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Highlights vom EHRA-Kongress und Neues zum „Safe Hearts Plan“

„International haben wir eine führende Rolle in der rhythmologischen Community“

Prof. Lukas Fiedler ist Sekretär der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft und renommierter Rhythmologe. Wir sprachen mit ihm über Neues vom Europäischen Herzrhythmus-Kongress (EHRA) in Paris und über den EU Cardiovascular Health Plan.

Herr Dr. Fiedler, was waren die Highlights beim Europäischen Herzrhythmus-Kongress?

L. Fiedler: Aus meiner Sicht gab es zwei Highlights, an denen auch sehr bekannte österreichische Elektrophysiologen mitgewirkt haben.

Beim ersten handelt es sich um ein Positionspapier zur Pulsed-Field-Ablation (PFA). Dieses wurde von Prof. Helmut Pürerfellner, dem derzeitigen EHRA-Präsidenten, gemeinsam mit Prof. Michael Kühne und PD Dr. Patrick Badertscher aus Basel verfasst. Die PFA hat in den letzten Jahren stark an Dynamik gewonnen und die Ablation – insbesondere bei Vorhofflimmern – wesentlich verändert, da sie sicherer und schneller als bisher eingesetzte Verfahren ist. Praktisch jedes große Katheterlabor verwendet heute die PFA, wodurch ein großer Erfahrungsschatz entstanden ist. Auf dieser Basis wurde das Positionspapier erstellt. Die PFA ist einfach anzuwenden und geht nur mit sehr wenigen interventionell bedingten Komplikationen einher. Falls es dennoch zu spezifischen Rhythmusstörungen kommt, ist ein adäquates Management entscheidend. Die Patient:innen stehen unter Antikoagulation, während im linken Vorhof gearbeitet wird – eine Situation, die mit Risiken wie Schlaganfall oder anderen unerwünschten Ereignissen verbunden sein kann. Das Positionspapier bietet hierzu eine sehr strukturierte Anleitung für den praktischen Umgang.

Bevor ich zum zweiten Highlight komme, ist wichtig zu erwähnen, dass im Rahmen des EHRA-Kongresses mehrere sehr gut gemachte Studien zur PFA präsentiert wurden, in denen diese mit anderen Energieformen verglichen wurde.

Die erste wichtige Studie ist PERFECT-PAF, eine multizentrische Studie, in die 269 Patient:innen mit Vorhofflimmern eingeschlossen wurden. Hier wurde die PFA im Vergleich zum Kryoballon hinsichtlich Nichtunterlegenheit untersucht. Primärer Endpunkt war die Rezidivfreiheit innerhalb von zwölf Monaten. Es zeigte sich, dass die PFA mit 86,6% signifikant besser abschnitt als der Kryoballon mit 77,8%. Besonders auffällig war die sehr niedrige Rate periprozeduraler Komplikationen in der PFA-Gruppe mit nur 0,7% im Vergleich zu 8,1% in der Kryoballon-Gruppe. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass die PFA umliegendes Gewebe besser schont als andere Energieformen. Ein weiterer wichtiger Vorteil ist die kürzere Prozedurdauer, was auch für die Nutzung der Ressourcen im Herzkatheterlabor relevant ist.

Die zweite Studie zur PFA, FACIL-AF, hatte ein ähnliches Konzept. An dieser Nichtunterlegenheitsstudie nahmen 350 Patient:innen mit Vorhofflimmern in 7 Zentren in Frankreich teil. Sie erhielten entweder eine PFA oder eine Kryoballonablation. Der primäre Endpunkt, die Rezidivrate nach zwölf Monaten, fiel mit 14,4% vs. 18,6% signifikant zugunsten der PFA aus. Die Prozedurzeiten unterschieden sich deutlich: Die Zeit von der Punktion bis zur vollständigen Entfernung betrug bei der PFA 47 min, bei der Kryoablation 62 min – also bei der PFA 15 min weniger. Die linksatriale Verweildauer war mit 25 min gegenüber 36 min ebenfalls deutlich kürzer, was im Hinblick auf das Schlaganfallrisiko von Bedeutung ist.

Sie hatten von einem zweiten Highlight gesprochen.

L. Fiedler: Ja, besonders erfreulich ist, dass Österreich in der internationalen rhythmologischen Community nicht nur fest verankert ist, sondern auch eine führende Rolle einnimmt.

Für besonders wichtig halte ich das Positionspapier zur ambulanten Behandlung von Herzrhythmusstörungen, dessen Erstellung von Prof. Daniel Scherr geleitet wurde. Es handelt sich um einen sehr praxisnahen Konsensus, der als Orientierung dienen kann, um zu beurteilen, welche Patient:innen für eine ambulante elektrophysiologische Behandlung (EP) sowie für Eingriffe im Bereich kardial implantierbarer elektronischer Systeme (CIED) geeignet sind – also ohne dass eine Spitalsübernachtung notwendig wird. Bei entsprechend ausgewählten Patient:innen ist die ambulante Durchführung von CIED- und EP-Eingriffen sicher; Komplikations- und Wiederaufnahmeraten sind im Vergleich zu Eingriffen mit Übernachtung nicht erhöht. Patient:innen mit stabilem körperlichem und psychischem Gesundheitszustand, die sich einer SVT- oder AF-Ablation unterziehen, sind ideale Kandidat:innen für eine ambulante Strategie. Grundsätzlich können nahezu alle CIED-Eingriffe ambulant durchgeführt werden – mit Ausnahme transvenöser Elektrodenextraktionen. Absolute Kontraindikationen gibt es nicht, die Entscheidung erfolgt durch die behandelnden Ärzt:innen bzw. ein multidisziplinäres Team unter Berücksichtigung von Komorbiditäten, prozeduralen Risiken sowie sozialen Faktoren wie Wohnortnähe und verfügbarer Unterstützung zu Hause. Besonders anschaulich sind die im Positionspapier enthaltenen Grafiken, etwa zur maximalen Entfernung vom Krankenhaus. Zusammengefasst handelt es sich eher um jüngere Patient:innen mit wenigen Begleiterkrankungen. Qualitativ hervorzuheben ist zudem, dass das Positionspapier auf einer breiten wissenschaftlichen Evidenz basiert.

Gab es auch Neues zur medikamentösen Therapie?

L. Fiedler: Hier ist die FLECA-ED-Studie zu nennen. Sie befasst sich damit, ob bei Patient:innen mit eingeschränkter Herzfunktion – etwa nach einem Herzinfarkt – Klasse-IC-Antiarrhythmika eingesetzt werden können. Historisch wurden diese Substanzen in dieser Patientengruppe verwendet, bis die CAST-Studie zeigte, dass sie mit einer erhöhten Mortalität assoziiert sind. In der Folge wurde von ihrem Einsatz bei Patient:innen mit eingeschränkter linksventrikulärer Funktion abgeraten. Als Alternative blieb häufig Amiodaron, das jedoch ein relevantes Nebenwirkungsprofil aufweist. Dies führt dazu, dass Patient:innen mit Vorhofflimmern vor Einsatz von Klasse-IC-Antiarrhythmika umfassend hinsichtlich einer eingeschränkten linksventrikulären Funktion oder koronarer Herzkrankheit abgeklärt werden müssen.

Die randomisierte, Investigator-initiierte Studie FLECA-ED, durchgeführt in sechs Zentren in Griechenland, untersuchte die Wirksamkeit und Sicherheit von Flecainid im Vergleich zu Amiodaron zur Kardioversion von Vorhofflimmern in der Notaufnahme bei Patient:innen mit koronarer Herzkrankheit ohne residuale Ischämie und einer LVEF >35%. Ziel war der Nachweis der Überlegenheit von Flecainid hinsichtlich der Kardioversion sowie der Nichtunterlegenheit in Bezug auf die Sicherheit. Zusätzlich wurden Krankenhausaufenthalte, die Zeit bis zur erfolgreichen Kardioversion und die Notwendigkeit einer elektrischen Kardioversion analysiert. Die Ergebnisse fielen klar zugunsten von Flecainid aus: Eine erfolgreiche Kardioversion nach sechs Stunden wurde bei 85,7 % im Flecainid-Arm erreicht, gegenüber 40,0 % im Amiodaron-Arm. Die mediane Zeit bis zur Kardioversion betrug 20 min unter Flecainid versus 244 min unter Amiodaron – ein klinisch hochrelevanter Unterschied, da dadurch eine Sedierung oft vermieden werden kann. Die Herzfrequenz sank unter Flecainid stärker, was jedoch klinisch unproblematisch war. Die Daten sprechen dafür, dass Flecainid bei sorgfältig ausgewählten Patient:innen eine effektive und sichere Option darstellt.

Was gab es Neues zur kardialen Resynchronisationstherapie?

L. Fiedler: Hier ist die LECART-Studie hervorzuheben, die das „left bundle branch pacing“ (LBBP) mit der klassischen biventrikulären Stimulation (BiVP) im Rahmen der kardialen Resynchronisationstherapie (CRT) verglich. Direkte Vergleichsstudien zu diesen beiden Verfahren sind bislang rar. Die Studie wurde an 11 Zentren in Belgien von einer sehr erfahrenen und spezialisierten Gruppe von Elektrophysiolog:innen durchgeführt. Eingeschlossen wurden Patient:innen mit Herzinsuffizienz (NYHA-Klasse II–IV), einer linksventrikulären Ejektionsfraktion < 40 % sowie Linksschenkelblock oder einer anderen Indikation für eine CRT. Insgesamt nahmen 168 Patient:innen teil, die randomisiert entweder der LBBP- oder der BiVP-Gruppe zugeordnet wurden. Es handelte sich dabei um ein typisches Patientenkollektiv, wie wir es auch im klinischen Alltag sehen: im Schnitt etwa 70 Jahre alt, überwiegend männlich, der Frauenanteil betrug rund 30 %. Der primäre kombinierte Endpunkt umfasste Gesamtmortalität, Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz, devicebedingte Komplikationen mit Interventionsbedarf sowie CRT-Versagen. Die Prozedurdauer war beim LBBP mit nur einer Sonde signifikant kürzer als bei der BiVP (76 vs. 90 Minuten). Hinsichtlich der funktionellen Verbesserung zeigte sich allerdings kein Unterschied zwischen den Gruppen. Der primäre Endpunkt trat mit 12% in der LBBP-Gruppe im Vergleich zu 25% in der BiVP-Gruppe signifikant seltener ein. Dies war vor allem auf eine deutlich geringere Rate devicebedingter Komplikationen zurückzuführen (1% vs. 15%). Diese Ergebnisse könnten ein wichtiger Impuls sein, das LBBP künftig häufiger einzusetzen. Ein wesentlicher Vorteil liegt darin, dass bei Verwendung von nur einer Sonde langfristig weniger Komplikationen zu erwarten sind als bei Systemen mit mehreren Sonden.

Derzeit ist der EU Cardiovascular Health Plan im Aufbau – wie ist der aktuelle Stand?

L. Fiedler: Der EU Cardiovascular Health Plan, auch als Safe Hearts Plan bezeichnet, wurde im Dezember des vergangenen Jahres vorgestellt. Es handelt sich um eine EU-weite Initiative mit dem Ziel, die Belastung durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu reduzieren. Der Plan adressiert zentrale Herausforderungen in der gesamten EU und legt einen besonderen Fokus auf die Bedürfnisse von Kindern, Jugendlichen und Frauen. Die Mitgliedstaaten und relevanten Stakeholder sollen in den Bereichen Gesundheitsförderung, Prävention, Früherkennung sowie Versorgung unterstützt werden. Ein wesentliches Ziel ist es, die vorzeitige kardiovaskuläre Mortalität bis 2035 um 25 % zu senken. Darüber hinaus wurden Zielgrößen definiert, etwa hinsichtlich der Erfassung und Kontrolle von Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker in der Bevölkerung. Der Plan enthält mehrere Leitinitiativen, ist jedoch in vielen Punkten noch relativ offen formuliert – sowohl was die konkrete Umsetzung als auch die Zuständigkeiten betrifft. Die Realisierung hängt natürlich von der Bereitstellung entsprechender finanzieller Ressourcen ab. Die Österreichische Kardiologische Gesellschaft (ÖKG) steht dieser Initiative grundsätzlich sehr positiv gegenüber. Ein zentraler Schwerpunkt liegt dabei auf der Stärkung der Prävention.

Prof. Lukas Mottloch wurde von der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft als Pressekoordinator etabliert, der mediale Aktivitäten, Social-Media-Kooperationen und öffentliche Auftritte bündelt. Ziel ist es, kardiovaskuläre Themen stärker und breitenwirksamer zu kommunizieren. Ein Beispiel dafür ist der „Family Health Day“, der gemeinsam mit familienmedizinischen und sportlichen Influencern organisiert wurde. Dabei wurden evidenzbasierte Gesundheitsinformationen für Familien vermittelt. Ich durfte Informationen aus kardiologischer Sicht vorstellen, vor Ort waren unter anderem auch Expert:innen der Lipid-Liga, mit einem mobilen Angebot zur Blutfettmessung, sowie Vertreter:innen der Gesellschaft vom Goldenen Kreuz. Solche Initiativen richten sich gezielt an präventiv orientierte Zielgruppen, insbesondere junge Familien und Kinder. Ziel ist es, Multiplikatoren aufzubauen und Gesundheitskompetenz frühzeitig zu stärken.

Parallel dazu erfolgt eine zunehmende Vernetzung mit zentralen Akteuren des österreichischen Gesundheitssystems, darunter Ministerien, Landespolitik und Sozialversicherungsträger. Eine konkrete nationale Umsetzungsstrategie befindet sich derzeit noch in Ausarbeitung. Auch im Rahmen der Jahrestagung der ÖKG werden entsprechende Themen aufgegriffen. Darüber hinaus ist die Fachgesellschaft verstärkt in reichweitenstarken Medien präsent – etwa durch Beiträge im ORF, z.B. im Ö1-Mittagsjournal.

Das klingt neben Ihrer ärztlichen Tätigkeit doch recht fordernd. Wie entspannen Sie sich vom kardiologischen Alltag?

L. Fiedler: Für mich ist Sport die wichtigste Quelle für Ausgleich. Ich versuche, nahezu täglich körperlich aktiv zu sein – in welcher Form auch immer. Wenn es schnell gehen muss, nutze ich beispielsweise ein Fahrradergometer. Wenn mehr Zeit zur Verfügung steht, absolviere ich auch intensivere Trainingseinheiten mit höherer Belastung. Zusätzlich gehe ich regelmäßig laufen. Körperliche Aktivität ist für mich der zentrale Weg, um mich zu regenerieren. Auch kleinere Einheiten, wie etwa zehn Minuten Dehnen, können bereits einen positiven Effekt haben und das körperliche Wohlbefinden deutlich verbessern.

Am Wochenende gehe ich häufig frühmorgens mit unserem Hund spazieren – dann, wenn sonst noch alles ruhig ist.

Aus meiner eigenen sportlichen Erfahrung – ich habe früher auch an Wettkämpfen teilgenommen – weiß ich, wie wichtig ein strukturiertes Training ist. Dieses Wissen gebe ich auch an Patient:innen weiter. Entscheidend ist, Bewegung auch niederschwellig in den Alltag zu integrieren: die Treppe statt den Lift zu nehmen, kurze Wege zu Fuß zurückzulegen oder kleine Routinen zu entwickeln. Oft reicht es schon, einfache Gewohnheiten konsequent über einige Wochen beizubehalten – dann entsteht daraus eine nachhaltige Verhaltensänderung, die langfristig auch Freude an Bewegung mit sich bringt.

Vielen Dank für das Gespräch!
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