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Zwischen den Zellen lesen

Interpretation des mikroskopischen Blutbildes

Die Interpretation von manuellen bzw.mikroskopischen Blutausstrichen bleibt auch im Zeitalter der Digitalisierung ein wichtiges diagnostisches Instrument, dessen Einsatz jedoch nur kombiniert mit der automatischen Blutbildanalyse und einer spezifischen Fragestellung Sinn macht. Meist ist es das Vorhandensein quantitativ abnormer oder qualitativ auffälliger Ergebnisse (Warnhinweise, «flags») in der automatischen Blutbildanalyse, welche als Reflexanalyse auf die Notwendigkeit einer manuellen Überprüfung des peripheren Blutbildes hinweisen.

Die Untersuchung eines Blutausstrichs liefert in vielen klinischen Situationen als schnell verfügbare und apparativ einfache Untersuchung wichtige Informationen und kann als wesentlicher Bestandteil zur integrativen diagnostischen Abklärung beitragen. Um zuverlässige Ergebnisse zu gewährleisten, müssen präanalytische Faktoren berücksichtigt werden, welche die Qualität des Blutausstrichs beeinflussen können: Hierzu gehören das korrekte Antikoagulans (Ethylendiamintetraessigsäure, EDTA), das richtige Verhältnis von Blut zu Antikoagulans und eine zeitnahe Verarbeitung nach Blutentnahme, möglichst innerhalb von 2 bis 4 Stunden. Bei verzögerter Anfertigung eines Blutausstrichs kommt es zu degenerativen Veränderungen der zellulären Elemente des Blutes. Die Herstellung des Ausstrichpräparates erfolgt durch geschultes Personal, der getrocknete Ausstrich wird mit Methanol oder Ethylalkohol fixiert und mit einer Pappenheim-Färbung (May-Grünwald-Giemsa) angefärbt. Bei der mikroskopischen Beurteilung werden nebst der manuellen Differenzierung von 100–200 Leukozyten abnorme morphologische Befunde auf verschiedene Weise angegeben: 1. als einfache Beschreibung, 2. durch Verwendung von Begriffen wie vorhanden oder nicht vorhanden, 3. als semiquantitative Bestimmung: leicht (+), mässig (++), ausgeprägt (+++), oder 4. als quantitativer Prozentsatz der morphologischen Anomalien: normal (<5%), leicht (5–25%), mässig (25–50%), ausgeprägt (>50%) – wobei bestimmte morphologische Anomalien, z.B.Fragmentozyten, bereits bei niedrigeren Prozentzahlen eine grössere Bedeutung haben.

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