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EFORT 2021

Präsentationen aus Österreich

Orthopädie & Traumatologie
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Mehr als 1400 Abstracts, rund 260 Speaker, über 110 Stunden Live-Streaming – das bot der diesjährige EFORT-Kongress. Eine kleine Auswahl aus den zahlreichen Free-Paper-Beiträgen österreichischer Referenten fasst dieser Bericht zusammen.

sRAGE-Spiegel nach Polytrauma

Die Höhe der Serumspiegel von sRAGE („soluble receptor of advanced glycation end products“) korreliert mit der Entwicklung von Lungenschäden während der Hospitalisation. Dr. Lukas Negrin aus Wien (Abstract #570) präsentierte die zeitliche Entwicklung der sRAGE-Spiegel innerhalb der ersten drei Wochen nach Polytrauma in Bezug auf die Entwicklung von ARDS und/oder Pneumonie und zeigte, dass der sRAGE-Spiegel nur unmittelbar nach dem Polytrauma am Tag 0 als diagnostischer Marker für die Heftigkeit der Auswirkungen auf den Brustkorb dienen kann. In der klinischen Praxis kann er somit ein zusätzliches Tool für die Diagnosestellung und Risikobewertung bieten und dadurch das Traumateam in ihrer Entscheidungsfindung bezüglich des Behandlungsschemas von Patienten nach Polytrauma unterstützen.

Vickers-Band bei Madelung-Deformität

Das Vickers-Band ist eine rigide Bandstruktur, die das Wachstum des distalen Radius hemmt, indem es als Blockade an der volar-ulnaren Seite der distalen Speichen-Metaphyse fungiert. Ein Vickers-Band findet sich nicht bei allen, aber beim Großteil der Patienten mit Madelung-Deformität. Diejenigen mit einer schweren Form und einem distalen radialen Notch sollten in der klinischen Praxis engmaschig kontrolliert werden, berichtete Priv.-Doz. Dr. Sebastian Farr aus Wien (Abstract #1836).

Mikrobiologie von periprothetischen Gelenkinfektionen

Die zweizeitige Revisionsarthroplastik ist nach wie vor die gängigste Methode zur Behandlung von periprothetischen Gelenkinfektionen („periprosthetic joint infection“, PJI) des Knies und der Hüfte. Dr. Bernhard Frank aus Wien (Abstract #267) zeigte, dass sich das mikrobiologische Spektrum und Resistenzprofil sowohl zwischen erstem und zweitem chirurgischem Eingriff als auch zwischen Zweiteingriff und anschließender kulturpositiver Revisionsoperation verändert, sodass die Wahl der antimikrobiellen Therapie dementsprechend angepasst werden soll – vor allem aufgrund der hohen Versagensraten von kulturpositiven Erst- und Zweitoperationen.

MRT zur Skoliose-Diagnosestellung

Das Outcome einer Korsetttherapie bei Skoliose ist von der zugrunde liegenden Ursache der Skoliose abhängig. Die idiopathische Skoliose wird unterschieden von intraspinalen und extraspinalen Pathologien, die als nichtidiopathische Skoliose zusammengefasst werden. Eine ausführliche Anamnese und eine MRT-Untersuchung sind für die Diagnose entscheidend. Die Verfügbarkeit eines MRT erhöht die Zahl der Diagnosen nichtidiopathischer Skoliosen, so Dr. Franz Landauer aus Salzburg (Abstract #1661), was folglich auch für die Indikationsstellung und Zielsetzung einer Korsettbehandlung wichtig ist.

Pedobarografie nach Rückfußarthrodesen

Die Arthrodese ist die häufigste Therapie von Rückfußfehlstellungen und Fußgelenksarthrosen. Die Mobilität jedes einzelnen Gelenks ist für die normale Funktion des Fußes ausschlaggebend. Dr. Martin Murauer (Abstract #115) präsentierte die Auswirkungen fünf verschiedener Arten von Arthrodesen auf die Funktionalität des Fußes, gemessen mit dynamischer Pedobarografie. Die möglichen Effekte auf die komplexe biomechanische Funktion des Fußes sollten vor der Fusion von Gelenken, vor allem unterhalb des Talus, in Betracht gezogen werden.

Pharmakokinetik topischer Vancomycin-Applikation

Postoperative Wundinfektionen stellen in der Wirbelsäulenchirurgie eine große Belastung dar. Als prophylaktische Maßnahme zur Risikoreduktion wird nun auch die intraoperative Wundapplikation von Vancomycin diskutiert. Nach der Anwendung von 1g Vancomycin-Pulver konnten postoperativ zwar sehr hohe Spiegel in der Drainageflüssigkeit festgestellt werden, die systsemische Konzentration war jedoch gering, so Dr. Lukas Panzenböck aus Wien (Abstract #846). Nach Entfernung der Drainage verblieben durchschnittlich 658mg Vancomycin-Pulver in der Wundhöhle. Vancomycin kann Kompartimente kaum verlassen, folglich ist unklar, wie lange das übrige Pulver „gefangen“ bleibt. Lokale sowie systemische Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet.

Das 2-2-2-20-20-Konzept zur Insertion von Schanz-Schrauben

In Notfallsituationen ist ein Fixateur externe die empfohlene Therapie zur chirurgischen Stabilisierung des Beckenrings. Der Vorteil ist seine einfache Handhabung und seine leichte Verfügbarkeit. Die Applikation supraacetabulärer Schanz-Schrauben erfolgt normalerweise unter Bildwandlerkontrolle. Dr. Angelika Schwarz aus Graz (Abstract #504)präsentierte ein Konzept, mit dem die Platzierung dieser Schrauben ohne Röntgenkontrolle erfolgen kann: 2cm Hautinzision 2cm distal und 2cm medial der Spina iliaca anterioir superior mit einem Bohrwinkel mit 20° inferiorer und 20° lateraler Orientierung.

Künstliche Intelligenz zur radiologischen Vermessung

Künstliche Intelligenz (KI) wurde wie in vielen anderen medizinischen Bereichen auch in der orthopädischen Röntgenuntersuchung bereits erfolgreich zur automatisierten Messung eingeführt. LAMA (IB Lab GmbH, Wien Österreich) ist die erste voll automatisierte KI-Software zur Beurteilung stehender Ganzbeinaufnahmen. Die Ergebnisse der Winkel- und Längenmessungen zeigten im Vergleich mit den traditionell gemessenen Werten zweier unabhängiger orthopädischer Chirurgen (mediCAD v6.0, Hectec GmbH, Deutschland), dass LAMA ein verlässliches Tool zur Vermessung von Ganzbein-Röntgenaufnahmen ist, berichtete Dr. Sebastian Simon aus Wien (Abstract #1065).

Prognostische Genauigkeit der AJCC-Klassifikation

Die 8. Ausgabe der AJCC-Klassifikation für Weichteilsarkome wurde 2017 veröffentlicht, um die Prognose von Patienten genauer stellen zu können. Bekannte prognostische Faktoren umfassen Tumorgröße, Metastasierung und Grading. Die 7. sowie die 8. Ausgabe liefern beide eine gute und vergleichbare Prognose für das allgemeine und das Fernmetastasen-freie Überleben. Die 8. Ausgabe hat den kleinen Vorteil, dass der Tumorgröße in der Klassifikation eine bedeutendere Rolle zukommt, wodurch die Stadien II/IIIA und IIA/B besser differenziert werden können, erläuterte Dr. Anna Maria Smolle aus Graz (Abstract #619).

Nutzen einer chirurgischen Therapie spinaler Metastasen

Bis zu 20% der Patienten mit spinalen Metastasen zeigen aufgrund von Rückenmarkskompression neurologische Symptome. In einer der größten Single-Center-Studien wurde das Outcome nach chirurgischer Therapie spinaler Metastasen analysiert, berichtete Dr. Bernhard Springer aus Wien (Abstract #2010). Die histologische Entität des Primärtumors sowie das Alter zum Zeitpunkt der Operation sind wichtige prognostische Faktoren für das allgemeine Überleben; der chirurgische Ansatz beeinflusst dieses nicht. Die verfügbaren prognostischen Scores sind in der Bestimmung des Kurzzeitüberlebens genauer. Patienten über 70 Jahre, die nicht gehen können, sterben durchschnittlich 5,44 Monate nach dem chirurgischen Eingriff.

Temperaturevaluation einer keramischen Knie-TEP

Vor der Operation einer degenerativen Wirbelsäulenerkrankung ist oft eine Diagnosestellung mittels MRT erforderlich. Das Magnetfeld kann jedoch zu Hitzeentwicklung und Bewegung eines Hüft- oder Knieimplantats führen. Die Temperaturentwicklung in einer keramischen Knie-Totalendoprothese wurde in vitro mit einem 1,5T-MRT untersucht und zeigte homogene und reproduzierbare Resultate. Die untersuchten keramischen Knieimplantate können, zumindest in vitro, ohne Erwärmung oder Bewegung in einem MRT verwendet werden, erläuterte Univ.-Prof. Dr. Klemens Trieb aus Salzburg (Abstract #2035).

Schnellere Aktivitätsaufnahme nach Bandaugmentationsnaht

Die Distorsion des Sprunggelenks gehört zu den häufigsten Sportverletzungen. 10% bis 20% der Patitenten entwickeln daraufhin eine chronische Sprunggelenksinstabilität (CLAI). Die Broström-Technik und ihre Modifikationen gelten als Goldstandard in der chirurgischen Therapie der CLAI. Dr. Ulrike Wittig aus Graz (Abstract #1138) präsentierte eine systematische Übersichtsarbeit, die das frühe funktionale postoperative Outcome von Patienten verglich, die entweder klassisch nach Broström oder mit einer Bandaugmentationsnaht versorgt wurden. Das klinische und radiologische Outcome ist in beiden Gruppen gleich. Ein großer Unterschied zeigt sich allerdings in der frühen funktionalen postoperativen Mobilisation. Patienten mit Bandaugmentationsnaht können rascher zur Vollbelastung des operierten Gelenks zurückkehren und bedürfen keiner oder einer kürzeren Gipsimmobilisation. Die Wiederaufnahme sportlicher Aktivitäten kann aufgrund höherer Gelenksstabilität und verminderter Bandelongation früher erfolgen.

Virtual EFORT Congress 2021 – VEChybrid, 30. Juni bis 2.Juli 2021

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