
Globale Statistik zu HIV/Aids: Ein Ende der Epidemie ist nicht in Sicht
Bericht:
Mag. Birgit Leichsenring
Im Juli 2025 wurde die globale HIV/Aids-Statistik für das Vorjahr veröffentlicht. Die Daten zeigen den großen Handlungsbedarf auf und veranschaulichen Versäumnisse, die in Anbetracht aktueller Entwicklungen nur schwer aufzuholen sein dürften. Das bereits zum Greifen nah gewesene Ende der Epidemie scheint derzeit nicht mehr in Sichtweite.
Jeden Sommer veröffentlicht UNAIDS (Programm der Vereinten Nationen gegen HIV/AIDS) eine globale Statistik.1 Die Zahlen bieten nicht nur einen Überblick über die Epidemie, sondern spiegeln anhand von Erfolgen und aktuellen Herausforderungen sowohl medizinische als auch gesellschaftspolitische Entwicklungen wider.
Epidemiologie
Seit Bekanntwerden von HIV/Aids kam es bei 91,4 Millionen Menschen zu einer HIV-Infektion. 44,1 Millionen Menschen sind im Laufe der Zeit an den Folgen von HIV/Aids verstorben. Die Auswirkungen der Epidemie sind nach wie vor enorm. Und die Daten für 2024 erlauben keine Entwarnung: Bereits das dritte Jahr in Folge liegen die HIV-Neuinfektionen mit 1,3 Millionen und die HIV-assoziierten Todesfälle mit 630000 auf exakt gleich hohem Niveau. Schon seit Längerem gelingt es also nicht, diese Zahlen zu reduzieren. Und dies trotz ausgezeichneter Präventionsmethoden sowie hocheffektiver HIV-Therapien.
Regionale Unterschiede
Zu beachten sind dabei die teils gegenläufigen Dynamiken in den Weltregionen. So liegen die Neuinfektionen global gesehen 40% unter dem Wert von 2010. Hingegen sind in Osteuropa, Zentralasien, Lateinamerika, dem Mittleren Osten sowie in Nordafrika heute mehr HIV-Infektionen zu sehen als vor 15 Jahren. Ein gleiches Bild zeigt sich bei der Anzahl der Menschen, die infolge einer HIV-Infektion starben. Sank die Zahl der Todesfälle global zwischen 2010 und 2024 um 54%, so stieg sie in Osteuropa und Zentralasien um 48% an.
Ebenfalls signifikante Unterschiede sind in Bezug auf Bevölkerungsgruppen zu sehen: Die globale Prävalenz liegt bei 0,7%, bei trans Personen bei 8,5%, bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), bei 7,6% und bei Menschen mit intravenösem Drogengebrauch bei 7,1%. Zum Vergleich: Österreich hat eine HIV-Prävalenz von 0,1%.
Düsterer Ausblick
Modellrechnungen der UNAIDS zufolge dürften bei Beibehaltung der aktuellen Budgetkürzungen die Zahl der Todesfälle sprunghaft auf über 2 Millionen und die der Neuinfektionen auf bis zu 3 Millionen pro Jahr ansteigen. Die neuen Daten sprechen somit eine deutliche Sprache: Wenn sich nichts ändert, wird in kürzester Zeit in einigen Regionen eine Situation wie zur Aids-Krise in den 1980er-Jahren und vor Entwicklung der ersten HIV-Medikamente herrschen. Dies entspricht keinesfalls den heutigen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten und wird der modernen Medizin nicht gerecht. Veränderungen auf gesellschaftspolitischer Ebene sind dringend notwendig. UNAIDS stellte die aktuelle Statistik daher unter das Motto „Aids, Krisen und Kraft zur Veränderung“.
Quelle:
UNAIDS global Aids update 2025 vom 10. Juli 2025
Literatur:
1 Joint United Nations Programme on HIV/AIDS: 2025 Global AIDS Update – AIDS, crisis and the power to transform. https://www.unaids.org/en/resources/documents/2025/2025-global-aids-update ; zuletzt aufgerufen am 5.8.2025
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