Schlankheitsmittel unter der Lupe: Was bringen Diätprodukte?
Superfood-Kapseln, Wirkstoffpulver zum Frühstück oder hormonbasierte Diäten verheißen Gewichtsverlust ohne große Mühe. Eine Analyse zeigt, dass viele Produkte nicht das halten, was die Werbung verspricht. Etliche Mittel bergen sogar Risiken für die Gesundheit.
Der Markt für Abnehmprodukte boomt. Besonders gefragt sind Produkte, die einen schnellen Gewichtsverlust bei wenig Verzicht bringen. Wie wirksam sind diese Mittel tatsächlich? Und wo beginnen gesundheitliche Risiken? Die deutschen Verbraucherzentralen haben gängige Konzepte genauer unter die Lupe genommen.
Ohne Energiedefizit keine Gewichtsabnahme
Eine Tatsache bleibt in Stein gemeißelt: Wer Körperfett reduzieren will, muss die Energiezufuhr verringern. Grob gerechnet muss man etwa 7000 Kilokalorien einsparen, um ein Kilogramm Körpermasse zu verlieren. Medikamente und Schlankheitsmittel können dabei bestenfalls unterstützen. Entscheidend bleiben Ernährungsumstellung, regelmäßige Bewegung und langfristige Lifestylemaßnahmen. Problematisch sind Produkte, die einen schnellen Gewichtsverlust versprechen. Auch Bezeichnungen wie „zertifiziert“, „ärztlich erprobt“ oder „nur in der Apotheke erhältlich“ sind keine Qualitätsgarantien.
Formula-Diäten: reguliert, aber nicht risikofrei
Formula-Diäten ist der Sammelbegriff für Pulver, die mit Wasser, Milch oder Milchersatz angerührt werden und eine oder mehrere Tagesmahlzeiten ersetzen sollen. Rechtlich sind diese Produkte klar definiert. Eine Portion muss zwischen 200 und 250 kcal enthalten, einen festgelegten Proteinanteil aufweisen und mit Vitaminen sowie Mineralstoffen angereichert sein. Für Zucker und Ballaststoffe gibt es dagegen keine Vorgaben. Eine betont pflanzliche Kost und Vollkornprodukte zu den normalen Mahlzeiten können helfen, die Verdauung durch Ballaststoffe anzukurbeln. Als kurzfristiger Diäteinstieg bei Adipositas können solche Konzepte sinnvoll sein, und zwar idealerweise unter medizinischer Begleitung.
Aktueller Produktetest
In der Praxis ist allerdings Skepsis angebracht: Eine Untersuchung von 20 Shakes, die die Stiftung Warentest im Dezember 2025 durchführte, zeigte, dass nur wenige Produkte mit einem ausgewogenen Nährstoffprofil punkten. Nur sechs Shakes zeigten ein gutes Nährstoffprofil. Oft fehlen Ballaststoffe, teilweise ist zu viel Zucker zugesetzt oder der Vitamingehalt ist zu gering. Fast alle Pulver enthalten Süßungsmittel. Fünf Pulver waren schadstoffbelastet: Sie enthielten bedenkliche Mengen an Chlorat (Pestizid), Aluminium oder Kadmium. Ein Pulver überschritt den Warnwert für Enterobakterien deutlich.
Auch Vitamin- und Mineralstoffgehalte können problematisch sein. Einige Shakes überschreiten bereits mit einer Portion die Hälfte der empfohlenen Tageszufuhr. Bei längerer ausschließlicher Anwendung droht eine Überversorgung. Das gilt vor allem dann, wenn zusätzlich Supplemente eingenommen werden.
Was steckt hinter der HCG-Diät?
Die sogenannte HCG-Diät erlebt regelmäßig ein Comeback. Dabei wird das rezeptpflichtige Schwangerschaftshormon humanes Choriongonadotropin (HCG) mit einer extrem kalorienarmen Kost (rd. 500 kcal täglich) kombiniert. Für die angebliche Fettmobilisierung durch das Hormon gibt es keine belastbaren Belege. Fest steht dagegen: Wer so abnehmen will, riskiert Gallensteine sowie Herzrhythmus- und Stoffwechselstörungen. Der Gewichtsverlust resultiert allein aus der drastischen Kalorienrestriktion.
Eiweißshakes: fragwürdige Süßstoffe
Proteinreiche Ernährung kann im Rahmen einer energiearmen Diät helfen, Muskelmasse zu erhalten. Doch handelsübliche Eiweißshakes enthalten häufig Süßstoffe wie Sucralose oder Xylit, die beide zunehmend wegen möglicher negativer Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System und das Darm-Mikrobiom kritisiert werden. Fachgesellschaften empfehlen stattdessen eine proteinbewusste Ernährung mit natürlichen Lebensmitteln wie Hülsenfrüchten, Milchprodukten, Fisch, Eiern oder Nüssen.
Light-Produkte: unerwünschte Nebenwirkungen inklusive
Damit Light-Produkte so aussehen und schmecken wie die Ursprungsprodukte, müssen sie meist aufwendig verarbeitet werden. Dabei werden verschiedene Zusatzstoffe eingesetzt, wie Aromen, Geschmacksverstärker oder Verdickungsmittel. Sie enthalten statt Fett und Zucker kalorienfreie Fettersatzstoffe, Süßstoffe oder einfach mehr Wasser. Ob die Produkte beim Abnehmen oder Halten des Gewichts wirklich helfen, ist fraglich. Viele sättigen nur kurz, sodass man letztendlich doch mehr essen muss und die Übersicht über die tatsächliche Kalorienmenge verliert. Auch ist nicht eindeutig geklärt, ob Süßstoffe, etwa in Light-Getränken, den Appetit sowie Blutzucker- und Insulinspiegel ungünstig beeinflussen. Zudem verleiten Light-Produkte oft dazu, größere Portionen zu essen, sodass die eingesparten Kalorien schnell wieder ausgeglichen werden.
Skepsis ist angebracht
Wissenschaftlich nicht haltbare Aussagen zu Heilwirkungen bei chronischen Erkrankungen sind keine Seltenheit, aber unzulässig. Besonders kritisch sind Angebote aus dem Ausland oder Produkte ohne vollständige deutschsprachige Kennzeichnung. Auch Privatkäufe über Online-Plattformen bergen Risiken hinsichtlich Qualität und Lagerung. (red)
Quelle:
Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Bundesverband vom 6.2.2026: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/schlankheitsmittel-und-diaeten/diaeten-mit-bestimmten-produkten-das-koennen-schlankheitsmittel-13881 ; zuletzt aufgerufen am 27.2.2026
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