Mikroplastik im Körper: 7 Tage Verzicht zeigt messbare Effekte
Studien zeigen nicht nur, dass Plastikpartikel im Blut, in Organen und im Gehirn nachweisbar sind – sondern auch, dass sich ihre Konzentration überraschend schnell reduzieren lässt. Entscheidend ist dabei weniger Hightech als eine einfache Maßnahme: das Vermeiden von Mikroplastik im Alltag.
Mehr als 16000 Chemikalien wie Bisphenole, PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen; sog. „Ewigkeitschemikalien“) und Phthalate (Weichmacher) werden bei der Herstellung von Kunststoffen für Lebensmittel- und Getränkeverpackungen, Küchenutensilien, Frischhaltefolie, Kunststoffbehälter für Lebensmittel sowie Körperpflegeprodukte und viele andere Artikel verwendet. Sogar scheinbar harmlose Quellen wie Teebeutel oder Beschichtungen setzen kontinuierlich Mikroplastik frei.
Besonders kritisch ist, dass diese Partikel teilweise im Körper angereichert werden, Plastikpartikel sind im Blut, in Organen, der Plazenta und sogar im Gehirn nachweisbar. Die langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen sind noch nicht abschließend geklärt, jedoch deuten erste Studien auf Zusammenhänge mit Entzündungsreaktionen, hormonellen Effekten und Zellstress hin.
PERTH-Studie: Was bringt ein plastikarmer Lebensstil?
Die in Nature Medicine veröffentlichte PERTH-Studie („Plastic Exposure Reduction Transforms Health“) untersuchte, ob sich die Belastung im Körper mit Kunststoff-assoziierten Chemikalien (PAC) durch eine plastikarme Ernährung und Lebensweise senken lässt.1 Im Fokus standen vor allem Phthalate und Bisphenole wie BisphenolA (BPA) und BisphenolS (BPS), die als hormonell wirksame Stoffe gelten und mit Herz-Kreislauf- sowie Stoffwechselerkrankungen in Verbindung gebracht werden.
An der australischen Studie nahmen zunächst 211 gesunde Erwachsene teil. Bei allen wurden im Urin mehrere Kunststoffchemikalien nachgewiesen – mindestens sechs verschiedene Stoffe pro Person. Die Forschenden kombinierten Ernährungsprotokolle, Angaben zu Kosmetik- und Plastiknutzung sowie Blut-, Urin- und Körpermessungen. Dabei zeigte sich, dass insbesondere hochverarbeitete Lebensmittel, Konserven und plastikverpackte Produkte mit höheren Konzentrationen von Phthalaten und Bisphenolen verbunden waren. Auch die Nutzung bestimmter Körperpflegeprodukte wie Shampoo, Hautpflege oder Make-up erhöhte die Belastung mit einzelnen Phthalaten.
Im zweiten Teil der Untersuchung wurde eine randomisierte kontrollierte Interventionsstudie mit 60 Teilnehmenden durchgeführt. Über sieben Tage erhielten die Interventionsgruppen plastikarm produzierte Lebensmittel, teilweise zusätzlich plastikfreie Küchenutensilien (Edelstahl, Glas, Holz) sowie plastikarme Körperpflegeprodukte. Die Lebensmittel wurden entlang der gesamten Produktionskette möglichst ohne Kunststoffkontakt hergestellt, gelagert und transportiert. Ziel war es, sämtliche vermeidbaren „Plastik-Touchpoints“ von der Produktion bis zum Verzehr zu reduzieren.
Kunstoffmarker im Urin sanken deutlich
Das Ergebnis: Bereits nach einer Woche sanken mehrere Kunststoffmarker im Urin deutlich. Besonders stark reduzierten sich Mono-n-butylphthalat, Monobenzylphthalat und Bisphenol A. In Gruppen mit plastikarmen Lebensmitteln und Küchenutensilien betrug der Rückgang einzelner Stoffe bis zu rund 60%. Auch reine Änderungen bei Körperpflegeprodukten senkten bestimmte Phthalatwerte. Gleichzeitig blieb die tägliche Energiezufuhr konstant, was zeigt, dass eine plastikärmere Ernährung ohne Kalorienreduktion möglich ist.
Interessant war zudem, dass einige Phthalatmetaboliten (Diethylhexylphthalat; DEHP) entgegen den Erwartungen nicht abnahmen. Die Autor:innen vermuten, dass diese Stoffe möglicherweise im Fettgewebe gespeichert werden oder zusätzliche Expositionsquellen außerhalb der Ernährung bestehen. Die Studie liefert daher Hinweise darauf, dass Kunststoffe im Körper komplexe biologische Prozesse beeinflussen könnten.
Schlussfolgerungen
Die Studie zeigt, dass Menschen dauerhaft und weit verbreitet Kunststoffchemikalien ausgesetzt sind. Besonders relevant sind stark verarbeitete und verpackte Lebensmittel. Durch weniger Kunststoffkontakt bei Lagerung, Verpackung und Zubereitung lassen sich bestimmte Schadstoffbelastungen jedoch bereits innerhalb weniger Tage deutlich reduzieren. Gleichzeitig betonen die Autor:innen, dass weitere Langzeitstudien notwendig sind, um gesundheitliche Folgen und mögliche Speicherung von Kunststoffchemikalien im Körper besser zu verstehen. (red)
Literatur:
1 Harray AJ et al.: Low-plastic diet and urinary levels of plastic-associated phthalates and bisphenols: the randomized controlled PERTH Trial. Nature Medicine 2026; doi: 10.1038/s41591-026-04324-7
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