Gemeinsam oder doch getrennt? Kombinierte Impfung gegen Covid-19 und Pneumokokken
Autoren:
Dr. Anselm Jorda, PhD
Assoc. Prof. Priv.-Doz. Dr. Markus Zeitlinger
Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie
Medizinische Universität Wien
E-Mail: anselm.jorda@meduniwien.ac.at
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Mit der zunehmenden Anzahl empfohlener Impfungen wächst auch die Herausforderung der Impfbereitschaft. In diesem Zusammenhang bleibt die Frage nach der Wirksamkeit und Sicherheit der gleichzeitigen Verabreichung mehrerer Impfstoffe von großem Interesse, diese wurde kürzlich am Beispiel eines Covid-19- und eines Pneumokokken-Impfstoffs untersucht.
Keypoints
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Die gemeinsame Verabreichung des Novavax-Proteinimpfstoffs und des 20-valenten Pneumokokken-Impfstoffs war ähnlich wirksam wie die Einzelgabe.
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Auch die Sicherheit und die Reaktogenität waren vergleichbar zwischen Kombinations- und Monoimpfung.
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Kombinierte Impfstrategien könnten die Impfbereitschaft und Durchimpfungsrate bei älteren Personen verbessern.
Hintergrund
Ein wirksames Mittel zur Optimierung der Durchimpfungsrate ist die gleichzeitige Verabreichung von zwei oder mehr Impfstoffen. Allerdings legen nichtrandomisierte Beobachtungsstudien teilweise nahe, dass diese Strategie mit möglichen Beeinträchtigungen der Antikörperantwort sowie der Verträglichkeit assoziiert sein könnte,1,2 weshalb randomisierte, klinische Studien als Goldstandard der Evidenzgenerierung erforderlich sind. Zudem werden im aktuellen österreichischen Impfplan Impfstoffe von unterschiedlichen Plattformen empfohlen.3 Tabelle 1 veranschaulicht die Vielfalt der zugelassenen Impfstoffkategorien.
Tab. 1: Übersicht über die wichtigsten Impfplattformen mit exemplarischen Impfstoffen, die in Österreich zugelassen sind
Auch wenn ein systematischer Vergleich aller möglichen Impfstoffkombinationen nicht realisierbar ist, erscheint es dennoch sinnvoll, für klinisch relevante Kombinationen unterschiedlicher Impfstoffplattformen belastbare Daten zu generieren. Eine aktuelle randomisierte Studie leistete hierzu einen weiteren Beitrag, indem sie erstmals die Kombination eines Covid-19-Protein-Impfstoffs (NVX-CoV2601; Nuvaxovid®/Novavax Inc.) mit einem 20-valenten Pneumokokken-Impfstoff (PCV20; Prevenar 20®/Pfizer) untersuchte.4
Studiendesign und Methodik
In einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Non-Inferiority-Studie wurden an der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie, Medizinische Universität Wien, 256 immunkompetente Personen ≥60 Jahre in vier Gruppen randomisiert:
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NVX-CoV2601 plus PCV20 (Kombinations-Gruppe)
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NVX-CoV2601 plus Placebo (NVX-Gruppe)
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PCV20 plus Placebo (Pneumokokken-Gruppe)
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Placebo plus Placebo (Placebo-Gruppe)
Primärer Endpunkt war die humorale Immunantwort gegen SARS-CoV-2 (Anti-Spike-IgG) nach 28 Tagen. Die Nichtunterlegenheit wurde gemäß WHO-Empfehlungen als ein unteres Limit des 95%-Konfidenzintervalls von >0,67 für das geometrische Mittelwertverhältnis („geometric mean titer ratio“; GMTR) definiert.5
Die Resultate
Wirksamkeit
Die kombinierte Impfung zeigte eine vergleichbare Immunantwort wie die Einzelgabe des Covid-19-Impfstoffs. Die Titerwerte der vier Gruppen (Anti-SARS-CoV-2-Antikörper und Anti-Pneumokokken-Antikörper) vor sowie 28 Tage nach der Impfung sind in Abbildung 1 dargestellt. Am Tag 28 betrug der geometrische Mittelwert der Anti-Spike-Protein-IgG-ELISA-Einheiten 534U/ml (95% CI: 432–660) in der Kombinationsgruppe und 556U/ml (95% CI: 460–672) in der NVX-Monotherapie-Gruppe, was einer GMTR von 0,96 (95% CI: 0,73–1,27) entspricht. Mit einer unteren Grenze des 95%-Konfidenzintervalls von 0,73 (also >0,67) wurde die Nichtunterlegenheit bestätigt.
Abb. 1: Geometrischer Mittelwert der IgG-ELISA-Einheiten gegen das Spike-Protein (A und C) und gegen Pneumokokken-Kapselpolysaccharide (B und D) zuStudienbeginn und 28 Tage nach der Impfung sowie der Anstieg der Antikörperkonzentrationen in den vier Gruppen (modifiziert nach Jorda A et al. 2025)4
Sicherheit und Verträglichkeit
Die Impfstoffe wurden insgesamt auch bei gleichzeitiger Verabreichung gut vertragen. Lokale Reaktionen waren hauptsächlich mild, traten aber nach Impfung mit PCV20 (84%) etwas häufiger auf als nach NVX-CoV2601 (63%). Systemische Reaktionen wurden bei 53% in der Kombinationsgruppe, bei 51% in der NVX-Gruppe und bei 41% in der PCV20-Gruppe berichtet. Bemerkenswert ist, dass auch 46% der Teilnehmenden in der Placebo-Gruppe mindestens eine systemische Impfreaktion berichteten. Dieses Phänomen wird auch als Nocebo-Effekt bezeichnet und häufig in randomisierten, doppelblinden Impfstudien beobachtet.
Klinische Einordnung
Ältere Menschen (ab 60 Jahren) stellen eine Hochrisikogruppe sowohl in Bezug auf Covid-19- als auch auf invasive Pneumokokken-Infektionen dar. Die parallele Impfung adressiert somit zwei relevante Pathogene gleichzeitig und könnte einen pragmatischen Ansatz zur Verbesserung der Impfabdeckung darstellen. Die vorliegenden Ergebnisse fügen sich in die bestehende Evidenz ein und bestätigen frühere Hinweise aus anderen Kombinationen, dass insbesondere Nichtlebendimpfstoffe gleichzeitig verabreicht werden können – ohne relevante immunologische Interferenz.
Diese Ergebnisse sind vor dem Hintergrund einer sich rasch weiterentwickelnden Impfstofflandschaft zu interpretieren. Der Covid-19-Impfstoff Nuvaxovid ist mittlerweile an die Omikron-Variante JN.1 angepasst (vormals Omikron XBB 1.5). Zudem wurde der 20-valente Pneumokokken-Impfstoff (Prevenar 20®) durch den 21-valenten Impfstoff Capvaxive® (PCV21) ergänzt, der eine verbesserte Abdeckung klinisch relevanter Serotypen bei älteren Erwachsenen bietet.3 Derzeit ist PCV21 als einmalige Impfung ab dem 60. Lebensjahr empfohlen. Auch wenn derzeit nicht absehbar ist, dass Pneumokokken-Impfstoffe eine ähnliche saisonale Dynamik wie Influenza- oder Covid-19-Impfstoffe entwickeln, deutet die relativ rasche Weiterentwicklung von PCV20 zu PCV21 darauf hin, dass zukünftige Anpassungen mit erweiterten oder veränderten Serotypen möglich erscheinen.
Unterstützt werden die vorliegenden Daten durch weitere Studien: Fitz-Patrick et al. konnten zeigen, dass auch die gleichzeitige Verabreichung von PCV20 und dem mRNA-Impfstoff BNT162b2 ein vergleichbares Immunogenitäts- und Verträglichkeitsprofil aufweist.6 Insgesamt deutet die derzeitige Evidenz darauf hin, dass die Koadministration ausgewählter Impfstoffe eine praktikable und sichere Strategie darstellt.
Die aktuellen Empfehlungen des österreichischen Impfplans bleiben jedoch zurückhaltend und beschränken sich bislang darauf, dass die gleichzeitige Verabreichung von Influenzaimpfstoffen mit Covid-19-, Pneumokokken- oder RSV-Impfstoffen empfohlen ist.3 Die gegenwärtige sowie weitere randomisierte Studien sollten es erlauben, diese Empfehlungen zu erweitern.
Fazit
Die gleichzeitige Verabreichung des Omikron-adaptierten Covid-19-Protein-impfstoffs mit dem 20-valenten Pneumokokken-Impfstoff ist immunologisch nicht unterlegen und weist ein günstiges Sicherheitsprofil auf. In Zusammenschau mit der aktuellen Literatur scheint zudem die Koadministration eines Pneumokokken-Konjugatimpfstoffs mit einem mRNA-basierten Covid-19-Impfstoff keine relevante Beeinträchtigung der Immunantwort oder Sicherheit zu zeigen. Diese Strategie könnte die Umsetzung von Impfprogrammen im höheren Lebensalter vereinfachen und die Impfquote nachhaltig verbessern.
Literatur:
1 Radner H et al.: Reduced immunogenicity of BNT162b2 booster vaccination in combination with a tetravalent influenza vaccination: results of a prospective cohort study in 838 health workers. Clin Microbiol Infect 2023; 29(5): 635-41 2 Gonen T et al.: Immunogenicity and reactogenicity of coadministration of COVID-19 and influenza vaccines. JAMA Netw Open 2023; 6(9): e2332813 3 Impfplan Österreich 2025/2026, Version 1.1 vom 10. Oktober 2025. https://www.sozialministerium.gv.at/Themen/Gesundheit/Impfen/impfplan.html ; zuletzt aufgerufen am 15.4.2026 4 Jorda A et al.: Immunogenicity, safety, and reactogenicity of concomitant administration of the novavax vaccine against Omicron XBB.1.5 (NVX-CoV2601) and a 20-valent pneumococcal conjugate vaccine in adults aged >/=60 years: a randomised, double-blind, placebo-controlled, non-inferiority trial. J Infect 2025; 90(2): 106405 5 World Health Organisation: Statement on the fifteenth meeting of the IHR (2005) Emergency Committee on the COVID-19 pandemic. 2023. https://www.who.int/news/item/05-05-2023-statement-on-the-fifteenth-meeting-of-the-international-health-regulations-(2005)-emergency-committee-regarding-the-coronavirus-disease-(covid-19)-pandemic ; zuletzt aufgerufen am 15.4.2026 6 Fitz-Patrick D et al.: Randomized trial to evaluate the safety, tolerability, and immunogenicity of a booster (third dose) of BNT162b2 COVID-19 vaccine coadministered with 20-valent pneumococcal conjugate vaccine in adults >/=65 years old. Vaccine 2023; 41(28): 4190-8
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