Emotionen im Arztgespräch schaffen Vertrauen
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Wenn Ärztinnen und Ärzte in Gesprächen über schwere Krankheiten Emotionen zeigen oder persönliche Erfahrungen teilen, gelten sie in der Bevölkerung als vertrauenswürdiger. Das zeigt eine neue Studie der Universität Bern.
Bern. Gespräche über die Verschlechterung von Krankheiten, schwierige Therapieverläufe oder begrenzte Lebenszeit gehören zu den anspruchsvollsten Situationen in der Medizin. Bisher wurden Ärztinnen und Ärzte häufig dazu angehalten, möglichst sachlich und emotional zurückhaltend zu bleiben. Doch worauf basieren diese traditionellen Vorstellungen von Professionalität im medizinischen Kontext, und entsprechen sie tatsächlich den Erwartungen der Bevölkerung?
Dieser Frage ging eine vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanzierte Studie unter der Leitung des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM) der Universität Bern in Zusammenarbeit mit der Universität Bielefeld und der Stanford University nach. Das Forschungsteam konnte anhand einer Umfrage zeigen, dass der Ausdruck von Emotionen und das Teilen passender persönlicher Erfahrungen in Gesprächen über schwere Krankheiten die Wahrnehmung von Vertrauen, Mitgefühl und Professionalität durchwegs positiv oder neutral beeinflussen.
Für die Analyse nutzte das Team ein sogenanntes Vignetten-Design: 1572 Teilnehmende aus allen Sprachregionen der Schweiz versetzten sich in die Rolle einer Person mit fortgeschrittenem Lungenkrebs, der im Spital eine deutlich begrenzte Lebenszeit mitgeteilt wird. Insgesamt beurteilten sie 7250 kurze Szenarien dieses Gesprächs, in denen unter anderem die Erfahrung der Ärztin oder des Arztes, die Dauer und Klarheit des Gesprächs, die Beziehung sowie Formen des Emotionsausdrucks variierten. «So können wir präzise erheben, welchen Beitrag etwa eine kurze persönliche Bemerkung oder der Ausdruck von Emotionen durch Ärztinnen und Ärzte zur Wahrnehmung von Vertrauen und Professionalität leisten», erklärt Robert Staeck, Erstautor der Studie.
Die Auswertungen zeigen: Wenn Ärztinnen und Ärzte eine passende persönliche Erfahrung einbringen – etwa, dass eine nahestehende Person an derselben Krankheit litt –, nehmen Bewertungen von Vertrauen, Mitgefühl, Professionalität und das Gefühl, sich mit der Ärztin oder dem Arzt wohlzufühlen, signifikant zu. Besonders stark wirkt der sichtbare Emotionsausdruck: Kombiniert die ärztliche Person eine verbale Äusserung von Traurigkeit mit Tränen in den Augen, erhöht dies vor allem das wahrgenommene Mitgefühl deutlich, ohne dass die Professionalität leidet. «Wir sehen teils Unterschiede von bis zu fast zwei Skalenpunkten auf einer 11-Punkte-Skala für die Bewertung von Mitgefühl», so Sofia C. Zambrano, Leiterin der Studie und SNF-Eccellenza-Professorin am ISPM der Universität Bern. «Das ist für eine so kleine Intervention – ein einziger Satz oder ein kurzer emotionaler Moment – ein sehr relevanter Effekt.» Die Studie bestätige, dass authentische menschliche Verbindung ein zentraler Bestandteil guter medizinischer Versorgung sei. «Unsere Befunde legen nahe, dass emotionale Kompetenzen als erlernbare Kernkompetenz fest in die medizinische Ausbildung gehören – und nicht als ‹Privatsache›, die im Hintergrund bleiben muss», so Zambrano. (tab)
Service: Publikation
Quelle: Universität Bern
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