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Entzündliche Dermatosen – klinischer Blick versus Dermatoskopie

Dermatologie | Plastische Chirurgie
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Jatros
24. Mai 2017
Autor:
Dr. Teresa Maria Deinlein

Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie<br>Medizinische Universität Graz<br> E-Mail: teresa.deinlein@medunigraz.at

<p class="article-intro">Die Dermatoskopie wird in der klinischen Praxis als Standardinstrument zur Differenzierung von melanozytären und nicht melanozytären Tumoren eingesetzt. Der Nutzen dieser Technik ist mit zahlreichen Studien sowie Fallserien hinreichend belegt. In letzter Zeit wird die Dermatoskopie auch vermehrt in der Diagnostik von entzündlichen Hauterkrankungen eingesetzt, auch wenn sie dabei nicht die heuristische Wertigkeit wie in der Tumordiagnostik hat.<sup>1–3</sup></p> <hr /> <p class="article-content"><p>Nachfolgend werden dermatoskopische Kriterien h&auml;ufiger entz&uuml;ndlicher Hautkrankheiten dargestellt.<br /> Folgende auflichtmikroskopische Parameter werden dabei vorrangig ber&uuml;cksichtigt: (i) Morphologie und Verteilung der Gef&auml;&szlig;e, (ii) Farbe und Verteilung von Schuppen sowie Krusten, (iii) Farbe des Hintergrunds.<sup>1, 2, 4</sup> Die Sensitivit&auml;t und Spezifit&auml;t der Dermatoskopie in der Diagnostik von entz&uuml;ndlichen Hauterkrankungen liegt bei 84 % und 88 % .<sup>5</sup></p> <h2>Psoriasis</h2> <p>Die Psoriasis ist eine h&auml;ufige Dermatose mit genetischer Disposition, die etwa 2 % der Bev&ouml;lkerung betrifft. Klinisch sind unterschiedliche Varianten voneinander abgrenzbar, die sich unter anderem in ihrer Verlaufsform und Lokalisation unterscheiden.<br /> Bei der klassischen Psoriasis vulgaris herrschen klinisch scharf begrenzte erythematosquam&ouml;se Plaques vor.<br /> In der Literatur sind einige dermatoskopische Merkmale beschrieben, die typischerweise in Psoriasisherden zu finden sind. Hierzu z&auml;hlen regelm&auml;&szlig;ig angeordnete Punktgef&auml;&szlig;e (lineares oder zirkul&auml;res Muster), die sich auf einem rosafarbenen Hintergrund abbilden. Au&szlig;erdem geh&ouml;ren wei&szlig;e Schuppen, die sich entweder im Zentrum der L&auml;sion befinden oder fleckf&ouml;rmig &uuml;ber diese verteilt sind, zum typischen dermatoskopischen Bild dieser Dermatose (Abb. 1).<sup>5, 6</sup> In einer retrospektiven Studie waren regelm&auml;&szlig;ig verteilte Punktgef&auml;&szlig;e in nahezu allen Psoriasisherden, ungeachtet der Lokalisation, zu finden, wohingegen das Auftreten einer wei&szlig;en Schuppung stark von der K&ouml;rperregion abh&auml;ngig war. Diese fand man in allen L&auml;sionen der Kopfhaut und palmoplantar sowie nahezu immer im Gesicht. Im Falle einer Psoriasis inversa konnte sie in nur 13,2 % nachgewiesen werden und niemals bei genitalen L&auml;sionen.<sup>7</sup></p> <h2>Ekzem</h2> <p>Bei Ekzemen finden sich ebenfalls Punktgef&auml;&szlig;e, die, im Gegensatz zur Psoriasis, fleckf&ouml;rmig &uuml;ber die L&auml;sion verteilt sind und sich auf einem gelblich-roten Hintergrund befinden. Die Schuppung zeigt ebenfalls einen gelblichen Farbton und ist unregelm&auml;&szlig;ig &uuml;ber die L&auml;sion verteilt.<sup>5</sup></p> <h2>Pityriasis rosea</h2> <p>Das klinische Bild der Pityriasis rosea zeichnet sich durch unterschiedlich gro&szlig;e, disseminiert entlang der Hautspaltlinien (stammbetont) verteilte, rosafarbene, schuppende Plaques aus. Die Schuppung zeigt typischerweise eine nach innen gerichtete Schuppenkrause (Collerette- Schuppung).<br /> Bei dieser Entit&auml;t finden sich dermatoskopisch periphere wei&szlig;liche Schuppen (&bdquo;Schuppenkrause&ldquo;), die sich auf einem br&auml;unlich-gelblichen Hintergrund abbilden. Zudem sind in seltenen F&auml;llen einige lose &uuml;ber die L&auml;sion verteilte Punktgef&auml;&szlig;e vorhanden (Abb. 2).<sup>5</sup></p> <h2>Lichen ruber planus</h2> <p>Der klassische Lichen ruber planus imponiert klinisch durch flache, polygonale, livid-r&ouml;tliche, lackartig gl&auml;nzende, stark juckende Papeln, die sich durch Konfluenz zu unterschiedlich gro&szlig;en Plaques ausbilden k&ouml;nnen und die Wickham&rsquo;sche Streifung aufweisen.<br /> In der Auflichtmikroskopie findet man typischerweise peripher angeordnete Punkt- und Haarnadelgef&auml;&szlig;e, keine Schuppen und einen r&ouml;tlich-violetten Hintergrund, auf welchem sich das Netzwerk aus wei&szlig;en Streifen abbildet (Wickham&rsquo;sche Streifung) (Abb. 3).<sup>5</sup> Die Wickham&rsquo;sche Streifung ist Ausdruck einer fokalen Verbreiterung des Stratum granulosum und pathognomonisch f&uuml;r das Vorliegen eines Lichen ruber, sodass auflichtmikroskopisch die Abgrenzung zu anderen entz&uuml;ndlichen Dermatosen sicher erm&ouml;glicht wird.<sup>5, 8</sup><br /> Im Falle eines regressiven Lichen ruber planus lassen sich in der Dermatoskopie verschiedene Muster unterscheiden, die mit unterschiedlichen Krankheitsverl&auml;ufen zu korrelieren scheinen. Eine strukturlose braune Pigmentierung ohne granul&auml;re Strukturen spricht eher f&uuml;r eine schnelle Abheilung. Graue Maculae mit graubraunen Punkten und Globuli (dermalen Melanophagen entsprechend), die entweder l&auml;ngs oder clusterartig in einigen Arealen der Wickham&rsquo;schen Streifung angeordnet sind (&bdquo;ashy holes&ldquo;), deuten auf einen l&auml;ngeren Verlauf hin (Abb. 4).<sup>8&ndash;10</sup></p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2017_Jatros_Derma_1702_Weblinks_s16_abb1_2_3_4.jpg" alt="" width="1417" height="1260" /></p> <h2>Progressive Pigmentpurpura</h2> <p>Der Lichen aureus, eine seltene Variante der Purpura pigmentosa progressiva, zeichnet sich auflichtmikroskopisch durch r&ouml;tlich-violette Schollen aus, die auf einem kupferrot-goldenen Hintergrund verteilt sind.<sup>8&ndash;10</sup></p> <h2>Entz&uuml;ndliche Erkrankungen des Gesichts</h2> <p>Viele sehr h&auml;ufige entz&uuml;ndliche Dermatosen im Bereich des Gesichts imponieren klinisch als erythemat&ouml;se Maculae oder Plaques mit unterschiedlichen Verteilungsmustern und Pr&auml;dilektionsstellen.<sup>11</sup><br /> Die seborrhoische Dermatitis zeigt dermatoskopisch, &auml;hnlich wie auch andere Ekzemtypen, fleckf&ouml;rmig &uuml;ber die L&auml;sion verteilte Punktgef&auml;&szlig;e sowie eine gelbliche Schuppung, die sich auf einem r&ouml;tlichgelben Hintergrund abbilden (Abb. 5A).<br /> Im Falle einer Rosazea umfasst das auflichtmikroskopische Bild gestochen scharfe Gef&auml;&szlig;e, deren Anordnung ein polygonal- vieleckiges Bild ergibt (Abb. 5B).<br /> Perifollikul&auml;re wei&szlig;liche H&ouml;fe sowie Pfropfen in den Haarfollikeln stellen hingegen das h&auml;ufigste dermatoskopische Merkmal eines fr&uuml;hen diskoiden Lupus erythematodes dar (Abb. 6).<br /> Ein orangefarbener, teilweise gelblicher Hintergrund mit verzweigten teleangiektatischen Gef&auml;&szlig;en ist das gemeinsame dermatoskopische Bild vieler granulomat&ouml;ser Erkrankungen wie der Sarkoidose und des Lupus vulgaris.</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2017_Jatros_Derma_1702_Weblinks_s16_abb5_6.jpg" alt="" width="2150" height="574" /></p></p> <p class="article-footer"> <a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a> <div class="collapse" id="collapseLiteratur"> <p><strong>1</strong> Lallas A et al: Dermoscopy in general dermatology. Dermatol Clin 2013; 31(4): 679-94 <strong>2</strong> Lallas A et al: Dermoscopy in general dermatology: practical tips for the clinician. Br J Dermatol 2014; 170(3): 514-26 <strong>3</strong> Deinlein T et al: The use of dermatoscopy in diagnosis and therapy of nonmelanocytic skin cancer. J Dtsch Dermatol Ges 2016; 14(2): 144-51 <strong>4</strong> Kerr OAJ et al: The profile of dermatological problems in primary care. Clin Exp Dermatol 2010; 35(4): 380-3 <strong>5</strong> Lallas A et al: Accuracy of dermoscopic criteria for the diagnosis of psoriasis, dermatitis, lichen planus and pityriasis rosea. Br J Dermatol 2012; 166(6): 1198- 205 <strong>6</strong> Lallas A et al: Photoletter to the editor: dermoscopy in clinically atypical psoriasis. J Dermatol Case Rep 2012; 6(2): 61-2 <strong>7</strong> Lallas A et al: Dermoscopic pattern of psoriatic lesions on specific body sites. Dermatology 2014; 228(3): 250-4 <strong>8</strong> Zalaudek I, Argenziano G: Dermoscopy subpatterns of inflammatory disorders. Arch Dermatol 2006; 142(6): 808 <strong>9</strong> V&aacute;zquez-L&oacute;pez F et al: Dermoscopic subpatterns of ashy dermatosis related to lichen planus. Arch Dermatol 2010; 146(1): 110 <strong>10</strong> Portela PS et al: Dermoscopy of lichen aureus. An Bras Dermatol 2013; 88(2): 253-5 <strong>11</strong> Lallas A et al: Dermoscopic patterns of common facial inflammatory skin diseases. J Eur Acad Dermatol Venereol 2014; 28(5): 609-14</p> </div> </p>
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