Dermatologische Differenzialdiagnosen bei sexuell übertragbaren Infektionen
Autor:
Priv.-Doz. DDr. David Chromy
Universitätsklinik für Dermatologie
Medizinische Universität Wien
Vorstandsmitglied der Österreichischen AIDS Gesellschaft
E-Mail: info@aidsgesellschaft.at
Sie sind bereits registriert?
Loggen Sie sich mit Ihrem Universimed-Benutzerkonto ein:
Sie sind noch nicht registriert?
Registrieren Sie sich jetzt kostenlos auf universimed.com und erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln, bewerten Sie Inhalte und speichern Sie interessante Beiträge in Ihrem persönlichen Bereich
zum späteren Lesen. Ihre Registrierung ist für alle Unversimed-Portale gültig. (inkl. allgemeineplus.at & med-Diplom.at)
Hautveränderungen im Genitalbereich können sowohl für Patient:innen als auch für Behandler:innen herausfordernd sein. Anamnese sowie klinische Untersuchung sind oft mit Scham und STI mit Stigma verbunden. Dabei ist nicht jede Erkrankung im Intimbereich eine STI.
Folgende Beispiele zeigen relevante Differenzialdiagnosen bei Hautveränderungen im Genitalbereich auf, bei denen es sich nicht um eine STI handelt.
Ekzem
Im Anogenitalbereich ist die wichtigste Unterscheidung in (i) atopisch, (ii) kontaktallergisch und (iii) irritativ-toxisch. Die klinische Ausprägung ist zumeist vor allem Juckreiz und kann die Lebensqualität deutlich einschränken. Beim Explorieren der Ursache ist die Anamnese wegweisend; eine allergologische Abklärung kann gegebenenfalls weiterhelfen. Therapeutisch steht die Stärkung der Hautbarriere im Vordergrund, topische Kortikosteroide können zeitweise eingesetzt werden.
Psoriasis
Schuppenflechte betrifft bis zu 5% der Bevölkerung. Der Genitalbereich ist regelmäßig mitbetroffen, wenngleich nicht immer erfasst, da die Unterhose beim dermatologischen Status oft angezogen bleibt. Jedoch gibt es auch Betroffene, die ausschließlich eine genitale Manifestation aufweisen. Bei der Behandlung der Psoriasis ist eine genitale Beteiligung jedenfalls von Relevanz, da dies als Upgrade-Kriterium gilt und sofort die Indikation für eine Systemtherapie gestellt werden kann.
Lichen sclerosus et atrophicans
Nomen est omen: Diese chronische autoinflammatorische Erkrankung führt zu Juckreiz und Rötung und bei anhaltender Krankheitsaktivität zur Vernarbung und Atrophie. An der Vulva kommt es gegebenenfalls zu einem kompletten Verstreichen der Labien; am penilen Präputium ist die Phimose die wichtigste Komplikation. Mechanische Entlastung sowie hochpotente Kortikosteroide stellen die wichtigsten Maßnahmen dar.
Balanitis plasmacellularis (Zoon)
Typischerweise sind hiervon ältere Männer mit vorhandenem Präputium betroffen. Ätiopathogenetisch kommt es durch Flüssigkeitsansammlungen unterhalb des Präputialblattes zu einer Veränderung des Mikrobioms sowie zur chronischen Irritation. Die Folge ist ein scharf begrenztes, kirschrotes, meist glänzendes Erythem. Therapeutisch ist die Trockenlegung die wichtigste Maßnahme; entweder manuell oder durch chirurgische Intervention.
Hochgradige Dysplasien
Präkanzerosen des Plattenepithels im Genitalbereich sollen nicht unerwähnt bleiben, auch wenn diese in circa 90% der Fälle durch HPV verursacht sind und somit eine virale STI ätiopathologisch in der Verantwortung steht. Das klinische Spektrum reicht von der bowenoiden Papulose, die sich primär als pigmentierte Maculae bis Papeln darstellt bis hin zu erythematösen schuppenden Plaques. Insbesondere Hautveränderungen, die schon seit Wochen bis Monaten bestehen und kein Ansprechen auf Kortikosteroide zeigen, sollten dringend biopsiert werden.
Herpes zoster
Eine Reaktivierung latenter Varicella-zoster-Viren in den sakralen Spinalganglien führt zu dem klinischen Bild einer Gürtelrose in den entsprechenden Dermatomen: Diese liegen typischerweise unter der Unterwäsche versteckt. Eine Abgrenzung zu einem Herpes genitalis ist meist durch das unilaterale Auftreten sowie durch die Anamnese möglich.
Aktuelle Lage: Update zu STI und HIV-PrEP
Zum Jahresbeginn lud die ÖAG zum traditionellen Onlinesymposium mit Updates relevanter Daten. Verfolgen Sie im kostenfreien On-demand-Video die Diskussion der Experten zum Thema STI, HIV-PrEP und DoxyPEP.
„Aktuelle Daten – Highlights des HIV-Kongressjahres 2025“:Univ.-Prof. Dr. Alexander Zoufaly, Präsident der Österreichischen AIDS Gesellschaft
„Aktuelle Lage: Update zu STI und HIV-PrEP“: Prof. Dr. Stefan Esser,Vorsitzender der Deutschen AIDS Gesell-schaft
Moderation: Mag. Birgit Leichsenring
Das könnte Sie auch interessieren:
Hyperinflammation: Amoklauf des Immunsystems
Eine ganze Reihe von Auslösern kann zu Hyperinflammationssyndromen führen, deren Gemeinsamkeit Zytokinsturm und potenziell resultierende Organschädigungen sind. Die hämophagozytische ...
20. Münchner AIDS- und Infektiologie-Tage
Seit vielen Jahren sind die Münchner AIDS-Tage ein Ankerpunkt im HIV-Kongresskalender. 2026 lud die Konferenz dabei bereits zum dritten Mal zu einem Gastspiel nach Berlin. Traditionell ...
Gemeinsam oder doch getrennt? Kombinierte Impfung gegen Covid-19 und Pneumokokken
Mit der zunehmenden Anzahl empfohlener Impfungen wächst auch die Herausforderung der Impfbereitschaft. In diesem Zusammenhang bleibt die Frage nach der Wirksamkeit und Sicherheit der ...