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Einfluss des BMI auf die Langzeitergebnisse nach SPARC-Operation

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Die Belastungsinkontinenz betrifft einen bedeutsamen Anteil der weiblichen Population und hat einen negativen Einfluss auf die Lebensqualität der betroffenen Personen sowie auf die Gesundheitsökonomie. Adipositas stellt einen Risikofaktor für die Entwicklung der Belastunginkontinenz dar. In unserer Studie hatte die Adipositas keinen negativen Einfluss auf die Langzeitergebnisse nach SPARC-Operation. Somit stellt SPARC auch bei adipösen Patientinnen eine sichere und effiziente Operationsmethode dar.

Keypoints

  • Die Evaluierung chirurgischer Methoden zur Behandlung der weiblichen Belastungsinkontinenz ist auch hinsichtlich der Qualitätsüberprüfung von eminenter Bedeutung.

  • In unserer Studie zeigte sich SPARC im Langzeit-Setting als sichere und effiziente Methode unabhängig vom BMI der Patientinnen.

  • Die Zufriedenheit der Patientinnen mit dem Operationsergebnis war unabhängig vom Erreichen einer kompletten Trockenheit.

Weibliche Belastungsinkontinenz

Die Belastungsinkontinenz ist definiert als unwillkürlicher und simultaner Harnverlust bei körperlicher Anstrengung, Niesen, Husten oder Lachen. Sie ist die häufigste Form der Inkontinenz bei Frauen, mit einem ausgeprägten negativen Einfluss auf deren Lebensqualität.1 Die Belastungsinkontinenz betrifft etwa 50% der Frauen im Laufe ihres Lebens und stellt somit auch eine signifikante Kostenbelastung für das Gesundheitssystem dar. Folglich besteht eine dringende Notwendigkeit für geeignete und wirkungsvolle Behandlungsmethoden. Allerdings darf nicht aus den Augen verloren werden, dass es sich hierbei um therapeutische Interventionen zur Verbesserung der Lebensqualität handelt. Die Indikationsstellung für einen chirurgischen Eingriff muss daher streng erfolgen. Die konservativen Behandlungsstrategien, bestehend aus Gewichtsabnahme und Beckenbodentraining, erweisen sich bei vielen Frauen nicht als zielführend. Die Anwendung von Bulkamid, welches in den letzten Jahren wieder an Bedeutung gewonnen hat, bleibt der milden bis mittelgradigen Belastungsinkontinenz vorbehalten und ist vor allem eine gute Alternative bei Patientinnen, die aufgrund ihrer Allgemeinerkrankungen für einen invasiveren chirurgischen Eingriff nicht infrage kommen.2

Bislang wurden zahlreiche operative Verfahren zur Behandlung der Belastungsinkontinenz entwickelt. Im Laufe der Jahre entwickelte sich der Trend zu minimal invasiven Methoden, die sich als effizient und komplikationsarm erwiesen.

Die midurethralen Bänder stellen nach wie vor den Goldstandard in der chirurgischen Behandlung der weiblichen Belastungsinkontinenz dar. Bei SPARC sowie beim TVT handelt es sich um retropubische, midurethrale Bänder, welche minimal invasiv suburethral platziert werden. Die hauptsächlichen Unterschiede zwischen der SPARC- und der TVT-Methode bestehen darin, dass bei SPARC deutlich schmalere Trokare mit einer abgerundeten Spitze verwendet werden und bei SPARC die Trokare fingergeleitet von suprapubisch nach vaginal geführt werden. Dies ermöglicht dem Operateur eine bessere Kontrolle der Trokare und somit mehr Sicherheit im Hinblick auf die Blutungskomplikationen.3

Operatives Vorgehen

Während der Operation befinden sich die Patientinnen in Steinschnittlage. Durch die Dauerkatheteranlage wird eine leere Harnblase gewährleistet. Anschließend werden zwei 0,5–1cm lange suprapubische Hautinzisionen etwa 2 Querfinger lateral der Mittellinie direkt hinter dem Symphysenoberrand gesetzt. Es folgt eine 2cm lange, sagittale, mediane, vordere Kolpotomie 1cm vom Meatus externus urethrae entfernt. Es wird beidseits ein kurzstreckiger Kanal paraurethral präpariert. Die Nadeln werden von suprapubisch nach vaginal gestochen. Nach Platzierung beider SPARC-Nadeln wird eine Urethrozystoskopie durchgeführt, um eine Harnblasenperforation auszuschließen. Bei Auftreten einer Harnblasenperforation wird die Nadel entfernt und etwas lateral erneut angelegt. Nach Sicherstellung der korrekten Nadellage wird das SPARC-Band an beide Nadelspitzen konnektiert, die Nadeln werden mit dem angeklickten Band nach suprapubisch hochgezogen und das Proleneband spannungsfrei unter die mittlere Harnröhre positioniert. Die Harnblase wird dann mit 250–300ml Flüssigkeit gefüllt und durch leichten Druck auf die Blasenregion wird ein Harnabgang ausgelöst. Gelingt dies in geringem Ausmaß, so sind Lage und Spannung des Bandes richtig. Anschließend werden die Nadeln abgeschnitten und die Plastikhüllen vom Band abgezogen. Danach wird das Band knapp unter dem Hautniveau abgeschnitten und die Hautinzisionen sowie die vordere Kolpotomie werden verschlossen.4

Adipositas und Belastungsinkontinenz

Adipositas ist ein bekannter Risikofaktor für die Entwicklung der Belastungsinkontinenz.5 In den letzten Jahrzehnten entwickelte sich die Adipositas zu einem bedeutenden globalen gesundheitlichen Problem. Kelly et al. postulierten, dass bei Fortsetzung des aktuellen Trends 2030 bis 57,8% der Weltpopulation übergewichtig sein könnten.6 Wir berichten über die Ergebnisse einer retrospektiven Datenanalyse zum Zusammenhang zwischen BMI und Effektivität sowie Sicherheit der SPARC-Methode an unserer Klinik.

Studie zu SPARC und BMI

Die SPARC-Methode wurde zwischen 2001 und 2018 erfolgreich an der Universitätsklinik für Urologie Graz angewendet. Die Produktion von SPARC wurde 2017 von der Firma AMS aus nicht medizinischen Gründen eingestellt. Es sind aber vergleichbare Produkte am Markt vorhanden. An unserer Klinik wird zurzeit das Unitape der Firma Promedon angewendet, bei dessen Verwendung die Trokare ebenfalls von suprapubisch nach vaginal geführt werden. Im Gegensatz zu TVT ist die Datenlage zu SPARC spärlich. Die kurz- und mittelfristigen Ergebnisse aus unserer Klinik deuten auf sehr gute Ergebnisse in Hinblick auf die Kontinenz nach der SPARC-Operation hin.7,8

Ziel dieser retrospektiven Datenanalyse war es, den Einfluss von BMI auf die Effektivität und Lebensqualität bei belastungsinkontinenten Frauen 5 bis 7 Jahre nach Implantation eines retropubischen midurethralen Bandes nach der SPARC-Methode zu evaluieren.

Die Daten von 74 Patientinnen standen für ein Follow-up zur Verfügung. Das durchschnittliche Alter betrug 59,3 Jahre. Alle Operationen wurden von einem erfahrenen Urologen durchgeführt. Die Patientinnen wurden je nach BMI zum Zeitpunkt der Operation in drei Gruppen eingeteilt:

  • Gruppe 1 – normalgewichtig: BMI < 25,

  • Gruppe 2 – übergewichtig: BMI 25–30,

  • Gruppe 3 – adipös: BMI >30.

Das mediane Follow-up der gesamten Kohorte betrug 6 Jahre. Alle Patientinnen wurden präoperativ sowie jährlich postoperativ untersucht. Ein Hustentest in stehender Position mit einem Blasenvolumen von zumindest 250 ml sowie ein Kurzzeit-Pad-Test nach Hahn und Fall wurden durchgeführt. Außerdem wurden der Vorlagenverbrauch und der Leidensdruck bezogen auf die Belastungsinkontinenz (Visual Analogue Scale [VAS] 0–10) erhoben. Die präoperativen Ergebnisse wurden mit den Langzeitergebnissen verglichen. Die subjektive Kontinenz und Zufriedenheit wurden erhoben. Objektive Heilung wurde definiert als negativer Hustentest und Pad-Test von 0–1g nach Hahn und Fall, subjektive Heilung als kein Harnverlust während Alltagsaktivitäten und keine Verwendung von Vorlagen. Die Ergebnisse wurden in der Tabelle 1 zusammengefasst. Eine Übersicht über die Komplikationen ist in der Tabelle 2 dargestellt.

Tab. 1: Ergebnisse nach Gruppen

Tab. 2: Übersicht über Komplikationen

Schlussfolgerung

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass sich die SPARC-Operation im Hinblick auf die Langzeitergebnisse unabhängig vom BMI als ein sicheres, effizientes und deutlich Lebensqualität förderndes Verfahren zeigte. Die geringere subjektive Heilungsrate in der adipösen Gruppe spiegelte sich nicht in der objektiven Heilungsrate wieder. Die Komplikationsrate war in allen drei Gruppen vergleichbar niedrig, wobei in der adipösen Gruppe ein höherer Prozentsatz an Urgency beobachtet wurde. Ein Zusammenhang zwischen Adipositas und Urgency wurde bereits beschrieben.5 Die Abnahme des Leidensdruckes und des Vorlagenverbrauchs war in allen Gruppen hochsignifikant. Die Zufriedenheit der Patientinnen war in allen drei Gruppen sehr hoch, und dies unabhängig vom Erreichen einer kompletten Trockenheit.

1 Ford AA et al.: Mid-urethral sling operations for stress urinary incontinence in women. Cochrane Database Syst Rev 2017; 7(7): CD006375. 2 Leone Roberti Maggiore U et al.: Urethral bulking agents versus other surgical procedures for the treatment of female stress urinary incontinence: a systematic review and meta-analysis. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol 2015; 189: 48-54 3 Deval B et al. A French multicenter clinical trial of SPARC for stress urinary incontinence. Eur Urol 2003; 44(2): 254-9 4 Primus G, Riedler I: SPARC-System zur Behandlung der weiblichen Belastungsinkontinenz Journal für Urologie und Urogynäkologie 2004; 11 (3) (Ausgabe für Österreich), 29-33 5 Alling Møller L et al.: Risk factors for lower urinary tract symptoms in women 40 to 60 years of age. Obstet Gynecol 2000; 96(3): 446-51 6 Kelly T et al.: Global burden of obesity in 2005 and projections to 2030. Int J Obes (Lond) 2008; 32(9): 1431-7 7 Primus G: One year follow-up on the SPARC sling system for the treatment of female urodynamic stress incontinence. Int J Urol 2006; 13(11): 1410-4 8 Heidler S et al.: The suprapubic arch sling procedure for treatment of stress urinary incontinence: a 5-year retrospective study. Eur Urol 2010; 57: 897-901

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