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Gehen zur Prävention von Rückenschmerzen

Gezielte Schritte gegen den Schmerz

Studiendaten belegen, dass regelmäßiges Gehen bei wiederkehrenden Kreuzschmerzen helfen kann. Ae kontrollierte Studie veröffentlicht, die einen überraschend einfachen Ansatz zur Prävention von Rückenschmerzen untersucht: Gehen.

Studie: Bewegung statt Therapie

In der sogenannten „WalkBack“-Studie untersuchten australische Forschende, ob ein individuell angepasstes Gehprogramm, kombiniert mit edukativen Maßnahmen, Rückfälle von Rückenschmerzen verhindern kann.1 Insgesamt nahmen 701 Erwachsene teil, die kürzlich wegen einer Episode unspezifischer Rückenschmerzen in Behandlung gewesen waren. Die Teilnehmenden wurden zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe absolvierte über sechs Monate ein strukturiertes Gehprogramm (mindestens dreimal pro Woche ≥30 Minuten täglich), begleitet von sechs Sitzungen mit Physiotherapeut:innen. Die Kontrollgruppe erhielt keine spezifische Behandlung. Das Ziel war, herauszufinden, wie lange es bis zum nächsten schmerzhaften Rückfall dauerte.

Signifikant weniger Rückfälle

Teilnehmende im Gehprogramm hatten dabei ein signifikant geringeres Risiko für einen Rückfall. Das Risiko sank um rund 28% im Vergleich zur Kontrollgruppe. Noch deutlicher wird der Effekt beim Blick auf die Zeitspanne bis zum nächsten Schmerzereignis:

  • median 208 Tage in der Gehgruppe

  • median 112 Tage in der Kontrollgruppe

Auch bei weiteren Kriterien – etwa jeglicher Art von Rückfällen oder solchen Rückfällen, die medizinische Hilfe erforderten – zeigte sich ein konsistenter Vorteil für die Intervention. Zusätzlich berichteten Teilnehmende der Gehgruppe über geringere Einschränkungen im Alltag durch Schmerzen. Die Gesamtzahl unerwünschter Ereignisse unterschied sich kaum zwischen den Gruppen. Allerdings traten in der Gehgruppe häufiger Beschwerden in den unteren Extremitäten auf – etwa durch Überlastung.

Das Programm setzte nicht nur auf Bewegung, sondern auch auf Aufklärung. Die Teilnehmenden lernten, Schmerzen besser zu verstehen, Ängste vor Bewegung abzubauen und eigenständig mit Beschwerden umzugehen. Das Gehtraining selbst wurde individuell angepasst und schrittweise gesteigert – mit einem Zielwert von etwa fünf Walking-Einheiten pro Woche (je 30 Minuten).

Was Gehen im Freien bewirkt

Gehen kann bei vielen Patient:innen positive Veränderungen bewirken. Es verbessert kardiovaskuläre, metabolische, immunologische und psychische Prozesse und findet im Freien statt, was sich zusätzlich günstig auf Stimmung, Stress und Wohlbefinden auswirkt. Die regelmäßige Belastung beim Gehen führt zu Anpassungen des Gewebes: Die muskuläre Ausdauer steigt, Sehnen und Bänder werden belastbarer und die Stabilität der paraspinalen Strukturen nimmt zu. Der rhythmische Bewegungsablauf kann zudem neuromodulatorisch wirken, Stress reduzieren sowie Aufmerksamkeit und Schlaf verbessern. Auch verhaltensbezogen ist Gehen vorteilhaft, da es leicht in den Alltag integrierbar ist und die Selbstständigkeit fördert.

Trotz der Vorteile ist Gehen keine biomechanisch neutrale Belastung. Es handelt sich um eine repetitive Bewegung mit Stoßbelastungen, Rotationsanteilen und asymmetrischen Kräften entlang der gesamten kinetischen Kette. In bestimmten Fällen kann dies Beschwerden verstärken. Dann sind Alternativen wie Radfahren, Schwimmen oder Aquatherapie sinnvoll, da sie die mechanische Belastung reduzieren und dennoch ein effektives Training ermöglichen. (red)

1 Pocovi N et al.: Effectiveness and cost-effectiveness of an individualised, progressive walking and education intervention for the prevention of low back pain recurrence in Australia (WalkBack): a randomised controlled trial. The Lancet 2024; 404: 134-44

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