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Experten-Web-Konferenz der ÖGABS

Suchtbehandlung in Covid-Zeiten: der disruptive Zwang zur Innovation

Psychiatrie
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Für die Suchtbehandlung war und ist die Zeit der Covid-Pandemie eine Zeit der Disruption. Expertinnen und Experten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz berichten von lokal sehr unterschiedlichen Situationen in Abhängigkeit von den regionalen gesetzlichen und organisatorischen Gegebenheiten. Alles in allem war es jedoch möglich, während der Pandemie Entwicklungen ins Rollen zu bringen, die die Praxis der Suchtbehandlung in den drei Ländern nachhaltig verändern könnten.

Für Suchtkranke dürfte es zu Beginn der Pandemie Versorgungsprobleme aufgrund eines weitgehend lahmgelegten Schwarzmarktes gegeben haben. Der „Großhandel“ erlebte dabei kaum Einschränkungen, wohl aber der „Einzelhandel“ in einer nicht mehr existierenden Drogenszene, berichtete Dr. Stephan Walcher von der Schwerpunktpraxis CONCEPT in München. Viele Ärzte hätten, ebenso fast flächendeckend die Drogenberatung und stationäre Therapie geschlossen. Nach wie vor sei es bis heute schwer für die Patienten, entsprechende Angebote zu nutzen. Mehrere Teilnehmer berichten, dass zu Beginn der Pandemie Personen mit Substanzproblemen in den Zentren vorstellig wurden, um sich beraten zu lassen oder Zugang zu einer Substitutionstherapie zu erhalten. Dies betraf auch ältere Personen, die sich durch „Doktor-Shopping“ mit Benzodiazepinen versorgten und im Lockdown dazu keine Möglichkeit mehr sahen. Einen weiteren Grund ortete Walcher in einem höheren Gesprächsbedarf der Suchtpatienten. Die Szene fiel als Treffpunkt weitgehend aus, daher gewann das Wartezimmer erheblich an Bedeutung - für den sozialen Austausch wie auch die Weitergabe von Substanzen. Allerdings bestanden hier offenbar erhebliche regionale Unterschiede. So berichtet Dr. Louise Penzenstadler, leitende Oberärztin an der Abteilung für Suchterkrankungen am Universitätsspital Genf, dass an ihrem Zentrum Angebote, niedrigschwellig eine opiatgestützte Therapie zu beginnen, kaum genützt wurden. Dies könne einerseits daran liegen, dass die Szene in Genf mehrheitlich bereits in Therapie ist – oder dass der Schwarzmarkt nie zum Erliegen kam.

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