Protonenpumpenhemmer mit gutem Gewissen langfristig verschreiben?
Bei Langzeitmedikation sind auch immer mögliche unerwünschte Nebenwirkungen zu berücksichtigen, so auch bei Protonenpumpenhemmern. Bei diesen gab es u.a. auch Hinweise auf ein Magenkrebsrisiko – was ist dran?
Eingesetzt werden Protonenpumpenhemmer (PPI) bei gastroösophagealer Refluxkrankheit, bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwür, als Komedikation zum „Magenschutz“ sowie in einigen anderen Indikationen. Dieser breiten Palette entsprechend zählen sie zu den am häufigsten verordneten Arzneimitteln in Österreich. In Diskussion war, ob die Langzeitanwendung von PPI mit einem erhöhten Risiko für ein Magenadenokarzinom einhergehen könnte. Die dazu vorhandene Studienlage ist uneinheitlich, zudem waren Studien immer wieder auch mit einem Bias verbunden, nicht ausreichend adjustiert oder hinsichtlich des Magenadenokarzinoms uneinheitlich klassifiziert. Metaanalysen zeigten zum Teil erhöhte Magenkrebsraten unter PPI.
Eine aktuell publizierte multinationale Registerstudie bewertete nun diese methodischen Verzerrungen konsequent neu, um den tatsächlichen Zusammenhang zwischen Langzeitanwendung von PPI und dem Risiko für ein Magenadenokarzinom zu ermitteln.
Was wurde untersucht?
Untersucht wurden Patient:innen aus Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden im Zeitraum von 1994 bis 2020. Die Forschergruppe führte eine bevölkerungsbasierte Fallkontrollstudie unter Verwendung prospektiv erhobener Daten aus mehreren vollständigen landesweiten Registern der genannten Länder durch. Erhoben wurden die Fälle von Patient:innen mit Magenadenokarzinom, die zufällig aus der Gesamtbevölkerung des jeweiligen Landes ausgewählt wurden, wobei diese jeweils hinsichtlich Alter, Geschlecht, Kalenderjahr und Land mit 10 Kontrollteilnehmer:innen gematcht wurden.
Die Patient:innen mussten eine langfristige Einnahme von Protonenpumpenhemmern (>1 Jahr) aufweisen, ausgenommen die 12 Monate vor dem Diagnosedatum des Magenadenokarzinoms bzw. dem Aufnahmedatum bei den Kontrollpatient:innen. Es wurde auch die langfristige Einnahme (>1 Jahr) von Histamin-2-Rezeptorantagonisten (H2-RA) analysiert, um die Validität und Spezifität der Ergebnisse für die Einnahme von PPI bewerten zu können. Patient:innen mit einem Adenokarzinom der Magenkardia wurden ausgeschlossen.
Das Resultat
Die Studie umfasste 17232 Fälle von Magenadenokarzinomen außerhalb der Kardia und 172297 Kontrollpersonen. Eine langfristige Einnahme von PPI wurde bei 1766 (10,2%) Fällen und 16312 (9,5%) Kontrollpersonen ermittelt. Es wurde jedoch kein Zusammenhang zwischen der langfristigen Einnahme von PPI und dem Magenadenokarzinom festgestellt. Die adjustierte Odds Ratio war 1,01 (95% CI: 0,96–1,07). Das Risiko war bei der Einnahme von H2-RA ähnlich. Bei diesen war die adjustierte Odds Ratio 1,03 (95% CI: 0,86–1,23).
Woher kamen die früheren Fehler?
Es wurden mehrere Fehlerquellen identifiziert, die zu dem früheren falsch positiven Zusammenhang führten: die Einbeziehung der Einnahme von PPI kurz vor der Diagnose eines Magenadenokarzinoms, die kurzfristige Einnahme von PPI, das Adenokarzinom der Kardia sowie die fehlende Anpassung für Variablen im Zusammenhang mit Helicobacter pylori.
Fazit
Die Ergebnisse der Studie sprechen somit gegen ein erhöhtes Risiko für das Auftreten eines Magenadenokarzinoms aufgrund der langfristigen Einnahme von Protonenpumpenhemmern. Wichtig bleibt weiterhin, Indikation, Dosis und Therapiedauer regelmäßig zu überprüfen, um bekannte, nichtonkologische Langzeitrisiken, wie z.B. C.-difficile-assoziierte Diarrhö, Osteoporose, Vitamin- und Elektrolytstörungen, im Auge zu behalten. (red)
Literatur:
1 Duru O et al.: Long term use of proton pump inhibitors and risk of stomach cancer: population based case-control study in five Nordic countries. BMJ 2026; 392: e086384
Das könnte Sie auch interessieren:
Neue AHA/ACC-Leitlinie zur Lungenembolie
Die American Heart Association (AHA) und das American College of Cardiology (ACC) veröffentlichten kürzlich erstmals eine Leitlinie zur Lungenembolie, die ein präzises fünfstufiges ...
Was Kindern mit starken Schmerzen am besten hilft
Laut Erhebungen leiden 6,7% der Kinder und Jugendlichen an schwer beeinträchtigenden Schmerzen. Unter Leitung der Deutschen Schmerzgesellschaft wurde erstmals eine Leitlinie zur ...
Patient:innen individuell angepasst informieren
Die TU Graz, die Universität Graz und die Medizinische Universität Graz haben ein interaktives System entwickelt, das evidenzbasierte medizinische Informationen für Patient:innen an ...