Reisedermatosen als unliebsame Urlaubsmitbringsel
Sie sind bereits registriert?
Loggen Sie sich mit Ihrem Universimed-Benutzerkonto ein:
Sie sind noch nicht registriert?
Registrieren Sie sich jetzt kostenlos auf universimed.com und erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln, bewerten Sie Inhalte und speichern Sie interessante Beiträge in Ihrem persönlichen Bereich
zum späteren Lesen. Ihre Registrierung ist für alle Unversimed-Portale gültig. (inkl. allgemeineplus.at & med-Diplom.at)
Larva migrans, Myiasis und kutane Leishmaniasis gehören zu den häufigsten importierten parasitären Dermatosen. Gerade weil sie in Mitteleuropa selten auftreten, sollten sie bei Reiserückkehrer:innen mit persistierenden Hautveränderungen differenzialdiagnostisch berücksichtigt werden.
Hauterkrankungen gehören nach gastrointestinalen Infektionen und Fieber zu den häufigsten gesundheitlichen Problemen nach Fernreisen. Charakteristisch ist, dass sich die Symptome häufig erst Wochen oder Monate nach der Rückkehr manifestieren und dadurch Diagnose sowie Therapie verzögert werden können, so die Expert:innen der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG). Trotz teilweise spontaner Heilung können erheblicher Juckreiz, persistierende Entzündungen, Narbenbildung sowie psychische Belastungen den Krankheitsverlauf wesentlich beeinträchtigen.
Kutane Larva migrans: serpiginöse Hautgänge als Leitsymptom
Die kutane Larva migrans entsteht durch Larven tierischer Hakenwürmer, wobei der Mensch als Fehlwirt fungiert. Typisch ist zunächst eine Papel, von der sich täglich um mehrere Millimeter fortschreitende, serpentinenförmige Gänge in der Haut entwickeln. Begleitend treten lokalisierte Entzündungsreaktionen, Bläschenbildung und ausgeprägter Pruritus auf. Durch Kratzen können bakterielle Sekundärinfektionen entstehen. Endemische Regionen umfassen unter anderem Südamerika, Afrika, Südostasien, die Karibik, den Südosten der USA sowie Teile des Mittelmeerraums. Die Erkrankung heilt zwar häufig innerhalb weniger Wochen spontan aus, dennoch wird eine Behandlung mit Anthelminthika empfohlen. Zum Einsatz kommt insbesondere Ivermectin, oral oder topisch.
Myiasis: Fliegenlarven als Ursache persistierender Hautläsionen
Bei der kutanen Myiasis dringen Larven bestimmter Fliegenarten in die Haut ein. Die Infektion kommt vor allem in Afrika südlich der Sahara sowie in Mittel- und Südamerika vor, tritt aber grundsätzlich in vielen tropischen und subtropischen Regionen auf.
Fliegen legen ihre Eier beispielsweise auf Kleidung oder nutzen andere Insekten als Überträger, sodass der eigentliche Kontakt häufig unbemerkt erfolgt. Klinisch imponiert meist ein furunkelartiges Geschwür mit starkem Juckreiz, gelegentlichen Schmerzen und Sekretabgang. Manche Betroffene berichten über ein charakteristisches Bewegungsgefühl der Larve unter der Haut.
Therapeutisch steht die vollständige mechanische Entfernung der Larve im Vordergrund. Das luftdichte Verschließen des Atemporus kann die Extraktion erleichtern, in einzelnen Fällen sind eine lokale Anästhesie oder chirurgische Erweiterung erforderlich. Ergänzend sollte ein ausreichender Tetanusschutz überprüft und bei Bedarf eine antibiotische Therapie bei bakteriellen Sekundärinfektionen erwogen werden.
Kutane Leishmaniasis: Lange Latenz erschwert die Diagnose
Die kutane Leishmaniasis wird durch Leishmania-Spezies verursacht, die durch den Stich infizierter Sandmücken übertragen werden. Obwohl die Erkrankung vor allem aus tropischen Regionen bekannt ist, werden zunehmend Infektionen nach Reisen in den Mittelmeerraum, einschließlich Mallorca, diagnostiziert. Die Inkubationszeit von mehreren Wochen bis Monaten erschwert häufig die Zuordnung zur zurückliegenden Reise. Initial entwickelt sich meist eine schmerzlose Pustel, die sich im Verlauf zu chronischen Ulzerationen insbesondere an exponierten Körperstellen entwickelt.
Während die kutane Form häufig spontan abheilt, kann sie ausgeprägte Narben hinterlassen. Bei immunsupprimierten Patient:innen besteht zudem das Risiko für eine Ausbreitung auf Schleimhäute oder innere Organe. Für die Diagnosesicherung empfehlen die DDG-Expert:innen eine frühzeitige Gewebeentnahme mit histopathologischer Untersuchung sowie Kultur und PCR. Die Therapie richtet sich nach der verursachenden Leishmania-Spezies und dem klinischen Erscheinungsbild; sowohl lokale als auch systemische Behandlungsoptionen stehen zur Verfügung.
Prävention beginnt vor der Reise
Die meisten parasitären Reisedermatosen lassen sich durch konsequente Präventionsmaßnahmen vermeiden. Dazu gehören ein wirksamer Insektenschutz mit DEET- oder Icaridin-haltigen Repellentien, imprägnierte Moskitonetze, lange Kleidung in Endemiegebieten sowie das Meiden potenziell kontaminierter Strände. Barfußlaufen auf sandigen Flächen mit möglicher Kontamination durch Hunde- oder Katzenkot sollte vermieden werden. Kleidung sollte in Risikogebieten nicht im Freien trocknen, um eine Kontamination mit Fliegeneiern zu verhindern.
Darüber hinaus empfiehlt die DDG, Fernreisen sechs bis acht Wochen vor Reisebeginn reisemedizinisch vorzubereiten. Neben Impfungen, Mückenschutz, Malariaprophylaxe und konsequenter Hygiene gehört auch die Prävention sexuell übertragbarer Infektionen zu einer umfassenden Reiseberatung. (red)
Quelle:
Pressemitteilung der DDG vom 4.8.2026
Das könnte Sie auch interessieren:
Weniger Fleisch, weniger Harnwegsinfekte?
Frauen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, sind laut einer großen nordamerikanischen Kohortenanalyse seltener von wiederkehrenden Harnwegsinfektionen betroffen als Frauen, die ...
Mit Bewegung Blutdruck senken – was wirkt am besten?
Nicht jede Bewegung senkt den Blutdruck gleich stark – und mehr ist nicht automatisch besser. Eine neue Netzwerk-Metaanalyse zeigt, welche Trainingsformen bei Prä- und manifester ...
Erschöpfung, Schwindel, Gewichtsverlust: warum Morbus Addison leicht übersehen wird
Morbus Addison ist selten, kommt häufig mit unspezifischen Symptomen daher und wird gerade deshalb oft nicht entdeckt. Seit April 2026 steht ein weiteres Hydrocortisonpräparat mit ...