Sekundäranalysen zu hochdosiertem Semaglutid 7,2mg aus der STEP-UP-Studie
Bericht: Dipl.-Ing. Dr. Manuel Spalt-Zoidl
Sie sind bereits registriert?
Loggen Sie sich mit Ihrem Universimed-Benutzerkonto ein:
Sie sind noch nicht registriert?
Registrieren Sie sich jetzt kostenlos auf universimed.com und erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln, bewerten Sie Inhalte und speichern Sie interessante Beiträge in Ihrem persönlichen Bereich
zum späteren Lesen. Ihre Registrierung ist für alle Unversimed-Portale gültig. (inkl. allgemeineplus.at & med-Diplom.at)
Hochdosiertes Semaglutid führte in der randomisierten Studie STEPUP zu signifikant höheren prozentualen Gewichtsveränderungen im Vergleich zu Placebo. Auf der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) präsentierten Expert:innen Wirksamkeitsergebnisse aus Sekundäranalysen der Studie.
Keypoints
-
Hochdosiertes Semaglutid 7,2mg erzielte in der STEP-UP-Studie signifikant höhere prozentuale Gewichtsreduktionen als Placebo.
-
Unter Semaglutid 7,2mg erreichten signifikant mehr Patient:innen Normalgewicht (BMI <25kg/m²; 15,6%) und günstigere Taille-zu-Größe-Verhältnisse (WHtR <0,53; 24,5%) als unter Placebo.
-
Analysen des Essverhaltens zeigten eine signifikant bessere Kontrolle des Essdrangs sowie Reduktionen von emotionalem und unkontrolliertem Essverhalten durch Semaglutid 7,2mg.
-
MRT-Analysen zeigen die signifikante Reduktion von Gesamt- und viszeralem Fettgewebe ohne signifikanten Verlust an Muskelmasse oder fettfreiem Gewebe unter Semaglutid.
Studiendesign und Resultate der STEP-UP-Studie
Der Glukagon-like-Peptid-1-Rezeptor-Agonist (GLP-1-RA) Semaglutid 2,4mg (Wegovy®) ist zur Gewichtsregulierung bei Menschen mit Adipositas oder Übergewicht mit einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung zugelassen.1 Um die Wirksamkeit und Verträglichkeit einer Dosierung von Semaglutid 7,2mg zu beurteilen, wurde die Studie STEP UP durchgeführt. Nach einer Randomisierung im Verhältnis 5:1:1 erhielten Patient:innen Semaglutid 7,2mg (n=1005), Semaglutid 2,4mg (n=201) oder Placebo (n=201) über einen Zeitraum von 72 Wochen hinweg. Semaglutid 7,2mg zeigte mit einem Unterschied von –18,2% (95% CI: –19,9 bis –16,6; p<0,001) signifikant höhere prozentuale Veränderungen des Körpergewichts gegenüber Placebo (primärer Endpunkt).2
Effekt von Semaglutid 7,2mg auf anthropometrische Messungen
Neben der prozentualen Gewichtsreduktion stellen, so Dr. Sean Wharton, University of Toronto, Kanada, anthropometrische Parameter wie der Body-Mass-Index (BMI) und das Taille-zu-Größe-Verhältnis (WHtR) laut rezenten Leitlinien wichtige Behandlungsziele für Menschen mit Adipositas dar.3,4 Tatsächlich ist ein hoher BMI mit Komplikationen wie der metabolischen Fettlebererkrankung (MASLD) und obstruktiver Schlafapnoe vergesellschaftet, während ein WHtR über 0,53 mit koronarer Herzkrankheit und Hypertonie assoziiert ist.5–8
Im Rahmen einer Sekundäranalyse der STEP-UP-Studie wurden die Anteile jener Patient:innen, die einen BMI <25kg/m2, <27kg/m2 und <30kg/m2 unter Semaglutid 7,2mg erreichten, mit den entsprechenden Anteilen in der Placebogruppe verglichen. Wichtig ist laut Wharton, dass der durchschnittliche BMI mit etwa 40kg/m2 zu Studienbeginn weit über dem gängigen Mittelwert der klinischen Studien lag.9
Signifikant mehr Teilnehmer:innen in der Gruppe mit Semaglutid 7,2mg vs. Placebo erreichten die BMI-Therapieziele. Nach 72 Wochen wiesen 15,6% der Behandelten einen BMI <25kg/m2 und damit Normalgewicht auf. Dies entspricht einer Odds-Ratio (OR) von 51,4 (95% CI: 14,3–184,2; p<0,0001). Die Unterschiede vs. Semaglutid 2,4mg waren, mit Ausnahme des Anteils jener mit BMI <30kg/m2, ebenfalls statistisch signifikant, aber deutlich schwächer ausgeprägt (Abb. 1).9
Abb. 1: Anteil der Teilnehmenden, die nach 72 Wochen die BMI-Schwellenwerte von <25, <27, <30kg/m2 unter Behandlung mit Semaglutid 7,2mg, 2,4mg oder Placebo erreichten. Höhere Dosierungen von Semaglutid führten zu signifikant größeren Anteilen mit BMI <30kg/m² und <27kg/m² im Vergleich zu Placebo (modifiziert nach Wharton S et al. 2025)9
Das WHtR veränderte sich unter hochdosiertem Semaglutid sowohl vs. Semaglutid 2,4mg (–0,02; 95% CI: –0,03 bis –0,01; p=0,0003) als auch vs. Placebo (–0,07; 95% CI: –0,08 bis –0,06; p=0,0001) signifikant. Wharton betonte, dass auch diese kleinen Zahlen klinisch relevant hinsichtlich des kardiovaskulären Risikos für Patient:innen wären. Die Anteile an Patient:innen, die eine WHtR <0,53 erreichten, betrugen 24,5%, 18,0% bzw. 4,7% in den entsprechenden Behandlungsarmen.9
Effekt von Semaglutid 7,2mg auf das Essverhalten
Neben körperlichen Aspekten ist Adipositas oft auch mit psychischen Beschwerden assoziiert, die die Kontrolle des Essdrangs, Binge-Eating und die Nahrungsaufnahme als Antwort auf emotionale Auslöser beeinflussen können, so Michelle Dalton, Leeds Trinity University, UK.
Um den Effekt von Semaglutid 7,2mg auf diese Parameter zu beurteilen, wurden die Patient:innen der STEP-UP-Studie gebeten, die Fragebögen Control of Eating Questionnaire (CoEQ) und Three-FactorEating Questionnaire-R18 (TFEQ-R18v2) zu Studienbeginn, in Woche 24 und in Woche 72 auszufüllen. Der CoEQ umfasst 19 Punkte in den Domänen „Kontrolle des Essdrangs“, „positive Stimmung“, „Drang nach Süßem“ und „Drang nach Pikantem“. Im TFEQ-R18 werden anhand von 18 Punkten die kognitive Zurückhaltung, die emotionale Nahrungsaufnahme aufgrund von Trauer, Stress und Langeweile sowie die unkontrollierte Nahrungsaufnahme evaluiert.10,11 Die Auswertung des CoEQ in Woche 72 zeigte, dass sich der Essdrang bei Semaglutid 7,2mg vs. Placebo mit 0,50 Punkten (95% CI: 0,04 bis 0,95; p=0,03) signifikant verbesserte, sich andere Domänen aber nur numerisch verbesserten. Laut TFEQ-R18-Fragebogen kam es bei emotionaler und unkontrollierter Nahrungsaufnahme zu signifikanten Verbesserungen vs. Placebo (–6,59; 95% CI: –10,34 bis –2,84; p=0,0006, bzw. –6,31; 95% CI: –9,54 bis –3,08; p<0,0001) nach 72 Wochen.12
Effekt von Semaglutid 7,2mg auf die Körperzusammensetzung
Prof. Jøran Hjelmesæth, University of Oslo, Norwegen, erklärte, dass in früheren Studien mit GLP-1-RA 25–40% der Gewichtsreduktion auf einen Verlust an Muskelmasse zurückzuführen waren.13 Ob dies auch in STEP UP so ist, wurde an einer Subgruppe von 55 Patient:innen mittels Magnetresonanztomografie (MRT) vor und nach der Therapie mit Semaglutid 2,4 oder 7,2mg (n=49) oder Placebo (n=6) untersucht.14 Die gepoolte Verumgruppe erzielte bei den prozentualen Veränderungen des Gesamt- und viszeralen Fettgewebes und des Fettanteils in den Muskeln signifikant größere Reduktionen als die Vergleichsgruppe. Erfreulicherweise waren die Unterschiede bei der Reduktion des fettfreien Gewebes sowie des Muskelvolumens nicht signifikant. Es wurde also in erster Linie Fett abgebaut (Abb. 2).14
Abb. 2: Veränderung der Körperzusammensetzung durch eine 72-wöchige Behandlung mit Semaglutid (modifiziert nach Hjelmesæth J et al. 2025)14
Quelle:
61. Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD), 15.–19.September 2025, Wien
Literatur:
1Aktuelle FachinformationWegovy®, Stand September 2025 2 Wharton S et al.: Once-weekly semaglutide 7·2mg in adults with obesity (STEP UP): a randomised, controlled, phase 3b trial. Lancet Diabetes Endocrinol 2025; online first 3 Busetto L et al.: A new framework for the diagnosis, staging and management of obesity in adults. Nat Med 2024; 30(9): 2395-9 4 Rubino F et al.: Definition and diagnostic criteria of clinical obesity. Lancet Diabetes Endocrinol 2025; 13(3): 221-62 5 Loomis AK et al.: Body mass index and risk of nonalcoholic fatty liver disease: two electronic health record prospective studies. J Clin Endocrinol Metab 2016; 101(3): 945-52 6 Messineo L et al.: Obstructive sleep apnea and obesity: a review of epidemiology, pathophysiology and the effect of weight-loss treatments. Sleep Med Rev 2024; 78: 101996 7 Siavash M et al.: Comparison of body mass index and waist/height ratio in predicting definite coronary artery disease. Ann Nutr Metab 2008; 53(3-4): 162-6 8 Choi JR et al.: Waist-to-height ratio index for predicting incidences of hypertension: the ARIRANG study. BMC Public Health 2018; 18(1): 767 9 Wharton S et al.: Effect of semaglutide 7.2mg on anthropometric measures of obesity: the STEP UP trial. Vortrag ID145 auf der 61. Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD), 15.–19.September 2025, Wien 10 Dalton M et al.: Preliminary validation and principal components analysis of the control of eating questionnaire (CoEQ) for the experience of food craving. Eur J Clin Nutr 2015; 69(12): 1313-7 11 Cappelleri JC et al.: Psychometric analysis of the three-factor eating questionnaire-R21: results from a large diverse sample of obese and non-obese participants. Int J Obes (Lond) 2009; 33(6): 611-20 12 Dalton M et al.: Control of eating with semaglutide 7.2mg in adults with obesity: the STEP UP trial. Vortrag ID146 auf der 61. Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD), 15.–19.September 2025, Wien 13 Conte C et al.: Is weight loss-induced muscle mass loss clinically relevant? JAMA 2024; 332(1): 9-10 14 Hjelmesæth J et al.: Effect of semaglutide on body composition and proximal muscle strength: the STEP UP trial. Vortrag ID147 auf der 61. Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD), 15.–19.September 2025, Wien
Das könnte Sie auch interessieren:
Diabetes erhöht das Sturzrisiko deutlich
Eine dänische Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sowohl Patienten mit Typ-1- als auch Patienten mit Typ-2-Diabetes öfter stürzen und häufiger Frakturen erleiden als Menschen aus einer ...
Notfall Diabetische Ketoazidose: Leitliniengerechtes Handeln kann Leben retten
Akute Stoffwechselentgleisungen können lebensbedrohlich sein und erfordern eine rasche und leitliniengerechte Diagnostik und Therapie. Pathogenese, Klinik, typische Befunde und die ...
Wie oft wird Diabetes nicht oder spät erkannt?
Im Allgemeinen wird von einer hohen Dunkelziffer an Personen mit undiagnostiziertem Typ-2-Diabetes ausgegangen. Ein Teil davon sind von Ärzten „übersehene“ Fälle. Eine von der University ...