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Der ÖAG-Präsident im Gespräch

„HIV-PrEP braucht weiterhin Aufmerksamkeit“

Seit zwei Jahren besteht für die HIV-Präexpositionsprophylaxe (HIV-PrEP) in Österreich die eingeschränkte Möglichkeit einer Kostenrückerstattung. Der notwendige breite Zugang zu PrEP für alle ist damit nicht nachhaltig gesichert. Die Österreichische AIDS Gesellschaft (ÖAG) zieht ein Resümee und fordert die Aufnahme der PrEP in die medizinische Regelversorgung.

Prof. Zoufaly, warum ist die HIV-PrEP so eine wichtige Maßnahme?

A. Zoufaly: Die HIV-PrEP ist ein hochwirksamer und evidenzbasierter Schutz vor einer HIV-Infektion. Daher stellt sie eine tragende Säule im gesamten Maßnahmenpaket gegen HIV dar. Seit April 2024 besteht in Österreich die Möglichkeit einer Kostenrückerstattung für die HIV-PrEP. Dieser Schritt hat den Zugang zur HIV-PrEP verbessert und wichtige Impulse für den Ausbau von Versorgungsstrukturen gesetzt.

Inwieweit war die ÖAG hier involviert?

A. Zoufaly: Als medizinische Fachgesellschaft hat die ÖAG diese Entwicklung aktiv begleitet und durch eigene Maßnahmen unterstützt. Dazu zählen unabhängige Fortbildungen für Mediziner:innen, der Aufbau der Informationsplattform www.hivprep.at sowie die Etablierung österreichweiter Qualitätsstandards für PrEP-Mediziner:innen. Neben spezialisierten Kliniken und Ambulanzen bieten nun landesweit deutlich mehr niedergelassene Ärzt:innen eine PrEP-Begleitung an. Und es haben sich viele Apotheken auf www.hivprep.at listen lassen. Das ist ein schöner Erfolg.

Die ÖAG hat eine eigene PrEP-Fortbildung für Mediziner:innen erarbeitet. Für wen ist sie geeignet?

A. Zoufaly: Sie ist grundsätzlich für alle Kolleg:innen geeignet, die sich informieren möchten. Konzipiert ist die Online-Fortbildung aber für Mediziner:innen, die die PrEP-Anwendung selbst medizinisch begleiten möchten. Dann ist neben der inhaltlichen Expertise auch der Austausch mit Kolleg:innen im HIV-Bereich wichtig. Der Kontakt kann über die Fortbildung leicht hergestellt werden.

Es gibt drei Module, können Sie kurz einen Überblick über die Inhalte geben?

A. Zoufaly: Ein Modul behandelt die Diagnostik der HIV-Infektion. Das sichere Erkennen von Symptomen und die Achtsamkeit gegenüber Indikatorerkrankungen sind für Kolleg:innen aller Fachbereiche wichtig, um den HIV-Test zielgerichtet einsetzen zu können. Ein weiteres Modul gibt einen Überblick über PrEP-Varianten, Studiendaten sowie Einnahmemodalitäten und notwendige Begleituntersuchungen. Kolleg:innen werden darin unterstützt, im Zuge einer Sexualanamnese die Indikation einer PrEP zu bewerten. Das dritte Modul bietet eine detaillierte Übersicht über sexuell übertragbare Infektionen, ihre Symptomatik, Diagnostik und Therapie. Dieses Modul ist für alle Kolleg:innen von Nutzen, die mit Themen der sexuellen Gesundheit konfrontiert sind.

Die ÖAG hat kürzlich ein Statement zur PrEP veröffentlicht. Braucht die PrEP noch Aufmerksamkeit?

A. Zoufaly: Auf jeden Fall. Erfahrungen zeigen, dass die positiven Effekte der HIV-PrEP insbesondere von einer langfristig gesicherten Verfügbarkeit abhängen. Derzeit gibt es zwar in Österreich die Möglichkeit einer Kostenrückerstattung, jedoch nicht für alle Menschen und bis Ende 2027 zeitlich limitiert. Dabei darf man nicht vergessen: Bei Personen mit erhöhtem Risiko ist der Einsatz der PrEP nachweislich kosteneffektiv.

Wie lautet Ihr aktuelles Fazit zur PrEP?

A. Zoufaly: Die medizinische Expertise ist vorhanden. Nun braucht es die strukturelle Verankerung der PrEP in der Regelversorgung. Nur diese breite und nachhaltige Implementierung der HIV-PrEP kann auch in Österreich wesentlich dazu beitragen, die Zahl der HIV-Neuinfektionen und folglich die HIV-Prävalenz langfristig zu reduzieren.

Vielen Dank für das Gespräch!
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