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Axiale Spondylarthritis

Ungünstige Prognose bei enthesialen Läsionen im Beckenbereich

Rheumatologie
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Einer holländischen Studie zufolge geht die Anzahl an enthesialen Läsionen bei Patienten mit ankylosierender Spondylitis (AS) mit einer rascheren radiologischen Progression einher. Am häufigsten stellen sich die Veränderungen als kortikale Erosionen dar.

Periphere Manifestationen wie eine Entzündung der Enthesen sind ein zentraler pathologischer Prozess im Rahmen von Spondyloarthropathien und ein typisches Merkmal der AS. Frühere Studien zeigten eine hohe Prävalenz von entzündlichen und strukturellen Ultraschallläsionen der peripheren Enthesen bei AS.

Im Rahmen einer vermehrten Aktivierung des angeborenen Immunsystems spielen erhöhte Konzentrationen an Entzündungsmediatoren (IL-17, IL-23 und spezifische T-Zell-Populationen des enthesialen Kompartiments) eine Schlüsselrolle, durch die es im Anschluss an den initialen Entzündungsprozess zur Knochenneubildung und damit zur Bildung von Enthesiophyten kommt.

Nicht nur der Ultraschall, sondern auch einfache Röntgenbilder können solche strukturellen peripheren Läsionen an den Enthesen gut darstellen. „Röntgenbilder sind bei vielen AS-Patienten ohnehin vorhanden. Daher war es das Ziel unserer Studie, die Prävalenz von röntgenologisch erkennbaren enthesialen Läsionen an der Hüfte und im Beckenbereich bei Patienten mit AS im Vergleich zu alters- und geschlechtsangepassten Kontrollen zu untersuchen und Assoziationen dieser Veränderungen mit Patienten- und Krankheitscharakteristika zu erforschen“, sagte die Rheumatologin Dr. Freke R. Wink, Medical Center Leeuwarden, Niederlande, beim diesjährigen Kongress der EULAR im Juni.

167 Patienten aus der „Groningen Leeuwarden AxSpA“(GLAS)-Kohorte, bei denen vor Therapiebeginn mit einem TNF-Inhibitor ein anterior-posteriores Beckenröntgenbild vorhanden war, konnten in die Analyse eingehen. Alle Patienten erfüllten die modifizierten New Yorker Diagnose-Kriterien für AS. Sie wurden mit 100 gesunden Kontrollen im selben Alter und mit demselben Geschlecht verglichen, deren Röntgenbilder des Beckens in der radiologischen Abteilung des University Medical Center Groningen aufgenommen wurden.

Enthesiale Lokalisationen und Läsionen

Die ausgewerteten Lokalisationen der Enthesen waren: Trochanter major, Trochanter minor, Os ischium, Crista iliaca und Symphysis pubis. Die folgenden enthesialen Läsionen wurden bewertet: kortikale Unregelmäßigkeiten/Erosionen, Verkalkungen und Enthesiophytenbildung.

Alle Röntgenbilder wurden unabhängig voneinander von zwei geschulten Radiologen bewertet, welche die Röntgenaufnahmen verblindet im Hinblick auf die Iliosakralgelenke und Patienteninformationen beurteilten. Die Prävalenz der Läsionen wurde anhand der absoluten Übereinstimmung zwischen beiden Beurteilern ermittelt.

Die Radiologen identifizierten solche Läsionen bei 76% der AS-Patienten (n=127) und bei 58% der Kontrollen (n=58). Insgesamt fanden sie 501 enthesiale Läsionen, von denen 75% bei AS-Patienten vorkamen. AS-Patienten zeigten signifikant mehr Läsionen an allen 5 Lokalisationen als die Kontrollen, die meisten davon am Os ischii. An dieser Stelle wurden 66% der Läsionen bei AS-Patienten gefunden, verglichen mit 53% bei den Kontrollen (p<0,05). Am häufigsten wurde eine Erosion/kortikale Unregelmäßigkeit festgestellt (72% bei AS-Patienten und 51% bei Kontrollen; p<0,005).

Übergewicht erhöht das Risiko für die Bildung von Enthesiophyten

Ein weiteres interessantes Ergebnis der Studie war, dass übergewichtige AS-Patienten (BMI>25) signifikant mehr knöcherne Neubildungen an den Enthesen (Enthesiophyten) aufwiesen als Patienten mit normalem BMI (42% vs. 16%; p<0,05). Zusätzlich wurden bei AS-Patienten mit Läsionen an den Enthesen im Vergleich zu Patienten ohne diese Läsionen signifikant häufiger pathologische Veränderungen an der Wirbelsäule festgestellt.

„Enthesiale Läsionen bei AS-Patienten sind mit höherem Alter, längerer Krankheitsdauer und einem schlechteren radiologischen Ergebnis, definiert als mehr Wirbelsäulenschäden, assoziiert“, schloss Dr. Wink.

Wink FR et al.: Radiographic entheseal lesions at hip and pelvic region are associated with longer disease duration, higher BMI and more severe spinal and hip radiographic damage in patients with ankylosing spondylitis. Poster No. POS0034, Session: Imaging in axial spondyloarthritis, ­EULAR virtual congress, 2.–5. Juni 2021

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