PSA-Wert mit 60 Jahren ermitteln
Autor: Prim. Univ.-Prof. Dr. Shahrokh F. Shariat
Leiter Comprehensive Cancer Center Vienna
Universitätsklinik für Urologie
Medizinische Universität Wien
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Der PSA-Wert im Alter von 60 Jahren zeigt sich als Schlüsselgröße für das lebenslange Risiko für ein letales Prostatakarzinom. Dies hat Implikationen für unser nationales österreichisches Screening-Programm.
Für jedes organisierte Prostatakarzinom-Screening-Programm lautet die zentrale Frage: Wen müssen wir weiterhin screenen, wen dürfen wir entlassen, und wer braucht ein engmaschiges Follow-up? Die Arbeitsgruppe um Vickers und Lilja hat dies erneut an einer der weltweit aussagekräftigsten Kohorten überprüft – dem Malmö Preventive Project, einer ungescreenten schwedischen Männerkohorte mit 40-Jahres-Follow-up. Eingeschlossen wurden 1162 Männer (58–62 Jahre, Blutabnahme 1981–1982), mit nahezu vollständigem Lebenszeit-Follow-up (1151 Todesfälle bis Ende 2020).
Ergebnisse
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Der Total-PSA mit 60 Jahren prognostiziert das gesamte verbleibende Lebenszeitrisiko für ein letales Prostatakarzinom hervorragend: C-Index 0,87 (95% CI: 0,82–0,92).
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92% aller durch Prostatakarzinom verlorenen Lebensjahre entfielen auf Männer mit PSA >1,0ng/ml mit 60 Jahren; 85% auf PSA >2,0ng/ml; 59% auf PSA >4,0ng/ml.
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Männer mit PSA <1ng/ml mit 60 tragen praktisch das gesamte verbleibende Leben kein relevantes prostatakarzinomspezifisches Mortalitätsrisiko.
Ein einziger PSA-Wert um das 60. Lebensjahr teilt die männliche Bevölkerung mit einer in der urologischen Onkologie seltenen Trennschärfe in echte Niedrig- und Hochrisikogruppen.
Einordnung für unser nationales Prostatakarzinom-Screening
Österreich hat jetzt die Chance, die EU-Ratsempfehlung zum Krebsscreening von 2022 in konkrete Versorgungspolitik zu übersetzen: durch ein organisiertes, risikoadaptiertes Prostatakarzinom-Screening-Programm. Die Daten von Vertosick et al. liefern hierfür mehrere praxisrelevante Argumente:
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Alter ≈60 als zentraler Stratifizierungspunkt. Während der Screening-Eintritt sinnvollerweise um das 45.–50. Lebensjahr liegt, determiniert der PSA-Wert um das 60. Lebensjahr die Lebenszeitmortalität. Ein österreichisches Programm könnte nach weiterer Evidenz den 60er-PSA als formalen Stratifizierungsmeilenstein implementieren.
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Evidenzbasierter Screening-Stopp. Die größte Schwäche des opportunistischen PSA-Screenings ist das unkontrollierte Weiterscreenen bei Niedrigrisiko-Männern bis ins hohe Alter. Die Daten erlauben erstmals eine klare Stopp-Empfehlung – kommunizierbar für Ärzt:innen und Patienteninformationsmaterialien.
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Ressourcenfokussierung auf die Hochrisikogruppe. Da >90% der späteren Mortalität sich im oberen PSA-Quartil mit 60 konzentriert, liegt hier der entscheidende Hebel: kürzere Intervalle, niederschwelliger MRT-Zugang, strukturierte Diagnostik – bei gleichzeitiger Reduktion des Overscreenings.
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Limitation für die Umsetzung. Die Kohorte ist kaukasisch und stammt aus der Prä-MRT-Ära; genetische Hochrisikogruppen (BRCA1/2, HOXB13, Familienanamnese) sind nicht abgebildet. Für diese Männer bleibt der Niedrig-PSA-Cut-off bei 60 kein zuverlässiges Stopp-Kriterium – sie benötigen einen separaten „Enhanced surveillance“-Pfad.
Take-home für uns – drei Gruppen, drei klare Pfade
Für ein zukünftiges nationales Prostatakarzinom-Screening-Programm bedeutet dies eine evidenzbasierte Stratifizierung in drei Risikogruppen:
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PSA <1ng/ml: Screening beenden. Echte Niedrigrisikogruppe; verbleibendes Lebenszeit-Mortalitätsrisiko vernachlässigbar.
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PSA 1–3ng/ml: engmaschiges Follow-up. Diese Intermediärgruppe trägt einen substanziellen Teil der späteren Mortalitätslast und profitiert am meisten von strukturierter Reevaluation – PSA-Kontrollen alle 2–4 Jahre, Verlaufsbeurteilung der PSA-Kinetik, niederschwellige Indikationsstellung für weiterführende Diagnostik bei Anstieg.
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PSA >3ng/ml: strukturierter Hochrisiko-Pathway mit zeitnaher MRT-Verfügbarkeit, Risikostratifizierung und ggf. Biopsie nach etablierten Algorithmen.
Diese 3 Pfade, evidenzbasiert untermauert durch Vertosick/Vickers/Lilja 2025, können das Rückgrat eines effizienten, ressourcenschonenden und wissenschaftlich fundierten nationalen Prostatakarzinom-Screening-Programms bilden: maximaler Nutzen für die, die es brauchen, klare Entlastung für jene, die es nicht brauchen.
Literatur:
● Vertosick EA et al.: Prostate-specific antigen levels at age 60 years and lifetime risk of lethal prostate cancer. J Natl Cancer Inst 2025; 117(12): 2591-7
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