Biomarker für die Diagnose und Behandlung der Migräne
Bericht:
Dipl.-Ing. Dr. Manuel Spalt-Zoidl
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Gegenwärtig muss Migräne basierend auf subjektiven Berichten von Betroffenen diagnostiziert, behandelt und monitorisiert werden. Die Entdeckung von objektiven Biomarkern könnte einen wesentlichen Beitrag zu einem besseren Verständnis und präziseren Therapiemöglichkeiten der Erkrankung leisten.
Keypoints
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Eine hohe sGFAP-Perzentile bei Baseline beeinflusst die Ansprechwahrscheinlichkeit auf anti-CGRP-mAbs signifikant
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LRP1, HLA-B/C-Allele und RAMP1 könnten wertvolle Biomarker für die Migräneanfälligkeit, Diagnostik und die Ansprechwahrscheinlichkeit auf anti-CGRP-mAbs darstellen
In den letzten Jahren haben sich die Serummarker Neurofilament-Leichtketten (sNfL) und das saure Gliafaserprotein (sGFAP) als Biomarker für neuroaxonale Schäden beziehungsweise Astrozytenaktivierung etabliert.1,2
sGFAP als potenzieller Biomarker bei Migräne
Um etwaige Veränderungen von BIomarkern wie NfL und GFAP während einer Migräneprophylaxe mit monoklonalen Antikörpern, die gegen das „calcitonin gene-related peptide“ oder dessen Rezeptor gerichtet sind (Anti-CGRP-mAbs), beurteilen zu können, führen Neurolog:innen des Universitätsspitals Basel eine prospektive, monozentrische Studie durch.3 Dr. Shaumiya Sellathurai präsentierte hierzu vorläufige Daten. Gegenüber der Baseline kam es im Verlauf der sechsmonatigen Behandlung zu keinen signifikanten Veränderungen des NfL- bzw. GFAP-Werts gemessen im Serum. In einem multivariablen Regressionsmodell konnte jedoch gezeigt werden, dass eine hohe sGFAP-Perzentile sowie mehr monatliche Kopfschmerztage bei Baseline die Ansprechwahrscheinlichkeit auf Anti-CGRP-mAbs signifikant negativ beeinflussen.
Genetische und epigenetische Biomarker für Migräne
Auch die individuelle Genetik könnte wertvolle Biomarker für die Migränebehandlung liefern, berichtete Prof. Dr. Shih-Pin Chen, National Yang Ming Chiao Tung University, Taiwan.
Anhand von genomweiten Vergleichsstudien (GWAS) mit 2125 Patient:innen und 1659 gesunden Proband:innen aus Taiwan konnten Chen und Kolleg:innen belegen, dass es sich bei LRP1 und TRPM8 um ethnizitätsunabhängige Risikoloci für Migräneanfälligkeit handelt. Konkret ist das rs1172113 in LRP1 mit einer OR von 1,23 (95%CI: 1,04–1,45) für eine Migräneanfälligkeit assoziiert. Menschen mit rs10166942 in TRPM8 weisen eine entsprechende OR von 1,33 (95%CI: 1,14–1,54) auf.4 Huang et al. zeigten, dass Allele des „human leukocyte antigen-B and -C“ (HLA-B/C) mit einer klinischen Migränediagnose und einer Chronifizierung der Migräne mit Medikamentenübergebrauchskopfschmerz assoziiert sind (Tab. 1). Somit könnten diese Allele wertvolle diagnostische und prognostische Biomarker darstellen.5
Tab. 1: Assoziation verschiedener HLA-Allele mit Migräne beziehungsweise Chronifizierung der Migräne4
Schließlich präsentierte der Vortragende interessante Biomarker, die das Ansprechen auf eine bestimmte Behandlung vorhersagen können. Beispielsweise zeigten Zecca et al. bei 110 Patient:innen mit Migräne unter Erenumab 70mg, dass die Genvariante RAMP1 rs7590387 mit einer 47% geringeren Wahrscheinlichkeit assoziiert ist, ein 75-prozentiges Ansprechen zu erreichen (OR: 0,53; 95%CI: 0,29–0,99; p=0,048).6 Zudem wurde in einer amerikanischen Studie bei 198 Anwender:innen von Galcanezumab, Erenumab oder Fremanezumab die Anwesenheit von RAMP1 rs12615320-G mit einer OR von 4,7 (95%CI: 1,5–14,7) für Non-Response beziffert.7
Quelle:
19th European Headache Congress (EHC), 3.–6. Dezember 2025, Lissabon
Literatur:
1 Yang MF et al.: The role of astrocytes in migraine with cortical spreading depression: protagonists or bystanders? a narrative review. Pain Ther 2024; 13(4): 679-90 2 Gozalov E et al.: Serum GFAP and NfL levels in migraine: a registry for migraine (REFORM) study. Cephalalgia 2025; 45(5): 3331024251338178 3 K. Berati et al.: Neurofilament light chain and glial fibrillary acidic protein as serum biomarkers of treatment response to CGRP monoclonal antibodies in migraine. Abstract OP005, Abstract Booklet EHC 2025 4 Chen SP et al.: Genome-wide association study identifies novel susceptibility loci for migraine in Han Chinese resided in Taiwan. Cephalalgia 2018; 38(3): 466-75 5 Huang C et al.: HLA class I alleles are associated with clinic-based migraine and increased risks of chronic migraine and medication overuse. Cephalalgia 2020; 40(5): 493-502 6 Zecca C et al.: Clinic and genetic predictors in response to erenumab. Eur J Neurol 2022; 29: 1209-17 7 Chase BA et al.: Characteristics associated with response to subcutaneously administered anti-CGRP monoclonal antibody medications in a real-world community cohort of persons living with migraine: a retrospective clinical and genetic study. Headache 2024; 64: 68-92
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