GvHD auf dem ASH-Kongress 2025: Fortschritte in Prophylaxe und Therapie
Autorin:
Prof. Dr. Hildegard Greinix
Department für Innere Medizin I/KMT
Medizinische Universität Wien
Sie sind bereits registriert?
Loggen Sie sich mit Ihrem Universimed-Benutzerkonto ein:
Sie sind noch nicht registriert?
Registrieren Sie sich jetzt kostenlos auf universimed.com und erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln, bewerten Sie Inhalte und speichern Sie interessante Beiträge in Ihrem persönlichen Bereich
zum späteren Lesen. Ihre Registrierung ist für alle Unversimed-Portale gültig. (inkl. allgemeineplus.at & med-Diplom.at)
Posttransplant-Cyclophosphamid, Orca-T-Transplantate, mikrobiombasierte Therapien und mehr: Auf dem ASH-Kongress 2025 wurden zahlreiche neue Möglichkeiten vorgestellt, der „graft-versus-host disease“ zu begegnen oder ihr gar vorzubeugen.
Keypoints
-
Die GvHD stellt eine häufige und schwere Komplikation nach allogener HSZT dar.
-
Posttransplant-Cyclophosphamid ist eine effiziente GvHD-Prophylaxe – nicht nur nach HSZT mit einem haploidenten, sondern auch nach HSZT mit einem HLA-identen und „mismatch“-unverwandten Spender.
-
Der ROCK2-Inhibitor Belumosudil und der gegen CSF-1R gerichtete monoklonale Antikörper Axatilimab sind in der Therapie der refraktären chronischen GvHD sehr wirksam.
Posttransplant-Cyclophosphamid (PTCY) stellt eine effiziente GvHD-Prophylaxe dar, nicht nur nach hämatopoetischer Stammzelltransplantation (HSZT) mit haploidenten, sondern auch mit HLA-identen und „mismatch“(MM)-unverwandten Spender:innen. PTCY wird zunehmend häufiger von HSZT-Zentren eingesetzt (Abb.1).
Ein Transplantat aus Orca-T, das eine allogene T-Zell-Immuntherapie darstellt, erzielt ausgezeichnete Ergebnisse nach HSZT mit einem HLA-identen Geschwisterspender. MaaT013 ist die erste mikrobiombasierte Therapie für Patient:innen mit akuter gastrointestinaler GvHD, die auf Steroide und Ruxolitinib refraktär sind.
Der gegen den „Colony-stimulating factor 1“-Rezeptor (CSF1R) gerichtete monoklonale Antikörper Axatilimab kann in einer Dosierung von 0,6mg/kg alle vier Wochen sicher und wirksam gegeben werden, wenn Patient:innen mit therapierefraktärer, chronischer GvHD eine längere Behandlung benötigen.
Die Erstanwendung von CD6-CAR-regulatorischen T-Zellen war bei Patient:innen mit therapierefraktärer chronischer GvHD erfolgreich, sollte jedoch noch an größeren Patient:innenkollektiven evaluiert werden.
Auch in diesem Jahr wurden sehr wichtige neue Erkenntnisse zur Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie der Graft-versus-Host(Spender gegen Empfänger)-Erkrankung, GvHD, von unterschiedlichen Forschungsgruppen präsentiert. Die GvHD stellt nach wie vor eine lebensbedrohliche Komplikation nach allogener HSZT dar.
Etwa 30–50% aller Patient:innen entwickeln eine chronische GvHD, die häufig die Haut, Mundschleimhaut und die Augen betrifft, jedoch auch andere Organe befallen kann und mit schwerer Immundefizienz oder Autoantikörperbildung einhergeht, zu lebensbedrohlichen Infekten führen kann und die Lebensqualität betroffener Patient:innen sehr beeinträchtigt.
Die Therapie von Patient:innen mit steroidrefraktärer akuter GvHD stellt noch immer eine große klinische Herausforderung dar, zumal diese nach wie vor eine hohe Non-Relapse-Mortalität (NRM) haben. Eine kurze Auswahl an wichtigen innovativen Entwicklungen, die bei der diesjährigen Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie präsentiert wurden, wird im Folgenden kurz beschrieben.
Fortschritte in der GvHD-Prophylaxe
Posttransplant-Cyclophosphamid
GvHD-Prophylaxe bei AML, ALL & MDS
Dr. Pashna Munshi vom Georgetown Universitätskrankenhaus in Washington, D.C., präsentierte Daten von 8272 erwachsenen Patient:innen mit akuter myeloischer Leukämie (AML) oder akuter lymphatischer Leukämie (ALL) in erster oder zweiter kompletter Remission (CR) oder mit myelodysplastischem Syndrom (MDS), die beim Center for International Blood and Marrow Transplant Research (CIBMTR) gemeldet sind und eine myeloablative Konditionierung entweder mit PTCY oder Calcineurin-Inhibitor/Methotrexat (CNI/MTX) mit oder ohne Antithymozytenglobulin (ATG) als GvHD-Prophylaxe erhielten.
Als Stammzellquelle wurden Blutstammzellen (PBSC) von HLA-identen Geschwister- oder unverwandten Spender:innen verwendet. Der primäre Studienendpunkt war der Vergleich des 2-Jahres-Überlebens ohne GvHD-Rezidiv (GRFS), sekundäre Endpunkte waren Gesamtüberleben (OS), transplantationsassoziierte Mortalität (TRM), Rezidiv und akute und chronische GvHD.
Diese Studie inkludierte drei Kohorten:
-
PTCY mit 1360 Patient:innen
-
CNI/MTX mit ATG mit 1543 Patient:innen
-
CNI/MTX ohne ATG mit 5369 Patient:innen
Das mediane Patient:innenalter war 50,6 Jahre.
Nach zwei Jahren war die GRFS-Rate in der PTCY-Kohorte mit 41,2% signifikant höher verglichen mit 25,8% und 17,5% (p<0,001). In der Multivariatanalyse hatten Patient:innen mit CNI/MTX/ATG verglichen mit PTCY ein signifikant kürzeres GRFS (HR: 1,47; p<0,0001), mehr akute GvHD II–IV (HR: 1,51; p=0,0015), mehr therapiebedürftige chronische GvHD (HR: 1,73; p=0,0003) und höhere Rezidivraten in den ersten vier Monaten (HR: 1,50; p=0,0016). Dies bestätigte sich auch in der CNI/MTX-Kohorte. Das erkrankungsfreie Überleben war nicht unterschiedlich, das OS nur in der CNI/MTX-Kohorte kürzer.
PTCY im Vergleich von PBSC & KM
Dr. Amir Kasaeian vom Universitätsklinikum Kansas verglich das Outcome von 559 erwachsenen Patient:innen in der CIBMTR-Datenbank, die entweder PBSC („peripheral blood stem cell transplantation“; n=466) oder Knochenmark (KM; n=93) von HLA-Mismatch-Spender:innen gefolgt von PTCY-Prophylaxe erhielten. Die Konditionierung war myeloablativ in 40,6%, dosisreduziert in 42,9% und nichtmyeloablativ in 16,5%.
Nach einem medianen Follow-up von 35,5 Monaten liegt das mediane GRFS bei 17 Monaten. Die Stammzellquelle hatte keinen signifikanten Einfluss auf GRFS, DFS, OS, Rezidivinzidenz oder GvHD-Outcome, einschließlich akuter GvHD Grad II–IV, III–IV und moderater/schwerer chronischer GvHD. Klinische Parameter wie Patient:innenalter, Komorbiditäten, Performance-Status, Erkrankung und Zytomegalievirus(CMV)-Mismatch zwischen Patient:innen und Spender:innen hatten jedoch einen signifikanten Einfluss auf das Outcome der Patient:innen.
Somit kann anhand dieser Daten geschlossen werden, dass PBSC eine sehr gute Option bei Mismatch-Spender:innen darstellen, wenn KM nicht zur Verfügung steht und PTCY als GvHD-Prophylaxe eingesetzt wird.
PTCY nach HSZT mit PBSC
Dr. Klara Kim vom City of Hope National Medical Center in Duarte, Kalifornien, präsentierte eine retrospektive Analyse mit 462 Patient:innen im medianen Alter von 56 Jahren, die nach erster HSZT mit PBSC als GvHD-Prophylaxe PTCY erhielten.
Primäre Studienendpunkte waren Inzidenz, Schweregrad und Organbeteiligung der chronischen GvHD, wobei der Fokus auf fibrotischen Manifestationen im Bereich von Haut, Lunge, Gelenken und Faszien lag. Die Konditionierungstherapie war entweder myeloablativ (46%) oder nichtmyeloablativ (54%) und die meisten Patient:innen erhielten Tacrolimus und Mycophenolat Mofetil (88%) oder Sirolimus (10%) in Kombination mit PTCY. Als Spender:innen wurden sowohl haploidente als auch HLA-idente und MM-unverwandte Personen eingesetzt.
Nach einem medianen Follow-up von 22,5 Monaten entwickelten 201/462 Patient:innen(43%) eine chronische GvHD. Die 2-Jahres-Inzidenz der chronischen GvHD war 46% nach haploidenter, 40% nach MM und 40% nach HLA-identer HSZT mit unverwandten Spender:innen, die Ausprägung war mild in 59%, moderat in 28% und schwer in 13%. Die meisten Patient:innen hatten Beteiligungen an ein bis zwei Organen (86%); die am häufigsten betroffenen Organe waren Haut (71%), orale Mukosa (30%) und Augen (22%). Fibrotische Manifestationen waren selten, mit Sklerodermie bei 3%, schwerer Gelenks- und Faszienbeteiligung bei 1% und Bronchiolitis-obliterans-Syndrom (BOS) bei 5% der Patient:innen. Die meisten Patient:innen sprachen auf eine Therapie mit Steroiden oder Ruxolitinib an.
Die 2-Jahres-Gesamtüberlebensrate war 85% nach haploidenter, 77% nach MM und 82% nach HLA-identer unverwandter HSZT. Somit konnte gezeigt werden, dass PTCY als GvHD-Prophylaxe mit einer niedrigen Inzidenz an moderater bis schwerer chronischer GvHD unabhängig vom Spendertyp assoziiert ist und fibrotische Subtypen sehr selten sind.
ACCESS: PTCY bei 4–7/8 MM-Spende
Dr. Monzr M. Al Malki vom City of Hope National Medical Center in Duarte analysierte in der ACCESS-Studie des CIBMTR prospektiv die Auswirkung der GvHD-Prophylaxe mit PTCY bei erwachsenen Patient:innen mit 4–7/8 (HLA-A, -B, -C und -DRB1) Mismatch-Blutstammzellspender:innen im Alter ≤35 Jahren nach myeloablativer oder dosisreduzierter Konditionierung.
Das primäre Studienziel war das 1-Jahres-Überleben. Insgesamt erhielten 268 Patient:innen ein Mismatch-Graft (85 mit <7/8, 183 mit 7/8), das mediane Spender:innenalter betrug 25,8 Jahre. Die 1-Jahres-Überlebensrate war 86% für die <7/8 Kohorte und 79% für die 7/8 Gruppe. Die 1-Jahres-Rezidivinzidenz lag bei 23% in der <7/8-Gruppe und bei 17% bei 7/8-Empfänger:innen. Die NRM-Raten betrugen 8% und 14% und die GRFS-Raten 55% und 51%.
Nach sechs Monaten betrugen die Raten an akuter GvHD II–IV 34% und 39%. Die Inzidenzen an moderater bis schwerer chronischer GvHD betrugen nach einem Jahr 8% und 11%. Aufgrund dieser Erfolg versprechenden Daten empfehlen die Autor:innen die Verwendung von 4–7/8-Mismatch-Spender:innen, wenn keine anderen Spender:innen zur Verfügung stehen und PTCY als GvHD-Prophylaxe verwendet wird.
Orca-T
Hochrisiko-Malignome, myeloablative Konditionierung und Orca-T-Transplantation
Dr. Samer Srour vom MD Anderson Cancer Center in Houston diskutierte eine multizentrische Phase-I-Studie, in der 44 erwachsene Patient:innen mit Hochrisiko-Malignomen eine myeloablative Konditionierung gefolgt von Stammzelltransplantation mit einem 8/8-verwandten Spender erhielten, wobei das Transplantat aus Orca-T bestand, das eine allogene T-Zell-Immuntherapie darstellt.
Orca-T besteht aus der sequenziellen Infusion von CD34+ hämatopoetischen Stammzellen und hoch aufgereinigten regulatorischen T-Zellen (Treg) gefolgt von einer Infusion konventioneller T-Zellen. Mithilfe der regulatorischen T-Zellen erfolgt dabei eine wirksame GvHD-Prophylaxe.
Verglichen wurden Kohorten mit alleiniger Tacrolimus-Prophylaxe (n=18) oder keiner medikamentösen GvHD-Prophylaxe (n=26). Orca-T konnte zentral von „Orca Bio GMP“ in Sacramento aus G-CSF-mobilisierten PBSC für alle Patient:innen hergestellt werden. Das Engraftment der Neutrophilen erfolgte nach median zwölf Tagen.
Die Ergebnisse waren:
-
Überlebensrate nach ein und zwei Jahren: 90% und 86%
-
Rate des Überlebens frei von moderaterbis schwerer chronischer GvHD nach einem Jahr: 85%
-
NRM-Rate nach einem Jahr: 3,4%
-
Rezidivinzidenz nach einem Jahr: 12,7%
-
Rate akuter GvHD Grad 3–4 am Tag >180: 7,1% (6% vs. 8%)
-
Rate moderater bis schwerer chronischer GvHD nach einem Jahr: 5,9% (12% vs. 0%)
Patient:innen, die keine zusätzliche Immunsuppression als Prophylaxe erhielten, hatten eine raschere Immunregeneration und signifikant weniger Infektionen (Grad-3-Infektionen nach „The Blood and Marrow Transplant Clinical Trials Network“: Rate nach einem Jahr 6% vs. 0%).
Somit konnte in dieser klinischen Studie gezeigt werden, dass Orca-T effizient und sicher ist, ein rasches Engraftment mit niedrigen Raten an schwerer akuter und chronischer GvHD und niedriger NRM ermöglicht und keine weitere prophylaktische Immunsuppression erforderlich ist.
Fortschritte in der Therapie der akuten GvHD
EQUATOR: Itolizumab+Kortikosteroide
Dr. John Koreth vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston präsentierte die ersten Ergebnisse der EQUATOR-Studie, einer doppelverblindeten, randomisierten placebokontrollierten Phase-III-Studie, in der Itolizumab in Kombination mit Kortikosteroiden als Erstlinientherapie der akuten GvHD eingesetzt wurde.
Itolizumab ist ein monoklonaler Antikörper gegen CD6, der die Interaktion von CD6 mit dem aktivierten Leukozyten-Zell-Adhäsionsmolekül (ALCAM) blockiert und dadurch die T-Effektorzell-Aktivität und deren Trafficking in inflammierte Organe inhibiert.
EQUATOR wollte ursprünglich 200 Patient:innen im Alter von ≥12 Jahren einschließen, musste jedoch aus finanziellen Gründen frühzeitig beendet werden. So wurden 158 erwachsene Patient:innen mit akuter Hochrisiko-GvHD, definiert als Grad III–IV oder Grad II mit Beteiligung des unteren Gastrointestinaltrakts, innerhalb von 72 Stunden ab Beginn der Steroidtherapie randomisiert, um entweder Itolizumab (1,6mg/kg x1 gefolgt von 0,8mg/kg x6 Dosen alle 2 Wochen; n=78) oder Placebo (7 Dosen alle 2 Wochen; n=77) zu erhalten.
Der primäre Studienendpunkt war das komplette Ansprechen (CR) an Tag 29. Dies wurde in der „modified intent-to-treat population“ von 43,0% und 48,1% im Itolizumab- und Placebo-Arm (p=0,774) erreicht. Die Gesamtansprechrate (ORR) am Tag 29 war 62,0% vs. 54,4% für Itolizumab vs. Placebo (p=0,404). Die mediane Dauer des CR war 336 Tage für Itolizumab und 72 Tage für Placebo (HR: 0,38; p=0,017). Das „failure-free survival“ (FFS)war für Patient:innen, die Itolizumab erhielten, signifikant länger (HR: 0,66; p=0,043). Die 1-Jahres-Überlebensraten lagen bei 66,7% vs. 49,6% (p=0,375) in der Itolizumab- vs. Placebo-Kohorte und die 1-Jahres-NRM-Rate lag bei 28,9% vs. 41,7% (p=0,282).
Schwere unerwünschte Ereignisse (SAE) traten bei 45 Itolizumab-Patient:innen (58%) und 47 Placebo-Patient:innen (61%) auf, die häufigsten waren Infektionen bei 22 (28%) Itolizumab- und 29 (38%) Placebo-Patient:innen.
Aus diesen Daten ergibt sich, dass der Einsatz von Itolizumab durchaus Erfolg versprechend scheint, jedoch weitere Studien für konkrete Aussagen erforderlich sind.
ARES: MaaT013 bei GI-GvHD
Dr. Florent Malard vom Hôpital Saint Antoine in Paris diskutierte die Ergebnisse der ARES-Studie, einer multizentrischen Phase-III-Studie, in der Patient:innen mit refraktärer akuter gastrointestinaler GvHD (GI-GvHD), die zuvor Steroide und Ruxolitinib erhalten hatten, nunmehr MaaT013 erhielten, eine Transplantation fäkaler Mikrobiota. MaaT013 enthält ein Minimum an 1,35x1011 viablen Bakterien und wurde mittels rektaler Infusion an den Tagen 1, 5 und 10 verabreicht.
Der primäre Studienendpunkt war das Gesamtansprechen im GI-Trakt am Tag 28, das von einem unabhängigen Review-Komitee nach „Mount Sinai Acute GvHD International Consortium“(MAGIC)-Kriterien beurteilt wurde. Bis zum 11. November 2024 erhielten 66 Patient:innen mit akuter GI-GvHD von Grad II–IV zumindest eine MaaT013-Dosis (mediane Anzahl: 3). 57 Patient:innen(86%) waren steroidrefraktär, 14% steroidabhängig und alle waren Ruxolitinib-refraktär.
Die ORR an Tag 28 war 62% (n=41) und damit signifikant höher als der zuvor festgelegte Threshold von 22% (p<0,0001). Die meisten Patient:innen erzielten am Tag 28 eine GI-CR (38%; n=25) oder ein sehr gutes Teilansprechen („very good partial remission“; VGPR) im Gastrointestinaltrakt (20%; n=13) sowie eine partielle Remission im GI-Trakt (PR) (5%; n=3). Am Tag 56 blieb die GI-ORR bei 49% bestehen, einschließlich einer GI-CR bei 37%. Die mediane Dauer des Ansprechens lag bei 6,4 Monaten. Nach einer medianen Nachbeobachtung von 140,5 Tagen war das mediane Überleben noch nicht erreicht, die Raten waren 59% und 54% nach sechs und zwölf Monaten. Die Überlebensrate war bei Respondern (zumindest GI-PR) mit 67% signifikant höher als bei Nonrespondern mit 28% nach zwölf Monaten.
MaaT013 hatte ein akzeptables Sicherheitsprofil mit nur sieben SAE (9%). MaaT013 ist die erste mikrobiombasierte Therapie für Patient:innen mit akuter GI-GvHD, die auf Steroide und Ruxolitinib refraktär sind.
Neue Entwicklungen bei der Therapie der chronischen GvHD
AGAVE-201: Axatilimab
Dr. Nosha Farhadfar vom Methodist Hospital in San Antonio präsentierte Daten aus der Studie AGAVE-201, in der Axatilimab, ein monoklonaler „Anti-colony-stimulating factor 1 receptor“(CSF-1R)-Antikörper zur Therapie der refraktären chronischen GvHD eingesetzt wurde. Dieser Antikörper zielt auf Monozyten und Makrophagen ab, die wichtige Mediatoren von Inflammation und Fibrose darstellen. Axatilimab wurde von der FDA in einer Dosierung von 0,3mg/kg alle zwei Wochen (Q2W) für Patient:innen mit chronischer GvHD nach ≥2 vorangegangenen Therapielinien zugelassen.
Patient:innen mit der Dosis 0,3mg/kg Q2W in AGAVE-201 konnten auf 0,6mg/kg alle vier Wochen (Q4W) umgestellt werden, wenn sie nach dem Zyklus 7 eine PR oder CR erreicht hatten, die für ≥20 Wochen anhielt, oder wenn sie keine Progression hatten.
Nach den ersten sechs Therapiezyklen hatten 59 von 80 Patient:innen (73,8%) auf Axatilimab 0,3mg/kg Q2W angesprochen. Von diesen 59 Patient:innen stiegen 19 (32,2%) auf die Dosis von 0,6mg/kg Q4W um. Nach dieser Umstellung erhielten die Patient:innen Axatilimab für median 20,9 Monate. 16 von 19 Patient:innen (84,2%) blieben bei der Dosis 0,6mg/kg Q4W und das Sicherheitsprofil blieb unverändert.
Zehn Patient:innen (52,6%) hatten ein „treatment-emergent adverse event“ (TEAE) von Grad ≥3 und Pneumonie wurde bei mehr als einer Person diagnostiziert. Die häufigsten TEAE nach Wechsel zur Dosis 0,6mg/kg Q4W waren Fatigue (n=5 [26,3%]), Infektionen des oberen Respirationstrakts (n=5 [26,3%]) und Kopfschmerzen (n=4 [21,1%]).
Somit zeigen diese Daten, dass die Axatilimab-Dosierung von 0,6mg/kg Q4W sicher und wirksam ist, wenn Patient:innen eine längere Therapie benötigen.
ROCKstar: Belumosudil
Dr. Zachariah DeFilipp vom Massachusetts General Hospital, Harvard Medical School in Boston, präsentierte organspezifische Ansprechraten der chronischen GvHD auf den ROCK2-Inhibitor Belumosudil aus der Studie ROCKstar.
Von den 152 teilnehmenden Patient:innen waren 114 (75%) Responder (CR oder PR) mit jeweils 57 in den zwei Dosiskohorten mit je 200mg und 2x200mg pro Tag. Die Mehrzahl der Patient:innen hatte bei Studieneinschluss eine nach der Einteilung des National Institute of Health schwere chronische GvHD (69,3%) mit Beteiligung von median vier Organen. Sie hatten median drei vorangegangene immunsuppressive Therapien und 74,7% waren auf die letzte Therapie refraktär.
Folgende Organbeteiligungen lagen vor:
-
Haut (n=95)
-
Gelenke/Faszien (n=86)
-
Augen (n=85)
-
Mundschleimhaut (n=68)
-
Lungen (n=37)
-
Ösophagus (n=26)
-
oberer GI-Trakt (n=14)
-
Leber (n=12)
-
unterer GI-Trakt (n=10)
Die Patient:innen sprachen im Median nach 4,4 Wochen an und die ORR lagen nach eins, zwei, drei, sechs und mehr als zwölf Monaten bei 14,0%, 65,8%, 86,8%, 94,7% und 100%. Die organspezifischen ORR waren nach mehr als zwölf Monaten wie folgt:
-
Haut: 48,4%
-
Gelenke/Faszien: 91,9%
-
Augen: 55,3%
-
Mundschleimhaut: 77,9%
-
Lungen: 40,5%
-
Ösophagus: 76,9%
-
oberer GI-Trakt: 85,7%
-
Leber: 25,0%
-
unterer GI-Trakt: 90,0%
Am raschesten sprach der untere GI-Trakt auf Belumosudil an (median 4,1 Wochen), während das späteste Ansprechen in den Lungen (16,1 Wochen), der Mundschleimhaut (11,9 Wochen) und der Haut (9,6 Wochen) zu sehen war. Fast die Hälfte des Lungenansprechens trat erst nach sechs Monaten ein. Es konnte gezeigt werden, dass Belumosudil in allen Organmanifestationen der chronischen GvHD Ansprechen erzielt, dieses jedoch je nach Organ nach unterschiedlicher Zeit klinisch dokumentiert werden kann.
Allogene CD6-CAR-Treg
Dr. Amandeep Salhotra vom City of Hope National Medical Center in Duarte präsentierte Daten zur Erstanwendung von allogenen CD6-CAR-Treg bei Patient:innen mit chronischer GvHD. Regulatorische T-Zellen wurden aus dem Blut der HSZT-Spender:innen isoliert und mit einem CD6-gerichteten chimären Antigenrezeptor (CAR) mit einer neuen intrazellulären CTLA-4-Domain versehen (CD6-CAR-Treg).
Nach Erfolg versprechenden In-vitro-Daten und Daten eines Xenograft-Maus-Modells wurde eine klinische Phase-I-Studie initiiert, um die Sicherheit und Machbarkeit von Spender-CD6-CARTreg-Infusionen bei Patient:innen mit steroidrefraktärer oder -abhängiger chronischer GvHD zu untersuchen.
In dieser Studie wurde ein Standard-3+3-Dosiseskalationsdesign angewandt mit den Dosierungen 0,1, 0,3, 1,0 und 3,0x106-CAR-Treg/kg. Bisher wurden sechs Patient:innen mit einem medianen Alter von 59 Jahren therapiert, die alle PBSC von einem HLA-identen Geschwisterspender erhalten hatten. Alle Patient:innen erhielten eine CNI-basierte GvHD-Prophylaxe. Die mediane Nachbeobachtungszeit liegt bei allen Patient:innen bei sechs Monaten, die mediane Zeit bis zum Auftreten einer chronischen GvHD bei 11,5 Monaten. Patient:innen hatten median 3,5 Vortherapien einschließlich Belumosudil (n=5) und Ruxolitinib (n=4).
Sklerodermie war die häufigste Organbeteiligung (n=5), gefolgt von Beteiligung der oralen Mukosa (n=4), der Augen (n=3), Gelenke/Faszien (n=2) und der Lungen (n=1). Die meisten Patient:innen (n=4) hatten Multiorganbeteiligung (≥3 Organe). CD6-CARTreg wurden für alle erfolgreich hergestellt, kryopräserviert und ohne Lymphodepletion infundiert. Drei Patient:innen bei Dosislevel 1 und Dosislevel 2 erhielten 6,4 (+/–0,2) und 24,1 (+/–7,1) x106 CAR+ Zellen.
Es traten keine immunologischen Nebenwirkungen oder Infektionen auf. Die häufigsten TEAE waren:
-
Zytopenien (n=9)
-
Neutropenie (n=4)
-
Lymphopenie (n=1)
-
Thrombopenie (n=3)
-
Anämie (n=1)
-
Sinustachykardie (n=5)
-
Hypertension (n=1)
-
Fatigue (n=2)
Alle Patient:innen mit einem Follow-up nach drei Monaten oder mehr (n=5) erzielten eine PR mit anhaltendem FFS, einschließlich drei Patient:innen mit einem 9-Monats-Follow-up, und berichteten von einer Verbesserung in den „patient-reported outcomes“.
CD6-CAR-Treg erreichten Peak-Level innerhalb eines Monats nach Infusion (DL1, 1856 [+/–1511]). Anhand einer Hautbiopsie bei einem Patienten kann gesagt werden, dass CD6-CAR-Treg für bis zu zwei Monate nach Infusion persistierten. Diese präliminären Daten lassen CD6-CAR-Treg als Erfolg versprechende zelluläre Therapie erscheinen, um die bei chronischer GvHD auftretende Immundysfunktion wieder in Balance zu bringen.
Literatur:
1 Storb R et al.: Methotrexate and cyclosporine compared with cyclosporine alone for prophylaxis of acute graft versus host disease after marrow transplantation for leukemia. N Engl J Med 1986; 314(12): 729-35 2 EBMT Handbook 2024: Ernst Holler, Hildegard Greinix, Robert Zeiser: Acute graft-versus-host disease 3 Munshi P et al.: ASH 2025; Abstr. #932 4 Kasaeian A et al.: ASH 2025; Abstr. #934 5 Kim K et al.: ASH 2025; Abstr. #935 6 Al Malki MM et al.: ASH 2025; Abstr. #936 7 Srour S et al.: ASH 2025; Abstr. #932 8 Koreth J et al.: ASH 2025; Abstr. #274 9 Malard F et al.: ASH 2025; Abstr. #817 10 Farhadfar N et al.: ASH 2025; Abstr. #272 11 DeFilipp Z et al.: ASH 2025; Abstr. #6004 12 Salhotra A et al.: ASH 2025; Abstr. #276 13Fuchs EJ et al.: Blood 2021; 137(3): 420
Das könnte Sie auch interessieren:
Tafasitamab wirksam bei Patient:innen mit multiplen Risikofaktoren
Mit einer Post-hoc-Analyse der Phase-III-Studie inMIND wurden die Vorteile für den Einsatz von zusätzlichem Tafasitamab zu Lenalidomid plus Rituximab beim follikulären Lymphom für bisher ...
Antibody-Drug Conjugates: Prävention und Therapie von Nebenwirkungen
Antibody-Drug Conjugates haben das Therapiespektrum in der Onkologie und Hämatologie in den letzten Jahren wesentlich erweitert. Durch die Kombination eines monoklonalen Antikörpers mit ...
Zelluläre Therapien ab der 2. Linie
Während die Erstlinienbehandlung des follikulären Lymphoms (noch) fest in der Hand der Chemoimmuntherapeutika liegt, sind bereits ab der zweiten Linie vermehrt zelluläre Therapien auf ...