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Gefahr durch „Jet-Set-Moskitos“

Flughafenmalaria: selten und tricky

Durch den Flugverkehr werden immer häufiger Stechmücken aus Endemiegebieten in Länder verschleppt, in denen Malaria normalerweise nicht vorkommt. Im Englischen werden sie treffend als „Jet-Set-Moskitos“ bezeichnet. Am Flughafen Frankfurt/Main sind im Juli vier Beschäftigte an Malaria erkrankt.

Die betroffenen Personen erkrankten zwischen dem 4. und 6. Juli 2026. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) handelt es sich um einen Ausbruch von Infektionen mit dem Erreger Plasmodium falciparum, es wird davon ausgegangen, dass die Infektion durch eine mit dem Flugzeug importierte infizierte Anophelesmücke übertragen wurde. Das Gesundheitsamt in Frankfurt untersucht das Geschehen.

Europa: 145 Fälle in 55 Jahren

Malaria durch Übertragung im Umfeld eines Flughafens betrifft zumeist Personen, die nicht kürzlich in ein Malariaendemiegebiet gereist sind, und ist in Deutschland ein seltenes Ereignis. Durch die Zunahme des Flugverkehrs wird allerdings langfristig mit einer weiteren Zunahme der Fallzahlen gerechnet. In Deutschland wurde der letzte Fall einer Flughafenmalaria im Jahr 2023 – ebenfalls am Frankfurter Flughafen – dokumentiert. Im Oktober 2019 erkrankten zwei Beschäftigte, 2022 wurde ein Cluster mit drei Beschäftigten ohne Reiseanamnese beschrieben – zwei Erkrankungen innerhalb einer Woche, eine dritte erst nach zehn Wochen, zwei davon mit schwerem Verlauf, alle genasen vollständig.1

Eine systematische Übersichtsarbeit erfasste für den Zeitraum 1969 bis 2024 insgesamt 145 Fälle aus 9 europäischen Ländern (105 als Flughafenmalaria, 32 als Koffermalaria klassifiziert, 8 nicht eindeutig zuordenbar).2 Die meisten Fälle traten in Frankreich (n=52), Belgien (n=19) und Deutschland (n=9) auf; im Schnitt lebten oder arbeiteten die Betroffenen 4,3 km von einem internationalen Flughafen entfernt.

Bei Fieber: Frühe Diagnose verhindert schwere Verläufe

Die fehlende Reiseanamnese kann dazu führen, dass die Diagnose erst verzögert gestellt wird. Eine verspätete Diagnosestellung erhöht wiederum das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Ärztinnen und Ärzte, die Personen betreuen, die an Flughäfen mit interkontinentalen Flugverbindungen (Passagier- und Frachtflüge) arbeiten oder sich in ihrer unmittelbaren Nähe aufhalten, sollten vor allem im Sommer bei unklarem Fieber und fehlender Reiseanamnese auch eine seltene Flughafenmalaria differenzialdiagnostisch in Betracht ziehen. Frühzeitige Diagnosestellung und Behandlung sind entscheidend, um schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle zu vermeiden. (red)

RKI: Epidemiologisches Bulletin 29/26 vom 16. Juli 2026

1 Kessel J et al.: Investigation of an airport-associated cluster of falciparum malaria in Frankfurt, Germany, 2022. Euro Surveill. 2024; 29(5) 2 Hallmaier-Wacker LK et al.: Airport and luggage (Odyssean) malaria in Europe: a systematic review. Euro Surveill 2024; 29(41)

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