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Empfehlungen für ein erfolgreiches und effektives Mentoring

Goldene Regeln für Mentees

<p class="article-intro">Es gibt bereits viel über Mentoring zu lesen. Der Frage, wie man ein guter Mentee wird, ist bislang wenig nachgegangen worden. Dadurch herrscht im Augenblick eine Asymmetrie in der Literatur, da doch ein effektives Mentoring ohne Mentee nicht existieren kann. Da dieses Thema wichtig ist und es zugleich an Anleitungen mangelt, haben wir versucht, „goldene Regeln“ für Mentees zu definieren. Im Folgenden sind einige Überlegungen für Mentees aufgelistet, welche keinesfalls als vollständig, sondern vielmehr als Basis für weitere Überlegungen gesehen werden können.</p> <p class="article-content"><div id="keypoints"> <h2>Keypoints</h2> <ul> <li>W&auml;hle den richtigen Mentor, der dich unterst&uuml;tzt und von dem du lernen kannst.</li> <li>Gehe respektvoll mit der Zeit deines Mentors um und nutze sie vern&uuml;nftig.</li> <li>Kommuniziere effizient und effektiv mit deinem Mentor.</li> <li>Sei engagiert, dynamisch und teamorientiert.</li> </ul> </div> <h2>Den richtigen Mentor ausw&auml;hlen</h2> <p>Die Wahl des richtigen Mentors ist essenziell. Selten findet man eine einzige Person, die alle Bed&uuml;rfnisse eines Mentees erf&uuml;llen kann. Sinnvoll ist ein Team aus Mentoren, die in Kombination die Schwerpunkte Inhalt, Klinik und Strategie f&uuml;r dich, den Mentee, gemeinsam abdecken k&ouml;nnen. Tatsache ist bekanntlich, dass eine teamorientierte Wissenschaft unabdingbar f&uuml;r den akademischen Erfolg ist und eine disziplin&uuml;bergreifende Zusammenarbeit die Perspektive auf jeden Fall erweitert.<br /> Den richtigen Mentor zu finden ist jedoch keine simple Angelegenheit. Es ist eher ein Prozess aus Urteilsbildung und Lernen. Viele Mentoren betonen die Notwendigkeit einer &Uuml;bereinstimmung der eigenen Ziele mit den F&auml;higkeiten und dem Wissensstand, die der Mentor mit einem teilen kann.<br /> Manchmal sucht man sich als Mentee ein Vorbild, die Art Person, die man selbst gerne werden m&ouml;chte. Aber um die eigene Arbeit zu verbessern, ben&ouml;tigt man auf jeden Fall jemanden mit der entsprechenden inhaltlichen Expertise oder jemanden mit einem gewissen Einfluss innerhalb eines Fachbereiches und einem breit aufgestellten Netzwerk.<br /> Keine leichte Aufgabe, denn Personen in F&uuml;hrungspositionen sind nicht zwangsl&auml;ufig auch gute Mentoren. Die pers&ouml;nlichen Attribute des Mentors, wie Geduld und Altruismus, sind fundamental f&uuml;r eine gute Mentor-Mentee-Beziehung. Dem Mentor sollten Sympathie, Vertrauen und Respekt entgegengebracht werden k&ouml;nnen und du solltest dir sicher sein, dass er auch deine Interessen vertritt.<br /> Es ist auch wichtig, Mentoren zu meiden, die einen einseitigen Vorteil aus ihren Mentees ziehen wollen. Zugegeben, solche problematischen Mentoren zu erkennen ist nicht einfach. Ein Gespr&auml;ch mit aktiven oder fr&uuml;heren Mentees kann dabei hilfreich sein. Die Verantwortungen liegen allerdings auf beiden Seiten. Ein Mentee sollte ebenfalls kein &bdquo;ausnutzendes&ldquo; Verhalten zeigen. Es ist beispielsweise unklug, den eigenen Mentor lediglich als Patron zu nutzen, der die notwendigen T&uuml;ren &ouml;ffnet und die Arbeiten Korrektur liest. Ein absoluter und Grenzen &uuml;berschreitender Fehler w&auml;re es auch, den Mentor mit eigenen kleinen Problemen zu belasten. Merksatz dazu, &uuml;berspitzt formuliert: Ein Mentor ist kein Psychotherapeut.</p> <h2>Zeitplanung und gute Vorbereitung</h2> <p>Die Zeit deines Mentors ist wertvoll. Jeder, der sich als Mentor qualifiziert, hat wahrscheinlich mehrere Mentees und Verantwortungen. Ein Mentee, welcher die Zeit seines Mentors respektiert und Wege findet, diese produktiv zu nutzen, erf&auml;hrt den gr&ouml;&szlig;ten Vorteil aus einem Mentorship. Vereinbare selbst die Termine mit deinem Mentor, warte nicht, bis er sich meldet, und nutze wenn m&ouml;glich einen regul&auml;ren Termin.<br /> Vorbereitung ist essenziell, um die Zeit des Mentors effektiv zu nutzen. Plane Meetings, indem du die Agenda und wichtige Diskussionspunkte vorgibst, beispielsweise klinische, wissenschaftliche, administrative oder pers&ouml;nliche Updates. F&uuml;ge auch eine Zeitvorgabe an, um jedes Thema so einzuteilen, dass ihr euch beide auf das Wichtigste konzentriert.<br /> Versuche neben dem Identifizieren der Probleme auch L&ouml;sungsvorschl&auml;ge vorzubereiten, um deinem Mentor Hilfestellung zu geben und gemeinsam die beste Antwort zu erarbeiten. In der Wirtschaftswelt ist das bekannt unter &bdquo;managing your manager&ldquo; oder &bdquo;managing up&ldquo;. Du solltest deinem Mentor auch helfen, sich auf euer Meeting vorzubereiten, beispielsweise mit der Bitte, einen wissenschaftlichen Abstract vorab durchzusehen, welchen ihr bei eurem Treffen besprechen k&ouml;nnt.</p> <h2>Wichtig: Kommunikation mit dem Mentor</h2> <p>Effektive Kommunikation ist ausschlaggebend f&uuml;r eine erfolgreiche Mentee-Mentor-Beziehung. Eine solche Kommunikation braucht umfangreichen Einsatz und Vorbereitung vonseiten des Mentees. Mentoren k&ouml;nnen lediglich vonnutzen sein, wenn sie deine Ziele und Aktivit&auml;ten verstehen, m&ouml;gliche Hindernisse wahrnehmen und erkennen, auf welche Weise sie hilfreich in der Bew&auml;ltigung solcher H&uuml;rden sein k&ouml;nnen.<br /> Die Zusammenarbeit mit deinem Mentor sollte mit einem ehrlichen Gespr&auml;ch &uuml;ber die eigenen Ziele und Erwartungen beginnen. Ich nutze ein geschriebenes Ger&uuml;st/ einen Plan der kurz- und langfristigen Ziele. Das hilft bei der Evaluierung, ob du und dein Mentor die Erfolgsvision teilt. Kl&auml;rt Rollen und Erwartungen von beiden Seiten, um Konflikten, Spannungen und Entt&auml;uschungen vorzubeugen.<br /> W&auml;hrend des Verlaufes eines Menteeships sollten Meetings die Grundlage f&uuml;r den Ablauf des Mentorships bilden, in denen der Gro&szlig;teil der Zusammenarbeit stattfindet. Man sollte eine regelm&auml;&szlig;ige Kommunikation etablieren, welche die jeweiligen Ziele und die notwendigen Schritte bis dorthin inkludiert, zum Beispiel:</p> <ul> <li>Diskussion neuer Projekte vor Projekt&uuml;bernahme</li> <li>Updates &uuml;ber die Korrespondenz zu Journals und F&ouml;rderungen/Grants: sowohl gute als auch schlechte Neuigkeiten</li> <li>Zusammenfassung zum Status des laufenden Projektes, inklusive Fortschritt und Problemen</li> </ul> <p>W&auml;hrend der Treffen sollte auf die Reden- Zuh&ouml;ren-Ratio geachtet werden. In den meisten Meetings sollte die Ratio unter eins sein, sprich: Man sollte selbst weniger reden als zuh&ouml;ren.<br /> Au&szlig;erhalb von Meetings solltest du auf das Volumen und die Struktur der Korrespondenz achten, die an den Mentor gesendet wird. Vage Fragen in E-Mails unter viel Text zu vergraben, ist nicht empfehlenswert. Ideal sind konkrete Fragen mit einem knappen Hintergrund, die mit Ja oder Nein beantwortet werden k&ouml;nnen. Anzunehmen ist, dass der Mentor die Antworten neben oder zwischen anderen Aufgaben liefert und dabei vermutlich ein Mobiltelefon nutzt.<br /> Die meisten Mentoren ben&ouml;tigen einen ausreichenden Vorlauf, um dich effektiv zu unterst&uuml;tzen. Plane eine vern&uuml;nftige Vorlaufzeit ein und &uuml;berpr&uuml;fe, ob der Mentor die Anfrage beantworten kann. Falls du deinen Mentor ersuchen willst, einen Abstract, ein Manuskript oder ein Stipendiumsansuchen zu &uuml;berpr&uuml;fen, &uuml;berleg zuerst, wie lange er daf&uuml;r ben&ouml;tigen wird. Panische E-Mails mit einer Bitte um Antwort innerhalb von 24 Stunden werden wahrscheinlich nicht gut aufgenommen.</p> <h2>Mentees: engagiert, dynamisch, teamorientiert</h2> <p>Mentoren bevorzugen Leute, mit denen es Spa&szlig; macht, zusammenzuarbeiten; Leute, die dynamisch sind und voll hinter der Sache stehen. Mit emotional erm&uuml;dendem Verhalten, wie st&auml;ndigem Beschweren und Pessimismus, wird man sich bei seinem Mentor nicht beliebt machen.<br /> Mentees m&uuml;ssen zeigen, dass sie vern&uuml;nftig sind und ernsthaft daran interessiert, zu lernen, ohne ihren Mentor f&uuml;r ihr emotionales Wohlbefinden verantwortlich zu sehen. Auf Feedback oder Ratschl&auml;ge mit negativen Emotionen oder defensiven Erwiderungen zu reagieren gibt einem Mentor weniger Spielraum f&uuml;r n&uuml;tzliche Anleitung, was vielleicht dazu f&uuml;hrt, dass die Partnerschaft aufgel&ouml;st wird. Dies alles w&auml;re von deutlichem Nachteil f&uuml;r die Weiterentwicklung des Mentees.<br /> Versuche eher eine Quelle f&uuml;r Energie als ein Energie-&bdquo;Abfluss&ldquo; im Mentorship- Verh&auml;ltnis zu sein. Hilf dabei, Projekte voranzutreiben, und akzeptiere alle Kommentare als wichtige Lernhilfen, selbst wenn sie sehr direkt wirken.<br /> Bedenke, dass du dich am Anfang deiner Karriere befindest und dabei bist, dir eine Reputation aufzubauen. Menschen entwickeln im Laufe der Zeit eine eigene Referenz, stell also sicher, dass du als &bdquo;Vollender&ldquo; in Erinnerung bleibst, als jemand, der Aufgaben fristgerecht abarbeitet. Erkl&auml;rst du dich zu einer Arbeit bereit, sollte dies als verbindlich angesehen werden. Stelle dann sicher, dass das Ergebnis rechtzeitig und mit hohen Standards ausgeh&auml;ndigt wird.<br /> Sei gro&szlig;z&uuml;gig und ehrlich beim Zeigen von Anerkennung. Durch Engagement mit deinem Mentor, den Kollegen und einer breiteren wissenschaftlichen Gemeinschaft wirst du bald zu einem unersetzlichen Mitarbeiter, nicht nur f&uuml;r deinen Mentor, sondern auch f&uuml;r die gesamte Institution.<br /> Effektives Menteeship ist eine F&auml;higkeit, die zu erlernen eine gewisse Praxis, Geduld und auch Fehlversuche braucht. Ein h&ouml;chst effizienter Mentee sucht den richtigen Mentor, kommuniziert klar und direkt, ist engagiert, vorbereitet und belebend. Er absolviert Aufgaben noch vor dem Zeitplan und ist zugleich teamorientiert. Ich hoffe, dass diese &Uuml;berlegungen dir helfen, erfolgreich zu sein.</p></p>
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