
Umfrage zur Kassenmedizin 2025
Dr. Alex Jakob Kilbertus, Wels, und Dr. Michael Lackner, Linz, führten im Jänner 2025 eine Umfrage unter Kassenärzten in Oberösterreich zu Faktoren wie Zeitdruck, Honorierung, Leistungskatalog, Gesamtverdienst und Vertragsbedingungen durch: hier die Ergebnisse als Kurzversion mit einem Kommentar von Bundesfachgruppenobmann Dermatologie Dr. Manfred Fiebiger.
Die Umfrage wurde an 143 Fachärz-te und Ärzte in Ausbildung für Haut- und Geschlechtskrankheiten in Oberösterreich gesendet. 85 Fachärzte und 12 Ausbildungsärzte nahmen teil, was einer Rücklaufquote von 67,83% entspricht. Die Teilnehmer waren in verschiedenen Bereichen tätig: Krankenhaus (22,68%), Kassenordination (36,08%), Wahlarztordination (35,05%), Wohnsitz-Ärzte (2,06%) und 4,12% ohne Angabe.
Zeitdruck
Der Zeitdruck in der Kassenmedizin wird als sehr hoch empfunden (Durchschnittswert 4,49 von 5). 71,13% der Teilnehmer gaben an, dass der Zeitdruck ihre medizinische Tätigkeit negativ beeinflusst. Dies führt zu Unzufriedenheit, Stress, eingeschränkter Patientenbetreuung, häufigeren Überweisungen, fehlenden Pausen und wirtschaftlichen Herausforderungen.
Honorierung
69,07% der Hautärzte empfinden das aktuelle Honorierungsschema als nicht leistungsgerecht. Es gibt zahlreiche Vorschläge zur Verbesserung, darunter die Abschaffung von Limitierungen, bessere Vergütung spezifischer Leistungen, Anpassung der Grundvergütung, klare Regelungen, Inflationsanpassungen und eine höhere Wertschätzung des Patientengesprächs.
Leistungskatalog
84,54% der Teilnehmer sind der Meinung, dass der aktuelle Leistungskatalog das Spektrum des Faches nicht vollständig widerspiegelt. Es werden Änderungen wie die Einführung neuer diagnostischer und therapeutischer Leistungen, bessere Vergütung für Biologikaeinstellungen und -kontrollen, Tumornachsorge und Hautkrebsvorsorge sowie die Aufhebung von Limitierungen gefordert.
Gesamtverdienst
53,61% der Umfrageteilnehmer betrachten den Gesamtverdienst als Kassenarzt/Kassenärztin als unfair. Vorschläge zur Verbesserung umfassen die Abschaffung oder Erhöhung von Limitierungen, Anpassung der Honorare an gestiegene Kosten, Honorierung nach Aufwand, Unterstützung bei der Ordinationsführung, Anpassung an andere Fachgruppen, Indexanpassungen und mehr Flexibilität bei den Ordinationszeiten.
Vertragsbedingungen, Öffnungszeiten
37,93% der Befragten finden die Bedingungen des Kassenvertrags bezüglich der Mindestöffnungszeiten schlecht mit Familie und Freizeit vereinbar. Verbesserungsvorschläge umfassen flexiblere Arbeitszeiten, Reduzierung der Nachmittagsöffnungszeiten, Einführung einer 4-Tage-Woche, Unterstützung für Jungeltern und Teilzeitarbeit, Förderung von Gruppenpraxen und Vertretersystemen, realistische Abbildung der Arbeitszeit und Unterstützung durch Familienmitglieder.
Neue Technologien & Digitalisierung
79,38% der Teilnehmer sind der Meinung, dass die Chancen der Digitalisierung und neuer Technologien in der Kassenmedizin nicht ausreichend genutzt werden. Hauptgründe sind finanzielle Hürden und Zeitmangel. Es werden eine adäquate Honorierung und Unterstützung bei der Anschaffung neuer Technologien gefordert.
Wertschätzung
Die Wertschätzung der Kassenärzte durch ärztliche Kollegen und Patienten wird als eher gut empfunden, während sie durch die Politik als eher schlecht beurteilt wird. Mangelnde Wertschätzung zeigt sich durch das Ignorieren von Forderungen der Ärztekammer, negative mediale Berichterstattung und unangemessenes Patientenverhalten.
Zusammenarbeit der Versorgungsbereiche
Die Zusammenarbeit zwischen Fachrichtungen und verschiedenen Versorgungsbereichen wird nur leicht positiv bewertet (3,44 von 5). Verbesserungsvorschläge umfassen eine bessere Vernetzung, gemeinsame Fortbildungen, Förderung der Lehrpraxis und zuverlässige Übermittlung von Arztbriefen.
Patientenströme
Um die Patientenströme besser zu lenken und die Belastung der Fachärzte zu reduzieren, werden folgende Maßnahmen vorgeschlagen: Hausarzt als erste Anlaufstelle und Triage, Einschränkung der Selbstzuweisung, Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung, Nutzung von Telemedizin und digitalen Lösungen, strukturelle und organisatorische Maßnahmen zur Verbesserung der hausärztlichen Versorgung und Einführung eines einheitlichen Finanzierungssystems.
Fazit
Die Umfrage zeigt deutlich die Notwendigkeit einer Änderung der Bedingungen in der Kassenmedizin, um die Arbeitsbedingungen der Hautärze zu verbessern, die Qualität der Patientenbetreuung zu erhöhen und die Nutzung moderner Technologien zu fördern. (red)
Kommentar zur Umfrage
Zu dieser Umfrage aus dem Bundesland Oberösterreich möchte ich als Bundesfachgruppenobmann einen standespolitischen und persönlichen Kommentar abgeben: Die mangelnde Bereitschaft, Kassenstellen zu übernehmen, gefährdet die dermatologische Versorgung unserer Patienten im niedergelassenen Bereich. Das Problem entsteht dadurch, dass die Arbeit in einer Kassenpraxis schlechter dargestellt wird, als sie in Wirklichkeit ist. Daher gehe ich auf die einzelnen Punkte ein.
Zeitdruck
Jeder Praxisinhaber hat die Möglichkeit, den Terminplan individuell zu gestalten. Wenn ich zu viel Zeitdruck habe, würde ich mich nicht beschweren, sondern weniger Termine vergeben. Bei Akutzuweisungen muss man schon bei der Anmeldung kommunizieren, dass nur das Thema der Akutzuweisung behandelt wird und keine anderen Dermatosen. Den meisten Zeitdruck haben Praxen in Regionen, in denen viele Kassenstellen unbesetzt sind. Dieses Problem lässt sich durch die Besetzung der Kassenstellen lösen.
Honorierung, Leistungskatalog
An diesem Thema arbeiten wir gemeinsam mit der Standesvertretung. Leider scheitern diese Gespräche oft am Argument der fehlenden Finanzen. Ein einheitlicher Leistungskatalog wurde im Jahr 2019 erstellt, aber nie umgesetzt. Hier ist Druck auf die Gesundheitspolitik auszuüben.
Gesamtverdienst
Eine Analyse des Instituts für Höhere Studien hat ergeben, dass im Jahr 2022 der durchschnittliche Gewinn vor Steuer bei allen Kassendermatologen in Österreich bei 209000 Euro lag. Das bedeutet ein Nettoeinkommen von 10500 Euro pro Monat. Das obere Quartil erwirtschaftet einen Bruttogewinn von 335000 Euro. Bei anderen selbstständigen akademischen Berufsgruppen sind die Einkommen deutlich niedriger. Die Einkommen der Wahlärzte liegen deutlich unter den Einkommen der Kassenärzte (siehe Abb.1, betrifft alle Fachgruppen)1. Auch bestehen keine signifikanten Einkommensunterschiede zwischen dem urbanen und dem ländlichen Bereich. Die Sozialversicherung um Unterstützung bei der Ordinationsführung zu bitten, halte ich für keine gute Idee. Als Praxisinhaber ist man Unternehmer und daher selbst für die Führung der Ordination zuständig. Bei diesbezüglichen Fragen stehen Kollegen, der Steuerberater oder die Standesvertretung zur Verfügung.
Abb. 1:Ärztlich relevante Einkünfte aus selbstständiger Arbeit und Gewerbebetrieb (Praxisgewinn vor Steuern) und unselbstständiger Arbeit (Lohnbemessungsgrundlage) in EUR nach Urbanisierungsgrad, 2022 (modifiziert nach IHS 2024)1
Öffnungszeiten
Die Mindestöffnungszeit beträgt 20 Stunden/Woche. Ich kenne Kolleginnen, die Alleinerzieherinnen sind und die Arbeit in der Praxis gut bewältigen konnten. Unter diesen Umständen kann man eine 4-Tage-Woche beantragen. Nach der Versorgung in der Kinderbetreuung oder nach dem Schuleintritt konnten sie die Ordinationszeiten, je nach persönlichem Wunsch, wieder erweitern.
Neue Technologien und Digitalisierung, Patientenströme
Hier wäre tatsächlich ein enormes Potenzial vorhanden. In den Bundesländern Steiermark und Tirol gibt es teledermatologische Projekte. Leider scheitert die Umsetzung in den anderen Bundesländern an der Blockade der ÖGK. Eine Verbesserung der Patientenlenkung wäre für alle Beteiligten hilfreich.
Wertschätzung
Die Wertschätzung unserer Fachgruppe durch die Gesellschaft und die Politik empfinde ich als positiv. Tatsächlich ärgerlich ist das Verhalten einiger ÖGK-Funktionäre. Anstatt ein konstruktives Gespräch zu suchen, werden über die Medien Ärzte, die in der Gesundheitsversorgung arbeiten, schlechtgemacht.
Bei ungebührlichem Verhalten von Patienten hat man die Möglichkeit, dies zu dokumentieren und die weitere Behandlung zu verweigern. Darüber wissen einige Kollegen nicht Bescheid. Dies ist rechtlich gedeckt und verbessert die Psychohygiene im Praxisteam.
Fazit
Die angeführte Förderung von Lehrpraxen ist überfällig. Dadurch bekommen Kollegen in Ausbildung die Möglichkeit, zu sehen, dass die Arbeit in der Kassenpraxis attraktiv ist. Auch besteht die Möglichkeit, in einer Kassenpraxis für einen kurzen Zeitraum zu hospitieren. Verbesserungspotenziale sind selbstverständlich vorhanden. Daran arbeiten die Fachgruppe und die Standesvertretung. Leider gelingt es in politischen Verhandlungen nicht, alle Forderungen durchzusetzen.
Alles in allem empfinde ich meine Arbeit in der Kassenpraxis als schön und sinnvoll.
Quelle:
Dr. Alex Jakob Kilbertus, Dr. Michael Lackner: Umfrage zur Kassenmedizin 2025; DERMATOLOGIE OBERÖSTERREICH; Fachgruppe für Haut- und Geschlechtskrankheiten
1 Cypionka T et al.: Einkünfte von Ärztinnen und Ärzten in
Österreich. Eine Analyse anhand von Lohn- und Einkommensdaten – ein Update. Dezember 2024. https://irihs.ihs.ac.at/id/eprint/7104/1/ihs-report-2024-czypionka-reiss-stegner-einkuenfte-aerztinnen-aerzten-oesterreich-analyse-lohn-einkommensdaten.pdf ; zuletzt aufgerufen am 13.8.2025
Literatur:
1 Cypionka T et al.: Einkünfte von Ärztinnen und Ärzten in
Österreich. Eine Analyse anhand von Lohn- und Einkommensdaten – ein Update. Dezember 2024. https://irihs.ihs.ac.at/id/eprint/7104/1/ihs-report-2024-czypionka-reiss-stegner-einkuenfte-aerztinnen-aerzten-oesterreich-analyse-lohn-einkommensdaten.pdf; zuletzt aufgerufen am 13.8.2025
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