QTc-Intervalls sowie auf laborchemische Parameter der Leber-, Nieren- und Elektrolytfunktion.
Unterschiedliche Effekte auf Gewicht und Blutdruck
Die Ergebnisse zeigen deutliche und klinisch relevante Unterschiede zwischen den einzelnen Antidepressiva. Besonders ausgeprägt waren die Effekte auf Körpergewicht, Herzfrequenz und Blutdruck.
Einige Wirkstoffe wie Agomelatin, Bupropion, Citalopram, Moclobemid, Sertralin und Fluoxetin führten zu Gewichtsverlust, während Amitriptylin, Fluvoxamin, Maprotilin und Mirtazapin eine Gewichtszunahme verursachten. Bei bestimmten trizyklischen Antidepressiva wie Nortriptylin, Clomipramin und Imipramin stieg zudem die Herzfrequenz deutlich an. Die Auswertung der Blutdruckwerte ergab, dass Amitriptylin, Levomilnacipran und Venlafaxin sowohl den systolischen als auch den diastolischen Blutdruck erhöhen, während Nortriptylin den Blutdruck senkte.
Auswirkungen auf Cholesterin und Leberwerte
Desvenlafaxin, Duloxetin und Venlafaxin waren mit erhöhten Cholesterinwerten assoziiert, während die Glukosewerte nur unter Duloxetin stiegen.
Leberenzymveränderungen (AST, ALT, ALP) traten insbesondere unter Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SNRI) wie Duloxetin, Levomilnacipran, Desvenlafaxin und zudem teilweise unter Paroxetin auf, waren jedoch überwiegend von geringer klinischer Relevanz. Signifikante Hyponatriämie wurde für Duloxetin und Venlafaxin dokumentiert.
Nebenwirkungsprofil sollte berücksichtigt werden
Interessanterweise bestand keine Korrelation zwischen Veränderungen der depressiven Symptomatik und metabolischen Parametern, was auf unabhängige Effekte der Substanzen auf die Physiologie hinweist. Insgesamt belegt die Studie, dass sich Antidepressiva deutlich in ihrem Nebenwirkungsprofil unterscheiden. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, potenzielle kardiometabolische Effekte, insbesondere bei Übergewicht, Bluthochdruck oder Lebererkrankungen, stärker zu berücksichtigen und Therapieentscheidungen individuell und gemeinsam mit den Patient:innen zu treffen. (red)
Literatur:
1 Pillinger T et al.: The effects of antidepressants on cardiometabolic and other physiological parameters: a systematic review and network meta-analysis. The Lancet 2025; 406: 2063-77
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