Neue wirksame und verträgliche Therapieoption mit Selinexor plus Ruxolitinib
Bericht: Dr. Ine Schmale
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XPO1 und JAK sind Treibergene der Myelofibrose, was die duale Inhibierung der beiden Targets zu einer therapeutischen Strategie macht. In der placebokontrollierten Phase-III-Studie SENTRY wurde eine verbesserte Wirksamkeit durch die zusätzliche Gabe von Selinexor zu Ruxolitinib bestätigt.
In die SENTRY-Studie wurden JAK-Inhibitor-naive Patient:innen mit primärer Myelofibrose oder Myelofibrose nach essenzieller Thrombozythämie (ET) oder Polycythaemia vera (PV), einem Milzvolumen ≥450 cm3, DIPSS Int-1 oder Int-2/Hochrisiko, einem durchschnittlichen Symptom-Score ≥5 oder TSS (total symptome score) ≥12 sowie einer Plättchenzahl ≥100 x109/l eingeschlossen und 2:1-randomisiert mit dem oralen XPO1-Inhibitor Selinexor plus dem JAK-Inhibitor Ruxolitinib oder Placebo plus Ruxolitinib behandelt. Die koprimären Endpunkte waren eine Reduktion des Milzvolumens um mindestens 35% (SVR35) in Woche 24 und die absolute Änderung des TSS von Therapiebeginn bis Woche 24.
Im Ergebnis zeigte sich eine absolute Differenz der SVR35-Rate von 21,8% zwischen den Therapiearmen (49,8% vs. 28,0%; p<0,0001). Das Milzansprechen unter der kombinierten Therapie war schnell, tief und anhaltend. Der SVR35-Vorteil mit Selinexor wurde für alle präspezifizierten Subgruppen gesehen. Auch bei reduzierter Ruxolitinib-Dosis war das Milzansprechen im Verum-Arm anhaltend. Bezüglich des absoluten TSS wurde kein Unterschied zwischen den Therapiearmen in Woche 24 beobachtet (–9,9 vs. –10,9; p=0,825). Das Gesamtüberleben (OS) war im Selinexor-plus-Ruxolitinib-Arm klinisch relevant gegenüber der alleinigen Ruxolitinib-Therapie verlängert (HR: 0,43; 95% CI: 0,19 – 1,00). Von 235 Patient:innen im Selinexor-Arm und 118 Patient:innen im Kontrollarm verstarben jeweils 11 Patient:innen. Die Ereignisse wurden einer Krankheitsprogression (1,3% vs. 2,5%), Nebenwirkungen (1,3% vs. 4,2%) und unbekannten Gründen (2,1% vs. 3,4%) zugeordnet.
Das SVR35-Ansprechen in Woche 24 war prädiktiv für das OS, unabhängig von der Therapie. 98% der Patient:innen mit versus 88% der Patient:innen ohne SVR35-Ansprechen waren in Woche 72 noch am Leben. Die Reduktion der Variantenallelfrequenz (VAF) von Treibermutationen ≥20% wurde mit Selinexor plus Ruxolitinib häufiger erreicht verglichen mit Placebo plus Ruxolitinib (32,0% vs. 23,9%). Zirkulierende periphere Blasten wurden bei Patient:innen mit der Kombinationstherapie stärker reduziert im Vergleich zur Kontrolltherapie. Es wurden häufiger therapieassoziierte Nebenwirkungen Grad ≥3 für den Selinexor-Arm berichtet (70,1% vs. 50,0%), die Anzahl klinisch relevanter therapieassoziierter Nebenwirkungen war vergleichbar (26,9% vs. 24,1%). Insgesamt war das Nebenwirkungsprofil handhabbar und konsistent mit den bekannten Sicherheitsprofilen der beiden Wirksubstanzen. Eine Transformation der Erkrankung zu einer akuten myeloischen Leukämie (AML) wurde in beiden Studienarmen für 1,7% der Patient:innen berichtet.
Fazit
Die Kombination von Selinexor plus Ruxolitinib stellt eine neue Herangehensweise an die Behandlung der JAK-Inhibitor-naiven Myelofibrose dar. In der SENTRY-Studie wurde eine schnelle, große und anhaltende Reduzierung des Milzvolumens mit konsistenten Ergebnissen über alle Subgruppen gezeigt.
Quelle:
Harrison C et al.: Selinexor plus ruxolitinib in JAK inhibitor-naive myelofibrosis: phase 3 SENTRY trial. EHA 2026; Abstr. #LB5002
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