Die FARBEN-Studie
Autoren:
Dr. Tim Dorittke
Priv.-Doz. DDr. Philipp Fößleitner
Universitätsklinik für Frauenheilkunde
Medizinische Universität Wien
Korrespondierender Autor:
Dr. Tim Dorittke
E-Mail: tim.dorittke@meduniwien.ac.at
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie flexible Arbeitszeiten sind für junge Menschen zentrale Faktoren der Karrierewahl. Auch in der Medizin gewinnen Fragen wie die Möglichkeit von Familien-gründung während der Fachärzt:innenausbildung oder Teilzeitarbeit zunehmend an Bedeutung, während ältere Kolleg:innen diese oft als weniger relevant betrachten. Besonders in der Gynäkologie und Geburtshilfe ist dies aufgrund des hohen Frauenanteils und der Überschneidung von Ausbildung und Familiengründung relevant. Die FARBEN-Studie beleuchtete diese Aspekte systematisch.
Keypoints
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Wunsch und Realität: Junge Gynäkolog:innen wünschen sich flexible Arbeitsmodelle, arbeiten jedoch überwiegend weiterhin in klassischen Vollzeitstrukturen.
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Vereinbarkeit bleibt zentrale Herausforderung: Fehlende Kinderbetreuung und unzureichende strukturelle Unter-stützung beeinflussen maßgeblich Karriereentscheidungen.
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Strukturen bestimmen Karrierewege: Arbeitsplatz, regionale Gegebenheiten und Teilzeitmodelle haben erheblichen Einfluss auf Ausbildung, Karriereentwicklung und Chancengleichheit.
Mit der trinationalen FARBEN-Studie1 wurde in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) systematisch untersucht, welche Erwartungen und Bedürfnisse angehende Gynäkolog:innen in Bezug auf Arbeitsmodelle, Karriereplanung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf haben. Ziel war es, per Fragebogen ein aktuelles Stimmungsbild zu erfassen und strukturelle Herausforderungen sichtbar zu machen. Insgesamt nahmen 1364 Kolleg:innen aus Deutschland (75%), Österreich (13%) und der Schweiz (12%) teil.
Wunsch und Wirklichkeit
Ein zentrales Ergebnis der FARBEN-Studie ist die deutliche Diskrepanz zwischen gewünschter und gelebter Arbeitszeit. Während nur ein kleiner Teil der Befragten (12,5%) eine Vollzeitbeschäftigung präferiert, arbeitet die Mehrheit (63%) – insbesondere während der Fach-ärzt:innenausbildung – weiterhin in Vollzeit. Diese Diskrepanz verdeutlicht, dass bestehende Arbeitsstrukturen sich nur unzureichend mit den Bedürfnissen der jüngeren Generation decken.
Kinderbetreuung als Herausforderung
Ein wiederkehrendes Thema ist die eingeschränkte Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Gut zwei Drittel der Befragten berichten über mangelnde Kinderbetreuungsangebote, obwohl diese einen entscheidenden Faktor für die Karriereplanung darstellen.
Besonders relevant ist dabei, dass viele Ärztinnen ihre Familienplanung in die Phase der Fachärzt:innenausbildung legen müssen oder wollen – eine Zeit, die gleichzeitig durch hohe berufliche Anforderungen geprägt ist.
Doch auch in anderer Hinsicht deutet die FARBEN-Studie auf einen Gender-Gap hin: Die Studie zeigt deutliche Unterschiede in den Karriereaspirationen zwischen Männern und Frauen. Während männliche Kollegen häufiger Führungspositionen anstreben (bis zu 26%), sind nur 3,6% der Frauen daran interessiert und ihr Interesse ist hinsichtlich ihrer Karriereplanung stärker von Fragen der Vereinbarkeit geprägt. Dies deutet darauf hin, dass strukturelle Barrieren auch heute noch bestehen.
Arbeitsumfeld und Region prägen Karrierewege
Vertiefende Analysen der FARBEN-Daten wurden in einer Subanalyse ausschließlich für Deutschland durchgeführt.2 Dabei zeigte sich, dass sowohl der Arbeitsplatz (universitär vs. nichtuniversitär vs. niedergelassener Bereich) als auch regionale Unterschiede einen relevanten Einfluss auf Karrierewege und Arbeitsbedingungen haben: Universitätskliniken bieten in dieser deutschen Subkohorte zwar mehr akademische Möglichkeiten und teilweise bessere Kinderbetreuungsstrukturen, dies geht jedoch bekanntlich auch mit erhöhtem Leistungsdruck einher. Gleichzeitig konnten innerhalb Deutschlands regionale Unterschiede (z.B. zwischen Ost- und Westdeutschland) hinsichtlich bestehender Kinderbetreuung und Rollenbilder identifiziert werden, wobei sich insgesamt ein Trend hin zu mehr Flexibilität über alle Regionen hinweg abzeichnet.3
Ein weiterer relevanter Aspekt – ebenfalls vor allem in den detaillierten Analysen der deutschen Kohorte – ist der Einfluss von Teilzeitmodellen und familiären Verpflichtungen auf die Ausbildung. Insbesondere operative Tätigkeiten würden durch reduzierte Arbeitszeiten erschwert, was langfristig zu Ungleichheiten in der fachlichen Entwicklung führen kann. Ausbildungsstrukturen müssen daher angepasst und neue Modelle entwickelt werden, die sowohl Qualität als auch Vereinbarkeit von Beruf und Familie gewährleisten.
Insgesamt zeigt die FARBEN-Studie, dass ein grundlegender Strukturwandel erforderlich ist, um die Attraktivität des Fachs langfristig zu sichern und den Anforderungen zukünftiger Generationen gerecht zu werden.
Literatur:
1 Tauber N et al.: Preferred working time models and equal opportunities in gynecology and obstetrics: results of the systematic trinational FARBEN survey. Geburtshilfe Frauenheilkd 2025; 85(3): 311-22 2 Amann N et al.: Compatibility of family and clinical-scientific career for German gynecologists in different workplaces: a sub-analysis of the systematic trinational FARBEN survey. Arch Gynecol Obstet 2025; 312(5): 1641-59 3 Tauber N et al.: Preferred working time models and equal opportunities in gynecology and obstetrics: a sub-analysis of the trinational FARBEN survey focusing on German participants from Western and Eastern federal states. J Turk Ger Gynecol Assoc 2025; 3: 26(4): 256-67
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