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Parasitologie

Läuse, Flöhe und was sie alles übertragen können

Infektiologie
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<p class="article-intro">Durch Flöhe oder Läuse übertragene Bakterienspezies sind vor allem Rickettsien, aber auch Bartonellen und Borrelien kommen vor. Eine historisch wichtige, durch Flöhe übertragbare Erkrankung ist die Pest, die auch heute noch existiert. Diagnostisch ist vielfach die PCR von Bedeutung. Viele dieser Erkrankungen können relativ einfach mit Doxycyclin behandelt werden. Wichtig ist, überhaupt daran zu denken. Ektoparasiten wie Flöhe oder Läuse können eine Reihe verschiedener Infektionen übertragen.</p> <hr /> <p class="article-content"><h2><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2017_Jatros_Infekt_1701_Weblinks_s9web810x300.png" alt="" width="810" height="400" /></h2> <h2>Fl&ouml;he</h2> <p>Der <em>murine Typhus,</em> auch als <em>Fleckfieber</em> bekannt, wird durch <em>Rickettsia typhi,</em> ein obligat intrazellul&auml;res, gramnegatives Bakterium, verursacht. Die Erkrankung wird durch Fl&ouml;he &uuml;bertragen, und zwar durch Inokulation infizierten Flohkots in die Wunde, die durch den Flohstich entsteht. Der Erreger infiziert in der Folge Endothelzellen.<br />Der murine Typhus wird mit zunehmender H&auml;ufigkeit als fieberhafte Erkrankung von Tropenr&uuml;ckkehrern aus endemischen Regionen gesehen.<br />Fr&uuml;he Symptome sind Fieber, Kopfschmerzen, &Uuml;belkeit und Erbrechen. Im Verlauf der Erkrankung tritt &uuml;blicherweise ein makul&ouml;ses oder makulopapul&ouml;ses Exanthem auf. Der klinische Verlauf ist zumeist unkompliziert. Es k&ouml;nnen jedoch ZNS-Symptome, Niereninsuffizienz und respiratorisches Versagen vorkommen und zum Tod f&uuml;hren.<br />Diagnostisch ist bei dieser, wie auch bei anderen durch Ektoparasiten &uuml;bertragenen Erkrankungen, die Molekularbiologie (Breitspektrum-PCR) von Bedeutung. Klinisch wird der murine Typhus h&auml;ufig mit einer Virusinfektion verwechselt, zumal die meisten Betroffenen sich nicht an Flohstiche erinnern. Die Therapie erfolgt mit Doxycyclin.<br />(H&auml;ufiger als <em>Rickettsia typhi</em> werden Infektionen mit <em>Rickettsia africae</em> gesehen, einer Rickettsienspezies, die nicht durch Fl&ouml;he oder L&auml;use, sondern durch Zecken des Genus Amblyomma &uuml;bertragen wird. Solche Infektionen werden auch als &bdquo;Afrikanisches Zeckenbissfieber&ldquo; bezeichnet und treten nicht selten bei Reiser&uuml;ckkehrern, zum Beispiel aus S&uuml;dafrika, auf.)<br />Eine vor allem historisch bekannte, durch Rattenfl&ouml;he &uuml;bertragene Erkrankung ist die <em>Pest.</em> Der Erreger, <em>Yersinia pestis,</em> kann einerseits durch Inokulation Lymphknoten befallen (&bdquo;Bubonen- oder Beulenpest&ldquo;), andererseits auch durch Inhalation eine Pneumonitis ausl&ouml;sen (&bdquo;Lungenpest&ldquo;). Auch eine Ingestion (z.B. durch Kamelfleisch oder Leber beschrieben) kann eine Infektion ausl&ouml;sen, die sich in diesem Fall durch Pharyngitis und zervikale Lymphadenitis manifestiert.<br />Gr&ouml;&szlig;ere Fallzahlen werden heutzutage nur in einigen wenigen afrikanischen und s&uuml;dostasiatischen L&auml;ndern gesehen. &shy;Weltweit dominiert die Beulenpest mit 80&minus;90 % der F&auml;lle und einer Letalit&auml;t von 10&minus;20 % . Die prim&auml;re Sepsis ohne Bubonen macht 10&minus;20 % der F&auml;lle aus und zeigt eine Letalit&auml;t von 22 % . Die prim&auml;re Lungenpest ist selten, aber ohne Therapie immer t&ouml;dlich; auch behandelt liegt die Letalit&auml;t noch bei 50 % .<br />Die Diagnostik ist verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig einfach. <em>Yersinia pestis</em> l&auml;sst sich gut kultivieren. Auch Antigentests (aus Lymphknoten-Aspirat) sind verf&uuml;gbar.<br />Idealerweise sollte innerhalb von 24 Stunden eine antibiotische Therapie erfolgen. Die Therapie kann mit Gentamicin, Doxycyclin oder Chinolonen durchgef&uuml;hrt werden, jeweils durch sieben bis zehn &shy;Tage. Betalaktame sind weniger wirksam. Wenn man sich einem Patienten mit Lungenpest auf weniger als zwei Meter n&auml;hert bzw. angehustet wird, sollte man eine Prophylaxe einnehmen. Hier kommen z.B. Doxycyclin, Ciprofloxacin oder Cotrimoxazol infrage.<br />Die <em>Katzenkratzkrankheit</em> wird durch <em>Bartonella henselae</em> ausgel&ouml;st und haupts&auml;chlich &uuml;ber Kratzverletzungen durch Katzen &uuml;bertragen. 90 % der F&auml;lle verlaufen typisch, d.h. mit Lymphadenitis und Fieber. 10 % verlaufen atypisch. In diesem Fall k&ouml;nnen Komplikationen wie okulo&shy;glandul&auml;res Syndrom, Neuroretinitis, Enzephalitis, Erythema nodosum, bazill&auml;re Angiomatose, granulomat&ouml;se Hepatitis oder Blutkultur-negative Endokarditis auftreten. Auch Arthritiden k&ouml;nnen eine Folge der Infektion durch <em>Bartonella henselae</em> sein.<br />Eine suffiziente Diagnostik ist auch hier nicht durch eine Serologie, sondern durch einen Direktnachweis aus dem Gewebe oder eine PCR (aus Blut oder Gewebe) m&ouml;glich.<br />Die typische Katzenkratzkrankheit ist selbstlimitierend und muss nicht behandelt werden. Bei Auftreten von Komplikationen, vor allem systemischer Natur, wird mit Tetrazyklinen, Azithromycin und Rifampicin behandelt (Details siehe Tab. 1).<br />Der sogenannte <em>Katzenflohtyphus</em> wird durch <em>Rickettsia felis</em> ausgel&ouml;st und von Katzenfl&ouml;hen auf den Menschen &uuml;bertragen. Die Erkrankung ist weltweit verbreitet. Der Verlauf ist zumeist leicht. In einer Serie von 25 Patienten, bei denen die Erkrankung mittels PCR diagnostiziert worden war, wurden als h&auml;ufigste Symptome Kopfschmerzen (18x), Muskelschmerzen (8x), Erbrechen (7x), makulopapul&ouml;ses Exanthem (5x), Bauchschmerzen (4x), Pneumonitis (4x) sowie bei einem Patienten neurologische Symptome (Photophobie, Stupor, Meningismus und Neuropathie) und bei einem anderen ein &bdquo;Eschar mit Lymphadenopathie&ldquo; beschrieben. Auch F&auml;lle von Hepatitis, Meningoenzephalitis und ein Fall von Milzinfarkt werden in der Literatur angegeben. Hier ist ebenfalls Doxycyclin das Mittel der Wahl.<br />Eine Erkrankung, die durch Fl&ouml;he selbst ausgel&ouml;st wird, ist der Befall mit <em>Tunga penetrans</em> (&bdquo;Sandfloh&ldquo;). Die Weibchen dieser Spezies bohren sich durch die Haut bis ins Stratum granulosum und legen dort Eier, die durch einen Gang im Zentrum der L&auml;sion ins Freie gelangen und sich &uuml;ber mehrere Stadien zu adulten Tieren entwickeln. Die Erkrankung ist f&uuml;r den Menschen harmlos, aber l&auml;stig. Das Weibchen stirbt noch in der Haut des Wirts. Die L&auml;sion (z.B. in der Fu&szlig;sohle) kann allerdings als Eintrittspforte f&uuml;r andere Erreger dienen.</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2017_Jatros_Infekt_1701_Weblinks_s10.jpg" alt="" width="1419" height="805" /></p> <h2>L&auml;use</h2> <p>Es gibt vor allem drei von L&auml;usen auf den Menschen &uuml;bertragene Erkrankungen, die eine gewisse klinische Relevanz besitzen. &Auml;hnlich wie bei Fl&ouml;hen werden auch hier die Erreger nicht direkt durch den Stich der Laus, sondern durch ihren Kot &uuml;bertragen.<br />Das <em>R&uuml;ckfallfieber</em> wird durch <em>Borrelia recurrentis</em> ausgel&ouml;st. Die Inkubationszeit liegt bei sieben Tagen. Symptome sind hohes Fieber, Kopf-, Muskel- und Gelenksschmerzen, &Uuml;belkeit und Erbrechen. Klinisch finden sich bei weniger als einem Drittel der Betroffenen eine Lymphadenopathie, eine Hepatosplenomegalie und ein Exanthem. M&ouml;gliche Komplikationen sind neurologischer Art, weiters k&ouml;nnen respiratorische und kardiale Komplikationen sowie ein systemisches Inflammationssyndrom (SIRS) auftreten. R&uuml;ckfallfieber w&auml;hrend der Schwangerschaft ist mit erh&ouml;hter m&uuml;tterlicher und fetaler Mortalit&auml;t verbunden, auch die Abortrate ist erh&ouml;ht.<br />Die Diagnostik kann mittels Blutausstrich erfolgen, andernfalls ist wiederum eine PCR sinnvoll.<br />Therapeutisch kann eine Einmalgabe von 200mg Doxycyclin oder alternativ eine einmalige Gabe von 400 000&minus;800 000 Einheiten Depot-Penicillin G verabreicht werden.<br />Der Erreger des <em>Sch&uuml;tzengrabenfiebers</em> ist <em>Bartonella quintana.</em> H&auml;ufig war die Erkrankung im Ersten Weltkrieg; sie kommt aber auch heute z.B. bei Obdachlosen nicht selten vor. Symptome sind starke Muskel-, Gelenks- und Kopfschmerzen, &Uuml;belkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Fieber, M&uuml;digkeit oder auch Unruhe. Typisch f&uuml;r Bartonellosen ist eine chronische Bakteri&auml;mie &uuml;ber Monate. Die Patienten sind mehr als ein Jahr lang infek&shy;ti&ouml;s. Die Erkrankung ist selbstlimitierend; es kann jedoch zu drei bis f&uuml;nf R&uuml;ckf&auml;llen kommen. Auch hier sind Komplikationen wie Blutkultur-negative Endokarditis, &shy;bazill&auml;re Angiomatose und blutgef&uuml;llte Leberzysten (Peliosis hepatis) m&ouml;glich. Die Infektion mit <em>Bartonella quintana</em> ist &ndash; solange diagnostische Unklarheit besteht &minus; auch eine klassische FUO-Ursache &shy;(&bdquo;fever of unknown origin&ldquo;). Zur Therapie von Bartonellen-Komplikationen siehe &shy;Tabelle 1.<br />Den <em>epidemischen Typhus</em> verursacht <em>Rickettsia prowazekii.</em> Dies ist die einzige Rickettsie, die Epidemien ausl&ouml;sen kann (z.B. in den Napoleonischen Kriegen und allgemein in Situationen mit mangelnder Hygiene, Armut, K&auml;lte, Gef&auml;ngnissen und auf der Flucht durch Krieg und andere Katastrophen). Symptome sind Fieber, makulopapul&ouml;se Exantheme, Splenomegalie, Hypotension, Kopf- und Muskelschmerzen, &Uuml;belkeit, Erbrechen und Verwirrtheitszust&auml;nde.<br />Erh&ouml;hte LDH und Transaminasen sowie eine Thrombozytopenie sind nicht untypisch, jedoch nat&uuml;rlich unspezifisch. Diagnostisch ist auch hier vor allem die PCR wichtig. Die Therapie erfolgt wieder mit Doxycyclin (200mg t&auml;glich durch 7&minus;10 Tage) oder alternativ durch Chloramphenicol, sofern noch verf&uuml;gbar.</p></p>
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