Neue Substanzen – erfolgreiche Dosisreduktion bei TNF-Blockern
Bericht:
Dr. Susanne Kammerer
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Bei Psoriasisarthritis (PsA) befindet sich mit Bimekizumab eine interessante neue Substanz in der Pipeline. Eine Dosisreduktion nach Erzielen einer minimalen Krankheitsaktivität ist auch bei den meisten Patienten mit PsA möglich.
Bimekizumab ist ein Biologikum, das nicht nur Interleukin(IL)17A, sondern zusätzlich IL-17F blockiert. Beim Kongress der EULAR wurden jetzt die Ergebnisse der Phase-III-Studie „BE OPTIMAL“ vorgestellt, an der 852 erwachsene Biologika-naive Patienten mit aktiver Psoriasisarthritis (PsA) teilnahmen.1 Die Doppelblindphase bis Woche 16 bestand aus drei Studiengruppen, in denen die Patienten mit Placebo (n=281), Bimekizumab 160mg alle 4 Wochen (n=431) oder in einem Referenzarm mit Adalimumab (40mg alle 2 Wochen[n=140]) behandelt wurden. Nach Woche 16 folgte ein Nachbeobachtungszeitraum, in dem die Placebopatienten bis Woche 52 auf Bimekizumab umgestellt wurden. Primärer Endpunkt war das „American College of Rheumatology“(ACR)50-Ansprechen in Woche 16. Die Studie war jedoch nicht für einen direkten Vergleich von Bimekizumab mit Adalimumab konzipiert.
In Woche 16 erreichten statistisch signifikant mehr Patienten in der Bimekizumab-Gruppe ACR50 als in der Placebogruppe: 43,9% gegenüber 10,0% (p<0,001). Die entsprechenden Ergebnisse für ACR20 und ACR70 lagen bei 62,2% gegenüber 23,8% und 24,4% gegenüber 4,3%. „Bis Woche 24 blieben diese Ansprechraten erhalten und konsistent und die Placebopatienten, die auf Bimekizumab umgestellt wurden, erreichten rasch ähnliche Ansprechraten wie die Patienten, die bereits in Woche 16 ein Ansprechen erreicht hatten“, erklärte Prof. Iain McInnes, Universität Glasgow (Großbritannien), bei der Vorstellung der Studie als „Late Breaker“. Auch bei allen sekundären Endpunkten war Bimekizumab überlegen. Prof. McInnes hob besonders die starke Wirksamkeit auf die Psoriasisläsionen der Haut in Woche 16 hervor: 61,3% der mit Bimekizumab behandelten Patienten erreichten eine Verbesserung der Hautläsionen im „Psoriasis Area and Severity Index“ (PASI) um 90% gegenüber 2,9% unter Placebo (p<0,001). Mit 47,5% gelang es fast der Hälfte der Patienten, eine vollständige Abheilung der Hauteffloreszenzen zu erreichen (versus 2,1% bei Placebo; p<0,001). Bimekizumab übertraf Placebo auch in Bezug auf das Erreichen von minimaler Krankheitsaktivität. Einen Wermutstropfen gibt es beim stark wirksamen Bimekizumab allerdings: So traten in der Verumgruppe häufiger Candidainfekte auf. Insgesamt wurde Bimekizumab jedoch als gut verträglich eingestuft.
Erhalt der Remission auch nach gezielter Dosisreduktion
Viele Patienten mit PsA und axialer Spondylarthritis (axSpA) benötigen eine Langzeitbehandlung mit Biologika – was nicht unerhebliche Kosten verursacht. Zudem droht eine erhöhte Infektanfälligkeit. Daher untersuchte Dr. Celia Michielsens, Sint Maartenskliniek und Radboud Institute for Health Sciences (Niederlande), gemeinsam mit ihrem Team in einer randomisierten, kontrollierten, offenen Nichtunterlegenheitsstudie, ob eine Treat-to-Target(T2T)-Strategie mit Dosisreduktion (Tapering) einer T2T-Strategie ohne Dosisreduktion unterlegen ist (mit einer vordefinierten Nichtunterlegenheitsmarge von 20%).2 Alle Teilnehmer wurden mit TNF-Blockern behandelt und hatten seit ≥6 Monaten eine stabile niedrige Krankheitsaktivität. Sie wurden randomisiert (2:1) einer T2T-Tapering- oder No-Tapering-Strategie zugeteilt und 12 Monate lang beobachtet. Das Tapering bestand darin, alle drei Monate die Dosis zu reduzieren (auf 66%, 50% und 0%) und bei einem Flare erneut zu intensivieren. Eine geringe Krankheitsaktivität war definiert als ein Psoriatic Arthritis Disease Activity Score (PASDAS) ≤3,2 für PsA und/oder ein Ankylosing Spondylitis Disease Activity Score (ASDAS) <2,1 und/oder eine Beurteilung durch Arzt und Patient.
Von den 81 Teilnehmern in der Taperinggruppe hatten 52% eine PsA und der Rest eine axSpA. Nach 12 Monaten erreichten 73% der Teilnehmer in der Nicht-Taperinggruppe und 69% in der Taperinggruppe eine niedrige Krankheitsaktivität. Dieser Unterschied lag deutlich unter der Unterlegenheitsgrenze und bestätigte damit die Nichtunterlegenheit der Dosisreduktion. Nach 12 Monaten hatten 58 (72%) der Teilnehmer der Taperinggruppe das Medikament erfolgreich abgesetzt. Der einzige Nachteil dieses Ansatzes war ein Anstieg der Verwendung anderer Medikamente in der Taperinggruppe, ein statistisch signifikanter Unterschied wurde in Bezug auf die Verwendung von nichtsteroidalen Antirheumatika erreicht (54% gegenüber 24%; p=0,002). Die Vorteile der Dosisreduktion überwogen jedoch: So war das Risiko für Infektionen (Grad 3/4) in der Taperinggruppe um 46% und das Risiko für Reaktionen an der Injektionsstelle um 23% geringer als in der Gruppe, die mit derselben Dosis weiterbehandelt wurde.
Quelle:
EULAR-Kongress, 1.–4. Juni 2022, Kopenhagen, Dänemark
Literatur:
1 McInnes I et al.: LB0001, EULAR 2022 2 Michielsens C et al.: OP0261, EULAR 2022
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