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Giftiger Dienstag

Bläschen – und was man dagegen tun kann

Infektiologie
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Jatros
19. Dezember 2019
Bericht:
Dr. Norbert Hasenöhrl

<p class="article-intro">Bläschenbildende Erkrankungen sind zahlreich und oft nicht leicht voneinander zu unterscheiden, wie Dr. Wolfgang Bauer, Univ.-Klinik für Dermatologie, MedUni Wien, bei einem „Giftigen Dienstag“ erläuterte.</p> <hr /> <p class="article-content"><p>Terminologisch lassen sich Bl&auml;schen (Vesiculae, Durchmesser &lt; 1 cm) von Blasen (Bullae, Durchmesser &gt; 1 cm) unterscheiden. &bdquo;Bl&auml;schen k&ouml;nnen subkorneal, intraepidermal oder subepidermal liegen&ldquo;, erkl&auml;rte Bauer. Die relativ fragilen Bl&auml;schen k&ouml;nnen platzen und hinterlassen dann, je nach Stratum, in dem sie sich befunden haben, eine Erosion (epidermal) oder ein Ulkus (in tiefere Schichten reichend). <br />Die m&ouml;glichen Ursachen f&uuml;r eine Bl&auml;schenbildung sind zahlreich und vielf&auml;ltig. Sie reichen &uuml;ber Infektionen (Herpes-simplex- Virus, Varicella-zoster-Virus u. v. a.) und Arzneimittelreaktionen bis hin zu Autoimmunerkrankungen (z. B. Pemphigus, bull&ouml;ser Lupus erythematodes); dar&uuml;ber hinaus gibt es eine Reihe weiterer Ursachen. <br />Im Folgenden werden einige wenige wichtige Erkrankungen besprochen, deren gemeinsames Charakteristikum die Bl&auml;schenbildung darstellt.</p> <h2>Herpes</h2> <p>Die typische und bekannte Klinik des Herpes-simplex-Rezidivs sind gruppierte Bl&auml;schen auf erythemat&ouml;sem Grund (Abb. 1). Bei der symptomatischen Prim&auml;rinfektion findet sich allerdings meist ein ausgepr&auml;gter enoraler oder genitaler Befall mit Neigung zur Konfluenz (Gingivostomatitis/ Vulvovaginitis herpetica, Abb. 1). F&uuml;r derartige Erosionen und Ulzera der Mundschleimhaut gibt es eine Reihe von Differenzialdiagnosen, die in Tabelle 1 dargestellt sind. <br />Eine M&ouml;glichkeit, die Differenzialdiagnose einzugrenzen, ist der Tzanck-Test. Dabei wird Gewebe vom Blasengrund entnommen, gef&auml;rbt und mikroskopisch untersucht. Bei Herpesinfektionen finden sich h&auml;ufig vielkernige Riesenzellen. Mittels PCR l&auml;sst sich der Erreger, HSV-1, nachweisen. <br />Neben HSV-1 gibt es noch einen zweiten Serotyp des HSV: HSV-2. Die Pr&auml;valenz von HSV-1 wird mit 40 bis 87 % (bis 90 % im subsaharischen Afrika und in Lateinamerika) angegeben, jene von HSV-2 mit 7 bis 32 %. In den Industriestaaten hat die Pr&auml;valenz von HSV-Infektionen in den letzten Jahren etwas abgenommen. <br />Die &Uuml;bertragung erfolgt durch Tr&ouml;pfchen- oder Schmierinfektion bzw. engen Schleimhautkontakt. Die Prim&auml;rinfektion verl&auml;uft in den meisten F&auml;llen asymptomatisch &ndash; nur 20 bis 25 % der Betroffenen geben hier Beschwerden an. Das Virus verbleibt dann latent in sensorischen Ganglien und kann reaktiviert werden. Auch bei Reaktivierungen sind asymptomatische und symptomatische Verl&auml;ufe m&ouml;glich. Eine Reaktivierung ist auch dann mit einer Virusausscheidung verbunden, wenn der Patient keine Symptome zeigt. <br />Die Rezidivneigung scheint bei HSV-2 h&ouml;her zu sein als bei HSV-1; im ersten Jahr nach HSV-2-Infektion kann es bis zu sechs Rezidive geben. <br />Eine m&ouml;gliche Komplikation ist die bakterielle Superinfektion. Eine andere Komplikation, die typischerweise bei Patienten auftritt, die auch an atopischer Dermatitis leiden, ist das Ekzema herpeticatum. <br />Behandelt wird der orolabiale Herpes nur beim Auftreten von Symptomen, dann ist jedoch ein rascher Therapiebeginn angezeigt. Verwendet werden entweder Aciclovir (p. o. oder i.v.; auch in der Schwangerschaft m&ouml;glich) oder Valaciclovir bzw. Famciclovir (beide p. o.). Die Lokaltherapie erfolgt symptomatisch. Der Herpes genitalis wird im Prinzip genauso behandelt, nur dass die symptomatische Therapie eine gr&ouml;&szlig;ere Rolle spielt, da die L&auml;sionen extrem schmerzhaft sein k&ouml;nnen. <br />Bei entsprechendem Leidensdruck und dazu passender Klinik (mehr als sechs Rezidive pro Jahr) kann eine HSV-Rezidivprophylaxe mit einem der genannten Virustatika (in niedrigerer Dosis) erfolgen. Die Prophylaxe senkt die Rezidivrate, verhindert aber die Virusausscheidung nicht vollst&auml;ndig.</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2019_Jatros_Infekt_1904_Weblinks_s16_abb1.jpg" alt="" width="1614" height="552" /></p> <h2>Andere Erkrankungen</h2> <p>Beim Erythema exsudativum multiforme (EEM) kommt es zum Auftreten typischer schie&szlig;scheibenartiger L&auml;sionen mit mittiger Blasenbildung. Diese k&ouml;nnen am ganzen K&ouml;rper, insbesondere auch auf den Handfl&auml;chen und Fu&szlig;sohlen, auftreten. Auch die Mundschleimhaut und der Genitalbereich sind befallen. <br />Die Erkrankung kann durch Infektionen oder auch durch Medikamente ausgel&ouml;st werden. Neben der gerade beschriebenen Major-Form gibt es auch eine Minor-Variante, bei der sich die L&auml;sionen auf die Extremit&auml;ten beschr&auml;nken, eine Schleimhautbeteiligung seltener ist und systemische Symptome fehlen. Diese Variante wird zumeist durch Infektionen ausgel&ouml;st. <br />Die h&auml;ufigste Ursache f&uuml;r ein EEM &ndash; die f&uuml;r 99 % aller F&auml;lle verantwortlich ist &ndash; ist eine HSV-Infektion. Neben der antiviralen Therapie k&ouml;nnen hierbei eine Prophylaxe gegen bakterielle und mykotische Infektionen, die Gabe eines systemischen Kortikoids, Schmerz- und intensive Lokaltherapie sinnvoll sein. <br />Neben dem EEM k&ouml;nnen durch Arzneimittel auch das Stevens-Johnson-Syndrom (SJS) und die toxische epidermale Nekrolyse (TEN) verursacht werden. Hier kommt es zu einem Absterben der &auml;u&szlig;eren Hautschicht (Epidermis) und dadurch zu deren Abschwimmen. Je nach Schweregrad und Vorhandensein systemischer Symptome kann die Letalit&auml;t der TEN bis zu 90 % betragen. <br />Die erste therapeutische Ma&szlig;nahme ist das Absetzen des ausl&ouml;senden Medikaments. Es folgt eine multimodale supportive Therapie, die in schweren F&auml;llen auf Verbrennungs-Intensivstationen durchgef&uuml;hrt werden sollte. <br />Gefahrensignale sind: schneller Beginn und rasche Ausbreitung des Exanthems, Progression trotz Absetzen des Medikaments, Wiederaufflammen ohne Wiedereinleiten des Medikaments, Allgemeinsymptome wie Fieber, Abgeschlagenheit, Lymphadenopathie oder Arthralgien, Nikolski- Zeichen (Blasenbildung durch seitliches Verschieben der Haut) sowie Schleimhautbeteiligung. <br />Differenzialdiagnosen sind hier Verbrennungen sowie das &bdquo;Staphylococcal Scalded Skin Syndrome&ldquo; (SSSS).</p></p> <p class="article-footer"> <a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a> <div class="collapse" id="collapseLiteratur"> <p>beim Vortragenden</p> </div> </p>
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