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Ernährungsunterstützung

ALS: verbesserte Überlebensraten durch enterale Ernährung

Bei einem progressiven Verlauf der ALS mit Schluckbeschwerden kann eine Ernährungsunterstützung – z.B. mit PEG-Sonde – die Lebensqualität entscheidend verbessern. Eine aktuelle Studie zeigte nun, dass sich damit auch die Überlebensraten verbessern lassen.

Die amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine progressive neurodegenerative Erkrankung, die die Motoneuronen im Gehirn und Rückenmark befällt und zu Muskelschwäche, Muskelschwund und schliesslich Lähmungen und dem Tod führt.1–3 Zudem hat die Erkrankung erhebliche Auswirkungen auf den Ernährungszustand, was die Muskelfunktion, die Immunantwort und die Wundheilung zusätzlich negativ beeinflusst.1–5 Aufgrund der vielfältigen Symptomatik ist für die optimale ALS-Therapie ein multidisziplinäres Behandlungsteam unverzichtbar.5 Hierzu gehört auch eine Ernährungsunterstützung, die in Form von Ernährungsanpassungen bis hin zur enteralen Ernährung erfolgen kann.4,5 Die perkutane endoskopische Gastrostomie (PEG) kommt bei Patient:innen zum Einsatz, die unter Schluckbeschwerden leiden oder bei denen das Risiko für eine Mangelernährung oder Dehydrierung besteht. Hier wird eine Ernährungssonde direkt in den Magen eingeführt, was der Mangelernährung vorbeugt, zum Erhalt der Muskelmasse beiträgt und das Risiko für eine Aspirationspneumonie verringert.1,4 Auch Verbesserungen der Lebensqualität und der Überlebenszeit wurden bereits beschrieben.1,5–8

Multiple Marker zur Kontrolle des Ernährungszustands

Zur Untersuchung des klinischen Nutzens und der Sicherheit der PEG-Sondeneinbringung und -ernährung betrachteten Sousa-Catita et al. spezifische Marker. Der Ernährungszustand wurde zum Zeitpunkt der Sondenplatzierung und nach 3 Monaten erhoben sowie mit den Überlebensdaten verglichen. Eingeschlossen waren 150 ALS-Patient:innen mit Ernährungsrisiko, im Alter von 32–88 Jahren. Davon wiesen 61% eine bulbäre und 3% eine spinale ALS-Verlaufsform auf. Um den Ernährungszustand bewerten zu können, wurden Daten zum Body-Mass-Index, dem mittleren Oberarmumfang (MUAC), der Trizeps-Hautfalte (TSF) und der Mid-Arm-Muscle-Circumference (MAMC) erhoben.

Verbesserter Ernährungszustand und Überlebensraten durch PEG

18% der Patient:innen waren nach dem Nachbeobachtungszeitraum noch am Leben und wurden weiterhin durch eine PEG-Sonde ernährt. Das mittlere Gesamtüberleben lag bei 527 Tagen (95% CI: 432–622), wobei bei der bulbären Verlaufsform eine höhere, aber nicht signifikante mittlere Überlebenszeit von 555 Tagen gegenüber 464 Tagen bei der spinalen Verlaufsform ermittelt wurde (p=0,227) (Abb. 1). Laut Cox-Proportional-Hazards-Modell konnte ein 55,3% geringeresSterberisiko bei der bulbären Verlaufsform berechnet werden. Hier könnten ein schlechterer Ernährungszustand zu Studienbeginn und eine erst spätere Aufnahme der PEG bei Patient:innen mit spinaler Verlaufsform eine Rolle spielen. Tatsächlich betrug die durchschnittliche Dauer in der Studienpopulation von der ALS-Diagnose bis zum Einsatz der PEG-Sonde beim spinalen Subtyp 728 Tage und nur 467 Tage beim bulbären Subtyp. Darüber hinaus konnte ein direkter Nutzen der PEG gezeigt werden, so reduzierte sich das Sterberisiko um 10% bzw. 11% bei jeder gemessenen Zunahme (cm) des MUAC und des MAMC. Generell war die Behandlung sicher, ohne Auftreten nennenswerter Probleme.

Abb. 1: Kumulatives Überleben unter PEG nach ALS-VerlaufsformModifiziert nach Sousa-Catita D et al.: Nutrients 2025; 17: 1292

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Studie zeigen konnte, dass vor allem eine frühzeitige enterale Ernährung über eine PEG den Ernährungsstatus der ALS-Patient:innen optimieren und die Überlebensrate steigern kann. Zudem sollten MUAC und MAMC als prognostische Marker und Überwachungsinstrumente in der klinischen Praxis eingesetzt werden.

Sousa-Catita D et al.: Nutrition and survival of 150 endoscopic gastrostomy-fed patients with amyotrophic lateral sclerosis. Nutrients 2025; 17: 1292

1 Burgos R et al.: ESPEN Guideline clinical nutrition in neurology. Clin Nutr 2018; 37(1): 354-96 2 Amyotrophic Lateral Sclerosis (ALS). Fact sheet. National Institute of Neurological Disorders and Stroke. Unter: https://www.ninds.nih.gov/Disorders/Patient-Caregiver-Education/Fact-Sheets/Amyotrophic-Lateral-Sclerosis-ALS-Fact-Sheet 3 Swinnen B, Robberecht W: The phenotypic variability of amyotrophic lateral sclerosis. Nat Rev Neurol 2014; 10(11): 661-70 4 Miller RG et al.: Practice parameter update: The care of the patient with amyotrophic lateral sclerosis: drug, nutritional, and respiratory therapies (an evidence-based review): Report of the quality standards subcommittee of the american academy of neurology. Neurology 2009; 73(15): 1218-26 5 Wills AM et al: Hypercaloric enteral nutrition in patients with amyotrophic lateral sclerosis: A randomized, double-blind, placebo-controlled phase 2 trial. Lancet 2014; 383(9934): 2065-72 6 Burkhardt C et al.: Is survival improved by the use of NIV and PEG in amyotrophic lateral sclerosis (ALS)? A post-mortem study of 80 ALS patients. PLoS One 2017; 12(5): e0177555 7 Mitsumoto H et al.: Percutaneous endoscopic gastrostomy (PEG) in patients with ALS and bulbar dysfunction. Amyotroph Lateral Scler Other Motor Neuron Disord 2003; 4(3): 177-85 8 Nunes G et al.: Enteral feeding through endoscopic gastrostomy in amyotrophic lateral sclerosis patients. Nutr Hosp 2016; 33(5): 561

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