AG Biologika 2026: Neues zu chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen
Bericht:
Dr. Katrin Spiesberger
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Heuer gab es eine Premiere: Die jährliche Fortbildungsveranstaltung der AG Biologika fand zum ersten Mal im wunderschönen Innsbruck statt. Über 150 dermatologisch Interessierte lauschten nationalen und internationalen Expert:innen – dabei wurden die besten Fälle präsentiert, Blicke über den Tellerrand geboten und großzügige Forschungsgrants vergeben.
Am 18. April 2026 fand im Audimax der Medizinischen Universität Innsbruck die 11. Fortbildungsveranstaltung der Arbeitsgemeinschaft für Biologika und Immuntherapie bei chronisch entzündlichen Hauterkrankungen der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV) statt. Die ganztägige Veranstaltung stand unter der wissenschaftlichen Leitung von Univ.-Prof. Dr. Gudrun Ratzinger, der amtierenden Präsidentin der AG, und Priv.-Doz. Mag. Dr. Barbara Böckle (Abb.1) und bot einen umfassenden Überblick über die aktuellen Entwicklungen im Bereich der chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen.
Abb. 1: Die wissenschaftlichen Leiterinnen der Fortbildungsveranstaltung: Univ.-Prof. Dr. Ratzinger (rechts) und Priv.-Doz. Dr. Böckle (links)
Fallpräsentationen
Nach der Begrüßung durch Ratzinger eröffneten die Vorsitzenden Dr. Sonja Eckmann, Innsbruck, und Priv.-Doz. Dr. Hans Skvara, Guntramsdorf, die erste Session „Mein bester Fall + Synopsis“. Dieses Format stellte besonders praxisnahe Fallberichte in den Mittelpunkt, die durch zusammenfassende Einordnungen ergänzt wurden.
Dr. Damian Meyersburg, Salzburg, präsentierte fünf unterschiedliche Patient:innen mit Alopecia areata unter Berücksichtigung moderner immunologischer Therapieansätze und stellte eines in den Vordergrund: wie wichtig Augenbrauen und Wimpern für das Empfinden der Lebensqualität der betroffenen Patient:innen sind. Univ.-Prof. Dr. Paul Sator, Wien, lieferte im Anschluss einen umfassenden Überblick über die atopische Dermatitis. Neben dem Status quo im Hinblick auf Biologika und Small Molecules ermöglichte er den Teilnehmenden auch einen Blick auf die Substanzen, die in Zukunft das Armamentarium erweitern werden ( nachzulesen hier ). Univ.-Prof. Dr. Franz Legat, Graz, widmete sich dem Thema „Pruritus und Prurigo – was kann Nemo?“ anhand eines eindrücklichen Falls einer Patientin, deren Prurigo 17 (!) Jahre lang mit den Standardtherapien nicht kontrolliert werden konnte. Erst Nemolizumab, das im Februar 2025 durch die EMA zugelassen wurde, brachte den lang ersehnten Behandlungserfolg. Die Session schloss Assoc. Prof. Priv.-Doz. Dr. Constanze Jonak, Wien, die auf differenzialdiagnostische Fallstricke bei Mycosis fungoides und dem Sézary-Syndrom einging und die diagnostischen Herausforderungen bei kutanen T-Zell-Lymphomen hervorhob.
Spezialitäten
Die zweite Session „Spezialitäten“, geleitet von Dr. Nina Häring, Feldkirch, und Dr. Leo Richter, Wien, widmete sich ausgewählten, oft komplexen Krankheitsbildern und innovativen Therapieansätzen.
Assoc. Prof. Dr. Monika Arenbergerova, PhD, Prag, stellte kombinierte Therapieansätze aus Biologika und Chirurgie bei Hidradenitis suppurativa vor und verdeutlichte damit die Bedeutung interdisziplinärer Konzepte. Prof. Dr. Michael Hertl, Marburg, gab molekulare Einblicke in die Pathophysiologie des Lichen ruber und zeigte, dass Entzündungsprofile Aufschluss über die Wirksamkeit von Therapien geben können. Univ.-Prof. Dr. Peter Wolf, Graz, beleuchtete anhand von Patient:innen mit pustulösen Hauterkrankungen, insbesondere mit generalisierter pustulöser Psoriasis – auch im Vergleich zur akuten generalisierten exanthematischen Pustulose –, On- und Off-Label-Therapien sowie deren klinische Evidenz (Abb. 2).
Skin Inflammation Award und Forschungsgrants
Die Mittagspause wurde nicht nur zur Stärkung genutzt, sondern auch zum Austausch mit den Vertreter:innen der Industrie. Der postprandialen Müdigkeit wurde mit der Preisverleihung begegnet. Der Skin Inflammation Award ging heuer an zwei Personen: Univ.-Prof. Dr. Christian Posch, PhD, MBA, Wien, erhielt den Award für die Arbeit „Patients with PSOriasis and Suppurativa Hidradenitis (PSO-SH) share genetic risk factors and are at risk of increased morbidity“, erschienen im Journal of the American Academy of Dermatology (Abb.3). Priv.-Doz. Dr. Nicole Golob-Schwarzl, MSc, Linz, bekam den Award für ihre Arbeit „eIF4E: a new diagnostic biomarker for Mycosis fungoides“, erschienen in der Fachzeitschrift Experimental Dermatology.
Neu war in diesem Jahr die Vergabe von großzügigen Forschungsgrants. Insgesamt sechs Forschende konnten die Fachjury mit ihren Projekteinreichungen überzeugen und erhielten Grants zu jeweils €15.000,–:
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Dr. Sophie Frech, Wien: Deciphering the immune-microbiome landscape of Alopecia areata to predict therapy response
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Dr. Maximilian Lammer, Innsbruck: Prospektive Analyse der Interferon-Signatur als Biomarker für das Therapieansprechen auf Biologika-Therapien bei Kollagenosen
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Dr. Julia Staller, Wien: Microbial dysbiosis in Hidradenitis suppurativa: correlation of PhlP-Seq data with disease pathogenesis and treatment response
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Dr. Antonia Wiala-Winter, Wien: Nationale Ausweitung des österreichischen Hidradenitis suppurativa Registers (AHSR)
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Dr. Viktoria Gruber, Graz: Immunregulation bei immunoproliferativen und inflammatorischen Hauterkrankungen
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Dr. Stefan Blunder, Innsbruck: Deciphering the transcriptomic, immune, and phenotypic profiles of subcutaneous adipose tissue in patients with atopic dermatitis and FLG-nEDD (lchthyosis vulgaris)
Mehr über den Projektfortschritt werden die Preisträger:innen nächstes Jahr bei der 12. Fortbildungsveranstaltung präsentieren.
Über den Tellerrand
Es folgte die Session „Über den Tellerrand“, die von Dr. Magdalena Aichner, Innsbruck, und Univ.-Doz. Dr. Achim Schneeberger, Nenzing, geleitet wurde. Hier standen Themen abseits des Offensichtlichen und interdisziplinäre Aspekte im Fokus.
Der Gastroenterologe/Hepatologe Assoz. Prof. Dr. Timon Adolph, PhD, referierte über den Einfluss von Ernährung auf das Mikrobiom und zeigte mögliche pathogenetische Verknüpfungen mit entzündlichen Erkrankungen auf ( mehr dazu hier ). Der auf pädiatrische Dermatologie spezialisierte Prof. Dr. Peter Höger, Hamburg, widmete sich der Systemtherapie der atopischen Dermatitis im Kindesalter und ging dabei auf altersabhängige Besonderheiten und Sicherheitsaspekte ein. Univ.-Prof. Dr. Franz Trautinger, St.Pölten, gab Aufschluss über die Hintergründe von Zulassungsentscheidungen und zeigte sehr eindrücklich den Einsatz von JAK-Inhibitoren in der Dermatologie außerhalb zugelassener Indikationen mit dem Fazit: „Off-Label-Therapien sind eine medizinische Notwendigkeit.“
Mehr Fallpräsentationen
Die abschließende vierte Session „Mein bester Fall + Synopsis“ unter dem Vorsitz von Dr. Cornelia Gattringer, Innsbruck, und Priv.-Doz. Dr. Rainer Hügel, Wien und Bregenz, griff erneut das fallbasierte Format auf. Priv.-Doz. Dr. Wolfgang Weger, Graz, präsentierte einen Patienten mit palmoplantarer Pustulose, der auf mehrere Therapien nicht ansprach. Anhand dessen stellte Weger die Substanzen vor, die auch bei Psoriasis auf Händen und Füßen wirken. Pyoderma gangraenosum als therapeutisch herausfordernde neutrophile Dermatose wurde von Univ.-Prof. Dr. Christian Posch, Wien, beleuchtet. Mit vielen Bildern gab er dem Publikum die Möglichkeit, den differenzialdiagnostischen Blick zu schulen. Unter dem Motto „Sieht aus wie Lupus, ist es aber nicht“ schloss Priv.-Doz. Mag. Dr. Barbara Böckle, Innsbruck, die Session mit vermeintlichen Lupus-Fällen ( nachzulesen hier ).
Save the date!
Abschließend bedankte sich Ratzinger bei allen Beteiligten: den Vorsitzenden, den Vortragenden, den Teilnehmenden und natürlich bei der Industrie, deren finanzielle Unterstützung die Durchführung der Veranstaltung erst ermöglicht und wies auf die 12. Fortbildungsveranstaltung am 10. April 2027 – diesmal wieder in Wien – hin.
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