Sportbedingte Hand- und Fingerverletzungen
Autorin:
OÄ Dr. Sabrina Holzer, BA, FEBHS
Fachärztin für Orthopädie und Traumatologie
Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Eisenstadt
E-Mail: Sabrina.holzer@bbeisen.at
Rund 25% aller Sportverletzungen betreffen die Finger.1 Für eine adäquate Therapie sind Erkenntnisse über ihre Auswirkungen auf die Karrieren von Profisportler:innen essenziell. Zentral ist daher die Frage, ob und wann Sportler:innen zum Training bzw. in den Wettkampfsport zurückkehren können und welches Leistungsniveau sie dabei erreichen.
Keypoints
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Das primäre Therapieziel ist eine anatomische Rekonstruktion mit frühfunktioneller Mobilisation, um Steifigkeit zu vermeiden und eine rasche Rückkehr zum Sport zu ermöglichen.
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Nicht jede Verletzung erfordert eine Operation: Eine differenzierte Indikationsstellung unter Berücksichtigung von Stabilität, Dislokation, Sportart und Leistungsniveau ist entscheidend.
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Sportartspezifische Schutzorthesen, Buddy-Taping und Spielcasts ermöglichen bei vielen Verletzungen eine sichere, frühzeitige Rückkehr zum Training oder in den Wettkampf.
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Ein strukturiertes Rückkehr-zum-Sport-Konzept in Zusammenarbeit mit den Ergotherapeut:innen mit klinischer und gegebenenfalls bildgebender Verlaufskontrolle reduziert das Risiko von Rezidiven, chronischer Instabilität und posttraumatischen Funktionseinschränkungen.
Epidemiologie und Risikosportarten
Sowohl im Profi- als auch im Breiten- und Freizeitsport führt der anhaltende Aktivitätstrend zu einer Zunahme sportartspezifischer Verletzungen. Hand- und Fingerverletzungen machen dabei bis zu 25% aller Sportverletzungen aus, wobei die Finger am häufigsten betroffen sind (33,5%).1 Besonders betroffen sind Athlet:innen in Ball- und Kontaktsportarten sowie Kletterer und Kletter:innen. Die häufigsten akuten Verletzungen umfassen Frakturen, Luxationen, ligamentäre Distorsionen, Sehnenavulsionen und Ringbandrupturen.1 Verletzungsart und -schwere sowie die Notwendigkeit einer operativen Versorgung beeinflussen die Rehabilitationsdauer und den Rückkehr-zum-Sport-Zeitpunkt maßgeblich.1,2
Biomechanik der Hand im Sport
Während für Alltagsaktivitäten ein funktioneller Bewegungsumfang von 40° Extension und Flexion ausreichen, variieren die Anforderungen im Sport erheblich. Der Basketball-Freiwurf erfordert einen funktionellen Bewegungsumfang von 120° Extension/Flexion in der Wurfhand (50° Extension, 70° Flexion), im nichtdominanten Handgelenk nur 32°. Dies hat Auswirkungen auf das Verständnis von Verletzungsmustern, die Planung bewegungslimitierender rekonstruktiver Eingriffe sowie die Möglichkeiten der Schienungen.2
Band- und Weichteilverletzungen der Finger
Jersey-Finger – Avulsionsverletzung der tiefen Beugesehne
Die Verletzung der tiefen Beugesehne (FDP) entsteht durch forcierte Extension am gebeugten DIP-Gelenk. Der Ringfinger ist in 62% der Fälle betroffen. Klinisch zeigt sich eine Unfähigkeit, das DIP-Gelenk aktiv zu beugen. Die Therapie der Wahl bei Sportler:innen ist ein chirurgisches Vorgehen. Die Klassifikation nach Leddy und Packer ermöglicht eine Einteilung nach Retraktionsgrad und Begleitverletzungen.
Bei Typ I retrahiert die Sehne bis in die Hohlhand. Durch die Schädigung der Vinculae wird die Vaskularisation der Sehne gefährdet, weshalb eine operative Sanierung innerhalb von 7–10 Tagen empfohlen wird. Bei Typ II retrahiert die Sehne bis auf Höhe des PIP-Gelenks, sodass eine verzögerte Versorgung möglich ist. FDP-Avulsionsfrakturen der Typen III–V unterscheiden sich in ihrer Pathoanatomie und erfordern ein angepasstes therapeutisches Vorgehen. Typ-III-Verletzungen können offen reponiert und mit Osteosynthese versorgt werden (ORIF), während bei Typ IV zusätzlich eine Sehnenrefixation notwendig ist. Bei Typ V richtet sich die Therapie nach der Rekonstruierbarkeit der Fragmente; alternativ erfolgt eine Fragmentresektion mit transossärer Sehnenrefixation. Mögliche Komplikationen sind ein Kraftverlust im Pinzettengriff sowie eine eingeschränkte DIP-Beweglichkeit.3,4
Mallet-Finger
Der Mallet-Finger ist die häufigste geschlossene Sehnenverletzung bei Sportler:innen und entsteht durch forcierte DIP-Flexion oder direkte Anpralltraumen. Dabei kommt es zum subkutanen Strecksehnenausriss (2/3 der Fälle), meist an den Fingern III–V der dominanten Hand. Klinisch zeigen sich Schmerzen, Schwellung und ein Streckdefizit im DIP. Die Diagnostik erfordert ein Röntgen in zwei Ebenen, um knöcherne Avulsionsfrakturen zu unterscheiden; bei Kindern überwiegt der knöcherne Typ (Salter-Harris III), da die offene Wachstumsfuge eine strukturelle Schwachstelle darstellt.
Isolierte Sehnenverletzungen werden mit DIP-Extensionsschienung für 6–8 Wochen behandelt, Sport ist mit Schiene erlaubt. Knöcherne Mallet-Verletzungen mit geringer Dislokation werden 4–6 Wochen konservativ ruhig gestellt. Eine Operation ist bei >30–40% Gelenkbeteiligung, irreponiblen Fragmenten oder DIP-Subluxation indiziert. Anschließend wird eine Schiene für weitere 6 Wochen nachts und beim Sport empfohlen. Unbehandelt drohen Schwanenhalsdeformität und DIP-Arthrose.
Ringbandverletzungen bei Klettersportbetreibenden
Typische Kletterverletzungen sind Ringbandverletzungen der Beugesehnen mit einer Inzidenz von 19–26% bei Wettkampfathlet:innen.5 Betroffen sind v.a. Mittel- und Ringfinger,6 wobei das A2-Ringband am häufigsten verletzt wird, gefolgt vom A4-Ringband.7 Klinisch zeigen sich akuter Rissschmerz (teils hörbar), Flexionsschwäche und gegebenenfalls ein Bowstringing. Die Diagnostik umfasst Röntgen sowie Sonografie oder MRT.
Die Klassifikation nach Schöffl entscheidet über die Therapieplanung (Tab.1). Grad-I-Verletzungen entsprechen Zerrungen. Grad-II-Verletzungen umfassen die komplette Ruptur des A4-Ringbandes oder die Teilruptur des A2- bzw. A3-Ringbandes. Komplette Rupturen des A2- oder A3-Ringbandes (Grad III) haben einen prolongierten Heilungsverlauf. Grad-IV-Verletzungen umfassen Kombinationsverletzungen, die ohne operative Rekonstruktion mit bleibenden Defiziten einhergehen. In der operativen Rekonstruktion werden weitgehend drei Techniken eingesetzt:8
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die Loop-and-a-half-Technik nach Widstrom
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die Extensor-Retinaculum-Technik nach Lister
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die Kleinert/Weilby-Shoelace-Weave-Technik mit FDS-Transplantat
Tab. 1: Therapieempfehlungen, Schutzmaßnahmen und Rückkehr zum Klettersport nach Ringbandverletzungen gemäß der Schöffl-Klassifikation
Ein Goldstandard existiert nicht. Die Verfahrenswahl erfolgt abhängig von der Erfahrung und Präferenz der Operierenden.9
Seitenbandrupturen
Ligamentäre Verletzungen der Fingergelenke sind in Ball- und Kontaktsportarten aufgrund der exponierten Lage häufig. Inkomplette Rupturen werden mit Buddy-Taping behandelt, kombiniert mit frühzeitiger Handtherapie zur Adhäsionsprophylaxe und Bewegungserhalt. Komplette Rupturen (kein fester Anschlag, Aufklappbarkeit >20° im Seitenvergleich) können konservativ (Buddy-Taping) oder operativ (offene Rekonstruktion mit Fadenankern) versorgt werden. Postoperativ beginnt die aktive Mobilisation ab der zweiten Woche, die Rückkehr zum Sport kann nach 6 Wochen erfolgen.
Ulnare Seitenbandverletzungen des MCP I
Isolierte Bandverletzungen am MCP- Gelenk des Daumens entstehen durch abrupte Abduktionsbelastungen. Eine radiologische Abklärung mit Röntgen ist obligat. Stressaufnahmen sollten unter Schmerzausschaltung im Seitenvergleich stattfinden. >30° Gelenkaufklappbarkeit, >15° erhöhte UCL-Laxität im Seitenvergleich10 oder fehlender fester Anschlag gelten als pathologisch. Bei unklarem Befund sowie Verdacht auf Stener-Läsion sind Sonografie oder MRT indiziert.11
Teilrupturen werden durch Ruhigstellung des MCP I für 4–6 Wochen behandelt. Eine frühzeitige Sportrückkehr mit Schiene birgt das Risiko einer Progression zur kompletten Ruptur mit MCP-Instabilität und Arthrose. Eine OP ist bei Stener-Läsion oder dislozierten knöchernen Bandausrissen indiziert. Gängige operative Optionen umfassen die direkte Bandnaht mit nicht-resorbierbarem Nahtmaterial bei intraligamentären Rupturen und Reinsertionen mittels Fadenanker bei Avulsionsverletzung.10 Knöcherne Avulsionen können direkt verschraubt werden. Postoperativ beginnt sportartspezifisches Training in Orthese nach etwa 2 Wochen, die Rückkehr zum Wettkampfsport ohne Orthese wird frühestens nach 12 Wochen empfohlen.12
Hyperextensionsverletzungen und Luxationen der Interphalangealgelenke
Hyperextensionsverletzungen der Fingergelenke entstehen z.B. beim Blocken eines Basketballwurfs und führen zu Rupturen der palmaren Platte an ihrer distalen Insertion. Typisch sind palmare Schmerzen, Schwellung und Hämatome; laterale Schmerzen weisen auf zusätzliche Seitenbandverletzungen hin. Am häufigsten betroffen ist das PIP-Gelenk von Ring- und Kleinfinger (66%). Essenziell ist die Prüfung des Band- und Streckapparats sowie der Gelenkstabilität. Ergänzend sollte eine Röntgenuntersuchung erfolgen, bei komplexen Frakturen sollte eine CT-Diagnostik durchgeführt werden.13
Kleine Abrissfrakturen der palmaren Platte (<30% Gelenkflächenbeteiligung) sind stabil und erlauben einen Bewegungsaufbau. Wichtig ist der Erhalt der PIP-Extension, da Narbenbildung in Flexionsstellung zu einer Pseudoboutonnière-Deformität führen kann. Bei bestehendem Streckdefizit erfolgt eine Schienung in Extension, bei etablierter Flexionsfehlstellung eine dynamische Schienung.14,15 Bei einer Gelenkbeteiligung >40% sind die Verletzungen instabil und erfordern eine operative Versorgung (z.B. Hook-Plate, Schraubenosteosynthese oder Hemihamate-Rekonstruktion). Eine zusätzliche statische Schutzschiene beim Sport kann eine frühere Rückkehr zum Sport ermöglichen. Spieler:innen sollten über das Risiko von Reststeifigkeit, eingeschränkter Flexion und posttraumatischer Arthrose aufgeklärt werden.
Bei dorsalen IP-Gelenkluxationen werden nach Reposition der Band- und Streckapparat sowie die Gelenkstabilität geprüft. Stabile Gelenke werden nach kurzer Immobilisation früh mittels Buddy-Taping mobilisiert. Taping oder Schutzschienen reduzieren bei der Rückkehr zum Sport das Rezidivrisiko deutlich.12
Palmare PIP-Gelenk-Luxationen (Abb.1) sind deutlich seltener. Nach Reposition muss die Integrität des Tractus intermedius mittels Elson-Test überprüft werden: Eine fehlende oder abgeschwächte PIP-Extension bei simultaner Hyperextension des DIP-Gelenks spricht für eine Ruptur. Die konservative Therapie umfasst eine 6-wöchige PIP-Extensionsschienung bei freiem DIP-Gelenk mit anschließender Nachtschienung für weitere 6 Wochen. DIP-Bewegungsübungen verhindern eine palmare Verlagerung der Seitenzügel. Eine frühzeitige Rückkehr zum Sport ist mit Schiene und Buddy-Taping möglich, andernfalls frühestens nach 6 Wochen.12
Abb. 1: Palmare PIP-Luxation beim Footballspiel (links, Mitte); trotz adäquater Reposition (rechts) entwickelt sich bei unzureichender Behandlung nach 2–3 Wochen eine eine Boutonnière-Deformität
Frakturen der Finger und der Metacarpalia
Frakturen der Phalangen und Metacarpalia gehören zu den häufigsten Sportverletzungen und machen bis zu ein Drittel aller Frakturen bei Athlet:innen aus. In Ball- und Kontaktsportarten beträgt ihr Anteil sogar bis zu 50% aller sportassoziierten Frakturen. Die meisten Frakturen sind gering disloziert und extraartikulär. Oberstes Behandlungsziel ist eine anatomische, übungsstabile Frakturversorgung, die eine möglichst frühfunktionelle Mobilisation ermöglicht. Die Entscheidung zwischen konservativer und operativer Therapie orientiert sich an den AO-Prinzipien und definierten Toleranzgrenzen. Maßgeblich sind dabei Achsabweichung, Verkürzung und Rotationsfehlstellung. Stabile, nicht oder minimal dislozierte Frakturen können grundsätzlich konservativ mit Spielcast oder Buddy-Taping behandelt und früh mobilisiert werden. Dislozierte Frakturen können nach geschlossener Reposition bei stabiler Stellung ebenfalls konservativ versorgt werden.12
Bei Instabilität oder Überschreiten der Toleranzgrenzen ist eine operative Stabilisierung indiziert. Bevorzugt werden perkutane, weichteilschonende Verfahren (Zug- oder kopflose Kompressionsschrauben); bei komplexen oder gelenkbeteiligenden Frakturen ist eine Plattenosteosynthese (lateral an der Phalanx zur Vermeidung von Streckapparatadhäsionen) erforderlich. Eine übungsstabile Osteosynthese ermöglicht die Mobilisation ab Tag 7–10 und damit eine frühere Sportrückkehr. Im Wettkampfsport können sportartspezifische Schienungen oder Spielcasts eine Rückkehr bereits nach 1–2 Wochen ermöglichen. Die volle Belastbarkeit wird meist nach 6–10 Wochen erreicht.11,12
Spezielle karpale Verletzungen
Kahnbeinfraktur
Die Kahnbeinfraktur ist mit 70% die häufigste Handwurzelknochenfraktur bei vorwiegend jungen, männlichen Sportlern (20.–24. Lj.). Besonders betroffen sind American-Football- und Basketball-Spieler, wobei die Inzidenz bei etwa 1 von 100 College-Football-Spielern liegt.16 Typisch ist ein Sturz auf die ausgestreckte Hand mit forcierter Extension. Klinisch zeigen sich radialseitige Handgelenksschmerzen und Druckschmerz in der Tabatière. Da das Kahnbeinserienröntgen initial oft unauffällig ist, erfolgen bei Verdacht immer eine Immobilisation und eine Abklärung mittels MRT oder CT. Unbehandelt droht in 5–25% eine Pseudarthrose mit SNAC-Wrist.
Distale Pol- und stabile Taillenfrakturen (Herbert B2) werden konservativ mit Kahnbeingips behandelt, proximale Frakturen erfordern aufgrund des Pseudarthroserisikos eine Operation, meist mit kopfloser Kompressionsschraube. Bei Sportler:innen werden stabile B2-Frakturen immer häufiger operativ versorgt, da dies eine frühfunktionelle, aber belastungsfreie Nachbehandlung über einen Zeitraum von 6–8 Wochen ermöglicht.
Die Rückkehr zum Sport erfolgt nach CT-Kontrolle (circa 6 Wochen) und ist abhängig von Sportart und Belastungsprofil. Mit Orthese ist frühes Training nach Weichteilkonsolidierung möglich.17
Die skapholunäre (SL) Bandruptur
Die SL-Dissoziation ist die häufigste karpale Instabilität, besonders relevant ist sie in Sportarten mit hohem axialem Handgelenksstress oder Sturzrisiko. Sie entsteht akut durch Sturz auf die hyperextendierte Hand oder chronisch durch repetitive Mikrotraumata. Diagnostisch sind der Watson-Test sowie der SL-Ballottement-Test wegweisend. Radiologisch zeigt sich eine verstärkte Skaphoidflexion (Siegelringzeichen) und in Stressaufnahmen ein SL-Spalt von >3mm („Terry Thomas sign“).17 Chronische Verläufe haben einen statischen erweiterten SL-Spalt, vergrößerte SL-Winkel und sind durch eine DISI-Fehlstellung („dorsal intercalated segment instability“) gekennzeichnet.18 Zur Diagnosesicherung dient in erster Linie die MRT, die Arthroskopie kommt hierfür seltener zum Einsatz.
Abb. 2: Röntgenaufnahmen (A–D) einer 20-jährigen Patientin nach Fahrradsturz zeigen keinen deutlichen Frakturnachweis. Die Computertomografie (E, F) demaskiert eine dislozierte Skaphoidfraktur mit Humpback-Deformität. Nach geschlossener Reposition mittels Joystick-Technik erfolgt die perkutane Schraubenosteosynthese. Die postoperativen Aufnahmen (G–J) zeigen regelrechte Reposition und Implantatposition
Hinsichtlich des therapeutischen Managements ist bei partiellen Rupturen eine Immobilisation primär ausreichend. Eine weitere Wettbewerbsteilnahme kann mit Schutzorthesen oft erlaubt werden. Bei persistierenden Schmerzen oder Leistungsabfall folgt die Handgelenksarthroskopie. Bei persistierender Instabilität steht ein breites Spektrum an Bandersatzplastiken zur Verfügung (Kapsulodese, verschiedene Sehnendurchzugstechniken nach Brunelli …) sowie bei fortgeschrittener Destruktion die Arthrodese.19 Prognostisch ist trotz Therapie und Training der Handgelenksstabilisatoren das Risiko für dauerhaften Gelenkverschleiß und damit karrierebegrenzende Folgen erhöht.
Hamulus-ossis-hamati- und Os-pisiforme-Frakturen
Hamulus-ossis-hamati- und Os-pisiforme-Frakturen treten insbesondere bei Schlägersportler:innen nach direkter Gewalteinwirkung auf. Es sind Frakturen, die im Standardröntgen gerne übersehen werden. Klinisch zeigen sich ulnare Handgelenksschmerzen und lokalisierter Druckschmerz. Bei Pisiforme-Frakturen besteht zusätzlich das Risiko chondraler Läsionen und einer pisotriquetralen Arthrose, welche durch eine diagnostische Infiltration adressiert werden kann. Diagnostisch werden Spezialaufnahmen (Karpaltunnel-View/supinierte Aufnahme) oder eine Computertomografie durchgeführt. Therapeutisch wird die Exzision des Fragments bevorzugt, da konservative Maßnahmen bei Pseudarthrosen oft scheitern und die Gefahr einer Beugesehnenruptur (FDP) besteht. So ist eine Rückkehr zum Sportinnerhalb von 6 Wochen möglich.11
Rückkehr zum Sport
Die Prognose nach sportbedingten Hand- und Handgelenksverletzungen ist günstig. Eine systematische Übersichtsarbeit zeigte,1 dass 98,1% der Profisportler:innen in ihre Sportart zurückkehrten; die durchschnittliche Rückkehr-zum-Sport-Zeit betrug 2,8 Monate (Range: 2,3 Tage bis 6 Monate). Weniger als 20% wurden operativ behandelt. Die kurzen Rückkehr-zum-Sport-Zeiten sind sportartspezifisch zu interpretieren: Die Belastung der oberen Extremität variiert sportartspezifisch; Schutzorthesen ermöglichen häufig eine Wettkampfrückkehr vor vollständiger Ausheilung.
Zusammenfassung
Akute Finger- und Handverletzungen im Sport umfassen ein breites Spektrum knöcherner und weichteiliger Verletzungen. Die Notwendigkeit einer operativen Versorgung beeinflusst häufig eine Rückkehr zum Sport. Bei der Wahl des operativen Verfahrens werden Techniken bevorzugt, die eine frühfunktionelle Beübung und damit eine schnellere Wiederaufnahme sportlicher Belastungen ermöglichen.
Literatur:
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