Atopische Dermatitis: aktuelle Daten zu Biologika und JAK-Inhibitoren
Bericht: Reno Barth
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Derzeit werden schwere Fälle der atopischen Dermatitis mit Biologika oder Janus-kinase(JAK)-Inhibitoren behandelt. Prof. Dr. Dagmar Simon, Bern, fasste in ihrem Vortrag aktuelle Daten vom AAD Annual Meeting 2026 zusammen, die die gute Wirksamkeit dieser Therapien und die damit erzielte Verbesserung der Lebensqualität bestätigen. Ein topischer JAK-Inhibitor könnte in naher Zukunft zugelassen werden.
Im Jahr 2025 wurde ein Update der EuroGuiDerm-Leitlinie zum Management der atopischen Dermatitis (AD) publiziert, da sich seit der Erstveröffentlichung der evidenz- und konsensusbasierten Guideline sowohl die Datenlage als auch die verfügbaren Zulassungen mehrfach verändert haben.1 Die Guideline sieht in Abhängigkeit vom Schweregrad der AD eine Eskalation der Therapie vor. Die Basistherapie beinhaltet die regelmäßige Anwendung von Emollienzien und Meidung von Triggerfaktoren, dann kommen mit zunehmender Schwere der Krankheit topische Steroide oder Calcineurin-Inhibitoren sowie zukünftig auch topische Januskinase(JAK)-Inhibitoren hinzu. Bei schwerer Erkrankung steht mittlerweile eine größere Auswahl an Systemtherapien zur Verfügung. Diese umfasst ältere, konventionelle Therapien wie Ciclosporin, Methotrexat und Azathioprin, die Biologika Dupilumab, Lebrikizumab, Tralokinumab und Nemolizumab sowie die JAK-Inhibitoren Abrocitinib, Baricitinib und Upadacitinib.
Biologika: optimale Therapieergebnisse bei fast der Hälfte der Patient:innen
Was mit diesen neuen Therapien erreichbar ist, erläuterte Prof. Dr. Dagmar Simon, Bern, am Beispiel des IL-13-Inhibitors Tralokinumab, mit dem unter Alltagsbedingungen bei einem hohen Anteil der Patient:innen sowohl objektive als auch subjektive („patient-reported“) Endpunkte erreicht wurden. Die im Rahmen des Jahresmeetings der American Academy of Dermatology (AAD) vorgestellte TRACE-Studie zeigte, dass innerhalb von 12 Monaten 73% der Patient:innen sowohl moderate ClinRO („clinician-reported outcomes“) als auch moderate PRO („patient-reported outcomes“) erreichten – optimale ClinRO und PRO erreichten 42% der Patient:innen (Abb.1), dazu zählten beispielsweise ein EASI-90-Ansprechen, IGA 0/1 (weitgehende oder vollständige Erscheinungsfreiheit) und Juckreiz von maximal einem Punkt auf der numerischen Ratingskala (NRS).2 Eine weitere Auswertung der TRACE-Studie bestätigte die gute Wirksamkeit von Tralokinumab bei der schwer zu behandelnden AD mit Hand- und Fußbeteiligung unter Real-World-Bedingungen. Nach 12 Monaten waren bei 57,4% der Patient:innen mit initialer Beteiligung von Händen und Füßen die entsprechenden AD-Zeichen verschwunden. Auch die PRO verbesserten sich in dieser Population. Insgesamt waren die erreichten Verbesserungen in dieser Subgruppe vergleichbar mit denen in der Gesamtpopulation der Studie.3
Abb. 1: Relevante Verbesserung der Krankheitsaktivität unter Tralokinumab (modifiziert nach Pink AE et al. 2026)2
Neue Daten wurden im Rahmen des AAD Annual Meeting 2026 auch zu Lebrikizumab, einem weiteren gegen IL-13 gerichteten Antikörper, präsentiert. In einer Subgruppenanalyse zweier randomisierter, kontrollierter Studien wurde der Frage nachgegangen, wie Lebrikizumab bei Patient:innen wirkte, die den primären Endpunkt der Studien (EASI-75-Ansprechen nach 16 Wochen) nicht erreicht und trotzdem die Behandlung fortgesetzt hatten. Die Auswertung zeigte in den folgenden Wochen unabhängig von der Lokalisation weitere Verbesserungen der Severity-Indices. Bereits zu Woche 24 waren Verbesserungen zu beobachten und zu Woche 52 betrugen die EASI-Verbesserungen vom Ausgangswert über 70% über alle Körperregionen hinweg (Kopf und Hals: 78,9%; Rumpf: 75,5%; obere Extremitäten: 73,7%; untere Extremitäten 77,4%).4 Simon: „Die Botschaft ist, dass man nicht zu früh die Therapie abbrechen oder wechseln soll, weil sich auch bei Patient:innen, die zu Beginn der Behandlung nicht gut ansprechen, mit etwas längerer Anwendung gute Ergebnisse einstellen können.“
Ebenso wurden neue Daten zu Nemolizumab, einem humanisierten monoklonalen Antikörper gegen den IL-31-Rezeptor, präsentiert. Sie zeigen, dass es auch bei Therapie mit Nemolizumab zu einem späten Ansprechen kommen kann. Patient:innen, die zu Woche 16 lediglich partielles oder minimales klinisches Ansprechen zeigen, haben gute Chancen, bei fortgesetzter Behandlung Ziele wie IGA 0/1 zu erreichen.5
JAK-Inhibitoren wirken rasch, erfordern jedoch Monitoring
Eine Analyse der mit dem JAK-Inhibitor Upadacitinib durchgeführten AD-VISE-Studie zeigte den deutlichen Effekt, den das Erreichen minimaler Krankheitsaktivität auf die Lebensqualität und andere PRO hat. Die Auswertung ergab, dass das Erreichen optimaler Therapieziele im Vergleich zu moderaten Therapiezielen mit deutlich erhöhten Chancen auf Verbesserungen von PRO verbunden war. So erreichten 72,3% der Patient:innen mit minimaler Krankheitsaktivität auch einen Dermatology Life Quality Index (DLQI) Score von 0 oder 1. Bei moderater Krankheitsaktivität wiesen lediglich 21,7% einen DLQI Score von 0 oder 1 auf. Die Auswertung zeigte zudem, dass nach sechs Monaten und unabhängig von Biologika-Vortherapien mehr als die Hälfte der Patient:innen ein EASI-90-Ansprechen im Kopf- und Halsbereich erreichte.6
Auf Basis der Daten von AD-VISE wurde die Wirksamkeit von Upadacitinib in verschiedenen Körperregionen in Abhängigkeit von Krankheitsschwere und Biologika-Vor-therapien untersucht. Das Ergebnis bestätigte die gute Wirksamkeit: Mehr als die Hälfte der Patient:innen erreichte nach sechs Monaten zumindest ein EASI-90-Ansprechen an allen Regionen des Körpers, unabhängig von der Schwere der Erkrankung bei Behandlungsbeginn sowie von Biologika-Vortherapien.7 Simon unterstrich, dass dies auch auf die schwierig zu behandelnde Kopf- und Halsregion zutraf.
Ein Review der Phase-III-Studien Measure Up 1, Measure Up 2 und AD Up liefert Langzeit-Sicherheitsdaten zu Upadacitinib in einer Population von Erwachsenen und Jugendlichen mit moderater bis schwerer AD. Die Exposition einzelner Proband:innen betrug bis zu sechs Jahre. In die Analyse flossen Daten von 2683 Patient:innen und mehr als 9000 Patient:innenjahren ein. Erwartungsgemäß wiesen die Daten auf eine relativ hohe Inzidenz von Herpes zoster und in geringerem Maß auch auf andere schwere Infektionen hin. Kardiovaskuläre und thromboembolische Ereignisse waren insbesondere bei älteren Patient:innen relativ häufig. Allerdings zeigen die Daten auch, dass unerwünschte Ereignisse in allen Altersgruppen unter 65 Jahren auf gleichem Niveau blieben, während es ab 65 zu einer Zunahme kam. Im Alter bis 49 Jahre traten überhaupt keine relevanten kardiovaskulären Events auf.8
Diese Daten zeigen, so Simon, dass man, den Empfehlungen der Leitlinien folgend, Patient:innen, die einen JAK-Inhibitor bekommen sollen, sorgfältig auswählen und monitieren müsse. Es sei auch wichtig, Patient:innen darüber aufzuklären, dass sie bei Anzeichen einer schweren Infektion medizinische Hilfe in Anspruch nehmen und unter Umständen das Medikament absetzen sollen.
Mehr als Kortikosteroide: neue topische Therapien in Sicht
Neue Entwicklungen zeichnen sich bei den topischen Therapien ab. Ruxolitinib ist ein selektiver JAK1- und -2-Inhibitor, der in systemischer Applikation in der Hämatologie eingesetzt wird. Für die Dermatologie wurde eine topische Formulierung entwickelt, die unter anderem in der Indikation AD untersucht wird. In der randomisierten, doppelblinden Phase-IIIb-Studie TRuE-AD4 zeigte sich topisches Ruxolitinib im Vergleich zu Placebo signifikant überlegen im Hinblick auf die beiden primären Endpunkte IGA-Score von 0 oder 1 mit einer Verbesserung von mindestens zwei Punkten gegenüber dem Ausgangswert sowie EASI-75-Ansprechen, beides zu Woche acht. Eine signifikante Verbesserung des Juckreizes wurde bereits am zweiten Behandlungstag registriert.
Eine im Rahmen des AAD Annual Meeting 2026 vorgestellte Analyse von TRuE-AD4 zeigte nun, dass die Behandlung mit Ruxolitinib auch zu signifikanten Verbesserungen der Lebensqualität führte. Ruxolitinib dürfte zudem das Potenzial haben, den Bedarf an systemischer Therapie hinauszuzögern.9 Aktuell besteht in Europa für topisches Ruxolitinib eine Zulassung bei nichtsegmentaler Vitiligo mit Beteiligung des Gesichts. Das Zulassungsverfahren in der Indikation AD läuft.
Beim chronischen Handekzem kommt der topische Pan-JAK-Inhibitor Delgocitinib zum Einsatz – Ergebnisse der Verlängerung der Phase-III-Studie DELTA 3 wurden beim AAD Annual Meeting vorgestellt. Die Auswertung ergab, dass die zu Woche 16 erreichten Verbesserungen bei fortgesetzter Behandlung über die gesamte Beobachtungszeit von einem Jahr erhalten blieben. Dies äußerte sich nicht zuletzt in Verbesserungen betreffend höhere Produktivität, verringerten Absentismus, gesteigerten Präsentismus und tägliche Aktivitäten.10
Quelle:
„Atopische Dermatitis, Urtikaria und Prurigo nodularis (inkl. Q&A)“, Vortrag von Prof. Dr. Dagmar Simon, Bern, beim 10. Post AAD Highlight Meeting 2026, 12. Mai 2026 in Zürich
Literatur:
1 Wollenberg A et al.: European Guideline (EuroGuiDerm) on atopic eczema: living update. J Eur Acad Dermatol Venereol 2025; 39(9): 1537-66 2 Pink AE et al.: Minimal disease activity with 12 months of tralokinumab treatment in adults with atopic dermatitis: real-world data from the prospective, non-interventional, international TRACE study. AAD Annual Meeting 2026, 27.–31.3.2026, Denver, USA 3 Armstrong AW et al.: Real-world effectiveness of 12 months tralokinumab in 495 adult atopic dermatitis patients with hand and feet involvement: final data from the prospective, non-interventional, international TRACE study. AAD Annual Meeting 2026, 27.–31.3.2026, Denver, USA 4 Schlesinger T et al.: Lebrikizumab clinical responses in eczema area and severity index clinical signs across body regions in patients with moderate-to-severe atopic dermatitis who required longer than 16 weeks to reach EASI 75 or IGA 0/1 in two randomized controlled cinical trials. AAD Annual Meeting 2026, 27.–31.3.2026, Denver, USA 5 Silverberg JI et al.: Continuous response with nemolizumab – efficacy and safety up to 104 weeks in patients with moderate-to-severe atopic dermatitis and partial or delayed skin response at week 16 – post-hoc analyses from the ARCADIA LTE trial. AAD Annual Meeting 2026, 27.–31.3.2026, Denver, USA 6 Gooderham M et al.: Real-world effectiveness of upadacitinib for atopic dermatitis across body regions by prior biologic exposure in the AD-VISE Study. AAD Annual Meeting 2026, 27.–31.3.2026, Denver, USA 7 Beecker T et al.: Achievement of minimal disease activity and moderate treatment targets and patient reported outcomes in the real-world AD-VISE study. AAD Annual Meeting 2026, 27.–31.3.2026, Denver, USA 8 Bunick CG et al.: Long-term 6-year safety of upadacitinib in moderate-to-severe atopic dermatitis across ages: results from three phase 3 studies. AAD Annual Meeting 2026, 27.–31.3.2026, Denver, USA 9 Wollenberg A et al.: Ruxolitinib cream improves patient-reported outcomes in adults with moderate atopic dermatitis (TRuE-AD4). AAD Annual Meeting 2026, 27.–31.3.2026, Denver, USA 10 Armstrong A et al.: Sustained health-related quality of life and work productivity improvements with delgocitinib 20 mg/g cream in chronic hand eczema – results from the phase 3 open-label extension DELTA 3 trial. AAD Annual Meeting 2026, 27.–31.3.2026, Denver, USA
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