Narbentherapie 2026: zwischen Dermatologie und Chirurgie
Autor:innen:
Dr. med. Burkhard Espey
Cand. med. Katharina Tesch
Dr. med. C. Bettina Rümmelein
Hautwerk AG
Zürich
E-Mail: klinik@hautwerk.ch
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Eine frühzeitige, korrekte Klassifikation einer Narbe kann den Heilungsverlauf beeinflussen. Die Behandlung sollte sich nach dem Phänotyp und dem therapeutischen Target richten. Dieser Artikel soll die Entwicklung der multimodalen Narbenbehandlungen unter etablierten Therapien, aufkommenden und experimentellen Konzepten hervorheben.
Keypoints
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Die moderne Narbentherapie sollte nicht primär nach dem verfügbaren Gerät, sondern nach dem Narbenphänotyp und dem zugrunde liegenden therapeutischen Target geplant werden.
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Die Zukunft der Narbentherapie liegt nicht in der Suche nach dem «besten Laser», sondern in der phänotypbasierten Kombination verschiedener biologischer Targets.
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Lasertherapien sind dabei nicht mehr nur ablative Verfahren zur Oberflächenbehandlung, sondern können als Bestandteil multimodaler Strategien eingesetzt werden, z. B. in Kombination mit vaskulären Lasern, intraläsionalen Therapien, PRP, RFMN oder laserassistierter Wirkstoffapplikation.
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Nicht jede Narbe benötigt denselben Laser, und nicht jede Narbe benötigt überhaupt primär einen Laser.
Einleitung
Eine Narbe ist keine Diagnose, sondern das Ergebnis einer komplexen Wundheilungsreaktion. Das klinische Erscheinungsbild von Narben wird durch Verletzungsursache und -ausmass, lokale Spannungen, Infektionen und Entzündungen sowie anatomische, patientenbezogene und genetische Faktoren beeinflusst. Entsprechend kann eine Operationsnarbe gleichzeitig durch Erythem, Hypertrophie, Hyperpigmentierung, Schmerzen oder Pruritus gekennzeichnet sein; in Aknenarbenfeldern können verschiedene morphologische Subtypen koexistieren. Diese Heterogenität erklärt, weshalb eine monomodale Therapie häufig nicht alle relevanten Targets adressiert und eine morphologie- und pathophysiologisch orientierte, multimodale Behandlung erforderlich ist.
Narben bedingen nicht nur kosmetische Belastungen. Sie können die Bewegungsfreiheit einschränken sowie durch Juckreiz oder Schmerzen das alltägliche Leben oder auch soziale und psychische Funktionsfähigkeit beeinträchtigen. Dabei können Patientenprioritäten und -wünsche von denen des Arztes abweichen. Eine erfolgreiche Behandlung beginnt daher mit der strukturierten Beurteilung der individuellen Patientengeschichte und entwickelt sich weg von einer verfahrensorientierten Therapie hin zu einem phänotyp- und mechanismusbasierten Ansatz. Die Kombination verschiedener Verfahren kann dabei bei ausgewählten Phänotypen zu besseren Ergebnissen führen, sollte jedoch ein klar definiertes Target adressieren, ein vertretbares zusätzliches Risiko aufweisen und mit einem vorab festgelegten Outcome-Mass verknüpft sein.
Laser- und energiebasierte Verfahren nehmen innerhalb dieses multimodalen Behandlungskonzepts eine besondere Stellung ein, da sie je nach Wellenlänge, Pulsdauer und Applikationsmodus gezielt unterschiedliche Gewebekomponenten adressieren können. Parallel zur zunehmenden Verfügbarkeit energiebasierter Verfahren hat sich somit auch das therapeutische Konzept in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Vaskuläre Laser wie der gepulste Farbstofflaser (PDL) zielen auf die vaskuläre Komponente erythematöser Narben, während ablative fraktionierte Laser wie der CO2- oder Er: YAG-Laser durch kontrollierte Mikroverletzungen ein dermales Remodeling induzieren. Nichtablative fraktionierte Laser ermöglichen eine thermische Stimulation des Dermisgewebes bei vergleichsweise geringer epidermaler Schädigung. Die zentrale Frage lautet daher heute nicht mehr: «Welches universelle Laserverfahren behandelt Narben am besten?», sondern vielmehr: «Welches therapeutische Target steht bei diesem individuellen Narbenphänotyp im Vordergrund und welche Kombination von Verfahren ist sinnvoll?»
«Assessment before treatment»
Vor der Auswahl einer geeigneten Therapie steht die strukturierte Erfassung des Narbenphänotyps und der individuellen Patientengeschichte. Bei der ersten Konsultation sollten daher die Ursache und der zeitliche Verlauf der Narbe, vorangegangene Therapien und Komplikationen, derzeit eingenommene Medikamente, Wundheilungsstörungen, Neigung zur Keloidbildung sowie Erwartungen und Therapieziele des Patienten erfasst werden. Bei der klinischen Untersuchung sollten anatomische Lokalisation, Grösse, Alter und Reifegrad der Läsion dokumentiert werden, ebenso ihre Ausdehnung über die ursprünglichen Wundgrenzen hinaus, Farbe, Tiefe, Oberflächenstruktur, Adhäsion, Elastizität, Druckempfindlichkeit oder Juckreiz sowie funktionelle Beeinträchtigungen. Eine aktive Akne, Infektion, Dermatitis oder unkontrollierte Entzündungen sollten dabei vor einer elektiven Hauterneuerung entsprechend behandelt bzw. kontrolliert werden. Der Fitzpatrick-Hauttyp kann für die Behandlungsplanung hilfreich sein, erfasst jedoch nicht die gesamte biologische Vielfalt der Pigmentierung oder das individuelle Risiko einer postinflammatorischen Hyperpigmentierung (PIH).
1. Klassifikation des Narbenphänotyps und des dominanten Targets
Narbenklassifikationen überschneiden sich. Die nützlichste Klassifizierung ist daher beschreibender Natur: Man identifiziert die vorherrschende Morphologie und erfasst anschliessend sekundäre vaskuläre, pigmentäre, sensorische und funktionelle Komponenten. Hypertrophe Narben bleiben auf die ursprüngliche Wunde beschränkt und können sich wieder zurückbilden, während Keloide über diese hinausreichen und eine deutlich höhere Rezidivneigung aufweisen (Abb. 1). Atrophe Aknenarben erfordern eine auf den jeweiligen Subtyp abgestimmte Behandlung, da schmale, tiefe Narbenrinnen, scharf begrenzte Vertiefungen und breite, festverwachsene Vertiefungen nicht gleichermassen auf dasselbe Hauterneuerungsverfahren ansprechen. Eine Übersicht über die Phänotyp-basierte Klassifikation von Narben mit Zuordnung des dominanten therapeutischen Targets und des primären therapeutischen Vorgehens kann bei den Verfasser:innen angefragt werden.
2. Etablierte Vorgehensweise: mechanismusbasierte Therapie
Prävention und konservative Therapie
Bei kürzlich epithelisierten Wunden mit erhöhtem Risiko für hypertrophe Narben sind eine sorgfältige Wundversorgung, die Reduktion mechanischer Spannungen und ein konsequenter Lichtschutz von grundlegender Bedeutung für die Narbenprävention. Silikonpräparate stellen nach wie vor eine risikoarme konservative Therapieoption dar, wobei ihre Wirksamkeit in der klinischen Anwendung wesentlich von der Patienten-Compliance abhängt.
Intraläsionale und chirurgische Ansätze
Intraläsionales Triamcinolonacetonid (TAC) wirkt antiinflammatorisch und hemmt unter anderem die Fibroblastenaktivität und Kollagensynthese. Es wird weiterhin häufig zur Behandlung von hypertrophen Narben und Keloiden eingesetzt. Zu den Nebenwirkungen zählen Schmerzen, kutane und subkutane Atrophie, Teleangiektasien und Hypopigmentierung. 5-Fluorouracil (5-FU) hemmt die Proliferation von Fibroblasten; die Kombination von TAC mit 5-FU kann gegenüber einer Monotherapie zu besseren klinischen Ergebnissen führen und ermöglicht eine Reduktion der erforderlichen Kortikosteroiddosis, wobei Injektionsschmerzen und Ulzerationen weiterhin relevante Nebenwirkungen darstellen. Für Bleomycin und Botulinumtoxin A liegen ebenfalls vielversprechende Vergleichsdaten vor, allerdings sind Evidenz und Behandlungsprotokolle heterogen. Die Kryotherapie, einschliesslich der intraläsionalen Kryotherapie, kann insbesondere bei kleineren bzw. voluminösen Läsionen zur Reduktion des Narbenvolumens eingesetzt werden, birgt jedoch ein erhebliches Risiko für Pigmentveränderungen, insbesondere bei stärker pigmentierter Haut. Ein chirurgischer Eingriff ist bei ausgewählten tiefen atrophen Narben, funktionell relevanten Kontrakturen und bestimmten Keloiden indiziert. Punch-Exzision oder -Elevation eignen sich für einzelne tiefe Aknenarben, während durch die Subzision fibrotische Septen unterhalb der Narbe durchtrennt und dadurch Tethering-bedingte «rolling scars» gelöst werden. Die Exzision eines Keloids als Monotherapie ist aufgrund der hohen Rezidivrate in der Regel nicht zu empfehlen. Bei erforderlicher chirurgischer Exzision sind daher ein spannungsreduzierender Wundverschluss und eine geplante adjuvante Behandlung, beispielsweise intraläsionale Therapie, Silikon/Taping, Laserbehandlung oder bei ausgewählten Rezidiv- bzw. Hochrisikokeloiden postoperative Strahlentherapie, Bestandteile eines multimodalen Behandlungskonzeptes.
3. Laser- und energiebasierte Verfahren
Die Auswahl eines Lasers sollte sich am Zielchromophor, der angestrebten Eindringtiefe und der gewünschten Gewebereaktion orientieren. Die Wellenlänge bestimmt die bevorzugte Absorption der Laserenergie; die klinische Wirkung hängt jedoch von weiteren Parametern wie Fluenz, Pulsdauer, Spotgrösse, Behandlungsdichte, Überlagerung der Pulse (Stacking) und den optischen Eigenschaften des Gewebes ab. Bei fraktionierten Verfahren werden mikroskopische Behandlungszonen erzeugt, die von unbehandelten Hautarealen umgeben sind und dadurch eine schnellere Reepithelialisierung ermöglichen als ein vollständig ablatives Resurfacing. Fraktionierte CO2- und Er: YAG-Laser nutzen die Absorption von Wasser, während der PDL über die selektive Absorption durch Hämoglobin wirkt. Intense Pulsed Light (IPL) hingegen ist eine polychromatische, nichtkohärente Lichtquelle und kein Laser. Eine Übersicht über laser- und energiebasierte Verfahren kann bei den Verfasser:innen angefragt werden.
Sicherheit und zeitliche Abfolge der Behandlung
Ablative und fraktionierte Verfahren sollten bei aktiver Akne, Infektionen, unkontrollierten entzündlichen Dermatosen oder noch nicht vollständig abgeheilten Wunden zurückgestellt werden. Bei Patientinnen und Patienten mit erhöhtem Risiko für eine Herpesreaktivierung sollte bei ablativem Resurfacing eine antivirale Prophylaxe erwogen werden. Bei erhöhter Neigung zur postinflammatorischen Hyperpigmentierung (PIH) sind eine konservative Wahl der Behandlungsparameter bzw. Testareale, konsequenter Lichtschutz und ausreichende Behandlungsintervalle sinnvoll; die sichtbare Hautfarbe allein sollte dabei nicht als Ersatz für die individuelle Anamnese und Risikoeinschätzung dienen. Eine frühe vaskuläre Behandlung kann nach Stabilisierung der Wunde sinnvoll sein, während eine fraktionierte Lasertherapie nicht grundsätzlich bis zur vollständigen Narbenreifung aufgeschoben werden muss. Eine klinische Studie aus dem Jahr 2024 zeigte bei hypertrophen Verbrennungsnarben Verbesserungen sowohl bei einem Therapiebeginn nach 3–6 Monaten als auch bei einem späteren Beginn nach 6–12 Monaten. Der optimale Behandlungszeitpunkt bleibt jedoch weiterhin nicht eindeutig definiert.
Für jede Behandlungssitzung sollten Gerät, Wellenlänge, Handstück, Spotgrösse, Fluenz bzw. Pulsenergie, Pulsdauer, Behandlungsdichte, Anzahl der Passagen, Kühlung, Anästhesie und unmittelbarer klinischer Endpunkt dokumentiert werden. Eine Anpassung der Behandlungsintensität sollte sich am klinischen Ansprechen und an unerwünschten Wirkungen orientieren und nicht an einem starren Behandlungsschema. Bei dicken erythematösen Narben kann eine vaskuläre Behandlung einer fraktionierten Remodeling-Therapie vorausgehen; bei «rolling» Aknenarben ist es mechanistisch plausibel, zunächst das zugrunde liegende Tethering zu lösen, bevor eine oberflächliche Texturbehandlung erfolgt.
Radiofrequenz-Microneedling – konkurrent oder Ergänzung?
Bei der Behandlung von Narben muss nicht immer mit einem Laserverfahren gearbeitet werden. Insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit erhöhtem Risiko für eine PIH, Fitzpatrick IV–VI, hoher UV-Exposition oder geringer Toleranz gegenüber längerer Ausfallzeit kann Radiofrequenz-Microneedling (RFMN) eine relevante Alternative zur fraktionierten Lasertherapie bei der Behandlung von atrophen Aknenarben darstellen. Der wesentliche Vorteil von RFMN gegenüber einem fraktionierten CO2-Laser liegt dabei nicht unbedingt in einer höheren absoluten Effektivität, sondern in dem unterschiedlichen Sicherheits- und Nebenwirkungsprofil. RFMN erzeugt über Nadelelektroden eine kontrollierte thermische Schädigung der Dermis bei vergleichsweise geringer epidermaler Belastung. Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 zeigte eine mögliche Wirksamkeit von RFMN als Monotherapie bei Aknenarben; allerdings unterschieden sich die untersuchten Geräte, Eindringtiefen und Energieparameter erheblich, sodass optimale Behandlungsparameter bislang nicht definiert sind.
Je nach verbleibendem Target kann RFMN zudem mit Verfahren wie Subzision, Fillern oder Lasertherapie kombiniert werden. RFMN eignet sich damit insbesondere für ein diffuses dermales Remodeling, während klar umschriebene tiefe Defekte oder ausgeprägtes Tethering gezielter durch Verfahren wie Punch-Techniken bzw. Subzision behandelt werden sollten.
Für eine universelle Kombination oder Sequenzierung von RFMN und fraktioniertem CO2-Laser oder anderen Verfahren gibt es derzeit keine ausreichende Evidenz. Kombinationen sollten daher phänotyp- und targetbasiert sowie als individualisierte Therapieoption und nicht als etablierter Standard gewählt werden.
Outcome-Erfassung
Die Intervalle der Verlaufskontrollen sollten die zeitabhängige biologische Reaktion berücksichtigen: Während sich vaskuläre und pigmentäre Veränderungen teilweise innerhalb weniger Wochen verbessern können, setzt sich das kollagene Remodeling über mehrere Monate fort. Verlaufskontrollen sollten anhand standardisierter Fotografien und möglichst derselben Bewertungsskala wie bei der Ausgangsuntersuchung erfolgen. Neben einer globalen ärztlichen Einschätzung sollten Ausfallzeit, Schmerzen, PIH, Hauttextur, subjektive Symptome, Bewegungsumfang und Patientenzufriedenheit erfasst werden. Die Validierung von Narbenscores erfolgte bislang nicht immer in Populationen mit ausreichender Diversität der Hautfarben, was die Übertragbarkeit und den populationsübergreifenden Vergleich solcher Instrumente einschränken kann.
4. Warum und wann Therapien kombiniert werden
Eine zielgerichtete Kombinationstherapie orientiert sich an den verschiedenen Komponenten einer Narbe und ordnet jeder Intervention ein spezifisches therapeutisches Target zu. Simultane oder sequenzielle Verfahren können unterschiedliche Merkmale wie Vaskularität, Narbendicke und Textur adressieren, den Zugang zu einem therapeutischen Target verbessern oder zunächst strukturelle Einschränkungen lösen, bevor ein Remodeling erfolgt. Entscheidend ist, dass der zusätzliche therapeutische Nutzen die kumulative Belastung durch Entzündung, Infektions- und Pigmentierungsrisiken, Kosten und Ausfallzeit rechtfertigt. Für einzelne Kombinationen liegen bereits klinische und metaanalytische Daten vor, deren Vergleichbarkeit aufgrund heterogener Narbenphänotypen, Behandlungsparameter, Dosierungsschemata, Bewertungsskalen und Nachbeobachtungszeiträume jedoch eingeschränkt ist (Tab. 1).
Was zeigt die vergleichende Evidenz und was nicht?
Eine Netzwerk-Metaanalyse aus dem Jahr 2025 umfasste 68 randomisierte Studien mit 4480 Patientinnen und Patienten mit atrophen Aknenarben. Laser plus plättchenreiches Plasma(PRP) wurde hier hinsichtlich der Reduktion des ECCA-Scores am höchsten eingestuft, während Laser plus Filler die höchste Rangposition für den Goodman-&-Baron-Score erreichte. Hinsichtlich der Patientenzufriedenheit schnitt Laser plus chemisches Peeling am besten ab. Microneedling wies die höchste Verträglichkeit hinsichtlich der Behandlungsschmerzen auf. Diese Ergebnisse unterstützen grundsätzlich das Konzept einer multimodalen Therapie, sollten jedoch nicht als allgemeingültige therapeutische Rangfolge interpretiert werden.
Auch für die Kombination von TAC und 5-FU zeigen mehrere klinische Studien insgesamt einen Vorteil der Kombinationstherapie gegenüber einer Monotherapie bei pathologischen Narben. Allerdings unterscheiden sich die untersuchten Konzentrationen, Mischverhältnisse und Behandlungsintervalle erheblich, weswegen die Datenlage heterogen ist.
Für die laserassistierte Wirkstoffapplikation (LADD) weisen systematische Übersichtsarbeiten auf eine verbesserte Wirkstoffabgabe gegenüber der alleinigen topischen Applikation hin, wobei belastbare pharmakokinetische und direkte Vergleichsdaten weiterhin begrenzt sind. Eine humane Permeationsstudie aus dem Jahr 2025 zeigte beispielsweise, dass ein fraktionierter Er: YAG-Laser die Aufnahme von Triamcinolon aus einer Lösung erhöhte, nicht jedoch aus einer Creme. Dies verdeutlicht, dass die Kombination aus «Laser plus topischer Wirkstoff» keine einheitliche oder standardisierte Intervention darstellt.
Die Evidenz für die Kombination von PDL und fraktioniertem ablativem Laser ist bislang nicht eindeutig. Während eine systematische Übersichtsarbeit und Netzwerk-Metaanalyse von 2025 bei Verbrennungsnarben für PDL als Monotherapie sogar einen Vorteil gegenüber der Kombinationstherapie hinsichtlich des Gesamt-VAS zeigte, berichtete eine 2026 publizierte Metaanalyse über signifikante Verbesserungen verschiedener Narbenscores unter der Kombination von PDL und fraktioniertem CO2-Laser. Die unterschiedliche Studienpopulation, die geringe Zahl eingeschlossener Studien und die heterogenen Behandlungsprotokolle schränken die direkte Vergleichbarkeit jedoch ein.
Insgesamt spricht die vergleichende Evidenz daher weniger für eine universelle Überlegenheit von Kombinationstherapien als für eine individualisierte Auswahl und Sequenzierung entsprechend dem Narbenphänotyp und den jeweils verbleibenden therapeutischen Targets.
5. Praktischer phänotypbasierter Therapiealgorithmus
Der folgende Therapiealgorithmus dient als klinischer Orientierungsrahmen und ist nicht als starres Behandlungsschema zu verstehen. Geräteparameter, Wirkstoffkonzentrationen und Behandlungsintervalle sollten entsprechend den Eigenschaften der Narbe, dem Hauttyp, der verfügbaren Technologie, der Erfahrung der behandelnden Person und den lokalen Empfehlungen individuell angepasst werden.
Schritt 1 – Stabilisierung und Prävention
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Aktive Akne, Infektionen, Dermatitis oder fortbestehende mechanische Irritationen sollten zunächst behandelt bzw. reduziert und die Wundversorgung sowie der Lichtschutz optimiert werden.
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Bei frischen Wunden mit erhöhtem Risiko für eine pathologische Narbenbildung sollte die mechanische Spannung reduziert und nach abgeschlossener Epithelisierung eine Silikontherapie erwogen werden. Frühe Risikofaktoren wie persistierendes Erythem, Juckreiz oder zunehmende Narbendicke sollten kontrolliert werden.
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Bei drohender funktioneller Einschränkung, Beteiligung eines Gelenks, ausgeprägten Verbrennungsnarben oder rascher Keloidentwicklung sollte frühzeitig eine spezialisierte bzw. interdisziplinäre Beurteilung erfolgen.
Schritt 2 – dominanten Phänotyp bestimmen
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Atroph: Ice-Pick-, Boxcar- und Rolling-Komponenten unterscheiden sowie auf Tethering und Volumendefizit prüfen.
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Erhaben: Hypertrophe Narbe und Keloid voneinander abgrenzen und Aktivität, Vaskularität, Symptome, mechanische Spannung und vorausgegangene Rezidive erfassen.
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Sekundäre Komponenten: Erythem, Hyper- oder Hypopigmentierung, Schmerzen bzw. Juckreiz, Gewebesteifigkeit und Kontraktur dokumentieren.
Schritt 3 – primäres therapeutisches Target auswählen
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Ice Pick: fokale Behandlung, z. B. TCA CROSS oder Punch-Technik; ein flächiges Resurfacing allein ist bei tiefen, fokalen Defekten häufig nicht ausreichend.
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Rolling/Tethering: zunächst Lösung der fibrotischen Adhäsionen durch Subzision; bei verbleibendem Volumendefizit bzw. Texturunregelmässigkeiten ergänzend Filler und/oder fraktioniertes Remodeling.
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Boxcar: fraktioniertes ablatives oder nichtablatives Resurfacing; bei ausgewählten tiefen, scharf begrenzten Läsionen Punch-Elevation bzw. Punch-Exzision.
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Aktive erythematöse hypertrophe Narbe: Silikon- und Spannungsreduktion ± intraläsionale Therapie und vaskuläre Lasertherapie; bei verbleibender Steifigkeit oder Texturunregelmässigkeit kann ein fraktioniertes Remodeling ergänzt werden.
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Keloid: intraläsionale Kombinationstherapie und/oder Kryotherapie; bei Exzision sollte ein konkretes postoperatives Konzept zur Rezidivprophylaxe vorgesehen werden.
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Kontraktur: frühzeitige multidisziplinäre chirurgische bzw. rekonstruktive Beurteilung, Rehabilitation und gegebenenfalls ergänzende fraktionierte Lasertherapie; die Wiederherstellung der Funktion hat Vorrang vor der kosmetischen Verbesserung.
Schritt 4 – Kombination nur bei verbleibendem oder komplementärem Target
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Die Indikation für jedes zusätzliche Verfahren sollte klar definiert werden.
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Für jede Intervention sollte festgelegt werden, anhand welchen Outcomes der zusätzliche Nutzen beurteilt werden soll.
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Vor einer erneuten Behandlung sollte eine Reevaluation erfolgen.
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Eine weitere Intensivierung sollte unterbleiben, wenn der erwartete zusätzliche Nutzen geringer ist als das damit verbundene prozedurale Risiko oder die zusätzliche Belastung.
6. Was bleibt unklar?
Über verschiedene Indikationen hinweg bleiben insbesondere drei Aspekte offen:
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Behandlungsparameter wie z. B. Energie, Behandlungsdichte, Pulsdauer, Anzahl der Passagen und Behandlungsintervalle sind bislang nur unzureichend standardisiert.
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Der optimale Behandlungszeitpunkt ist nicht eindeutig definiert und kann abhängig von Narbenphänotyp und Wundstabilität zwischen einer frühen Behandlung nach abgeschlossener Epithelisierung und einer Intervention nach weitgehender Narbenreifung variieren.
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Ein beobachteter Vorteil einer Kombinationstherapie belegt noch keine biologische Synergie. Adäquat angelegte Studien sind erforderlich, um zu untersuchen, ob Kombinationen gegenüber der jeweils wirksamsten Monotherapie tatsächlich einen zusätzlichen Nutzen bei vertretbarer zusätzlicher Belastung bieten.
7. Implikationen für die klinische Praxis
Die Lasertherapie ist inzwischen ein etablierter Bestandteil der dermatologischen Behandlung, während chirurgische Verfahren bei Tethering, tiefen fokalen Defekten, ausgeprägten Kontrakturen und ausgewählten rezidivierenden Keloiden unverzichtbar bleiben. In der klinischen Praxis sollte die Behandlung daher weniger als Abgrenzung zwischen Dermatologie und plastischer Chirurgie verstanden werden, sondern als gemeinsame multimodale Therapieplanung. Überweisungswege, der Zugang zu erfahrenen Behandlerinnen und Behandlern, gerätespezifische Expertise, die Kostenübernahme sowie eine realistische Aufklärung über die Notwendigkeit wiederholter Behandlungen beeinflussen die Therapiewahl.
8. Zukunftsaussichten
Die zukünftige Entwicklung der Lasertherapie bei Narben dürfte weniger in der Einführung eines einzelnen «überlegenen» Laserverfahrens liegen als in einer zunehmend gezielten Kombination verschiedener therapeutischer Ansätze.
Neben der Gewebemodulation durch Laser gewinnt insbesondere die LADD an Bedeutung. Durch die Erzeugung kontrollierter Mikrokanäle kann die epidermale Barriere vorübergehend überwunden und die lokale Wirkstoffpenetration verbessert werden. Erste klinische Untersuchungen mit Kortikosteroiden, 5-Fluorouracil und zunehmend auch regenerativen Wirkstoffen sind vielversprechend, die unterschiedlichen Laserparameter und Wirkstoffprotokolle erschweren jedoch bislang eine Standardisierung.
Besonders interessant ist die Erweiterung dieses Konzepts auf regenerative Wirkstoffe. So zeigte eine aktuelle Metaanalyse erste positive Ergebnisse für die Kombination von fraktioniertem CO2-Laser mit rekombinantem humanem epidermalem Wachstumsfaktor (rhEGF) bei atrophen Aknenarben. Aufgrund der heterogenen Studienlage und begrenzten Evidenzsicherheit lässt sich daraus jedoch noch kein etablierter Therapieansatz ableiten.
Darüber hinaus werden regenerative Verfahren wie extrazelluläre Vesikel, konditionierte Zellmedien, stromale vaskuläre Fraktionen und mesenchymale Stammzelltherapien zunehmend untersucht. Erste klinische Studien und Metaanalysen zeigen vielversprechende Ergebnisse bei atrophen Aknenarben. Aufgrund kleiner Studienpopulationen, heterogener Produkte und Behandlungsprotokolle sowie begrenzter Langzeitdaten ist die klinische Evidenz jedoch noch nicht ausreichend, um diese Verfahren als etablierten Bestandteil der Narbentherapie zu betrachten.
9. Schlussfolgerung
Die Heterogenität von Narben erfordert einen zunehmend phänotyp- und targetbasierten Therapieansatz. Insbesondere die gezielte Kombination und Sequenzierung von Laser- und energiebasierten Verfahren bietet die Möglichkeit, unterschiedliche strukturelle und biologische Komponenten einer Narbe zu adressieren. Die bisherige Evidenz ist für verschiedene Kombinationen vielversprechend, aufgrund heterogener Studienprotokolle und Behandlungsparameter jedoch noch nicht ausreichend, um allgemeingültige Behandlungsschemata abzuleiten. Weitere Studien sind daher erforderlich, um den zusätzlichen Nutzen von Kombinationstherapien gegenüber Monotherapien zu bestimmen und optimale Behandlungssequenzen zu etablieren.
Literatur:
bei den Verfasser:innen
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