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Bildgebung in der Multiplen Sklerose

„Post-mortem-MRT ist ein technisch schwieriges Unterfangen“

Neurologie
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Jatros
13. Dezember 2018
Interview geführt von:
Mag. Christine Lindengrün

Interview-Partner:
Assoz. Prof. Dr. Christian Enzinger, MBA

Stv. Leiter Abteilung für Allgemeine Neurologie<br> Universitätsklinik für Neurologie, Graz<br> E-Mail: chris.enzinger@medunigraz.at

<p class="article-intro">Der strukturellen und funktionellen Bildgebung zum besseren Verständnis der Krankheitsprogression war beim ECTRIMS eine Hot Topic Session gewidmet. Der österreichische Experte für neuronale Bildgebung Prof. Christian Enzinger erklärt im Gespräch, wie neueste technische Entwicklungen das Verständnis der Pathogenese der Multiplen Sklerose verbessern.</p> <hr /> <p class="article-content"><p><strong>Herr Professor Enzinger, was kann man sich unter der longitudinalen funktionellen Magnetresonanztomografie vorstellen? <br />C. Enzinger:</strong> Die Technik des funktionellen MRT ist aus einem Zufallsbefund heraus entstanden. Man hat entdeckt, dass bei &Auml;nderungen des Blutflusses im Gehirn auch &Auml;nderungen im magnetischen Signal und damit in der Nervenzellaktivit&auml;t auftreten. Diese Technik wurde mittlerweile gut implementiert, wir verwenden sie in der Klinik, um pr&auml;chirurgisch die Funktionen von Hirnarealen zu kartieren und dem Chirurgen mitzuteilen, welches Hirngewebe schonend entfernt werden kann. <br />In der Forschung selbst haben nun Wissenschaftler mit dieser Methode zutage gebracht, dass das Gehirn von MS-Betroffenen &uuml;ber die Zeit in Reaktion auf die zunehmende Gewebssch&auml;digung Funktions&auml;nderungen aufweist. Diese gestalten sich zu Beginn derart, dass sie die Symptome und Konsequenzen der Gewebssch&auml;digung am Zentralnervensystem limitieren k&ouml;nnen. In weiterer Folge scheinen sich diese Ressourcen aber zu ersch&ouml;pfen, und mit Zunahme der Sch&auml;digung am Gehirn wird diese &bdquo;Hirnantwort&ldquo; weniger gerichtet, chaotischer. Die funktionale Effizienz geht verloren und kognitive St&ouml;rungen und motorische Ausf&auml;lle treten auf. Diese Erkenntnisse erlangt man letztendlich nur, wenn man die Methode im L&auml;ngsschnitt, das bedeutet, wiederholt &uuml;ber l&auml;ngere Zeitr&auml;ume, an Patienten einsetzt, Daten akquiriert und analysiert.</p> <p><strong>&Uuml;ber welche Zeitr&auml;ume sprechen wir hier? <br />C. Enzinger:</strong> Wir sprechen hier &uuml;ber ein bis zwei Jahre. Es gibt Ergebnisse aus unserer Forschungsgruppe, die Folgendes gezeigt haben: Gelingt es, den Erkrankungsprozess mit entsprechenden Therapien gut zu kontrollieren, sprich, die Behinderungen oder Defizite bleiben konstant, kognitive Funktionen bleiben intakt und die Ver&auml;nderungen am Gehirn &ndash; soweit man sie mittels MRT messen kann &ndash; nehmen nicht zu, dann gelingt es auch, die Patienten im gleichen Hirnzustand zu halten. Ist das nicht der Fall, dann sind vor allem jene Betroffenen, die schon zu Beginn mehr zerebrale Atrophie und einen h&ouml;heren Grad an Behinderung aufweisen, &uuml;ber diesen Zeitraum von ein bis zwei Jahren gef&auml;hrdet, die Effizienz ihrer neuronalen Verb&auml;nde zu verlieren.</p> <p><strong>Ein weiteres Thema war Postmortem- Imaging. Welche neuen Erkenntnisse gibt es hier? <br />C. Enzinger:</strong> Post-mortem-MRT, sprich Untersuchungen an Gehirnen von Verstorbenen in situ, ist ein technisch schwieriges Unterfangen. Eine Forschungsgruppe aus Amsterdam hat eine 24 Stunden erreichbare Hotline aufgebaut, um das zu realisieren. Wir haben dadurch auf diesem Gebiet sehr viele Erkenntnisse gewonnen, zum Beispiel &uuml;ber das Vorhandensein von Ver&auml;nderungen am Cortex. Diese wurden bei der MS bisher als selten angenommen, ebenso wie die Korrelate in der Bildgebung, die lange Zeit unklar oder unbekannt waren. Denn das Problem ist, dass die L&auml;sionen im Cortex deutlich weniger &Ouml;dem haben und weniger Myelinisierung aufweisen und insofern mit der normalen MRT nicht visualisierbar sind. <br />Ein anderer Punkt, der mittels Postmortem- MRT gezeigt werden konnte, ist der Zusammenhang zwischen der Ausd&uuml;nnung des Cortex und dem Ausma&szlig; an neuronaler Sch&auml;digung in Form von Verbindungs- und Nervenzellverlusten. Das sind Daten, die wir nun in der Forschung sehr nutzbringend einsetzen k&ouml;nnen, um zu verhindern, dass diese neurodegenerative Komponente der MS &uuml;berhaupt bzw. in einem beschleunigten Ma&szlig; abl&auml;uft. <br />Was man aus diesen Untersuchungen auch wei&szlig;, ist, dass das Ausma&szlig; der Hirnsubstanzabnahme, das bei Personen mit MS doppelt so gro&szlig; ist wie bei gesunden Personen, bei bestimmten Subgruppen und tiefen Hirnkernen wie zum Beispiel dem Thalamus sogar drei- bis viermal so hoch ist.</p> <p>Das vollst&auml;ndige Interview finden Sie im ECTRIMS Newsroom unter: www.universimed.com/ectrims2018</p> <p>Lesen sie auch:</p> <ul> <li><a href="/1000001039">&bdquo;Der sensitivste Vergleich findet auf der Qualit&auml;tsebene statt&ldquo;</a></li> <li><a href="/1000001040">&bdquo;Unsere Patienten sind global &ndash; genauso sollte unsere Dokumentation sein&ldquo;</a></li> <li><a href="/1000001042">&bdquo;Nicht medikament&ouml;se Ans&auml;tze sind ein wichtiger Baustein&ldquo;</a></li> </ul></p>
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