Soja – Mythen und Fakten
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Den einen gilt Soja wegen seiner Inhaltsstoffe als „Powerfood“, andere sorgen sich gerade wegen dieser Inhaltsstoffe um ihre Gesundheit. Eine Übersicht der deutschen Verbraucherzentralen gibt Auskunft zum Einfluss auf Brustkrebsrisiko, Menopausebeschwerden, Schilddrüse und Testosteronspiegel.1
Zunächst einmal: Sojabohnen enthalten zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe, unter anderem Isoflavone. Diese ähneln dem Hormon Östrogen („Phytoöstrogene“)und können ähnlich wirken, allerdings in abgeschwächter Form. Am höchsten ist der Isoflavongehalt in reifen, rohen Sojabohnen (104–155mg/100g). Sobald sie verarbeitet werden, nimmt der Isoflavongehalt ab. So liegt er in Tofu und Sojajoghurt im Schnitt bei 13–35mg/100g, in Sojadrinks bei etwa 11mg/100g.1
Phytoöstrogene und Brustkrebs
Bei hormonabhängigen Mammatumoren fördert Östrogen das Wachstum der Tumorzellen. Eine antihormonelle Therapie bremst es und soll nach Entfernung des Tumors das Risiko für Rezidive senken. Viele Brustkrebspatientinnen fürchten, dass der Konsum von Sojaprodukten wegen der enthaltenen Phytoöstrogene das Rezidivrisiko steigern könnte.
Dafür gibt es jedoch nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand keine Hinweise. Fachgesellschaften wie die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO)2 oder das American Institute for Cancer Research (AICR)3 bewerten einen maßvollen Konsum von täglich ein bis zwei Portionen Sojalebensmitteln als unbedenklich, auch während einer antihormonellen Therapie. Eine Portion entspricht etwa 100g Tofu oder 250ml Sojadrink.
Weniger Menopausebeschwerden durch Isoflavone?
Hitzewallungen, Schlafstörungen oder depressive Verstimmungen – viele Frauen in den Wechseljahren leiden darunter, wollen oder können aber aus unterschiedlichen Gründen keine Hormonersatztherapie erhalten. Hier könnten sojahaltige Lebensmittel wegen der hormonähnlichen Wirkung der Isoflavone helfen, diese Beschwerden zu lindern. Doch auch dazu gibt es keine wissenschaftliche Evidenz. Sicher ist aber, dass Tofu, Sojadrink, Tempeh & Co. in üblichen Mengen zu einer ausgewogenen Ernährung beitragen können. Sie liefern Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und Protein.
Sojaprodukte und Schilddrüse
Hier bestehen mögliche Effekte von Isoflavonen auf die Bildung oder Wirkung von Schilddrüsenhormonen, vor allem bei Jodmangel oder Schilddrüsenkrankheiten. Eine abschließende Klärung steht aber noch aus.4 Bei Menschen, die Schilddrüsenhormone einnehmen, sollten vor und nach einer Ernährungsumstellung mit Sojaprodukten die Blutwerte kontrolliert werden, um eine eventuelle Dosisanpassung vorzunehmen.
Vorsicht bei hoch dosierten Nahrungsergänzungsmitteln!
Während der Konsum sojahaltiger Lebensmittel in üblicher Menge als weitgehend unbedenklich gilt, sieht es bei Nahrungsergänzungsmitteln mit hoch dosierten Isoflavonen anders aus. Sie werden immer wieder (entgegen gesetzlicher Regelungen) zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden oder zum Schutz vor Osteoporose beworben. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sieht dafür jedoch keine gesicherten positiven Effekte.5
Ein Marktcheck der deutschen Verbraucherzentralen zeigte außerdem, dass viele dieser Präparate zu hohe Dosierungen enthalten. Laut EFSA sollte bei gesunden Frauen eine maximale tägliche Verzehrmenge von 100mg für isolierte Sojaisoflavone und 43,5mg für isolierte Rotklee-Isoflavone nicht überschritten werden. Doch rund zwei Drittel der untersuchten Produkte enthielten höhere Dosierungen. Zudem fehlten oft Angaben zur Einnahmedauer.
Daher gilt: Personen unter Schilddrüsenhormontherapie sollten solche Präparate nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden. Personen, die an östrogenabhängigem Brust- oder Gebärmutterkrebs erkrankt sind oder waren, sollten Nahrungsergänzungsmittel mit isolierten Isoflavonen komplett meiden.
Männer: keine Angst vor Soja
Vor allem in sozialen Medien kursiert die Behauptung, dass der Konsum von sojahaltigen Lebensmitteln bei Männern zu einer „Verweiblichung“ führt. Gemeint sind damit angeblich sinkende Testosteron- und steigende Östrogenspiegel sowie körperliche Veränderungen wie Brustwachstum. Nach aktuellem Wissensstand gibt es keinen messbaren Einfluss von Sojalebensmitteln und isolierten Isoflavonen auf den Testosteron- und Östrogenspiegel bei Männern – auch nicht bei größeren Mengen. Die Information beruht vor allem auf Tierstudien oder Einzelfällen mit extrem hohen Dosierungen. (red)
Quelle:
www.verbraucherzentrale.de , 23. April 2026
Literatur:
1 www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/kennzeichnung-und-inhaltsstoffe/soja-und-isoflavone-im-faktencheck-118866 2 www.ago-online.de/fileadmin/ago-online/Empfehlungen_2026/Deutsch/AGO_2026D_24_Komplementaermedizin.pdf 3 www.aicr.org/cancer-prevention/food-facts/soy 4 www.bfr.bund.de/cm/343/sojahaltige-lebensmittel-und-nahrungsergänzungsmittel-gesundheitliche-aspekte.pdf 5 https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.2903/j.efsa.2012.2847
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