Viszerales Bauchfett – ein Marker für beschleunigte Alterung?
Eine aktuelle Kohortenanalyse zeigt einen Zusammenhang zwischen DXA-gemessenem viszeralem Fettgewebe und biologischen Alterungsmarkern. Besonders deutlich war die Assoziation bei Frauen.
Adipositas ist nicht nur eine Frage des Körpergewichts. Entscheidend für das metabolische Risiko ist auch, wo Fettgewebe gespeichert wird. Insbesondere viszerales Fettgewebe („visceral adipose tissue“; VAT) unterscheidet sich metabolisch vom subkutanen Fett und steht bereits mit kardiometabolischen Erkrankungen in Zusammenhang. Eine aktuelle Analyse der Busselton Healthy Ageing Study liefert nun Hinweise auf einen weiteren Zusammenhang: Mehr viszerales Fett war bei Erwachsenen mittleren Alters mit einer stärkeren phänotypischen Altersbeschleunigung assoziiert. Bei Frauen zeigte sich zusätzlich ein Zusammenhang mit kürzeren Leukozytentelomeren.
4799 Erwachsene untersucht
O’Shea et al. analysierten Daten von 4799 Personen im Alter von 45 bis 69 Jahren, darunter 2614 Frauen. Das viszerale Fett wurde mittels Ganzkörper-DXA-Scan, einer präzisen Niedrigdosis-Röntgenuntersuchung, bestimmt. Die Untersuchung erlaubt damit eine quantitative Erfassung der Körperzusammensetzung einschließlich des viszeralen Fettdepots. Als Marker der biologischen Alterung verwendeten die Forschenden die phänotypische Altersbeschleunigung („Phenotypic Age Acceleration“; PhenoAgeAccel). Diese basiert auf dem chronologischen Alter und neun Biomarkern und beschreibt, ob eine Person anhand dieser biologischen Parameter älter oder jünger erscheint, als es ihrem tatsächlichen Lebensalter entspricht.
Bei 1221 Teilnehmenden wurde zusätzlich die Leukozytentelomerlänge (LTL) bestimmt, deren Länge häufig als Marker biologischer Alterungsprozesse untersucht wird.
Zusammenhang bei Frauen stärker
Die Assoziation zwischen viszeralem Fett und PhenoAgeAccel war bei beiden Geschlechtern signifikant. Pro Standardabweichung mehr viszerales Fett war die phänotypische Altersbeschleunigung bei Männern um durchschnittlich 1397 Jahre und bei Frauen um 1919 Jahre höher.
Damit war der Zusammenhang bei Frauen ausgeprägter. Die Assoziationen blieben weitgehend bestehen, wenn zusätzlich anthropometrische Parameter und andere DXA-basierte Fettverteilungsmaße berücksichtigt wurden. Insbesondere blieb der Zusammenhang auch nach Adjustierung für BMI und Taillenumfang bestehen.
Noch interessanter ist der zweite untersuchte Alterungsmarker: Bei Frauen war mehr viszerales Fett mit einer kürzeren Leukozytentelomerlänge verbunden. Pro Standardabweichung mehr VAT sank die T/S-Ratio um 0,041. Bei Männern war dieser Zusammenhang statistisch nicht signifikant.
Keine neuen Screeningmarker, aber ein interessanter Forschungsansatz
Die aktuelle Studie macht viszerales Fett zu einem interessanten Kandidaten für die Erforschung biologischer Alterungsprozesse. Die Autoren sehen DXA-basiertes VAT als potenziell spezifischeren Marker als klassische Adipositasparameter und fordern insbesondere longitudinale Studien, die untersuchen, ob eine gezielte Reduktion des viszeralen Fettgewebes tatsächlich zu einer Veränderung biologischer Alterungsmarker führt.
Für die Praxis lässt sich daraus derzeit vor allem ableiten: Nicht nur das Körpergewicht, sondern auch die Fettverteilung ist relevant. Die Frage, ob weniger viszerales Fett tatsächlich zu einem langsameren biologischen Altern und besseren klinischen Outcomes führt, ist dagegen noch offen.
Literatur:
O’Shea R et al.: DXA-measured visceral adipose tissue and accelerated biological aging in middle-aged adults. Obesity 2026; 34 (8): 1613-22
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