Schweizer Gesundheit klar über OECD-Schnitt
Die Schweiz schneidet im jüngsten OECD-Gesundheitsbericht bei neun von zehn Schlüsselindikatoren besser ab als der Durchschnitt. Schwächen zeigen sich vor allem bei Kosten, Prävention und einzelnen Risikofaktoren.
Bern. Die Schweiz zählt im internationalen Vergleich weiterhin zu den leistungsstärksten Gesundheitssystemen. Im jüngsten OECD-Bericht «Health at a Glance», der die Gesundheit der Bevölkerung und die Leistungsfähigkeit der Gesundheitssysteme in den Mitgliedsstaaten analysiert, liegt sie bei der Mehrheit der zentralen Indikatoren klar über dem Länderschnitt.
So liegt die Lebenserwartung mit 84,3 Jahren um 3,2 Jahre über dem OECD-Durchschnitt. Auch bei der vermeidbaren und behandelbaren Sterblichkeit erreicht die Schweiz sehr gute Werte. Nur 4,4 Prozent der Bevölkerung schätzen ihren Gesundheitszustand als schlecht ein – etwa halb so viele wie im OECD-Schnitt (8,0 %).
Bei den Risikofaktoren zeigt sich ein gemischtes Bild: Während Adipositas und Bewegungsmangel weniger verbreitet sind als in anderen OECD-Ländern, liegt die Raucherquote mit 16,1 % leicht über dem Durchschnitt (14,8 %). Der Alkoholkonsum bewegt sich etwa im Mittelfeld.
Beim Zugang zur Gesundheitsversorgung und deren Qualität erzielt die Schweiz ebenfalls gute Resultate. Die gesamte Bevölkerung ist grundversichert, und 89 Prozent zeigen sich mit der Versorgungsqualität zufrieden – ein Spitzenwert im internationalen Vergleich. Auch der ungedeckte medizinische Bedarf ist gering.
In der Versorgungsqualität erreicht die Schweiz bei mehreren Indikatoren überdurchschnittliche Ergebnisse, etwa bei Impfquoten oder vermeidbaren Spitaleinweisungen. Verbesserungsbedarf besteht hingegen teilweise bei Behandlungsergebnissen nach Schlaganfällen sowie bei der Brustkrebs-Früherkennung: 50 % der Frauen wurden in der Schweiz auf Brustkrebs untersucht; im OECD-Schnitt waren es 55 %.
Auffällig sind die hohen Ressourcen und Ausgaben: Die Schweiz gibt 9.963 US-Dollar pro Kopf für Gesundheit aus. Dies ist mehr als der OECD-Durchschnitt von 5.967 US-Dollar (Kaufkraftparität). Dies entspricht 11,8 % des BIP, verglichen mit durchschnittlich 9,3 %. Gleichzeitig stehen überdurchschnittlich viele Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte zur Verfügung. Dennoch bleibt der Anteil der Ausgaben für Prävention vergleichsweise niedrig: Die Schweiz wendet 1,9 % ihrer gesamten Gesundheitsausgaben für Prävention auf, weniger als der OECD-Durchschnitt von 3,4 %. (tab)
Quelle: OECD
Service: Publikation
Das könnte Sie auch interessieren:
Obsan zieht Bilanz
Das Schweizerische Gesundheitsobservatorium (Obsan) hat seinen Leistungsauftrag 2021–2025 abgeschlossen. Neue Publikationen, Prognosen zur Langzeitpflege und erweiterte Monitorings ...
Zahl der Woche: 4,5 Ärzte pro 1000 Einwohner
Mit 4,5 Ärzten pro 1000 Einwohner verfügt die Schweiz über eine vergleichsweise hohe Ärztedichte. Fast die Hälfte der Ärzte ist über 55 Jahre alt.
Zuckersteuer gegen Übergewicht und Folgeerkrankungen
Während in der Schweiz immer noch über die Zuckersteuer debattiert wird, ist man in Deutschland schon einen Schritt weiter: Eine Expertenkommission empfiehlt die Einführung.