Die europäische plastische Chirurgie zu Gast in Wien
Autor:
Priv.-Doz. Dr. Stefan Hacker
FEBOPRAS
Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie
Wien
E-Mail: office@dr-hacker.at
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Ende Mai 2026 wurde Wien zum Zentrum der europäischen plastischen Chirurgie. Das 36. Annual Meeting der European Association of Plastic Surgeons (EURAPS) und das 14. Meeting des EURAPS Research Council brachten führende plastische Chirurg:innen aus Europa und der ganzen Welt zusammen.
Die EURAPS nimmt innerhalb der internationalen plastischen Chirurgie eine besondere Stellung ein. Ihr Ziel ist es, wissenschaftliche Exzellenz, Innovation und internationalen Austausch über nationale Grenzen hinweg zu fördern. Durch die hohe Qualität der präsentierten Arbeiten etablierte sie sich als eine der führenden wissenschaftlichen Fachgesellschaften für plastische Chirurgie in Europa und genießt heute große internationale Anerkennung. So waren in Wien auch zahlreiche Mitglieder der renommierten Partnergesellschaft American Association of Plastic Surgeons (AAPS) vertreten.
Hochkarätiges Programm
Die lokalen Gastgeber Oskar Aszmann (links) und Stefan Hacker (Mitte) mit EURAPS-Generalsekretär Jan Jeroen Vranckx (rechts)
Das EURAPS Annual Meeting wird jedes Jahr in einer anderen europäischen Stadt ausgerichtet und war zuletzt 2003 in Wien zu Gast. Ein wesentliches Qualitätsmerkmal ist die strenge wissenschaftliche Selektion: Traditionell wird nur etwa jedes vierte eingereichte Abstract für das Annual Meeting angenommen. Das hochkarätige Programm bildet die gesamte Bandbreite der plastischen Chirurgie ab – von Mikrochirurgie, Brust- und Lymphchirurgie über Nervenrekonstruktion und Körperformung bis zur ästhetischen Brust- und Gesichtschirurgie.
Generalsekretär Jan Jeroen Vranckx und Präsidentin Åsa Edsander Nord konnten gemeinsam mit den Local Hosts Oskar Aszmann und Stefan Hacker auf einen erfolgreichen Kongress und ein abwechslungsreiches viertägiges Programm mit innovativen Beiträgen und intensiven fachlichen Diskussionen zurückblicken. Der EURAPS Best Paper Award ging an Arash Momeni von der Stanford University.
Auch das Rahmenprogramm stand ganz im Zeichen der wunderbaren Kongressstadt Wien. Einen besonderen Abschluss bildete das Farewell Dinner im eindrucksvollen Ambiente des Kunsthistorischen Museums.
Das wissenschaftliche Programm verdeutlichte die enorme Breite des Fachgebietes. Moderne Rekonstruktion wird heute nicht mehr allein daran gemessen, ob ein Defekt verschlossen oder fehlendes Gewebe ersetzt werden kann. Sensibilität, Funktion und Lebensqualität rücken zunehmend als Qualitätsparameter in den Vordergrund. Auch die ästhetische Chirurgie entwickelt sich in Richtung gewebeschonender und präziserer Verfahren. Innovative Techniken zielen darauf ab, natürliche anatomische Strukturen zu erhalten und das operative Trauma für Patient:innen zu reduzieren. Gleichzeitig stehen zellbasierte und regenerative Verfahren weiterhin im Fokus der Forschung. Neue biologische Ansätze werden zunehmend durch digitale Technologien und KI-gestützte Methoden ergänzt.
Im Zeichen der Forschung
Grundlagenwissenschaftliche und translationale Forschungsarbeiten standen beim EURAPS Research Council im Mittelpunkt. Es bietet jungen Wissen-schaftler:innen die Möglichkeit, ihre Ergebnisse einem internationalen Fachpublikum vorzustellen. Laurenz Pflaum von der MedUni Wien wurde für seine Arbeit zum Supercharged End-to-Side-Nerventransfer mit dem ERC Best Paper Award ausgezeichnet. Neu im Programm war die „Quick Shot Session“, in der Vortragende ihre Forschungsergebnisse in nur zwei Minuten präsentierten.
Als Keynote Speaker fungierten Adam Reid, Editor-in-Chief des Journal of Plastic, Reconstructive & Aesthetic Surgery (JPRAS), sowie Bong-Sung Kim, der über das Management der Brandkatastrophe von Crans-Montana berichtete. Annika Resch und Federico Facchin leiteten die Mentoring Session, in der Rafic Kuzbari Einblicke in seinen beruflichen und akademischen Werdegang gab.
Den Nachwuchs fördern
Preise und Stipendien sind ein wichtiges Instrument der Nachwuchsförderung von EURAPS. Mit den Young Plastic Surgeons Scholarships ermöglicht die Gesellschaft Aufenthalte an ausgewählten europäischen Zentren, während das EURAPS-/ AAPS-Fellowship den Besuch von Kliniken in den USA fördert. Herausragende wissenschaftliche Leistungen werden mit dem Hans Anderl Award gewürdigt. Er erinnert an Hans Anderl, österreichischer plastischer Chirurg und EURAPS-Gründungsmitglied.
EURAPS – wissenschaftliche Plattform
Das EURAPS Meeting 2026 in Wien unterstrich die Rolle der Gesellschaft als einer der führenden wissenschaftlichen Plattformen für plastische Chirurgie. In einem Fachgebiet, das sich technologisch und wissenschaftlich stetig weiterentwickelt, bleibt ihr zentraler Anspruch besonders relevant: Innovation muss wissenschaftlich überprüfbar sein und letztlich zu einer besseren Behandlung führen.
Quelle:
36. Annual Meeting der European Association of Plastic Surgeons (EURAPS) und 14. Meeting des EURAPS Research Council, 27.–30. Mai 2026 in Wien
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