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Auch in der Schweiz ein zentrales Thema

«Image- and performance-enhancing drugs» (IPED) im Freizeitsport

Psychiatrie
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Gemäss Literatur benutzen über eine Viertelmillion Schweizerinnen und Schweizer form- und leistungsfördernde Medikamente («image- and performance-enhancing drugs», IPED) und beanspruchen selten medizinische Hilfe, obwohl die Nebenwirkungen und Schäden schwerwiegend und nachhaltig sind.

Die IPED-Anwendung wird in der Regel vor den behandelnden Ärzten verheimlicht, da die Patienten dem Arzt oft kein ausreichendes Wissen zu diesem Thema zutrauen. Zu den Risikogruppen zählen junge Männer, Freizeitathleten und Sportstudiobesucher, Elite-Athleten und Bodybuilder, wobei die Freizeit-IPED-Benutzer den grössten Anteil ausmachen. Die am häufigsten verwendeten IPED in der «Szene» sind anabol-androgene Steroide (AAS). Obwohl eine steigende Zahl von AAS-Anwendern mit gesundheitlichen Problemen aufgrund der Langzeitanwendung zu erwarten sind, begeben sich nur wenige AAS-Anwender in eine Behandlung.1

Die Gründe für die Anwendung von IPED sind: den Körper zu verbessern (z.B. besser aussehen, mehr Muskelmasse und -definition), das Aussehen zu verbessern (z.B. jugendliches Aussehen behalten), die Erfolgschancen zu erhöhen (z.B. sportliche Errungenschaften erreichen, Verletzungen schneller heilen lassen) und soziale Chancen zu verbessern (z.B. kulturelle und soziale Erwartungen erfüllen).

Unerwünschte Wirkungen von IPED sind häufig und vielfältig

Die Patienten erleben während der Anwendung zunächst nur die von ihnen gewünschten Wirkungen und nehmen erst dann eine Behandlung in Anspruch, wenn die Nebenwirkungen die gewünschten Wirkungen übersteigen. Die für die Anwender sichtbaren Effekte sind mehr Kraft, mehr Muskelmasse und weniger Fett. Die häufigsten unerwünschten Wirkungen während einer IPED-Anwendung sind Hodenschrumpfung (27–63%), Akne (38–55%), Hypersexualität (51%), Bluthochdruck (43%), Gynäkomastie (26–34%), Stimmungsschwankungen (42%), Haarverlust (23%) und Polyglobulie (13%). Die häufigsten Nebenwirkungen nach einer IPED-Anwendung sind Reduktion der Libido (38%) und erektile Dysfunktion (20–33%).2, 3 Medikamente, die Patienten typischerweise regelmässig zur Selbstbehandlung von Nebenwirkungen einnehmen, sind Aromatasehemmer, Clomifencitrat, menschliches Choriongonadotropin und Tamoxifen.2

Gemäss mehrfach replizierten Studien entwickeln ca. 30% der IPED-Anwender eine Abhängigkeit. Die Anwendung von anabolen Steroiden kann je nach Einnahmeperiode zu einem stimmungsdestabilisierenden Effekt mit depressiven Verläufen und kurz anhaltenden Hypomanien führen. Es zeigen sich auch andere psychiatrische Symptome oder Störungsbilder wie Manien, Psychosen, gesteigerte Aggression (sog. «roid rage»), Depressionen und Angststörungen.4 Auch Suizide und Suizidversuche scheinen bei den Betroffenen häufiger als in Vergleichspopulationen aufzutreten. Absetzphänomene umfassen ausgeprägte depressive Verstimmungen, eine gesteigerte Angst, Muskelmasse zu verlieren, Müdigkeit, Unruhe, Appetitverlust, Schlaflosigkeit, reduzierte Libido und ein gesteigertes Verlangen (Craving) nach IPED. Das gefährlichste Absetzphänomen ist die Suizidalität.

Wie man das Abhängigkeitsverhältnis durchbrechen kann

IPED-Konsum ist neben der Substanzabhängigkeit deswegen gefährlich, weil es selten nur bei «einmal» bleibt. Oft werden die Dauer der Anwendung, die Dosis und die Anzahl der verwendeten Substanzen im Verlauf erhöht. Zusätzlich ist die Qualität der verwendeten Produkte meist mangelhaft und die medizinischen Probleme werden kleingeredet bzw. laienhaft behandelt.

Die Therapieoptionen beinhalten: Aufbau einer Motivation zur und Erhalt der Abstinenz, Hilfestellung bei der Reduktion der Nebenwirkungen und Entzugssymptome, Diskussion, Behandlung und Information über medikamenteninduzierte medizinische und psychiatrische Störungen, Aufbau eines sozialen Supportsystems, das die Abstinenz unterstützt, Verbesserung der Coping-Skills und Stressmanagement, um einem erneuten Missbrauch vorzubeugen, Ausgleich von sportbezogenen Aktivitäten.5

SGPP-Jahreskongress, 25.–27. August 2021, virtuell

1 Zahnow R et al.: Contemp Drug Probl 2016; 44: 69-83 2 Bonnecaze AK et al.: Am J Mens Health 2020; 14: 1557988320966536 3 Smit DL et al.: Neth J Med 2018; 76: 167 4 Giannini AJ et al.: Clin Pediatr 1991; 30: 538-42 5 Harvey O et al.: BMC Public Health 2019; 19: 1024

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