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Evidenz, Indikationen und Grenzen

Lasertherapie in der modernen Gynäkologie und Urogynäkologie

Die Lasertherapie hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend als innovatives Verfahren in der gynäkologischen und urogynäkologischen Behandlung etabliert. Während energiebasierte Technologien ursprünglich primär aus der Dermatologie und ästhetischen Medizin bekannt waren, erfolgte in den letzten Jahren eine deutliche Ausweitung der Indikationen auf funktionelle und regenerative Fragestellungen in der Gynäkologie.1–3

Insbesondere Patientinnen mit Symptomen des „genitourinary syndrome of menopause“ (GSM), vulvovaginalen Schmerzsyndromen oder milder Belastungsharninkontinenz suchen zunehmend nach minimalinvasiven, hormonfreien Therapieoptionen. Gleichzeitig ist die wissenschaftliche Diskussion deutlich differenzierter geworden: Während frühe Studien häufig ausgesprochen positive Resultate zeigten, hinterfragen aktuelle randomisierte sham-kontrollierte Untersuchungen zunehmend den tatsächlichen klinischen Effekt sowie die Nachhaltigkeit der Ergebnisse.4

Die Lasertherapie bewegt sich damit in einem Spannungsfeld zwischen innovativer regenerativer Medizin, hoher Patientinnennachfrage und dem berechtigten Anspruch evidenzbasierter Medizin. Ziel dieses Beitrages ist es, einen praxisnahen Überblick über Wirkmechanismen, Indikationen, aktuelle Evidenz, Limitationen und zukünftige Entwicklungen der Lasertherapie in der modernen Gynäkologie und Urogynäkologie zu geben.

Physikalische Grundlagen und Wirkmechanismen

In der gynäkologischen Anwendung kommen vor allem fraktionierte CO2-Laser sowie Er: YAG-Laser zum Einsatz. Beide Systeme wirken über thermische Effekte auf die Vaginal- und Vulvaschleimhaut, unterscheiden sich jedoch hinsichtlich Eindringtiefe, Wasserabsorption und Gewebereaktion.2,5

Der CO2-Laser arbeitet mit einer Wellenlänge von 10600 nm und erzeugt mikrofokale thermische Läsionen samt umgebender Koagulationszone. Dies führt zu kontrollierten Mikroverletzungen mit Aktivierung von Wundheilungs- und Remodelingprozessen. Demgegenüber weist der Er: YAG-Laser mit einer Wellenlänge von 2940nm eine besonders hohe Wasserabsorption auf und ermöglicht eine oberflächlichere und präzisere thermische Gewebeerwärmung bei geringerer thermischer Tiefenschädigung.

Histologische Untersuchungen konnten nach Lasertherapie eine Verdickung des vaginalen Epithels, eine verstärkte Kollagen- und Elastinbildung, eine verbesserte Vaskularisation sowie eine erhöhte Glykogeneinlagerung zeigen.6 Zusätzlich kommt es zu einer Verbesserung des vaginalen pH-Werts und der Schleimhautfeuchtigkeit.

Aus pathophysiologischer Sicht basiert der therapeutische Effekt somit primär auf einer thermisch induzierten Geweberegeneration mit Stimulation fibroblastärer Aktivität und extrazellulärer Matrixneubildung. Diese Mechanismen erklären zumindest teilweise die beobachteten klinischen Verbesserungen hinsichtlich Trockenheit, Elastizität und subjektiver Beschwerden.

„Genitourinary syndrome of menopause“

Das „genitourinary syndrome of menopause“ stellt derzeit die häufigste Indikation für vaginale Lasertherapien dar. Betroffene Patientinnen leiden häufig unter vaginaler Trockenheit, Brennen, Dyspareunie, rezidivierenden Harnwegsinfekten sowie irritativen Blasenbeschwerden.

Pathophysiologisch führt der postmenopausale Östrogenmangel zu einer Atrophie des vaginalen Epithels mit verminderter Durchblutung, reduziertem Glykogengehalt und Veränderung des vaginalen Mikrobioms. Die Folge sind Schleimhautfragilität, reduzierte Lubrikation und erhöhte Infektanfälligkeit.

Die Standardtherapie besteht weiterhin in lokalen Östrogenpräparaten. Dennoch wünschen viele Frauen – insbesondere nach hormonabhängigen Tumorerkrankungen – hormonfreie Alternativen.

Mehrere prospektive Studien konnten nach vaginaler Lasertherapie signifikante Verbesserungen subjektiver Symptome sowie des Vaginal Health Index (VHI) zeigen.1,3 Auch Sexualfunktion und Lebensqualität verbesserten sich in zahlreichen Untersuchungen.

Besonders relevant ist dieses Thema bei Patientinnen nach Mammakarzinom. Antihormonelle Therapien wie Aromatasehemmer verstärken häufig vulvovaginale Beschwerden erheblich. In unserer eigenen klinischen Forschungsarbeit untersuchten wir den Einsatz vaginaler Lasertherapie versus Hyaluronsäure bei Patientinnen mit Symptomen der urogenitalen Atrophie nach Mammakarzinom und konnten klinisch relevante Verbesserungen der Beschwerden beobachten.7

Allerdings müssen diese Ergebnisse differenziert interpretiert werden. Randomisierte shamkontrollierte Studien zeigten teilweise deutlich geringere Effekte als frühe Beobachtungsstudien.4 Mehrere internationale Fachgesellschaften betonen daher, dass die Evidenz derzeit noch nicht ausreichend ist, um die Lasertherapie routinemäßig als Standardtherapie zu empfehlen.

In der klinischen Praxis kann die Behandlung dennoch bei sorgfältig selektionierten Patientinnen eine sinnvolle Ergänzung darstellen – insbesondere bei Kontraindikationen, Unverträglichkeit oder Ablehnung hormoneller Therapien.

Belastungsharninkontinenz und urogynäkologische Anwendungen

Gerade im urogynäkologischen Bereich besteht großes Interesse an minimalinvasiven regenerativen Therapieverfahren. Insbesondere bei milder bis moderater Belastungsharninkontinenz wird die Lasertherapie zunehmend eingesetzt.

Der therapeutische Ansatz basiert auf einer thermisch induzierten Straffung und Remodellierung des suburethralen Gewebes sowie der vorderen Vaginalwand. Ziel ist eine Verbesserung der Gewebeelastizität und urethralen Unterstützung.

Mehrere Studien zeigten Verbesserungen hinsichtlich Inkontinenzepisoden, Pad-Tests, Lebensqualität und standardisierter urogynäkologischer Fragebögen.10 Die besten Ergebnisse finden sich meist bei jüngeren Patientinnen mit milder Symptomatik und ohne ausgeprägten Deszensus.

Für viele Frauen ist insbesondere die ambulante Durchführung ohne Narkose und ohne relevante Ausfallszeit attraktiv. Dennoch muss klar kommuniziert werden, dass die Lasertherapie etablierte konservative oder operative Verfahren derzeit nicht ersetzt.

Die aktuelle Datenlage bleibt limitiert: Viele Studien weisen kleine Fallzahlen, kurze Nachbeobachtungszeiten und heterogene Studiendesigns auf. Langzeitdaten über mehrere Jahre fehlen bislang weitgehend. Daher sollte die Lasertherapie aktuell primär als ergänzende minimalinvasive Option innerhalb eines individualisierten Therapiekonzeptes verstanden werden.

Lichen sclerosus

Der vulväre Lichen sclerosus ist eine chronisch-entzündliche Dermatose mit erheblicher Einschränkung der Lebensqualität. Typische Symptome sind Juckreiz, Schmerzen, Fissuren, Dyspareunie und Vernarbungen.

Die First-Line-Therapie bleibt weiterhin die hochpotente topische Kortikosteroidtherapie. Dennoch persistieren bei manchen Patientinnen trotz leitliniengerechter Behandlung Beschwerden oder funktionelle Einschränkungen.

In den letzten Jahren wurden daher zunehmend fraktionierte CO2-Laser und Er: YAG-Laser untersucht.8,9 Unsere Arbeitsgruppe führte eine randomisierte shamkontrollierte Studie zur Er: YAG-Lasertherapie bei vulvärem Lichen sclerosus (LISER-Trial) durch. Dabei wurden Symptomverbesserung, Lebensqualität, Sexualfunktion sowie objektive klinische Parameter untersucht. Die Ergebnisse befinden sich derzeit im Publikationsprozess.

Frühe Beobachtungsstudien berichteten teils deutliche Verbesserungen von Symptomen und Hautqualität. Neuere kontrollierte Studien zeigen jedoch zurückhaltendere Resultate und weisen auf mögliche Placeboeffekte hin.

Internationale Leitlinien empfehlen die Lasertherapie beim Lichen sclerosus derzeit daher nicht als Standardtherapie, sondern allenfalls im Rahmen individualisierter Konzepte oder klinischer Studien. Wichtig bleibt insbesondere die konsequente onkologische Surveillance, da die Lasertherapie keinesfalls die notwendige Verlaufskontrolle hinsichtlich dysplastischer Veränderungen ersetzt.

Vulvodynie und chronische vulvovaginale Schmerzsyndrome

Chronische vulvovaginale Schmerzsyndrome wie die Vulvodynie stellen häufig eine therapeutische Herausforderung dar und erfordern meist multimodale Therapiekonzepte.

Die Pathophysiologie ist komplex und umfasst neuroinflammatorische, muskuläre, hormonelle und psychosomatische Komponenten. Viele Patientinnen leiden unter erheblicher Einschränkung der Sexualfunktion und Lebensqualität.

Diskutiert werden insbesondere antiinflammatorische Effekte, eine Verbesserung der epithelialen Integrität sowie eine mögliche Modulation lokaler nozizeptiver Mechanismen.

In den letzten Jahren wurde daher untersucht, ob regenerative Lasertherapien über eine Verbesserung der Schleimhautqualität und lokale Geweberegeneration auch bei vulvovaginalen Schmerzsyndromen hilfreich sein könnten.

Erste klinische Arbeiten zeigten, dass fraktionierte Lasertherapie bei ausgewählten Patientinnen zu einer Verbesserung von Schmerzen, Dyspareunie und Sexualfunktion beitragen kann.

Unsere Arbeitsgruppe leitet derzeit eine klinische Studie zur Lasertherapie bei Vulvodynie und chronischen vulvovaginalen Schmerzsyndromen mit besonderem Fokus auf Patientinnenzufriedenheit, Sicherheit und funktionelle Verbesserung. Publizierte Daten liegen hierzu aktuell noch nicht vor.

Transgender-Medizin und Vaginalablation

Ein weiteres spezialisiertes Einsatzgebiet ablativ-regenerativer Verfahren ergibt sich im Rahmen geschlechtsangleichender chirurgischer Eingriffe bei transgender Männern. Im Zuge sogenannter „gender-affirming surgery“ spielen die Kolpektomie und die Vaginalablation eine wichtige Rolle, insbesondere im Rahmen von urethralen Rekonstruktionen und Urethralängung.

Unsere Arbeitsgruppe untersuchte postoperative Blasenentleerungsstörungen nach transvaginaler Kolpektomie mit Urethralängung bei transgender Männern.12 Dabei zeigte sich, dass eine „postoperative voiding dysfunction“ in etwa 15% der Fälle auftreten kann und insbesondere bei gleichzeitig durchgeführter Hysterektomie beziehungsweise Residualzervixentfernung häufiger beobachtet wurde.12 Langfristige Blasenentleerungsstörungen stellten dabei eine relevante postoperative Komplikation dar.

Die Studie verdeutlicht die besondere chirurgische Komplexität ausgedehnter vaginaler Ablationsverfahren im Rahmen der Transgender-Medizin. Vor diesem Hintergrund erscheinen gewebeschonendere oder energiebasierte Ablationstechniken grundsätzlich interessant, um potenziell operative Traumatisierung und residuale Schleimhautanteile zu reduzieren. Derzeit liegen hierzu jedoch nur sehr limitierte klinische Daten vor, sodass weitere prospektive Untersuchungen erforderlich bleiben.

Sicherheit, regulatorische Aspekte und Patientinnenaufklärung

Die Lasertherapie wird insgesamt als gut verträglich beschrieben. Typische Nebenwirkungen umfassen transientes Brennen, Schwellung, serösen Fluor oder kurzfristige Dysurie.

Schwerwiegende Komplikationen wie Narbenbildung, chronische Schmerzen oder Dyspareunie wurden selten beschrieben, müssen jedoch im Rahmen der Aufklärung erwähnt werden.

Die FDA veröffentlichte bereits 2018 eine „safety communication“ zu energie-basierten vaginalen Verfahren und warnte vor nicht evidenzbasierten Indikationsausweitungen.11 Dies unterstreicht die Bedeutung einer seriösen medizinischen Indikationsstellung.

Vor Therapiebeginn sollten eine ausführliche gynäkologische Untersuchung, gegebenenfalls Kolposkopie sowie der Ausschluss infektiöser oder dysplastischer Veränderungen erfolgen. Besonders wichtig bleibt eine realistische Aufklärung über mögliche Therapieeffekte, Limitationen und den derzeitigen Evidenzgrad.

Fazit

Die Lasertherapie stellt ein spannendes und innovatives Verfahren in der modernen Gynäkologie und Urogynäkologie dar. Insbesondere bei GSM und milder Belastungsharninkontinenz zeigen zahlreiche Studien vielversprechende klinische Ergebnisse.8–10

Gleichzeitig muss die derzeitige Evidenzlage kritisch betrachtet werden. Entscheidend bleiben eine sorgfältige Patientinnenselektion, evidenzbasierte Aufklärung und realistische Therapieziele.

Die Behandlung sollte nicht primär als ästhetisches Verfahren verstanden werden, sondern als potenzielle medizinische Therapieoption mit klarer Indikationsstellung.

Zukünftige hochwertige randomisierte Studien mit längeren Nachbeobachtungszeiten werden notwendig sein, um den langfristigen Stellenwert der Lasertherapie in der gynäkologischen und urogynäkologischen Versorgung klar zu definieren.

1 Salvatore S et al.: Sexual function after fractional microablative CO₂ laser in women with vulvovaginal atrophy. Climacteric 2015; 18(2): 219-25 2 Gambacciani M, Levancini M: Vaginal erbium laser: the second-generation thermotherapy for the genitourinary syndrome of menopause. Climacteric 2015; 18(5): 757-63 3 Pagano T et al.: Fractional microablative CO₂ laser for vulvovaginal atrophy in women with breast cancer: a prospective study. Menopause 2016; 23(10): 1108-13 4 Cruff J, Khandwala S: A double-blind randomized sham-controlled trial to evaluate the efficacy of fractional carbon dioxide laser therapy on genitourinary syndrome of menopause. Menopause 2021; 28(9): 990-7 5 Gordon C et al.: Early clinical experience with a novel fractional CO₂ laser for vulvovaginal atrophy. Menopause 2014; 21(4): 355-9 6 Tadir Y et al.: Light and energy based therapeutics for genitourinary syndrome of menopause. Lasers Surg Med 2017; 49(2): 137-59 7 Gold D et al.: Vaginal laser therapy versus hyaluronic acid suppositories for women with symptoms of urogenital atrophy after treatment for breast cancer: a randomized controlled trial. Maturitas 2023; 167:1-7 8 Ogrinc UB et al.: Efficacy of non-ablative laser therapy for lichen sclerosus: a randomized controlled trial. J Obstet Gynaecol Can 2019; 41(12): 1717-25 9 Mitchell L et al.: Fractionated carbon dioxide laser for the treatment of vulvar lichen sclerosus: a randomized controlled trial. Obstet Gynecol 2021; 137(6): 979-87 10 Franić D, Fistonić I: Laser therapy in the treatment of female urinary incontinence and pelvic organ prolapse. Minerva Ginecol 2019; 71(1): 65-74 11 FDA Safety Communication. Energy-based devices to perform vaginal procedures: FDA warning against deceptive health claims. U.S. Food and Drug Administration 2018 12 Hochstätter R et al.: Voiding dysfunction after colpectomy and urethral lengthening in transgender men. Int J Transgend Health 2021; 24(1): 108-12

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