©
Getty Images
Antithrombinmangel und pädiatrische Thrombosen
Jatros
30
Min. Lesezeit
21.09.2017
Weiterempfehlen
<p class="article-intro">Das Thromboserisiko steigt mit zunehmendem Alter. Bei Kindern tritt eine Thrombose sehr selten auf, jährlich bei etwa 0,07 bis 0,14 pro 10 000 Kinder. Auf Neugeborenenstationen wird eine Thrombose bei etwa 5,3 pro 10 000 Kinder beobachtet. Ein angeborener Antithrombinmangel (Anti-FXa <80 % ) scheint das Risiko der pädiatrischen Thrombose bei Neugeborenen zu erhöhen, wie Belén de la Morena-Barrio, Murcia/Spanien, beim ISTH in Berlin zeigen konnte (ISTH-Abstr. #ASY26.2).</p>
<hr />
<p class="article-content"><p>In einer retrospektiven Studie mit 548 Patienten mit Antithrombinmangel aus 252 nicht verwandten Familien, die über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren in ein spanisches Krankenhaus aufgenommen worden waren, untersuchten die Wissenschaftler genetische, funktionale, biochemische und klinische Faktoren. 35 Patienten hatten während der Kindheit (0–18 Jahre) eine Thrombose erlitten, was einer Inzidenz von 6,4 pro 100 Kinder entspricht. Es waren häufiger Buben (65,7 % ) als Mädchen (34,3 % ) betroffen. Wurden Mädchen mit gynäkologischen Risikofaktoren ausgeschlossen, so stieg die Genderratio von 1,9:1 auf 3,8:1. Demnach gilt für Kinder – wie für Erwachsene –, dass durch den Antithrombinmangel das Thromboserisiko für das männliche Geschlecht stärker erhöht wird als für das weibliche Geschlecht.<br /><br /> Die molekularbiologischen Untersuchungen deuteten darauf hin, dass der Antithrombinmangel Typ I mit einem höheren Risiko für eine pädiatrische Thrombose einhergeht, während bei Typ II möglicherweise weitere Risikofaktoren vorliegen müssen, um das Thromboserisiko zu erhöhen. Von 37 Patienten mit Typ-I-Mangel hatten 11 (30 % ) eine pädiatrische Thrombose erlitten sowie einer von 103 Patienten (0,9 % ) mit Typ-II-Mangel. Bei Neugeborenen und Kleinkindern traten die Thrombosen an ungewöhnlichen Lokalisationen (häufiger zerebrale Sinusvenenthrombosen) auf und die Ursachen waren in der Regel idiopathischer Natur. Bei den Jugendlichen von 15–18 Jahren waren die Lokalisation der Thrombose und die ursächlichen Risikofaktoren wie Immobilisierung, Operation etc. ähnlich wie bei Erwachsenen.</p> <p><span class="link-color"><a class="article-link" href="../fachthemen/8791" data-locked="0">zurück zum Themenschwerpunkt zum ISTH 2017 Congress</a></span></p></p>
Das könnte Sie auch interessieren:
Erste Erfolge mit der Gentherapie bei der Hämophilie
Zur 70. Jahrestagung der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung (GTH) Mitte Februar 2026 kamen in Bonn über 1000 hämostaseologische Expertinnen und Experten zusammen. Das ...
Erfolg zielgerichteter und zeitlich begrenzter Therapien
Auf der Frühjahrstagung der OeGHO widmete sich eine spezielle Session zukunftsweisenden Entwicklungen in der Grundlagen- und klinischen Forschung auf dem Gebiet der Hämatologie. Im Fokus ...
Erworbene Hämophilie A
Die erworbene Hämophilie A zeigt sich mit einer Inzidenz von 1,5–1,8pro Million pro Jahr. Es kommt zu spontanen, teilweise schweren und lebensbedrohlichen Blutungsereignissen aufgrund ...