Häufig eingesetztes Eisenpräparat erhöht Frakturrisiko
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Obwohl moderne Eiseninfusionen als effizient und gut verträglich gelten, zeigen Forschende der Medizinischen Universität Innsbruck in einer aktuellen Beobachtungsstudie, dass Eisencarboxymaltose – ein häufig eingesetztes intravenöses Eisenpräparat – mit einem deutlich erhöhten Risiko für Knochenbrüche einhergeht.
Eisenmangel ist ein weitverbreitetes Gesundheitsproblem, das insbesondere Frauen im gebärfähigen Alter betrifft. Da orale Präparate zur Supplementation oft schlecht vertragen werden und über Monate eingenommen werden müssen, kommen zunehmend intravenöse Therapien wie Eisencarboxymaltose oder Eisenderisomaltose zum Einsatz.
Deutlich erhöhtes Frakturrisiko
In einer klinischen Kohorte mit 357 Patient:innen sowie einer Validierung anhand von 20000 Fällen aus der weltweiten TriNetX-Datenbank, in der die Wirksamkeit von Eisencarboxymaltose und Eisenderisomaltose untersucht wurde, zeigte sich ein klares Bild. Patient:innen, die mit Eisencarboxymaltose behandelt wurden, hatten ein signifikant höheres Risiko für Frakturen und Osteomalazie– unabhängig von Alter, Geschlecht oder Vorerkrankungen. Im Vergleich dazu schnitt Eisenderisomaltose deutlich besser ab.
Nicht nur ein Phosphatproblem
Die aktuelle Studie von Univ.-Prof. Heinz Zoller und Dr. Sonja Wagner stellte die Annahme, dass Knochenprobleme nach Eiseninfusionen primär durch einen niedrigen Phosphatspiegel (Hypophosphatämie) entstehen, infrage. Denn es zeigte sich: Das erhöhte Frakturrisiko trat auch unabhängig von vorliegenden Phosphatspiegeln auf.
Direkter Effekt im Knochen
„Die Nebenwirkungen scheinen durch die besonders starke Anreicherung von Eisencarboxymaltose im Knochen bedingt zu sein, was dort zu einer verminderten Kollagenbildung führt. Darüber hinaus weisen molekulare Untersuchungen auf eine deutliche Verminderung der Knochenneubildung hin“, erklärt Wagner.
Fazit
„Wir schließen daraus, dass mit der Gabe von Eisencarboxymaltose molekulare Veränderungen ausgelöst werden, die unabhängig vom Phosphatspiegel die Knochenstruktur schwächen. Damit wäre abgesenktes Phosphat im Blut nicht alleine Ursache der Knochenschädigung, sondern auch Ausdruck eines bereits laufenden Prozesses im Knochen selbst“, so Zoller.
Die Wahl des Eisenpräparats könnte damit nicht nur über den Therapieerfolg entscheiden, sondern auch über das Risiko für langfristige Knochenschäden. (red)
Quelle:
Pressemeldung der Medizinischen Universität Innsbruck vom 8. 4. 2026
Literatur:
1Wagner Set al.: Ferric carboxymaltose increases fracture risk in patients and reduces bone formation in mice with iron deficiency anemia. Blood 2026; doi: org/10.1182/blood.2025031806
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