Gentherapie bei Hämophilie A erreicht Normwerte
Jatros
30
Min. Lesezeit
21.09.2017
Weiterempfehlen
<p class="article-intro">Die Faktor-Substitutionstherapie der Hämophilie stellt eine hohe Belastung für die Patienten dar, insbesondere wegen der häufigen und anspruchsvollen Applikationen, die nötig sind, um einen optimalen Therapieerfolg zu erzielen.</p>
<hr />
<p class="article-content"><p>Dennoch werden keine konstanten Faktorspiegel erreicht, wodurch Mikroblutungen immer ein Problem bleiben. Zudem ist die lebenslange Therapie sehr kostenintensiv. Da es sich bei der Hämophilie um eine monogenetische Erkrankung mit eindeutiger Ursache-Wirkungs-Beziehung handelt, besteht die Hoffnung, mit einer Gentherapie die Therapie optimieren zu können. Bereits ein kleiner Effekt könne das Outcome für die Patienten dramatisch verbessern, sagte John Pasi beim ISTH-Kongress in Berlin, und höhere Spiegel wären sowieso willkommen. In einer ersten humanen Pilotstudie wurde BMN 270, ein über den Vektor AAV5 (adenoassoziiertes Virus Serotyp 5) eingeschleustes Gen, bei 15 Männern mit schwerer Hämophilie A untersucht. Selbst zur Überraschung der Prüfärzte, wie Pasi bemerkte, erreichten die Probanden Faktorspiegel, die vergleichbar waren mit denen gesunder Personen (ISTH-Abstr. #LB01.1). In der Phase-I/II-Studie erhielten Patienten mit FVIII-Spiegeln ≤1 IU/dl in 4 Kohorten verschiedene Dosierungen von BMN 270, wobei auf die nächsthöhere Dosierung eskaliert wurde, wenn bei der Kontrolle nach 3 Wochen der FVIII-Spiegel unter 5 IU/dl lag. Daraus folgte, dass jeweils ein Patient mit 6x 1012vg/kg bzw. 2x 1013vg/kg behandelt wurde sowie 7 Patienten mit 6x1013vg/kg und 6 Patienten mit 4x1013vg/kg. BMN 270 wurde in allen Dosierungen gut toleriert und es wurde keine Inhibitorentwicklung beobachtet. Die häufigsten Nebenwirkungen waren ALT-Erhöhungen, Arthralgien, Rückenschmerzen, Fatigue und Kopfschmerzen. Mit einer Dosierung von 6x1013vg/kg wurden über ein Jahr Beobachtung anhaltende durchschnittliche FVIII-Spiegel von 104 % und mediane FVIII-Spiegel von 89 % erreicht (Abb. 1). Unter der 4x1013vg/kg- Dosierung wurden geringere FVIII-Spiegel beobachtet. Es war bei keinem der Patienten eine weitere FVIII-Substitution notwendig. Auch wurde keine spontane Blutung gesehen. In einer Phase-III-Studie sollen nun mit der 6x1013vg/kg-Dosierung normale FVIII-Spiegel bei Patienten mit Hämophilie A erreicht werden.</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2017_Jatros_Onko_1705_Weblinks_s6_abb1.jpg" alt="" width="1530" height="1069" /></p> <p><span class="link-color"><a class="article-link" href="../fachthemen/8791" data-locked="0">zurück zum Themenschwerpunkt zum ISTH 2017 Congress</a></span></p></p>
Das könnte Sie auch interessieren:
Therapie im Wandel: zeitlich begrenzt und Sequenzierung
Die therapeutische Landschaft der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) hat sich in den vergangenen Jahren fundamental gewandelt. Die klassische Chemoimmun-therapie ist weitgehend ...
Chronische myeloische Leukämie (CML)
Die Prognose der CML-Patient:innen unterscheidet sich durch die Entwicklung der Tyrosinkinaseinhibitoren (TKI) kaum mehr von der Normalbevölkerung. Dennoch gibt es neue Erkenntnisse, die ...
Therapieneuerungen: FL, CLL und LBCL
Am Jahreskongress der American Society of Hematology (ASH) wurden zahlreiche relevante Neuerungen in der Lymphomtherapie vorgestellt. Wir präsentieren drei ausgewählte Studien zur ...