Hagel- und Gerstenkörner – meistens harmlos?
Gersten- und Hagelkörner zählen zu den häufigsten Augenleiden überhaupt. In welchen Fällen müssen Betroffene unbedingt zum Augenarzt und wann reichen Hausmittel und Lidkantenpflege aus, um die lästigen Anhängsel wieder loszuwerden?
Meist sind die korngroßen Schwellungen an Ober- oder Unterlid zwar lästig und schmerzhaft, aber harmlos, und sie heilen von allein ab. Doch bei manchen Patient:innen, unter anderem solchen mit Hauterkrankungen, allergischer Neigung, Diabetes oder einem geschwächten Immunsystem, können sich die Lider immer wieder neu entzünden. In seltenen Fällen kann eine hartnäckige Schwellung auch auf eine ernste Tumorerkrankung hinweisen.
Unterscheidungsmerkmale
Hordeolum und Chalazion entstehen in den Meibom-Drüsen, die am Lidrand sitzen. „Es handelt sich in beiden Fällen um Entzündungen“, so Dr. Philomena Alice Wawer Matos Reimer vom Zentrum für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Köln. Doch es gibt einen Unterschied: „Das Gerstenkorn entsteht aufgrund einer bakteriellen Infektion, eitert oft ähnlich wie ein Pickel und schmerzt.“ Das Hagelkorn ist dagegen meist die Folge eines Sekret-staus in einer Meibom-Drüse. „Es eitert nicht, ist abgekapselt, entwickelt sich eher langsam und ist in der Regel deutlich weniger schmerzhaft“, so Wawer Matos Reimer.
Antibiotische Augensalben nur beim Gerstenkorn
Gerstenkörner klingen meist innerhalb weniger Tage ab, Hagelkörner dagegen erst nach mehreren Wochen oder sogar Monaten. „Beim Gerstenkorn kann bei ausgeprägter bakterieller Entzündung eine antibiotische Augensalbe sinnvoll sein, beim Hagelkorn helfen Antibiotika in der Regel nur im akuten Entzündungsintervall“, erläutert Wawer Matos Reimer. In beiden Fällen unterstützen desinfizierende und entzündungshemmende, meist kortisonhaltige Salben.
Wirksames Hausmittel: Kompressen mit schwarzem Tee
Besonders hilfreich sind warme Kompressen kombiniert mit Lidkantenpflege: Zunächst die geschlossenen Augenlider für fünf bis zehn Minuten durchgehend warm behandeln, am besten mit einem warmen Kirschkernkissen oder einer Wärmemaske; dann mit einem Wattepad das Lid sanft zum Rand hin massieren und mit einem Wattestäbchen die Lidränder reinigen. Wawer Matos Reimer: „Womit wir sehr gute Erfahrungen machen, ist ein altes Hausmittel: Kompressen mit schwarzem Tee.“ Dafür einen schwarzen Tee zubereiten, abkühlen lassen, einen Lappen mit lauwarmem Teewasser tränken und auf das Auge legen. In Apotheken sind fertige Tücher mit Schwarztee-Extrakt oder Teebaumöl erhältlich.
Heilt das Hagelkorn partout nicht ab, sollte ein kleiner chirurgischer Eingriff zur Entfernung in Betracht gezogen werden. „Wir machen von der Innen- bzw. Außenseite des Lides aus einen winzigen Schnitt und entfernen das entzündliche Gewebe samt Kapsel“, erklärt die Kölner Augenärztin.
Hormonelle Umstellungsphasen triggern Hagelkörner
Täglich einige Minuten Lidkantenpflege ist auch die beste Vorbeugung, sollten Hagel- oder Gerstenkörner immer wieder auftreten. Wawer Matos Reimer:„Wir wissen, dass dies bei Menschen mit Hauterkrankungen wie seborrhoischem Ekzem, Rosazea, Neurodermitis, allergischer Neigung oder auch Diabetes, Lidrandentzündungen, chronisch-entzündlichen Erkrankungen und Immunsuppression häufiger der Fall ist.“ Auch bei Frauen, die sich in hormonellen Umstellungsphasen wie der Schwangerschaft oder den Wechseljahren befinden, kann sich die Funktion der Meibom-Drüsen verändern und die Neigung zu Hagelkörnern steigen.
Tipp: tägliche Lidkantenpflege unter der warmen Dusche
„Unser Tipp ist, die Lidkantenpflege konsequent durchzuführen und in die tägliche Routine einzubauen, beispielsweise unter der warmen Dusche“, so die Augenärztin. Hilfreich sind zudem Gelmasken aus Apotheke oder Drogerie, die man erwärmen kann – oder auch Doxycyclin, das insbesondere bei Rosazea oder in hartnäckigeren Fällen notwendig werden kann. Augenärzt:innen können bei Bedarf auch eine professionelle Reinigung der Meibom-Drüsen durchführen.
Faktoren meiden, die Entzündungen begünstigen
Darüber hinaus sollten Dauergeplagte unbedingt Faktoren vermeiden, die Entzündungen begünstigen und das Immunsystem weiter schwächen. „Dazu gehören aktives und passives Rauchen, chronischer Stress und Schlafmangel“, so Wawer Matos Reimer. Wichtig sind außerdem konsequente Hygiene an Händen und Lidrändern, sorgfältige Kontaktlinsenpflege, gründliches Abschminken an den Augen und das Vermeiden von Augenreiben.
Warnzeichen für tumoröse Veränderungen
In seltenen Fällen kann es sich bei hartnäckigen Schwellungen auch um einen Tumor handeln, meist um ein langsam wachsendes Basalzellkarzinom – oder um ein sehr seltenes Talgdrüsen- oder Merkelzellkarzinom, die zwar nur in 2 bzw. 0,5% aller Fälle vorkommen, aber äußerst bösartig und aggressiv sind. „Warnzeichen sind ein Verlust von Wimpern, ein nachgewiesenes Wachstum der Schwellung oder eine nicht heilende Wunde, die auch mit Blutungen einhergehen kann“, so die Expertin. Auch Veränderungen wie ein Konturverlust der Lidkante sollten unbedingt augenärztlich untersucht werden. „In solchen Situationen nicht lange warten und umgehend einen Termin vereinbaren“, betont Wawer Matos Reimer. (red)
Quelle:
Pressemeldung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft e.V. (DOG) vom 21.5.2026
Literatur:
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