«Wasser ist der grosse Feind»
Bericht:
Dr. med. Sabina Ludin
Chefredaktorin
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Die Aufbereitung der Endoskope spielt eine zentrale Rolle bei der Minimierung des Risikos für exogene Infektionen im Rahmen von Endoskopien. Dabei muss peinlich genau darauf geachtet werden, dass die Endoskope nach der hochgradigen Desinfektion komplett trocknen. Feuchtigkeit ist der ideale Nährboden für die Bildung von Biofilmen und muss deshalb unbedingt vermieden werden.
Keypoints
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Infektionen im Zusammenhang mit Endoskopien kommen vor.
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Risikofaktoren für endoskopieassoziierte Infektionen sind ein Krankenhausaufenthalt oder eine gastrointestinale Endoskopie in den vorangegangenen 30 Tagen sowie Zentren mit einem geringen Endoskopie-Volumen.
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Bei exogenen Infektionen wird ein Keim von einem vorherigen Patienten über das Endoskop auf den nächsten Patienten übertragen.
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Ausbrüche von exogenen Infektionen sind selten, aber wenn sie auftreten, können sie verheerende Folgen haben.
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Feuchtigkeit, die nach der hochgradigen Desinfektion in Endoskopen zurückbleibt, ist der Nährboden für die Bildung von Biofilmen. Um eine anhaltende Kontamination von Endoskopen zu verhindern, müssen diese deshalb komplett trocken sein.
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Durch die strikte Einhaltung der Hygienemassnahmen und der Vorgaben für die Aufbereitung von Endoskopen kann das Risiko für exogene Infektionen minimiert werden.
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Seit September 2025 gilt in der Schweiz für alle betroffenen Gesundheitseinrichtungen die neue Richtlinie «Schweizerische Gute Praxis zur Aufbereitung von flexiblen, thermolabilen Endoskopen» (GPAE) als Referenzdokument.
Zum Infektionsrisiko von Endoskopien tragen mehrere Faktoren bei. «Endoskope gelten als semikritische bis kritische Instrumente und erfordern einen sterilen Arbeitsablauf. Gleichzeitig haben unsere Patientinnen und Patienten selbst ein mehr oder weniger hohes Infektionsrisiko und schliesslich reagieren die Umgebungskeime mehr oder weniger empfindlich auf die von uns praktizierte hochgradige Desinfektion», umriss Dr. med. Alain Vonlaufen, Centre d’Endoscopie GGHA (Geneva Gastroenterology & Hepatology Associates SA), Genève, die Komplexität des Problems in seinem Vortrag am SGG-Kongress.
Für die Aufbereitung von Endoskopen sind einerseits die Vorgaben der Hersteller massgeblich. Andererseits müssen die nationalen Richtlinien befolgt werden. Im September 2025 wurde die bisher geltende Schweizerische Richtlinie zur Aufbereitung von flexiblen Endoskopen, erarbeitet durch die Fachgesellschaft aller endoskopierenden Fachrichtungen, durch die «Schweizerische Gute Praxis zur Aufbereitung von flexiblen, thermolabilen Endoskopen» (GPAE)1 ersetzt, welche von verschiedenen medizinischen Fachgesellschaften, darunter auch die Schweizerische Gesellschaft für Gastroenterologie (SGG), sowie Swissmedic erstellt wurde. Das Dokument beruht auf gesetzlichen Vorgaben und ist in allen betroffenen Gesundheitseinrichtungen der Schweiz als Referenzdokument für die Aufbereitung von flexiblen Endoskopen zu betrachten. Swissmedic ist verantwortlich für die Überwachung in Spitälern, kann weitere Vorgaben machen und Bussen verhängen. In Praxen und ambulanten Gesundheitszentren sind die Kantone zuständig für die Überwachung.
Endoskopieassoziierte Infektionen
Bei Infektionen, die im Zusammenhang mit einer Endoskopie auftreten, müssen grundsätzlich zwei Arten unterschieden werden.
Bei den endogenen Infektionen handelt es sich um Infektionen mit der patienteneigenen Flora, z.B. eine Aspirationspneumonie oder eine Bakteriämie im Rahmen einer ERCP. «Diese endogenen Infektionen stehen in Zusammenhang mit dem endoskopischen Eingriff, nicht aber mit dem Aufbereitungsprozess des Endoskops», erklärte der Gastroenterologe. «Das Risiko für diese Art von Infektionen können Sie vermindern, indem Sie keine unnötigen Endoskopien durchführen.»
Bei den exogenen Infektionen wird ein Keim von einem vorherigen Patienten über das Endoskop, ein Zubehörteil oder die Aufbereitungsgeräte übertragen. «Exogene Infektionen lassen sich nur durch eine möglichst einwandfreie Hygiene verhindern», so Vonlaufen. «Endoskope sind komplexe Instrumente, es gibt mehrere, zum Teil verwinkelte und gewundene winzige Kanäle, in denen sich Wasser sammeln kann. Wasser ist hier der grosse Feind, weil Wasser der wichtigste Faktor für die Bildung eines Biofilms ist.» Der Biofilm besteht aus Ansammlungen von Mikroorganismen, die in einem feuchten Milieu gut gedeihen und Substanzen absondern, die sie schützen und die Toleranz gegenüber Desinfektionsmitteln und Antibiotika erhöhen. Endoskope, die besonders anfällig für das Überleben von Keimen sind und damit zu den kritischen und hochkritischen Instrumenten gehören, sind die Duodenoskope und die Echoendoskope.
Kontamination von Endoskopen
Eine 2023 publizierte retrospektive Studie aus Frankreich, die insgesamt 90311 Proben analysierte, die über einen Zeitraum von 17 Jahren in 490 öffentlichen und privaten Spitälern von Endoskopen entnommen wurden, zeigte, dass durch vermehrtes Testen der Anteil der kontaminierten Endoskope deutlich reduziert werden kann.2
Eine US-amerikanischen Studie untersuchte die Rate an Infektionen, die innerhalb von 7 Tagen nach einer Koloskopie oder einer Ösophagogastroduodenoskopie (OGD) in einem ambulanten Zentrum auftraten.3 Die Rate pro 1000 Eingriffe lag für die Vorsorgekoloskopie bei 1,1, für die Nicht-Vorsorgekoloskopie bei 1,6 und für die OGD bei 3,0. Diese Raten sind höher als bei der Vorsorgemammografie (0,6), aber deutlich niedriger als bei einer Bronchoskopie (15,6) oder Zystoskopie (4,4), die als Kontrollen dienten. «Die für mich wichtigste Erkenntnis, die diese Studie liefert, ist jedoch, dass Risikofaktoren für die endoskopieassoziierten Infektionen identifiziert wurden. Dazu gehören ein Krankenhausaufenthalt oder eine gastrointestinale Endoskopie in den vorangegangenen 30 Tagen sowie Zentren mit einem geringen Endoskopie-Volumen», erklärte Vonlaufen. «Je mehr Endoskopien durchgeführt werden, desto besser sind wahrscheinlich die Abläufe.»
Exogene Infektionen
Der Nachweis, dass ein Keim durch ein Endoskop auf einen Patienten übertragen wurde und dies zu einer Erkrankung führte, ist sehr schwierig und aufwendig. Um dies zu veranschaulichen, schilderte Vonlaufen die Untersuchungen, die in einem Tertiärzentrum in Norddeutschland durchgeführt werden mussten, um die Ursache eines Ausbruchs von Klebsiella-pneumoniae-Infektionen nach einer Endoskopie zu finden.4 Erst nachdem nach einem Audit aller Prozesse und Verfahren, der keine Auffälligkeiten zeigte, und dem Ersatz der kontaminierten Endoskope erneut eine Infektion mit demselben Keim auftrat, kam man der Quelle der Kontamination auf die Spur: In den Endoskopen fanden sich nach der Aufbereitung ziemlich viele Wasserrückstände. «Wasser ist ein Faktor, den man bei Endoskopen unbedingt vermeiden muss, da es die Bildung von Biofilmen fördert. Endoskope müssen also sehr trocken sein», so der Referent. Ob für die Trocknung der Endoskope ein automatisierter, belüfteter Schrank oder ein Standardschrank verwendet wird, scheint keine grosse Rolle zu spielen. Erstere sind etwas leistungsfähiger und die Endoskope sind nach 24 Stunden aussen und innen trocken, während es im Standardschrank etwas länger dauert.5 «Unabhängig davon, welche Art von Schrank Sie verwenden, ist es wichtig, dass Ihre Endoskope senkrecht gelagert werden», betonte Vonlaufen.
Ein besonders risikobehafteter Eingriff im Hinblick auf exogene Infektionen ist die endoskopische retrograde Cholangiopankreatikografie (ERCP). Die Aufbereitung der Duodenoskope ist besonders anspruchsvoll, weil die schlecht zugängliche Aussparung für den Elevator die manuelle oder automatisierte Reinigung und Desinfektion erschwert und somit eine anhaltende Besiedlung des Duodenoskops mit Krankheitserregern begünstigt.6 So wurden zwischen 2012 und 2015 weltweit mindestens 25 einzelne von kontaminierten Duodenoskopen verursachte Ausbrüche festgestellt, von denen über 250 Patienten betroffen waren.6–8 Die Industrie hat deshalb verschiedene Lösungen entwickelt, darunter Einwegduodenoskope und als günstigere und umweltfreundlichere Variante Duodenoskope mit Einwegkappen, die den Elevator vollständig abdecken. In einer randomisierten kanadischen Studie wiesen Duodenoskope mit Einwegkappe im Vergleich zu Standardmodellen nach der hochgradigen Desinfektion eine geringere Rate an Kontaminationen auf (3,8% vs. 11,2%; RR: 0,34; 95% CI: 0,16–0,75; p=0,004; NNT, um 1 Kontamination zu verhindern: 13,6).9 Die Sicherheit und die technische Leistungsfähigkeit wurden durch die Einwegkappe nicht beeinträchtigt.9
«Eine weitere sehr wichtige Massnahme, um exogene Infektionen zu vermeiden, ist die Schulung des Personals. Eine sehr interessante koreanische Studie zeigt, dass die Teilnahme an Hygienekursen zu einer deutlich besseren Einhaltung der Aufbereitungsrichtlinien führte»,10 betonte Vonlaufen.
Fazit
Infektionen im Zusammenhang mit Endoskopien kommen vor. Ausbrüche von exogenen Infektionen sind laut Literatur eher selten, aber wenn sie auftreten, können sie verheerende Folgen haben. Es ist deshalb zentral, auf eine bestmögliche Hygiene zu achten.
Quelle:
Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Gastroenterologie (SGG), 11. bis 12. September 2025, Interlaken
Literatur:
1 SGSV, SGSH, SGG, SVEP, IGWiG, fibs, Swissmedic: Leitlinie in Verbindung mit der Schweizerischen Guten Praxis zur Aufbereitung von Medizinprodukten (GPA). Schweizerische Gute Praxis zur Aufbereitung von flexiblen, thermolabilen Endoskopen (GPAE). 2025. https://www.swissmedic.ch/dam/swissmedic/de/dokumente/medizinprodukte/mep_urr/gpa-zur-aufbereitung-flexiblen-thermolabilen-endoskopen.pdf.download.pdf/D_GPAE.pdf ; letzter Zugriff 24.3.2026 2 Pineau L: Endoscope reprocessing: Retrospective analysis of 90,311 samples. Endosc Int Open 2023; 11: E247-57 3 Wang P et al.: Rates of infection after colonoscopy and osophagogastroduodenoscopy in ambulatory surgery centres in the USA. Gut 2018; 67: 1626-36 4 Haak J et al.: Endoscope-associated outbreak of OXA-181-carbapenemase-producing Klebsiella pneumoniae and its implications for hygiene management. J Hosp Infect 2025; 158: 19-28 5 Perumpail RB et al.: Endoscope reprocessing: Comparison of drying effectiveness and microbial levels with an automated drying and storage cabinet with forced filtered air and a standard storage cabinet. Am J Infect Control 2019; 47: 1083-9 6 Forbes N et al.: Infection control in ERCP using a duodenoscope with a disposable cap (ICECAP): rationale for and design of a randomized controlled trial. BMC Gastroenterol 2020; 20: 64 7 Smith Z et al.: Transmission of carbapenem-resistant Enterobacteriaciae during ERCP: time to revisit the current reprocessing guidelines. Gastrointest Endosc 2015; 81: 1041-5 8 Epstein L et al.: New Delhi metallo-beta-lactamase-producing carbapenem-resistant Escherichia coli associated with exposure to duodenoscopes. JAMA 2014; 312: 1447-55 9 Forbes N et al.: Effect of disposable elevator cap duodenoscopes on persistent microbial contamination and technical performance of endoscopic retrograde cholangiopancreatography: the ICECAP randomized clinical trial. JAMA Intern Med 2023; 183: 191-200 10 Shin HY et al.: A nationwide survey of the effectiveness of training on endoscope reprocessing within the national cancer screening program in Korea. Am J Infect Control 2021; 49: 1031-5
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